Auch Herisau zieht sich zurück!

Mittwoch, 24. Februar 1999, 00:00 - -

Neun Tage nach Martigny zieht sich nun auch Herisau aus der Eishockey-NLB zurück und steigt freiwillig in die 1. Liga ab. Die Appenzeller erlitten bei einer Schuldenlast von über 1,5 Millionen Franken den finanziellen Kollaps. Als Konsequenzen davon wird das Playout eingestellt; Thurgau und Servette bleiben demnach in der NLB.
Der SC Herisau erklärt den Konkurs und löst sich auf. Vorgesehen ist nun die Gründung eines Vereins namens EHC Herisau. Anschliessend ist eine Aktiengesellschaft geplant, dessen Existenz die Fortführung des Klubs auf Amateurebene garantieren soll. Die Nationalliga wird dem Begehren der Herisauer, die nächste Saison in der 1. Liga (Gruppe Ost) zu bestreiten, höchst wahrscheinlich entsprechen.
Gemäss Peter Müllhaupt, dem Rechtsberater der Nationalliga, wird der Zentralvorstand darüber befinden, ob den Appenzellern - nachdem diese mit dem Konkurs ja faktisch aus dem Verband ausgeschieden sind - der Wiedereintritt gewährt wird. Würde es sich um einen Neueintritt handeln, müssten die Herisauer gemäss Verbandsstatuten in der 4. Liga beginnen. Weil bei den Ostschweizern aber gute Nachwuchsarbeit geleistet wird (die Junioren spielen in der Elite B), liegt es kaum im Interesse des Verbandes, den Neubeginn der Herisauer in die unterste Liga zu verlegen.
Eigentliche Profiteure der Finanzmisere beim SCH sind die weiteren Playout-Teilnehmer Thurgau und Servette-Genf, zumal sie sich in Genf vor einigen Wochen wohl kaum Chancen auf den Ligaerhalt ausgerechnet hatten. Ob das ebenfalls mit grossen finanziellen Problemen kämpfende Thurgau nicht auch noch vom gleichen Schicksal ereilt wird, sei einmal dahingestellt. Die Kosten für die weiteren Abstiegsrundenpartien können sich die beiden Teams jedenfalls sparen.
Ganz freiwillig kam der Rückzug von Herisau natürlich nicht. Der Verband stellte dem Verein ein Ultimatum, bis heute Donnerstag eine Bankbürgschaft über eine Million Franken zu hinterlegen. Herisaus erst seit Januar im Amt stehende Führungscrew um Präsident Michael Seidl erachtete diese Forderung in Anbetracht der konfusen Situation als unerfüllbar. Eine Sanierung erschien den Verantwortlichen nicht mehr möglich. Stattdessen werden Seidl, Finanzchef Reto Tarnutzer und TK-Chef Maurice Edelmann per 26. Februar zurücktreten, zahlreiche Gläubiger müssen wohl den Verzicht ihrer Gelder hinnehmen.
Der frühere Präsident Thomas Müller, gegen Ende dessen Präsidentschaftszeit sich offenbar ein beträchtlicher Teil der Schulden angehäuft hat, mochte den Rückzug nicht kommentieren. Er will sich erst am Freitag in einer separaten Medienkonferenz dazu öffentlich äussern. Der Schluss liegt nahe, dass Herisau in der glücklosen NLA-Saison 1997/98 finanziell völlig fehlkalkuliert hat. Als Folge dieser Misswirtschaft muss es nun erstmals nach 13 Jahren wieder in die 1. Liga absteigen.