Quo Vadis SC Bern?

27.9.2020 - Von Rolf Probst

Die weltweite Corona-Pandemie hatte letzten Frühling einen nicht erwarteten und abrupten Schlusstrich unter die Saison 2019/2020 gezogen. Nach einer sehr schlechten Qualifikation wurden dem SC Bern dadurch sogar die Playouts erspart, aber das Ganze hatte natürlich auch beim Branchen-Primus finanzielle Abstriche zur Folge. Da die Playoffs nicht gespielt werden konnten, ist der SC Bern immer noch amtierender Schweizer Meister. Nichts desto trotz wird es für die Berner wohl eine nicht ganz einfache Saison werden.

In der für alle ungewohnten und schweren Zeit überraschte der SC Bern mit der Nominierung von Florence Schelling als Sportchefin. Sie ist die erste weibliche Sportchefin in einem Profieishockeyunternehmen. In dieser Hinsicht sind die Berner der Konkurrenz schon mal einen Schritt voraus.

Die ersten grosse Herausforderungen für Florence Schelling waren einen Ersatz für Mark Arcobello sowie einen neuen Trainer zu finden. Den Topscorer und Führungsspieler der letzten Jahre zog es zum HC Lugano. Einen solchen Spieler zu ersetzen ist ein schwieriges Unterfangen, zumal man dieses Jahr auch nicht mit der grossen Geldkelle schwingen konnte. Mit Dustin Jeffrey konnte ein Topspieler vom Ligakonkurrenten Lausanne HC verpflichtet werden. Er kennt das Schweizer Eishockey bestens. Ob er die grosse Lücke, welche Mark Arcobello hinterlassen hat, schliessen kann, wird sich dann im Verlaufe der Qualifikation und aus Sicht des SC Bern hoffentlich auch in den Playoffs, noch zeigen.

Beim Trainer überraschte Florence Schelling mit dem eher unbekannten Kanadier Don Nachbaur. Bei zehn Abgängen gab es acht Neuzugänge sowie ein temporärer Zugang (Gaëtan Haas von den Edmonton Oilers) zu verzeichnen. Der Kader wurde im Schnitt um gut drei Jahre verjüngt (letzte Saison von 29.63 Jahre auf diese Saison 26.64 Jahre). Nehmen wir mal die einzelnen Mannschaftsteile des SC Bern unter die Lupe:

Goalies:
Im Laufe der letzten Saison stiess der Finne Tomi Karhunen zum SC Bern und war noch einer der Konstantesten im Team. Deshalb wurde sein Vertrag auch um eine weitere Saison verlängert. Er wird der Berner Defensive mehr Stabilität verleihen. Vom SC Langenthal kehrt Philip Wüthrich aus der Swiss League zu seinem Stammclub zurück. Er war die beiden letzten Saison ausgeliehen und konnte dort in 62 Spielen sein Potential zeigen und vor allem Spielpraxis sammeln. In Bern soll er nun behutsam zur neuen Nummer 1 aufgebaut werden. Auf der Goalie-Position wird der SC Bern ganz sicher besser besetzt sein als noch zu Beginn der letzten Saison.

Verteidigung:
Der unumstrittene Verteidigungsminister in Bern heisst Ramon Untersander. Er wird mit Sicherheit sehr viel Eiszeit erhalten, da er sowohl defensiv wie offensiv seine Qualitäten auf das Eis bringt. Zu seiner Seite stehen ihm die Routiniers Beat Gerber, Eric-Ray Blum und Calle Andersson. Vom EV Zug stiessen auf diese Saison neu Thomas Thiry und Miro Zryd zum SC Bern. Komplettiert wird die Verteidigung durch die Jungen Yanik Burren, Colin Gerber und Mika Henauer. Die Verteidigung muss sich gegenüber der letzten Saison deutlich steigern, damit wieder ein vorderer Rang avisiert werden kann.

Angriff:
Wie bereits erwähnt, wird der Abgang von Mark Arcobello schwer wiegen. In der letzten Saison war er mit 48 Punkten der beste Berner Scorer und die Nummer 2 der gesamten Liga. Dafür wurde der Lausanne-Topscorer Dustin Jeffrey (letzte Saison 35 Punkte, geholt. Vom Rögle BK kommt der Schwede Ted Brithén. In den letzten vier Saison machte er immer mindestens 30 Scorerpunkte pro Saison. Ergänzt wird der Angriff durch die Neuzugänge Jan Neuenschwander (EHC Biel), Thierry Bader (HC Davos), Kyen Sopa (Schweizer Nachwuchsspieler aus der kanadischen Juniorenliga OHL von den Erie Otters), Simon Sterchi (SC Langenthal) sowie bis zum 15. November 2020 Gaëtan Haas (Edmonton Oilers – kehrt danach wieder nach Edmonton zurück). Wie gross die Durchschlagskraft des Berner Angriffs noch ist, wird sich weisen. Da ist es sicher für den SC Bern von Vorteil, dass er zum Saisonstart auf die Dienste des NHL-Spielers Gaëtan Haas zählen kann.

Trainer:
Don Nachbaur, Don wer? Das haben sich sicher viele gefragt, als der Name des neuen Trainers publik gemacht wurde. Er ist hierzulande ein unbeschriebenes Blatt. Die meiste Zeit seiner Trainerlaufbahn coachte er als Head-Coach in der WHL und zwischendurch auch in der AHL. In den Saisons 2017/18 und 2018/19 war er als Assistenzcoach der Los Angeles Kings tätig und in der letzten Saison als Headcoach in der Slowakei bei HKm Zloven. Wir sind gespannt, ob der Kanadier den erfolgsverwöhnten SC Bern wieder in die Spur bringen kann. Wie heisst es so schön: «Stille Wasser gründen tief.» Vielleicht ist es ja ein Vorteil, dass Don Nachbaur etwas unterschätzt wird.

Wir schätzen, dass der «neue» SC Bern die Qualifikation ungefähr auf Rang 6 abschliessen wird und die Playoffs erreicht.

hockeyfans.ch-Ranglistentipp
1.
2.
3. HC Davos
4. Genf-Servette
5. Lausanne HC
6. SC Bern
7. HC Lugano
8.
9.
10. HC Ambrì-Piotta
11. SCL Tigers
12. SC Rapperswil-Jona Lakers
 

 

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Rückkehrer Haas


Die (temporäre) Rückkehr von Gaëtan Haas soll nach vorne neuen Schwung bringen. Foto: Andy Büttiker