Lugano – Endlich ein Schritt vorwärts?

9.9.2023 - Von Maurizio Urech

Die letzte Saison der Bianconeri begann schon im Sommer schlecht, es gab bereits während der Vorbereitung Probleme zwischen Trainer McSorley und der Mannschaft, welche mit seinem Spielstil nicht einverstanden war. Das Resultat waren grottenschlechte Freundschaftsspiele und auch in der Meisterschaft waren die meisten Leistungen unterdurchschnittlich und die logische Konsequenz war die Entlassung von Chris McSorley und an seiner Stelle wurde der Coach der U20 Elit Luca Gianinazzi neuer Headcoach.

Er übernahm eine Mannschaft, die mental fragil war und entsprechend schwierig war sein erster Monat. Ende Oktober rutschte Lugano auf den 13. und zweitletzten Tabellenplatz ab. Doch im Laufe der nächsten Monate verbesserten sich die Leistungen der Bianconeri und man sah langsam die Hand des Trainers. Unterdessen hatten sich die Bianconeri vom Flop Oliwer Kaski getrennt und diesen durch Lukas Klok ersetzt, der die Hintermannschaft stabilisierte und Gianinazzi gab auch einem jungen Spieler wie Marco Zanetti viel Eiszeit welche dieser mit guten Leistungen belohnte.

Der schlechte Saisonstart erwies sich als (zu) grosse Hypothek und man musste bis zum letzten Spieltag um die Qualifikation für die Pre-Playoffs zittern, gegen den EHC Biel verspielte man eine 4:1 Führung, doch am Schluss rettete man mit Hängen und Würgen den nötigen Punkt.

In den Pre-Playoffs traf man auf Fribourg-Gottéron und war der klare Aussenseiter, doch die Mannschaft zeigte Charakter und man schaffte die Überraschung und schaltete Gottéron in zwei Spielen aus. In den Viertelfinals traf man auf den Qualifikationssieger Genf-Servette und Lugano war ein harter Brocken. Die Grenat setzten sich erst am Schluss dank der Klasse Ihrer Schlüsselspieler durch um sich dann zum historischen ersten Titel durchzuspielen.

Dank dem Schlussspurt sprang Ende Saison auch der Funke wieder von den Fans aufs Eis und man ging mit einem guten Gefühl in die Sommerpause, wo auf Sportchef Domenichelli viel Arbeit wartete.

Aufgrund der getätigten Transfers ist eine klare Strategie ersichtlich. Lugano wird in der neuen Saison eine jüngere, schnellere Mannschaft am Start haben.

Eigengewächs Elia Riva wechselt zum EVZ, wo er seine Karriere neu lancieren will. Lukas Klok erhielt eine attraktive Offerte aus der KHL. Auch im Sturm gab es viele Änderungen. Troy Josephs wechselte ebenfalls in die KHL, Brett Connolly zum Ligakonkurrenten SCRJ Lakers, Raphael Herburger kehrte nach Österreich zurück, Kris Bennett wechselte in die DEL zu Adler Mannheim.

Der Ersatz für Klok kommt aus Schweden, der Kanadier Joey LaLeggia, dazu holte man auch Jesper Peltonen vom EHC Kloten und Leandro Hausheer vom EVZ.

Im Angriff holte man jede Menge frisches, junges Blut. Eigengewächs Lorenzo Canonica kehrte zu seinem Stammklub zurück, dazu holte man mit Matthew Verboon und Cole Cormier zwei weitere Spieler an Bord welche den Konkurrenzkampf anheizen werden. Die neuen Ausländer sind Arttu Ruotsalainen vom EHC Kloten und der Kanadier Michael Joly, der aus Finnland zu den Bianconeri stiess. Dazu wurde Mark Arcobello als Kapitän von Calvin Thürkauf abgelöst.

Vor dem Saisonstart wollten wir vom Neo-Kapitän wissen was ihm sein Bauchgefühl vor dem Saisonstart sagt:

«Sicherlich positive Eindrücke, der Coach hat sein eigenes System es ist definitiv ein anderes als vorher unter McSorley. Ich glaube dieses passt zu unserer Mannschaft und mit der Mannschaft, die Domenichelli zusammengestellt hat, sah es in den Vorbereitungsspielen gut aus, ausser beim Auftakt gegen La Chaux-de-Fonds, danach konnten wir uns steigern.»

«Unser Ziel ist es definitiv gut in die Saison zu starten, wir wissen wie wichtig es ist, in den letzten zwei Jahren haben wir den Start verschlafen, aber ich glaube «giana» ist der richtige damit wir für den Start bereit sein werden.»

Von aussen hat man den Eindruck dass Ihr jünger und schneller seid und vor allem dass es einen gesunden Konkurrenzkampf gibt?

«Ich glaube dies ist positiv es braucht diesen Konkurrenzkampf in der Mannschaft, dies pusht uns alle im Training und auch während der Spiele, du willst natürlich nicht auf der Tribüne zuschauen müssen während deine Kollegen spielen. Dies wird uns sicher stärker machen und während der Saison einen positiven Einfluss auf die Leistungen haben.»

Sie sind von Coach Gianinazzi zum neuen Kapitän ernannt worden, eine Ehre oder eine zusätzliche Belastung?

«Es ist eine Ehre bei einer Mannschaft mit einer so grossen Vergangenheit Kapitän zu sein. Ich muss einfach meinem Spiel treu bleiben, wie ich es in den letzten zwei Jahren gemacht habe. Wichtig ist, dass ich ein Leader auf und neben dem Eis bin, ihnen den Weg zeige, damit alle anderen diesem folgen können. So kann ich der Mannschaft am meisten helfen. Im Prinzip ändert sich nicht viel ich muss mir selbst treu bleiben.»

Wie immer sind die Resultate der Vorbereitungsspiele mit Vorsicht zu geniessen, aber gegenüber der Vorsaison war es wie von der Nacht zum Tag. Nicht nur von den Resultaten her, sondern auch vom Spielerischen. Diese positiven Vorzeichen muss die Mannschaft von Luca Gianinazzi für den Meisterschaftsstart mitnehmen, ein positiver Start wäre Gold wert um nicht wieder das Feld von hinten aufrollen zu müssen.

Prognose: Falls die Bianconeri diesmal gut aus den Startlöchern kommen, wird Lugano bis am Schluss um die direkte Playoff-Qualifikation spielen. Anderenfalls dürfte es in einem breiten Mittelfeld wieder bis zum Schluss spannend bleiben.

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Captain Thürkauf


Lugano-Captain Calvin Thürkauf in einem Derbyspiel gegen Ambrìs Tobias Fohrler. Foto: JustPictures / Jari Pestelacci