Schweiz Inline-Hockey-Weltmeister!

Samstag, 26. Juni 1999, 00:00 - -

Die 5. FIRS-Inline-Weltmeisterschaft hat mit einer Überraschung geendet. Die Schweizer Nationalmannschaft schlug in Thun vor 4000 begeisterten Zuschauern im Final die USA völlig unerwartet 4:3 und entthronte damit die Amerikaner als Weltmeister. Bronze ging wie schon im Vorjahr an Tschechien, das im Spiel um Platz 3 Österreich mit 10:4 bezwang.
Viermal hat die Fédération internationale de Roller Skating FIRS bisher eine Weltmeisterschaft durchgeführt. Viermal hatten sich die amerikanischen Profis überlegen den Titel geholt. Diese eindrückliche Serie hat im Berner Oberland nun ein Ende gefunden. Die Schweizer brachten den favorisierten Gästen dank unermüdlichem Einsatz und Kampfgeist die einzige und entscheidende Niederlage des Turniers bei. Alexander von Arb erzielte den Siegestreffer 146 Sekunden vor Schluss, nachdem die Amerikaner eine Minute zuvor noch zum zwischenzeitlichen 3:3 ausgeglichen hatten. Von Arb, der einzige Spieler im Team von Trainer Manfred Rhyn, der im Winter nicht in einer Eishockey-Equipe spielt, hatte beim entscheidenden Tor von einem Fehlpass eines US-Verteidigers profitiert.
"An jedem Tag, an dem ich ein Team trainiere, will ich gewinnen. Das ist uns nicht gelungen, deshalb bin ich und auch die Spieler sehr enttäuscht", meinte Dave Fromm. Der US-Coach fügte an, dass er überrascht gewesen sei, wie diszipliniert und konsequent die Schweizer seine Spieler gedeckt hätten. Sein Kontrahent Manfred Rhyn fand noch einen weiteren Grund, der den Erfolg ermöglicht hat: "Wir haben seit Turnierbeginn einen hohen Rhythmus angeschlagen und diesen auch durchgezogen. Dafür gebührt der Mannschaft ein grosses Kompliment."
Zu Beginn der Partie deutete jedoch noch wenig auf einen Schweizer Sieg hin. Hendrikson brachte die USA bereits in der 2. Minute in Führung. Die Antwort der Schweizer erfolgte indessen nur 45 Sekunden später: Rolf Schrepfer traf zum Ausgleich. Der ZSC-Spieler und Captain des Inline-Nationalteams gehörte mit seiner Schnelligkeit und Übersicht zu den Besten des ganzen Turniers.
Die Amerikaner vermochten in der Folge nicht zu reagieren. Die Schweizer agierten in der Defensive souverän und liessen den Amerikanern im Spielaufbau nur sehr wenig Raum. So versuchten es die Schützlinge von Fromm immer mehr mit Distanzschüssen. Dadurch war Langnau-Goalie Martin Gerber jedoch nicht zu beunruhigen. Erst eine Überzahlsituation brachte die 2:1-Führung der USA.
Nach der Pause vermochte das erfolgreichste Angriffsduo der Schweizer die Partie aber zu wenden. Erst traf Walter Gerber (Ajoie) selbst (26.), danach bediente er seinen Sturmpartner Andy Keller (Visp) mustergültig (29.). "Das Kollektiv hat gewonnen, nicht einzelne Spieler", hielt Keller nach dem Spiel fest. "Wir waren stolz, das Schweizer Nationaldress tragen zu dürfen. Deshalb löst diese Goldmedaille auch ein fantastisches Gefühl aus. Ich hoffe, wir haben mit dem WM-Titel dem Inline-Hockey in der Schweiz zu einem Boom verholfen."

Schweiz-USA 4:3 (1:2)
Grabengut, Thun. - 4000 Zuschauer. - SR Gardner/Patton (Ka/USA). - Tore: 2. Hendikson 0:1. 3. Rolf Schrepfer 1:1. 15. C.J. Yoder 1:2. 26. Walter Gerber 2:2. 29. Keller 3:2. 37. Ciolli 3:3. 38. Von Arb 4:3. - Strafen: Je 4mal 2 Minuten.
Schweiz: Martin Gerber; Peter, Litscher; Keller, Walter Gerber; Rutschi, Rolf Schrepfer; von Arb, Urs Schrepfer; Wirz, Ryser; With, Burkhardt; Badertscher, Tschiemer.

Schlussrangliste: 1. Schweiz, 2. USA, 3. Tschechien, 4. Österreich, 5. Frankreich, 6. Deutschland, 7. Brasilien, 8. Argentinien, 9. Spanien, 10. Mexiko, 11. Australien, 12. Belgien, 13. Ecuador.