SC Herisau: Chaos ohne Ende

Donnerstag, 22. März 2001, 00:00 - -

Wann wird endlich entschieden, in welcher Liga der Eishockey-NLB-VereinHerisau künftig spielen wird? Selbst die Nationalliga kann dies nicht schlüssig beantworten.
Das Durcheinander um die Zukunft des SC Herisau ist zu einem leidigen Thema geworden. Richtig den Durchblick hat niemand mehr. Deshalb die unendliche Geschichte noch einmal von vorn. Mitte Februar 2001 plante Verwaltungsrats-Präsident Rudolf A. Frehner für eine 2.-Liga-Zukunft. Frehner und der Rest des Verwaltungsrates treten im kommenden Monat zurück. Nachfolger und Geld für eine weitere NLB-Saison fehlen. Deshalb die 2.-Liga-Pläne. Plötzlich meldete sich mit dem Oberbürer Willi Weibel eine Person, die angeblich einen unbekannten Geldgeber in den Klub investieren lassen und den Verein dadurch in der NLB halten will. Auf Druck einer Mehrheit der Aktionäre hielt Rudolf A. Frehner dem SC Herisau darauf die Option NLB bei der Nationalliga offen. Diese gewährte den Appenzellern zusätzlich Zeit, sich über die Zukunft eingehende Gedanken zu machen. Damit begann ein endloses Hin und Her. Kommt der Investor? Oder doch nicht? Die Antwort steht weiterhin aus.
In den vergangenen Tagen ist dies zu einer verbalen Schlammschlacht zwischen Rudolf A. Frehner und Willi Weibel ausgeartet. Aber nicht nur, weil sich die beiden gegenseitig Vorwürfe machen. Sondern vor allem auch, weil es die Eishockey-Nationalliga und die Mehrheit der Aktionäre der SC Herisau AG bis heute verpasst haben, zur Zukunft des Vereins klar Stellung zu beziehen. Sie tragen viel zum rufschädigenden Durcheinander bei, weil sie den Konflikt mit einem unwiderruflichen Entscheid nicht beenden. Immer wieder hat die Nationalliga dem SC Herisau eine neue letzte Frist gewährt, ohne das eine davon wirklich einmal die letzte gewesen wäre. Die anderen NLB-Klubs mussten am 15. Februar das Dossier für die Wirtschaftlichkeitsprüfung einreichen. Der SC Herisau bis heute nicht. Wann genau nun im Fall Herisau entschieden wird, konnte die Nationalliga gestern auf schriftliche Anfrage noch immer nicht sagen. Währenddessen hat die federführende Mehrheit der Aktionäre der SC Herisau AG nie richtig geprüft, ob Weibels Projekt überhaupt seriös ist. Obwohl seit einigen Tagen Zweifel an dessen Seriosität bestehen, hat beim Aktionariat keine Einkehr auf sichere 1.- oder 2.-Liga-Bahnen stattgefunden. Eine Mehrheit der Aktionäre der SC Herisau AG überlässt den Klub einem Risiko, das kaum einer von ihnen privatgeschäftlich je eingehen würde. Schon der Entscheid des vergangenen Jahres, in die NLB zurückzukehren, war unverantwortlich, weil die Voraussetzungen im Team und Umfeld zu schlecht waren. Auf den ersten Blick mag das eine interne Angelegenheit sein. Auf den zweiten nicht. Aus dem Konkurs Herisaus von 1999 hat zum Beispiel die AHV bis heute unbefriedigte Forderungen. Und dafür zahlt am Ende die Öffentlichkeit.
Im Appenzellerland fehlen momentan die NLB-Grundlagen. Die Zeiten, als beispielsweise zu einem NLB-Spiel zwischen Herisau und Olten an einem Dienstag 2000 Leute kamen, sind längst vorbei. Sie waren es schon Mitte der 90er-Jahre. Selbst in der Saison 1996/97, als Herisau spektakulär in die NLA aufstieg, waren die Zuschauerzahlen in der Qualifikation deutlich tiefer als zehn Jahre davor. NLB-Eishockey lässt sich in Herisau schon lange nicht mehr so gut verkaufen wie in den 80er-Jahren. Egal, ob das Team erfolgreich spielt oder nicht. Die Zuschauerzahlen sind ein deutliches Indiz dafür. Wer anderes behauptet, verkennt die Tatsachen. Der SC Herisau könnte ein gesunder und erfolgreicher 1.-Liga-Verein sein. Krampfhafte NLB-Nostalgie hält sich bis heute stärker als die Vernunft. In der Saison nach dem Konkurs vom Frühling 1999 und dem Abstieg aus der NLB fing sich der Verein in der 1. Liga erstaunlich schnell und erfolgreich auf. Statt diesen Weg weiterzugehen beschloss die Mehrheit der Aktionäre im vergangenen April, in die NLB zurückzukehren.
Bereits mit dem Konkurs 1999 hat das Image des Klubs stark gelitten. Die vergangene Saison mit sportlichem Misserfolg und internen Wirren beschädigte den ramponierten Ruf weiter. Und die vergangenen Wochen lösten in der Öffentlichkeit Ärgernis bis Belus- tigung aus. Verärgert sind viele der bislang erstaunlich treuen Anhänger. Wer will es ihnen verübeln? Übrigens läuft heute angeblich wieder einmal eine Frist ab. Die Zukunft des SC Herisau wird wohl trotzdem offen bleiben.
Quelle: St. Galler Tagblatt