Kloten nimmt zu Stadionverboten Stellung

Donnerstag, 15. Oktober 2009, 19:53 - Dennis Schellenberg

Krawalle in Kloten gleich am ersten Eishockeyabend der neuen Saison, verhaftete Genfer Fans in Freiburg und ein Spielabbruch wegen einer Rauchbombe in Zug. Ein kurzes Fazit nach wenigen gespielten Meisterschaftsrunden. Im Eishockey kommt es vermehrt zu Ausschreitungen nach Spielen. Hockeyfans.ch hat mit Roger Kuhn von den Kloten Flyers über die Problematik gesprochen.

Auch beim letztjährigen Vizemeister, den Kloten Flyers, ist man sich der angespannten Lage bewusst. "Die Fankultur hat sich stark verändert. Früher reichten wenige Sicherheitsleute aus", berichtet Roger Kuhn von der Geschäftsleitung der EHC Kloten Sport AG. Vor allem bei der Startpartie gegen die Rapperswil-Jona Lakers kam es zu wüsten Auseinandersetzungen beider Fangruppen. Es wurden mehr als zehn Stadionverbote ausgesprochen. Schon vor dem Spiel hatten die Rapperswiler Fans um den Bahnhof Kloten herum pyrotechnisches Material abgefeuert.

Am Donnerstag vor dem Zürcher Derby, welches am 3. Oktober ausgetragen wurde, nahmen die Kloten Flyers den Kontakt mit vier Personen der beiden Fanclubs Blue Eagles und Southside auf. In diesem Gespräch, bei dem auch Roger Kuhn dabei war, wurde von den Fanclubmitglieder ein Anliegenskatalog präsentiert. "Unter anderem wurde die Aufhebung gegen sämtliche Stadienverbote der Fanclubmitglieder gefordert. Ich habe ihnen mitgeteilt, dass ich die Anliegen respektiere und mein bestes geben werde, dass sie in Erfüllung gehen werden. Doch ich teilte ihnen auch mit, dass wenn es nach jedem Spiel Strassenschlachten gibt, sieht es der Verein nicht ein, dass wir den Fanclubs überall entgegen kommen sollten. Doch die Aufhebung der Stadienverbote kam für mich nicht infrage."

Was weiter Öl ins Feuer gegossen hat, war die Verpflichtung des langjährigen ZSC-Stürmers Michel Zeiter, der am Samstag, zwei Tage nach dem Gespräch zwischen Fans und Verein, ausgerechnet im Zürcher Derby sein Debüt gab. Die Fans wollten ihren Frust mit einem Anti-Zeiter Transparent deutlich machen, welches an den Sicherheitskontrollen vorbeigeschmuggelt wurde. Später konnte dieses aber vom Sicherheitspersonal konfisziert werden.

"Es ist richtig, dass wir Transparente, die gegen Personen gerichtet sind, wegnehmen. Die Eishockey-Fankultur darf ruhig ein wenig rau sein, aber die Fans müssen fair bleiben", sagt Kuhn.

Eine Aktion ihn besonders auf den Magen schlug, waren die vor dem Spiel gegen die Lions verteilten Flyer, bei denen die Fans all die Punkte auf dem Anliegenskatalog ins falsche Licht gerückt hatten. Dass die Fans sich zum Teil aber falsch verhalten haben, stand nirgends geschrieben. "Dass es zu Gewaltexzessen gekommen ist und dass der Verein den Fanclubmitglieder ins Gewissen redete, es darf zu keinen weiteren Scharmützel mit involvierten Klotener Fans geben, wurde nicht erwähnt. Dass im Anschluss zwei der vier Personen die am Gespräch teilgenommen haben, mit einem Stadionverbot belegt wurden, ist richtig. Über die genauen Gründe können wir nicht informieren, dies aus Persönlichkeits- und Datenschutz. Wichtig ist aber zu wissen, die beiden betreffenden Personen waren bereits vorgängig in der dezentralen Fachstelle für Hooliganismus eingetragen, also sicherlich keine Unschuldslämmer", erklärt Kuhn. "Es ist gut möglich, dass wir zukünftig ausgesperrte Fans als Re-Integration über Fanprojekte wieder aufgenommen werden könnten, dazu müssten die die sanktionierten Fans dem Verein helfen und wenn die Zusammenarbeit klappt führt es dazu, dass das Stadionverbot früher als geplant aufgehoben wird."

Nach diesen Vorkommnissen hat der Fanclub Unity Kloten 34 zu einem Fan-Boykott aufgerufen. Dass dadurch Verein und Fans als Verlierer dastehen, ist auch Kuhn bewusst: "Als Unterstützung im Stadion ist die aktive Szene gerne willkommen und auch wichtig, weil es eben diese ist, die die Choreos macht und für Stimmung sorgt. Aber wir können nicht alles über den Haufen werfen und den Personen die mit einem Stadionverbot belegt wurden, nicht zu bestrafen. Wenn wir die Kosten der Polizei eins zu eins übernehmen müssten, dann erwischt es mehr als nur einen Sportklub. Das können wir uns einfach nicht leisten."

Doch ob Stadienverbote eine gute Lösung gegen Gewalt im Sport ist, bestreiten viele. Nach Meinungen diverser Experten verlagert ein Stadionverbot lediglich die Gewalt von innerhalb des Stadion nach draussen. "Als 1. Massnahme finde ich es richtig. Danach müssen wir die bestraften Personen ins Fanprojekt integrieren. Man müsste die Bestraften länger auf dem Polizeiposten behalten. Wenn sie wenige Stunden nach der Straftat wieder auf freiem Fuss sind, geht für sie am nächsten Morgen das Leben weiter als wäre nichts geschehen. Sie leben in einer völligen Anonymität", so Kuhn.

Kloten ist also gewillt, das Problem mit gewaltbereiten Fans anzupacken. Doch der Weg ist steinig und lang, denn man kann es nicht beiden Parteien richtig machen, es wird immer jemand etwas finden, um herumzunörgeln. Kommt es weiterhin zu wüsten Szenen während Eishockeyspielen, überschattet dies den Sport und es muss die Frage gestellt werden, wie viel Schatten die Sonnenseite des Eishockeys ertragen kann?

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