Sierre und Martigny vor Zusammenschluss!

Samstag, 10. März 2012, 12:18 - Martin Merk

Von einem "HC Wallis" spricht man beinahe schon seit es Eishockey im Wallis gibt und ist diesem Etwas, das im Kanton zwischen Vision und Schnapsidee angesehen wird, bislang nie nähergekommen. Doch nun wollen der angeschlagene und führungslose B-Ligist HC Sierre und der aufstiegswillige HC Red Ice Martigny zusammenspannen und mit einem Fusionsteam unter einer neuen gemeinsamen Gesellschaft in der NLB spielen.

Im Foto der Zeitung "Le Matin" sind die drei Seiten schon mal gemeinsam abgelichtet. Gerold Cina (Sierre), Vincent Maret (Martigny) und in der Mitte Andrej Nascheskin, der russisch-stämmige Investor aus dem Kanton Freiburg, der seit drei Jahren den Club in Martigny alimentiert.

Langfristig möchte man irgendwo im frankophonen Wallis eine gemeinsame, moderne Eishalle bauen und dort spielen. Wo, ist noch offen, doch die Gemeinde Sierre tagt am Montag über den Bau einer 7000 Zuschauer fassenden Halle im Gebiet Ecossia im Westen der Stadt, symbolischerweise also Richtung Martigny schauend.

Kurzfristig möchte man zumindest ein Fusionsteam kreieren, das die Hälfte der Spiele in Sierre und die andere in Martigny austragen soll. Dieses würde unter einer neuen Aktiengesellschaft spielen mit fünf vom russischen Investoren bestimmten Verwaltungsräten, drei der HC Sierre SA und drei der HC Red Ice SA. Das Budget soll 2,6 Millionen Franken betragen.

Doch die Aktionäre der HC Sierre SA müssen am 20. März diesen Plänen zuerst noch zustimmen. Es dürfte zwei Alternativen von Ex-Präsidenten geben. Die Red-Ice-Fusionäre um die eigentlich erst kürzlich abgetretene Clubführung von Jean-Daniel Epiney sowie eine einheimische Gruppe um den noch früheren Sierre-Präsidenten und Ex-Lausanne-Geschäftsführer Silvio Caldelari werden um die Gunst der Aktionäre kämpfen. Es werden sich zwei Lager für und gegen den Zusammenschluss bilden. Doch laut Epiney habe er bereits eine Mehrheit der Aktionäre hinter sich für die Quasi-Fusion, die formell ein Joint Venture zwischen den beiden Clubs und Nascheskin wäre.

Ob die Fans eine Fusionsmannschaft mit dem Kantonsrivalen goutieren? Im Sierre-Forum auf hockeyfans.ch gehen die Wogen hoch. Es wird von Hochverrat gesprochen. Epiney gibt sich da ganz schlagkräftig. "Ob sie vom Graben (Sierre) oder vom Forum (Martigny) sind, jene Fans, die sich weigern dieses Team zu unterstützen, sind Chauvinisten, die nichts in einer Eishalle zu suchen haben", wurde er an der gestrigen Medienkonferenz von Le Matin zitiert. "Man muss mit diesem Lokalpatriotismus aufhören. Wir sind im Jahr 2012. Martigny ist nicht am Ende der Welt und Sierre nicht in einer Talsohle."

Es gibt aber durchaus konservative Stimmen, nicht nur in den Foren der zerstrittenen Fangruppen aus Sierre und Martigny. Die Oberwalliser Tageszeitung "Walliser Bote" brachte das strahlende walliserisch-russische Trio gleich auf der Frontseite ihres Blatts mit dem Titel "Russisches Roulette".

HC Sierre oder Red Ice Valais, wie der Club dann heissen soll? Sollten die Aktionäre des HC Sierre dem Joint Venture zustimmen, müssten die Nationalliga-Clubs anlässlich ihrer nächsten Versammlung grünes Licht geben, was dann aber eher als Formsache erscheint. Und so kommt der HC Wallis vielleicht doch noch, wenn auch eher als "HC Unterwallis", da nur die französisch-sprachige Hälfte des Kantons vertreten zu sein scheint. Denn der EHC Visp ist beim Projekt nicht involviert, womit Red Ice Valais am "Röstigraben" des Kantons enden würde.

Bevor es aber soweit ist, wird es am 20. März in Sierre zum lokalen Playoff der ehemaligen Sierre-Präsidenten kommen. Ein Playoff zwischen Traditionalisten und Fusionäre. Bis dahin fliesst noch viel Wasser die Rhône hinunter.

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