Trotz bitterem Ende ein gutes Turnier

5.1.2023 - Von Pascal Zingg

Die Junioren-WM hat für die Schweizer U20-Nationalmannschaft mit einer Bruchlandung geendet. Dabei sollte man jedoch nicht ausser Acht lassen, dass das Team von Marco Bayer eine sehr gute Vorrunde gespielt hat. Über das ganze Turnier gesehen, darf man aus Schweizer Sicht deshalb vor allem positive Eindrücke mitnehmen.

Die deutliche 1:9-Niederlage im Viertelfinale gegen Tschechien war ein grosser Frust für die Schweizer U20-Nationalmannschaft. «Nach dem 1:3 im ersten Drittel wollten wir zurück zu unserem Spiel finden. Dabei hat uns das Gegentor im ersten Shift des zweiten Drittels das Genick gebrochen», analysierte Marco Bayer. Für den Coach war klar, dass sich nach diesem Treffer die Resignation bei seinen Spielern einschlich. «Wenn du nicht mehr voll an den Erfolg glaubst, schaltest du im Unterbewusstsein automatisch etwas zurück. Dies hat zu diesem hohen Resultat geführt», weiss der Trainer.

Obwohl die Schweizer bei der 1:9-Klatsche von den Tschechen phasenweisen vorgeführt wurden, darf man nicht vergessen, dass die jungen Schweizer in Moncton eine der besten Vorrunden überhaupt gespielt haben. Dies unterstreicht die Tatsache, dass die Schweiz seit der Aufstockung der Junioren-WM auf zehn Mannschaften erst einmal drei Siege in einer Vorrunde feiern konnte. Dies war 2019, als man die Vorrunde gar mit neun Punkten beendete.

Die gute Leistung der Schweizer ist auch deshalb hoch einzustufen, weil Marco Bayer an diesem Turnier nicht der beste Jahrgang zur Verfügung stand. So hatte man mit Lian Bichsel zwar einen echten High-End-Player dabei. Daneben waren jedoch keine Starspieler auszumachen. «Für uns war von Anfang an klar, dass wir uns übers Team definieren müssen», erklärt der Coach. Dass dieses Teamgebilde funktionierte, sah man bereits in der Vorbereitung, als man zwei von drei Spielen gewinnen konnte. Dass man zum Start des Turniers sogleich die Finnen schlagen konnte, war ebenfalls das Resultat einer äusserst solidarischen Teamleistung.

Neben einer geschlossenen Teamleistung zeigte das Team an diesem Turnier aber auch einiges an Nervenstärke. So konnte man das enorm wichtige Spiel gegen Lettland in Extremis gewinnen. Hierbei ist anzumerken, dass die späte Wende das Resultat einer guten Spielweise über 65 Minuten war. Eine konstant gute Spielweise erreichte man gegen die USA und die Slowakei nicht ganz. Trotzdem bewies man insbesondere im Spiel gegen die Slowaken Moral. So kam man im letzten Drittel von einem 1:3 zurück, um dieses Spiel im Penaltyschiessen doch noch zu gewinnen.

Dass man nach diesen drei Siegen die Vorrunde nur auf Platz vier beendete ist zwar enttäuschend, fairerweise muss man sich aber auch bewusst sein, dass die Leistung vom Montag gegen keinen Viertelfinalgegner gereicht hätte. «Will man in einem Viertelfinale bestehen, müssen alle Spieler über sich hinauswachsen und eine sehr gute Leistung zeigen», erkannte Marco Bayer richtig.

Da die jungen Schweizer diese Topleistung im Viertelfinale nicht zeigen konnten, wurde uns einmal mehr aufgezeigt, dass es auf der U20-Stufe durchaus noch Potential nach oben gäbe. Verbesserungspotential sollte man vor allem in den heimischen Juniorenligen suchen.

Schaut man auf die Aufstellung der Schweizer U20-Nationalmannschaft, so fällt auf, dass die Schlüsselspieler fast ausschliesslich im Ausland spielen. «Das hat seine Berechtigung, diese Spieler haben ihre Rolle in den ausländischen Mannschaften. Wir sind uns dessen bewusst und suchen intern nach Lösungen. Dabei sind wir auch mit den Clubs der National League in Kontakt», erklärt Marco Bayer.

Einmal mehr hat sich an dieser WM gezeigt, dass das Level der heimischen U20-Liga zu wenig gut ist, um auf dem Level der World Juniors mitzuspielen. Dies dürfte auch ein Grund sein, wieso die NL-Teams nicht mehr junge Spieler einsetzen. Diverse U23-Spieler bei den SCRJ Lakers oder der 18-jährige David Reinbacher in Kloten beweisen, dass es junge Spieler durchaus ins Kader eines NL-Teams schaffen können. Das Problem der jungen Spieler ist jedoch häufig beim grossen Niveau-Unterschied zwischen U20-Elit und National League zu suchen. Grundsätzlich müsste man die Junioren deshalb von Grund auf besser fördern. Dafür müsste man gerade auf der Junioren Stufe aber das Clubdenken bei Seite schaufeln und viel mehr zusammenarbeiten.

Eine weitere Auffälligkeit an dieser Junioren-WM, war die Tatsache, dass die Schweiz gleich zwei Torhüter einsetze, die in Nordamerika beschäftigt sind. Es zeigt sich, dass wir in der Vergangenheit vor allem dann erfolgreich waren, wenn die Torhüter zumindest Einsätze in der Swiss League hatten. Dies wird beispielsweise durch Luca Hollenstein unterstrichen, der die Schweiz 2019 letztmals ins Halbfinale hexte. Da die Erhöhung der Ausländerzahl dazu geführt hat, dass immer mehr Clubs auf ausländische Torhüter setzen, werden es die jungen Schweizer Goalies aber auch in Zukunft nicht einfach haben zu Eiszeit zu kommen.

Obwohl der Verband bemüht ist die Junioren-Förderung weiter zu verbessern, muss Marco Bayer auch im nächsten Jahr mit dem bestehenden Spielmaterial arbeiten. Dabei scheint es nicht unwichtig, dass der Trainer auch in diesem Jahr sechs Spieler mit Jahrgang 2004 im Team hatte. «Diese Spieler werden im nächsten Jahr eine Schlüsselrolle bekommen», erklärt Bayer. Dabei ist sich der Trainer bewusst, dass die Erfahrung für sein Team ein wichtiger Faktor ist, um an diesem Turnier zu bestehen. «Das ist das beste Junioren Turnier der Welt, da hilft es sehr, wenn die Spieler bereits ein Jahr Erfahrung mitbringen und nicht einfach in Ehrfurcht erstarren», erklärt Bayer.

Man darf also gespannt sein, ob die Rückkehrer in Göteborg dafür sorgen, dass die Schweizer U20 ähnlich gut abschneidet, wie an dieser WM in Moncton und Halifax. Da es auch beim 2004er Jahrgang keinen eigentlichen Star gibt, wird auch dann wieder das Team im Vordergrund stehen.

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Vincent Despont und der Torhüter Alessio Beglieri verteidigen gegen Tschechiens Gabriel Szturc. Foto: Andreas Robanser