Swiss League: Schaffen es Lakers im 3. Anlauf?

13.9.2017 - Von Pascal Zingg

Wenn heute die Meisterschaft in der Swiss League (ehemals NLB) mit dem Derby zwischen dem EHC Olten und dem SC Langenthal startet, werden die Fans gleich zu Beginn einen Leckerbissen zu sehen kriegen. Es ist davon auszugehen, dass sich die beiden Teams zusammen mit den SCRJ Lakers einen erbitterten Fight um die Meisterschaft liefern werden.

Nach zwei verlorenen Finalserien ist das Ziel der Lakers klar, sie wollen den Titel. Mehr noch, die Rosenstädter streben nach drei Jahren den Wiederaufstieg an. Mit einer Budgeterhöhung von einer Million wurde die Mannschaft dabei gezielt verstärkt. Bereits im Januar erkannten die Verantwortlichen, dass es ein Fehler war, Melvin Nyffeler ziehen zu lassen. Erst durch die abermalige Verpflichtung des Torhüters wurden die Lakers in der letzten Saison zum Titelaspiranten. Dank der Zuzüge von Sven Berger, Thomas Büsser, Jorden Gähler, Frédéric Iglesias und Florian Schmuckli verfügen die Rapperswiler in dieser Saison neben dem besten Torhüter auch über die beste Verteidigung der Liga. In der Offensive konnte mit Sven Lindemann ein echter Routinier engagiert werden. Der 39-jährige bestritt bisher über 1000 Spiele in der Nationalliga. Zudem führte er 2015 die SCL Tigers zum Aufstieg. Neben Lindemann stiessen auch Fabian Brem, Jan Mosimann, Rubio Schir und Josh Primeau zu den Lakers. Vor allem Letzterer soll den Rapperswilern die Härte verleihen, die ihnen in der Vergangenheit fehlte. Es scheint als wollten die Rosenstädter die Last des Toreschiessens auf verschiedene Schultern verteilen. So etwas wie eine Tormaschine scheint bei den Lakers nämlich zu fehlen. Zwar wird Dion Knelsen auch in dieser Saison wieder den Topscorerhelm tragen, doch zeigte der SC Langenthal in den letzten Playoffs eindrücklich, wie man den „Hockeyzwerg“ neutralisieren kann. Wunder sind derweil auch nicht von Jared Aulin zu erwarten. Der zweite Kanadier im Team konnte seine Punktequote in der letzten Saison zwar steigern, zum Ligatopscorer wird aber auch er nicht werden. Da die Lakers jedoch Aufstiegsambitionen hegen, werden sie früher oder später einen dritten Ausländer engagieren. Es ist daher möglich, dass die Rapperswiler noch einen Transfercoup landen.

Zum grössten Herausforderer der Lakers könnte in diesem Jahr der EHC Olten werden. Nach einer völlig verkorksten letzten Saison hat der Verein seine Hausaufgaben gemacht. Nicht nur Köbi Kölliker musste gehen, auch beim Team wurde ausgemistet, so kann man in Olten dieser Tage nicht weniger als 15 neue Spieler bestaunen. Bereits in der letzten Saison wurde Bengt-Ake Gustafsson an der Bande installiert. Der Schwede hatte allerdings zu wenig Zeit um den EHCO zum Spitzenteam zu formieren. Auf der Spielerseite konnte mit Simon Rytz ein guter Torhüter verpflichtet werden. Er ersetzt Dominic Nyffeler, der in der letzten Saison ebenso wenig überzeugen konnte wie Matthias Mischler, der nach wie vor als Ersatztorhüter amtet. Die klingendsten Zuzüge in der Verteidigung heissen Simon Barbero, Tim Bucher, Simon Lüthi und Luca Zanatta. Auf dem Papier ist die Defensive der Oltner damit nicht derart stark besetzt wie jene der Lakers. Anders sieht dies in der Offensive aus. Hier stossen die beiden US-Amerikaner Tim Stapleton und Ryan Vesce zu den Oltnern. Beide haben bereits Erfahrung in der NLA gesammelt. Ausserdem dürften Silvan Wyss, Stanislav Horansky und Devin Muller dem Sturm weitere Durchschlagskraft verleihen. Mit all diesen Zuzügen scheint man sich in Olten eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt zu haben. Es bleibt einzig die Frage, wie lange es dauert, bis Gustafsson all die neuen Spieler zu einer Einheit verwandelt hat.

Während man in Olten keinen Stein auf dem anderen liess, heisst es im nahen Langenthal: «Never change a winnig team». Beim SCL gab es deshalb kaum Veränderungen. Für Aufsehen sorgte deshalb die Personalie des Trainers. So verabschiedete sich Meistertrainer Jason O’Leary in Richung NLA (er ist neu Assistent in Genf). Neu steht der Schwede Per Hanberg an der Bande. Die grosse Frage lautet deshalb, ob das kanadisch geprägte Team auch unter einem Schweden funktionieren kann. Ein kleines Fragezeichen gibt es auch hinter der Personalie von Stürmer Jeff Campbell. Der Kanadier erlitt in den letzten Playoffs einen Kniescheibenbruch und kehrte erst im letzten Moment zurück. Langenthal hat allerdings im Finale gezeigt, dass es auch ohne seinen Topscorer gewinnen kann. Um die Last des Toreschiessens auf noch mehrere Schultern zu verteilen, konnte man mit Giacomo Dal Pian, Robin Leblanc und Patrick Schommer drei wirblige Stürmer gewinnen. Probleme könnte den Langenthalern derweil die Defensive bereiten. Sie ist auf dem Papier um einiges schwächer einzustufen als jene von Olten und Rappi. Dies gilt sowohl für die Verteidiger, als auch für Torhüter Marco Mathis.

Die Spielverderber

Betrachtet die Geschichte der ehemaligen NLB, so stellt man fest, dass es in den letzten Jahren immer wieder einen «Spielverderber» gab, der den Spitzenteams in den Playoffs ein Schnippchen schlagen konnte. Zu diesen Spielverderbern dürften einmal mehr die Teams aus der Ajoie und La Chaux-de-Fonds gehören.

In der Ajoie wird dabei wieder einmal vieles von den beiden Ausländern Philip-Michael Devos und Jonathan Hazen abhängen. Daneben konnte der Sturm aber auch mit Arnaud Montandon, Melvin Merola und Reto Schmutz und Philippe Wüst verstärkt werden. Interessant bei den Ajoulots ist ebenfalls die Personalie von Emilijus Krakauskas. Der Bieler Junior gehört mit 20 Jahren bereits zum Stamm der litauischen Nationalmannschaft. In der Verteidigung konnte man sich derweil mit Joel Steinauer und Arnauds Bruder Maxime Montandon verstärken. Das Manko dürften derweil die Torhüter sein. So muss Dominic Nyffeler den Abgang von Ludovic Waeber vergessen machen. Dies nachdem der Bruder von Rappi-Goalie Melvin in der letzten Saison bei Olten nicht restlos überzeugen konnte. Auch wenn sich der HCA nur punktuell verstärkt hat, so scheint man auch in dieser Saison bereit zu sein den Grossen ein Bein zu stellen. Je nach dem, wen die Clubs aus Biel oder Genf noch mit B-Lizenz im Jura platzieren, liegt vielleicht gar mehr drin.

Etwas anders sieht die Gemütslage im Neuenburger Jura aus. Mit den Abgängen von Devin Muller, Laurent Meunier, Robin Leblanc und Adam Hassani hat man gleich vier potente Scorer verloren. An ihre Stelle treten Simon Fischer und Diego Schwarzenbach. Dazu kommt mit John McFarland ein neuer Kanadier. Er kommt als Ersatz für Henrik Eriksson, respektive Phil DeSimone. Alles in allem scheint der Sturm auf Grund der genannten Abgänge eher schwächer als in der letzten Saison. Dies bestätigen auch die eher schwachen Resultate der Vorbereitung. Wir gehen deshalb davon aus, dass die Chaux-Fonniers sehr stark über sich hinauswachsen müssen um in der Spielzeit 17/18 eine Chance zu haben. Kommt dazu, dass der HCC in den letzten Jahren reihenweise in den Playoffs versagte.

Das hintere Mittelfeld

Während sich die genannten fünf Teams eher nach vorne orientieren, geht es für den EHC Visp und den HC Thurgau darum den Anschluss ans Mittelfeld nicht zu verlieren.

Den EHC Visp hatten in der letzten Saison viele auf der Rechnung. Auch wir vermuteten, dass die Walliser vorne mitspielen können. Die Realität sah schlussendlich etwas anders aus. So kamen die Visper nicht übers Mittelfeld hinaus. Betrachtet man das aktuelle Team, so gibt es wenig Indizien, wieso dies in dieser Saison anders sein sollte. Konkret ging mit den Routiniers Matthias Schoder (Rücktritt) und Captain Tim Bucher (Olten) einiges an Erfahrung verloren. Immerhin konnte man mit Niki Altorfer einen verlorenen Sohn zurück ins Wallis holen. Der Zürcher kehrt der Liebe wegen zurück nach Visp. Neu sind in Visp auch die beiden Ausländer Mark van Guilder und Dan Kissel. Beide waren sie letzte Saison Topscorer beim norwegischen Meister aus Stavanger. Will der EHC Visp ein Wörtchen mitreden in der Swiss League wird dies nur möglich sein, wenn die beiden US-Amerikaner ähnlich produktiv sind, wie zuletzt beim CHL-Teilnehmer aus Norwegen.

Der Kampf um die Playoffs ist beim HC Thurgau in den letzten Jahren zum Alltag geworden. Nach dem Bankrott von Martigny Red Ice sollte den Ostschweizern den Platz unter den letzten acht jedoch endgültig sicher sein. Bereits Mitte der letzten Saison stiess Janick Schwendener zum HCT. Dem Bündner tat der Transfer von den Lakers in den Thurgau sichtlich gut. Hier zeigte er konstantere Leistungen, was Thurgau letztlich den Playoffplatz sicherte. In der neuen Saison sollten die Thurgauer auch in der Offensive präsenter sein. So konnte man mit den Kanadiern Cam Braes und Jaedon Descheneau zwei torgefährliche Ausländer verpflichten. Sollte man sich auch noch mit Daniel Steiner einig werden, kann man sich in Weinfelden wohl definitiv eher nach vorne als nach hinten orientieren.

Vier Zwerge und ein Playoffplatz

Während man davon ausgehen kann, dass die sieben bereits genannten Teams einen Playoff-Platz auf sicher haben, wird es unter den vier Ligazwergen einen Kampf um den letzten Playoff-Platz geben. Die besten Chancen sehen wir dabei bei den Zürcher Teams.

«Die GCK Lions sind nicht nur eine Ausbildungsmannschaft. Das Resultat ist jedoch ein Teil der Ausbildung. Matti Alatalo ist ein super Ausbildner, trotzdem stimmten die Resultat nicht, deshalb haben wir einen Trainerwechsel vollzogen», sagt Lions-General Peter Zahner. Er unterstreicht damit, dass die GCK Lions in diesem Jahr in die Playoffs wollen. Möglich machen soll dies Trainer Leo Schumacher, der sich während 17 Saisons einen Namen als Ausbildner bei den EVZ-Eliten gemacht hatte. Der gebürtige Churer war es dann auch, der Luca Sbisa vom Stürmer zum späteren NHL-Verteidiger umfunktionierte. Auf dem Eis unterstreichen die Lions ihre Playoff-Ambitionen mit den Zuzügen der beiden Nordamerikaner Ryan Hayes und Pascal Pelltier. Zudem konnte mit Gian-Andrea Thöny ein weiterer Stürmer verpflichtet werden, der weiss wo das Tor steht.

Stärkster Playoff-Konkurrent der GCK Lions dürften die Winterthurer Löwen sein. Sie gehörten zu Beginn der letzten Saison zu den Überraschungen. Weil man jedoch in der zweiten Saisonhälfte förmlich einbrach, reichte es zum Schluss nicht unter die besten acht. Auf die neue Saison hin verlor man mit Thomas Büsser, Jorden Gähler und Joel Steinauer drei der besten Verteidiger. Sie wurden durch Patrick Blatter und Reto Kobach ersetzt, vor allem letzterer bringt viel Erfahrung mit. In der Offensive muss man Topscorer Gian-Andrea Thöny verzichten, der zu den GCK Lions wechselte. Auf der Ausländerposition ersetzt der Slowake Marek Zagrapan den Kanadier Alex Hutchings. Auf dem Papier scheinen die Winterthurer etwas schwächer als die Lions aus Küsnacht. Michel Zeiter muss deshalb alles aus dem Team herausholen um es in die Playoffs zu bringen.

Wenig Playoff-Chancen geben wir der EVZ Academy. Immerhin verfügen die Zuger mit Philipp Rondahl und Josh Holden über zwei Ausländer. Gerade Letzterer scheint jedoch verletzungsanfällig. Am meisten Freude an der Academy wird derweil U20-Nationaltrainer Christian Wohlwend haben. Bieten die Zuger doch Spielern wie Tobias Geisser, Victor Oejdemark, Sven Leuenberger oder Dominik Volejnicek eine gute Chance sich auf gutem Niveau zu beweisen.

Der letzte Platz in der Tabelle scheint derweil für den HCB Ticino Rockets reserviert zu sein. Mit Christian Stucki, Giacomo dal Pian und Roman Hrabec verloren die Tessiner ihre drei besten Stürmer. Zu glauben, das Team hätte sich gegenüber der letzten Saison steigern können, wäre daher vermessen. Kommt dazu, dass mit Jan Cadieux ein Mann mit wenig Erfahrung an der Bande steht.

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Finale 2017

Die diesjährigen Finalisten SC Rapperswil-Jona Lakers und SC Langenthal gehören auch diese Saison zu den Favoriten in der Swiss League. Im Bild: Michael Hügli (SCRJ) gegen Philip Ahlström und Goalie Marco Mathis von Langenthal. Foto: Thomas Oswald