Ereignisreiche Saison für Lugano

3.4.2017 - Von Maurizio Urech

Als am Donnerstagabend kurz vor 23.30 Uhr Leonardo Genoni den Penalty von Maxim Lapierre parierte ging eine ereignisreiche Saison das HC Lugano zu Ende.

Zum ersten Mal in seiner Geschichte nahm der HC Lugano gleich an vier Wettbewerben teil. Meisterschaft, Champions League, Schweizer- und Spengler-Cup. Nach der letztjährigen Finalqualifikation und der Tatsache, dass das Kader punktuell verstärkt wurde, durfte man eine ruhige Qualifikation und einen Platz unter den ersten vier für den HC Lugano erwarten.

Doch es kam alles anders, wobei man objektiverweise festhalten muss, dass die Bianconeri von Anfang an mit Verletzungsproblemen in der Verteidigung zu kämpfen hatten und kein Verein ins unsere Liga kann den Ausfall von bis zu vier Spielern gleichzeitig auf der Position problemlos wegstecken. Doch das Duo Shedden-Curcio beging in dieser Phase einen entscheidenden Fehler. Anstatt diese Phase zu nutzen um den jungen Verteidigern eine Chance und viel Eiszeit zu geben, erhielten dies kaum Vertrauen und mussten die meiste Zeit auf der Spielerbank verbringen, kein Fehler wurde verziehen.

Dies hatte zur Folge dass die anderen Verteidiger überbeansprucht wurden und die Konsequenz waren weitere Verletzungen und Ausfälle. Anstatt eine problemlose Qualifikation zu spielen, gurkte die Mannschaft lange um den Strich herum, schon Ende November stand das Duo Shedden-Curcio auf der Kippe, Mitte Januar war es soweit und Greg Ireland übernahm das Team. Und was für ein Unterschied zu seinem Vorgänger es war. Greg Ireland verteilte die Verantwortung auf mehrere Schultern, im Angriff wurde konsequent mit vier Blöcken durchgespielt und Schlüsselspieler wie Klasen erhielten endlich „normale“ Eiszeiten. Dazu verpasste er der Mannschaft wieder ein klares Spielkonzept und stabilisierte die vorher so wacklige Defensive.

Am Schluss qualifizierte sich der HC Lugano für die Playoffs, doch der siebte Platz entsprach sicher nicht den Erwartungen. Aber in den Viertelfinals wartete mit den ZSC Lions ein scheinbar übermächtiger Gegner. Und so traten die Lions auf und dominierten die ersten Partien klar, doch ab der dritten Partie wurde diese Differenz kleiner und nach dem Auswärtssieg in der fünften Partie machte man den Sack vor eigenem Publikum und eliminierte den Favoriten der teilweise in Schönheit starb.

Im Halbfinal kam es zum Wiedersehen mit dem SC Bern und kurioserweise zum gleichen Szenario wie im Vorjahr. Lugano gewann das erste Spiel, diesmal in Bern, dann gewann der SCB vier Partien in Folge und zog ins Finale ein. Aber wenn im Vorjahr die Differenz zu Gunsten des SCB klar war, existierte dieser Gap diesmal nicht und die Mannschaft von Greg Ireland hätte mindestens noch ein Spiel sechs verdient, doch es fehlte in einigen Phase am nötigen Quäntchen Glück um die Serie zu verlängern. Doch der Auftritt der Mannschaft machte viel Freude, man trat als Einheit auf, kämpfte um jeden Puck, auch spielerisch war man ausser im Spiel drei auf der Höhe.

Wie üblich bleibt der letzte Eindruck, und in diesen Playoffs haben die Bianconeri gezeigt dass sie sich vor den besten Teams der Liga nicht verstecken müssen. Auch wenn das Schlussresultat weniger gut war als in der letzten Saison konnte man den positiven Aufwärtstrend bestätigen. Die vielen jungen Spieler, die aus der eigenen Jugend kommen, spielen immer mit einem grossen Kämpferherz (wenn man ihnen das nötige Vertrauen schenkt), und Steigerungspotential ist durchaus vorhanden. Mit ein paar geschickten Transfers sollte es nächste Saison endlich möglich sein eine ruhigere Qualifikation zu bestreiten, in der man um die Spitzenpositionen mitspielt und die Playoffs zu Hause beginnen kann, auch wenn dies bei der Ausgeglichenheit der Liga keine Garantie für einen Erfolg ist. Jede Saison hat bekanntlich Ihre eigene Story.

Abschliessend noch unsere Bewertung der einzelnen Spieler nach dieser Saison:

Elvis Merzlikins: Genau wie die Mannschaft bestritt er eine durchzogene Qualifikation. Einerseits machte ihm der Abgang von Goalierainer Leo Luongo in die Organisation von Florida zu schaffen, andererseits hatte auch er mit Verletzungen zu kämpfen und ein paar Mal wurde er von der Mannschaft im Stich gelassen. In den Playoffs sah man wieder den „alten“ Merzlikins wieder, er hexte Lugano in die Halbfinals.

Daniel Manzato: Der Routinier kam zu wenigen Einsätzen. In diesen zeigte er, dass er ein guter Backup ist der auch in der nächsten Saison ein sicherer Wert sein wird.

Alessandro Chiesa: Der neue Kapitän der Bianconeri war einer der Spieler die anfangs Saison verletzt ausfielen, nachher hatte er Mühe wieder auf sein gewohntes Niveau zu kommen. Nach dem Trainerwechsel zu Ireland fand er zu seinem gewohnten Niveau zurück und war in den Playoffs eine sichere Bank.

Philippe Furrer: Sein Saisonstart war von Verletzungen geprägt, als er zurückkam wurde er von Shedden derart forciert dass er dies mit weiteren Rückschlägen bezahlte. Nach einer durchzogenen Qualifikation war er zusammen mit Chiesa der gewohnte Rückhalt.

Steve Hirschi: Am letzten Donnerstag ging seine Karriere in Bern zu Ende. Er war immer ein Vorbild mit seinem Einsatz und gab für die Bianconeri immer alles, 2006 riskierte er sogar seine Gesundheit für den Erfolg. Er hat sich den Respekt aller verdient, sogar von den Fans von Ambri. Als Juniorentrainer wird er seinen Schützlingen vermitteln was es heisst, seinen Sport mit Enthusiasmus und Leidenschaft auszuüben.

Massimo Ronchetti: Er war eines der „Opfer“ von Doug Shedden, der ihm kein Vertrauen schenkte und ihn öffentlich kritisierte. Greg Ireland gab ihm das nötige Vertrauen, dass er mit starken Leistungen honorierte. Er spielte ganz starke Playoffs, überzeugte mit seiner physischen Präsenz, ein sicherer Wert für die Zukunft.

Riccardo Sartori: Eine schwierige Saison für ihn, Shedden verbannte ihn nach dem ersten Fehler auf die Bank, was für sein Selbstvertrauen nicht gerade förderlich war. Unter Ireland zeigte er, dass er auf diesem Niveau mithalten kann. Sein Vertrag läuft Ende Saison aus, vielleicht würde ihm ein Tapetenwechsel gut tun um mehr Eiszeit zu erhalten.

Stefan Ulmer: Auch seine Saison war von Verletzungen geprägt, doch wenn er spielte zeigte er dass er einer der Leistungsträger im Team ist und zusammen mit Vauclair bildet er eines der besten Verteidigungspaare der Liga. Ein Eckpfeiler der Defensive der Bianconeri.

Julien Vauclair: Der Routinier wurde vor der Saison von vielen abgeschrieben, auf dem Eis zeigt er dass er nicht zum alten Eisen gehört. Riesenpech dass er mehrmals durch Verletzungen zurückgeworfen wurde. In den Playoffs zeigte der Routinier dass er unverzichtbar ist. Gegen die ZSC Lions schoss er mehrere wichtige Tore, gegen den SCB war sein Ausfall nicht zu kompensieren.

Ryan Wilson: Der kanadische Verteidiger wurde aufgrund der Verletzungsmisere verpflichtet. Ein solider Defensiv-Verteidiger, er stabilisierte mit seiner physischen Präsenz die Verteidigung der Bianconeri, kaum anzunehmen dass er auch nächste Saison für den HC Lugano auflaufen wird.

Colin Fontana: Er hatte das Pech dass er sich mit Biasca so schwer verletzte, dass seine Saison vorüber war bevor sie richtig begonnen hatte. Er wird wohl nächste Saison vor allem in der NLB mit den Ticino Rockets zum Einsatz kommen.

Elia Riva: Das nächste Verteidigertalent aus der Juniorenbewegung des HC Lugano. Er wurde sogar von Shedden gelobt. War einer der Leader in der NLB mit den Ticino Rockets, ist bereit den Sprung zum Stammspieler in der NLA zu schaffen.

Clarence Kparghai: Der Pechvogel der Saison. Komplikationen nach einer Knieoperation stellten sogar die Fortsetzung seine Karriere in Frage. Wir wünschen ihm, dass er nächste Saison wieder voll angreifen kann und von weiteren Rückschlägen verschont bleibt.

Alessio Bertaggia: Er war in dieser Saison bei weitem nicht so produktiv wie in der letzten. Trotzdem hat sich vor allem im Spiel ohne Scheibe verbessert, kommt auch im Boxplay zum Einsatz wo er dank seiner Schnelligkeit immer wieder zu Torchancen kommt. Wir trauen ihm nächste Saison wieder mehr als 10 Tore zu.

Damien Brunner: Eine Saison zu vergessen für ihn von zu vielen Verletzungen immer wieder gebremst. Wenn er spielte, dann zeigte er seine Klasse. Wir wünschen ihm eine nächste verletzungsfreie Saison in der er sein Offensiv-Talent ausspielen kann.

Dario Bürgler: Die positive Überraschung dieser Saison. Nicht viele hätten ihm zugetraut dass er in Lugano seine Torjägerqualitäten wieder finden würde. Er braucht nicht viele Chancen um zu treffen, er hat einen schnellen, präzisen Schuss. Es gibt keinen Grund nicht daran zu glauben dass er in der nächsten Saison erneut einer der Hauptwaffen der Offensive der Bianconeri sein wird.

Luca Fazzini: Bis im Oktober schien es wieder eine anonyme Saison des Lugano-Eigengewächses zu werden, er wurde sogar für drei Partien in die NLB zu den Ticino Rockets abgeschoben. Dann packte er seine Chance nach der Verletzung von Damien Brunner und traf doppelt im Derby gegen Ambri und sogar dreimal gegen Gottéron. Damit war der Knoten geplatzt und er zeigte seine Scorerqualitäten auch in den Playoffs. Er hat einen schnellen und präzisen Schuss wie nur wenige in dieser Liga, mental wie physisch hat er einen Schritt nach vorne gemacht und wird auch in der nächsten Saison für viele Highlights sorgen.

Ryan Gardner: Er war dank seiner Routine vor allem im Boxplay und in den Bullys wichtig. Aber er hatte mit dem hohen Tempo in dieser Liga Mühe und konnte bei numerischem Gleichstand keine offensive Akzente setzen. Falls er noch genügend motiviert ist, könnte er seine Karriere in den NLB in Biasca fortsetzen.

Gregory Hofmann: Er ist zusammen mit Alessio der schnellste Läufer der Mannschaft. Nach der tollen letzten Saison mit 21 Toren kam er dieser Saison offensiv nur schwer in die Gänge und auch in den Playoffs fehlten seine Tore. Er wird sicherlich seine Lehren daraus ziehen und nächste Saison stärker zurückkehren.

Linus Klasen: Viele haben den Topscorer der Bianconeri kritisiert, doch objektiv gesehen war er während vielen Monaten der offensive Motor im Spiel des HC Lugano. Unter Doug Shedden wurde er nicht nur in der Meisterschaft sondern auch in der CHL und im Spengler-Cup überforciert und dies zahlte er in den Playoffs. Unter Greg Ireland stellte er sich voll im Dienst der Mannschaft und war sich auf für die defensive Drecksarbeit nicht zu schade. Klasen wird auch nächste Saison für viel Spektakel sorgen und noch stärker zurückkommen.

Maxim Lapierre: Der Kanadier kehrte im Oktober nach Lugano zurück. Unter Doug Shedden erhielt er keine klare Rolle entsprechend klein war sein Einfluss auf das Spiel des HC Lugano. Greg Ireland änderte dies und der Kanadier blühte auf, er zeigte dass er nicht nur provozieren sondern auch gut Eishockey spielen kann. Dank diesen starken Leistungen wird er auch die nächste Saison im Dress des HC Lugano bestreiten.

Tony Martensson: Der schwedische Routinier war eine der grossen Enttäuschungen in dieser Saison. Auch er wurde von Doug Shedden überforciert und blieb in der entscheidenden Phase mit einem leeren Energietank stehen und war auch unter Ireland kein Faktor mehr. Er wird nach Schweden zurückkehren und dort seine Karriere fortsetzen.

Giovanni Morini: Der talentierte Center hat erneut mit Verletzungen Pech, doch wenn er zum Einsatz kam überzeugte er immer. Wir wünschen ihm dass er endlich eine Saison ohne Verletzungen durchspielen kann. Er hat das Talent und die Hände zu einem ganz wichtigen Spieler für die Bianconeri zu werden.

Sébastien Reuille: Unter Doug Shedden spielte der Routinier nur noch eine marginale Rolle, Greg Ireland gab ihm eine klare Rolle, vor allem im Boxplay und diese erfüllte er perfekt. Er wird noch eine weitere Saison anhängen und wohl vor allem in der NLB mit den Ticino Rockets zum Einsatz kommen.

Matteo Romanenghi: Spielte die meiste Zeit in der NLB mit den Ticino Rockets, wo er einer der Leader der Mannschaft war. Als er nach Lugano zurückkehrte zeigte er dass er durchaus das Niveau hat um auch in der NLA bestehen zu können. In der nächsten Saison erwarten wir von ihm einen weiteren Schritt nach vorne.

Raffaele Sannitz: Eine weitere bärenstarke Saison des Tessiner Centers, der endgültig zu einem Leader gereift ist. Er übernimmt Verantwortung und schiesst quasi noch nebenbei wichtige Tore für die Mannschaft. Ein Schlüsselspieler auch in der nächsten Saison.

Julian Walker: Der Defensiv-Stürmer spielte seine Rolle perfekt, er ist einer der besten Boxplay-Spieler der Liga und nicht zu vergessen wie Sannitz schiesst auch er wichtige Tore. Ein wichtiger Mosaikstein im Spiel des HC Lugano der vielfach unterschätzt wird.

Patrik Zackrisson: Der schwedische Center hatte unter Doug Shedden einen schweren Stand, nicht nur war er häufig überzählig, sondern Shedden kritisierte ihn mehrmals öffentlich, sicher nicht eine optimale Situation. Unter Greg Ireland zeigte er seine Qualitäten als Zweiweg-Center und brillierte auch mit einigen Assist in den Playoffs. Er ist kein Scorer, aber stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Wir hoffen dass er nächste Saison die Chance erhält von Anfang an eine wichtige Rolle zu spielen.

Doug Shedden: Nachdem er letztes Jahr das Finale, erreichte erwartete man, dass er dieses Jahr die Mannschaft weiterentwickeln würde, aber das Gegenteil geschah. Natürlich hatte er Pech mit den Verletzungen, aber mit seiner Art zu coachen machte die Mannschaft einen Schritt zurück und die Defensive glich teilweise einem Hühnerhaufen.

Greg Ireland: Viele waren skeptisch als sie von seiner Verpflichtung hörten, doch in kurzer Zeit änderte er viele kleine Sachen und brachte die Mannschaft auf die Erfolgsstrasse zurück. Die Mannschaft spielt unter ihm als Einheit und unter ihm waren alle wichtig und entsprechend zogen alle am gleichen Strick. Noch ist unklar, ob er nächste Saison nach Lugano zurückkehren wird. Mit seiner freundlichen und zurückhaltenden Art hat er sich den Respekt aller erobert.