Spieler kritisch gegenüber Ausländer-Erhöhung
In einer Umfrage äussert sich eine grosse Mehrheit von 300 befragten Spielern kritisch gegenüber der geplanten Ausländer-Erhöhung, zeigt sich aber anderen Ideen der Reform freundlicher gesinnt.
Die Swiss Ice Hockey Players’ Union (SIHPU) hat rund 300 aktive Spieler der National League sowie Schweizer in der NHL zu den aktuellen Reformplänen der National League befragt wovon 80 Prozent mitmachten – und diese stehen vor allem zum umstrittenen Thema der Ausländer-Erhöhung dem Anliegen kritisch gegenüber.
Zur Erinnerung: Die National League spaltet sich in eine eigenständige Aktiengesellschaft ab und wird auf die Saison 2022/23 hin selbstbestimmt handeln. Anstatt vier Ausländer pro Club und Spiel sollen je nach Quelle acht bis zehn eingesetzt werden dürfen, dafür würden aber alle Spieler ohne Schweizer Pass, also auch «Lizenz-Schweizer», als Ausländer gelten.
94 Prozent der NL-Spieler sind gegen eine Änderung der aktuellen Ausländerregelung. 95 Prozent glauben, dass eine Erhöhung die Entwicklung des Schweizer Eishockeys langfristig verschlechtern würde und 89 Prozent sind überzeugt, dass sie die Lohnkosten nicht senken würde. 86 Prozent glauben, dass die Erhöhung die Motivation der Schweizer Nachwuchsspieler verschlechtern würde und 82 Prozent glauben, dass sich das Niveau der Liga dadurch nicht verbessern würde. Als ideale Zahl an Ausländern sieht eine Mehrheit von 70 Prozent der Spieler die aktuelle Zahl von vier. 77 Prozent stehen hinter dem Status «Lizenz-Schweizer» und sind gegen dessen Abschaffung.
Die Gründe gibt die SIHPU wie folgt an: Der Nachwuchs bildet die Basis einer erfolgreichen Eishockeynation. Doch ohne Spielpraxis für heimische Spieler in der obersten Liga wird diese Basis geschwächt, was mittel- bis langfristig einen negativen Einfluss auf die Qualität haben wird. Auch die propagierten Kosteneinsparungen bei den Löhnen sei aufgrund der Nettolohnpolitik bei ausländischen Spielern (d.h. die Clubs zahlen in der Regel für die Spieler zusätzlich Steuern, Arbeitnehmerbeiträge, Wohnung, Auto) mit Vorsicht zu geniessen.
Weniger negativ stehen die Spieler zum Thema Financial Fairplay beziehungsweise einer Art «Salary Cap». 63 Prozent der Spieler halten dies für eine Möglichkeit der Senkung von Lohnkosten.
Zudem sind 70 Prozent der NL-Spieler gegen eine Abschaffung des sportlichen Auf- und Abstiegs. Offener sind sie einer Aufstockung der Anzahl Mannschaften gegenüber: 63 Prozent glauben, dass die Liga auf bis zu 14 Teams erweitert werden könnte.
«Da die Reform einschneidende Konsequenzen hätte, sahen wir uns in der Pflicht, in der aktuellen öffentlichen Diskussion auch den direkt Betroffenen eine Stimme zu geben», sagt der SIHPU-Präsident und frühere NHL-Torhüter Jonas Hiller, der befürchtet, dass die NL langfristig ein grosses Risiko eingeht bei einer derartigen Ausländererhöhung. «Viele Mitglieder der Spielervereinigung haben es dank einer nachhaltigen Juniorenförderung zum Profispieler gebracht und wissen, wovon sie sprechen. Die SIHPU wünscht sich daher zumindest eine aktive Einbindung in den Entscheidungsprozess.»
Kritisch äussern sich in der Kampagne der Spielervereinigung auch Schweizer in der NHL. Dies ist besonders pikant beim Nashville-Star und NHL-Verteidiger des Jahres Roman Josi, denn dieser ist im Verwaltungsrat des SC Bern, der bei den Reformen federführend und bei früheren Abstimmungen zur Ausländererhöhung gescheitert ist.
«Von mir aus gesehen ist das gar keine gute Idee mit der neuen Ausländerregelung. Ich glaube, dass es für das Schweizer Eishockey extrem wichtig ist, dass wir unsere jungen Spieler fördern. Wir haben es gesehen in der Nationalmannschaft in den letzten Jahren. Die Breite, die wir im Kader hatten, hat sicher sehr viel mit Jugendförderung zu tun und so konnten wir grosse Erfolge feiern. Wenn im Team zehn Ausländer sind, wird es für die Schweizer Spieler schwierig sich einen Platz erkämpfen zu können und eine grössere Rolle einnehmen zu können, Powerplay und Boxplay und fünf gegen fünf spielen zu können. Für die Förderung ist das sicher nicht optimal. Wir brauchen junge Spieler, die früh eine Chance erhalten in der NL und sich gut entwickeln können», sagt Josi, der möglicherweise heute nicht dort stehen würde, wo er heute steht ohne die Förderung in jungen Jahren, die er damals beim SCB erhalten hatte.
«Für mich war es optimal, dass ich schon mit 16 in der ersten Mannschaft spielen konnte und bald viel Eiszeit erhielt. Wenn wir zehn Ausländer im Team gehabt hätten, wäre das nicht möglich gewesen und dann hätte ich mich auch nicht so schnell entwickeln können. Wenn du gegen ältere Spieler spielen kannst im jungen Alter, ist das für die Entwicklung ideal.»
Neben den Spielern und Fans – in einer hockeyfans.ch-Umfrage waren 94 Prozent der Fans gegen die Erhöhung – werben vor allem die ZSC Lions gegen die geplante Erhöhung und hoffen, dass die vermeintliche Mehrheit für acht oder gar zehn Ausländer fallen wird. Eine definitive Entscheidung zum Thema innerhalb der Liga steht noch aus.
Die Befürworter erhoffen sich durch eine Erhöhung eine Entspannung der Lohnspirale bei Schweizer Spielern, welche die Clubs durch überbordende Angebote mitverursachen, aber auch ein Resultat von hoher Nachfrage und knappem Angebot an Spitzenspielern ist. Die Konkurrenz soll den Spielermarkt beleben und die Löhne der Schweizer Spieler dem internationalen Markt angleichen, wenn mehr Schweizer Spieler durch günstige Ausländer ersetzt werden könnten. Dass diese Rechnung aufgeht und die Budgets wirklich entlastet werden, ist aber umstritten, zumal die NL-Clubs nicht dafür bekannt sind, «Billig-Ausländer» zu holen und in den letzten Jahren bei den Schweizer Spielern vermehrt auf erfahrene Spieler statt auf (günstige) Nachwuchskräfte gesetzt haben.
