Die schönste Jahreszeit beginnt

2.3.2017 - Von Maurizio Urech

Nach 50 Qualifikationspartien mit etlichen Highlights stehen seit Samstagabend die Paarungen der Playoff-Viertelfinale fest und endlich beginnt für die vielen Eishockeyfans in der Schweiz die schönste Zeit des Jahres.

Wenn wir einen ersten Blick auf die Paarungen werfen, wird klar, dass alle vier Spannung, Action und sogar das Potential für Überraschungen haben. Klar steigen der SC Bern gegen Biel und der ZSC gegen den HC Lugano als klare Favoriten ins Rennen, aber ein Derby ist in den Playoffs ist immer brisant und die Playoff-Duelle zwischen dem Z und den Bianconeri waren schon in der Vergangenheit ziemlich hitzig und meistens hartumkämpft. Mit Lausanne trifft die Überraschungsmannschaft aus dem Waadtland der auf den HC Davos und wird alles daran setzen um erstmals ins Halbfinale vorzustossen. Der drittklassierte EV Zug trifft auf Genf-Servette, das in den Playoffs immer unangenehmer Widersacher ist.

SC Bern (1.) – EHC Biel (8.)

Unter der Führung des finnischen Duos Jalonen-Peltonen liess der SC Bern dieses Jahr nichts anbrennen und spielte eine souveräne Qualifikation. Die Mannschaft trat als kompakte Einheit auf, Genoni war der erwartete Rückhalt, Blum und Untersander waren die produktivsten Verteidiger und angeführt vom Liga-Topscorer Mark Arcobello präsentierte der SCB vier ausgeglichene Sturmformationen, die jederzeit für einen Tor gut waren. So sicherten sich die Berner souverän den Qualifikationssieg und der Meister startet aus der Pole-Position in die Playoffs und hat alle Trümpfe in der Hand um seinen Titel erfolgreich zu verteidigen.

Der EHC Biel machte schon vor dem Saisonstart mit der Verpflichtung von Jonas Hiller Schlagzeilen, doch trotz der Verpflichtung Hillers verlief der Saisonstart nicht nach Wunsch und als man Mitte November unter den Strich fiel, zog man die Reissleine, entliess Kevin Schläpfer und ersetzte ihn durch den Kanadier Mike McNamara. Er ist ein stiller Arbeiter, der mit seiner ruhigen Art den EHC Biel stabilisierte und mit einer Aufholjagd noch in die Playoffs führte. Die Seeländer dürfen sich auch bei Liga-Konkurrent Gottéron bedanken, der Marc-André Pouliot entliess, der wichtige Tore für die Seeländer schoss. Ein Handicap für den EHC Biel ist sicher der Ausfall von Gaëtan Haas, denn so breit wie bei den Stadtberner ist das Kader nicht.

Prognose: Der amtierende Meister bestritt schon 2010/11 ein Derby im Viertelfinal gegen die SCL Tigers, die man souverän in vier Partien wegputzte. So einfach werden es die Seeländer den Mutzen nicht machen und wenn Goalie Jonas Hiller das Duell gegen Leonardo Genoni für sich entscheiden kann, sind sogar sieben Spiele möglich. Aber wir glauben, dass sich der SCB in diesem Duell mit 4:2 durchsetzen wird.

ZSC Lions (2.) – HC Lugano (7.)

Die ZSC Lions spielten wie immer in den letzten Jahren eine souveräne Qualifikation. Auch wenn man sich an das Spielsystem des skandinavischen Duo Walsson-Johansson anpassen musste, brauchte dies dank der unbestrittenen Klasse, die im Kader vorhanden ist, nur eine kurze Anpassungszeit. Flüeler und Schlegel sind eine Garantie im Tor, Geering und Blindenbacher sorgen zusammen mit Rundblad für die offensive Feuerkraft von hinten heraus und vorne haben die Lions mit Nilsson einen genialen Spielmacher und eine ganze Armada von torgefährlichen Stürmern mit Suter, Wick, Thoresen, Chris Baltisberger und Schäppi, die alle wichtige Tore schiessen können. Nach dem blamablen Viertelfinal-Aus letztes Jahr gegen den Qualifikationsachten (aber späteren Meister) SC Bern wird sich diese Gruppe rehabilitieren wollen.

Der siebte Platz entspricht sicher nicht dem Potential des Kaders des HC Lugano, ein Platz unter den ersten vier war angestrebt worden. Ein Teil der Probleme kamen in der ersten Saisonphase mit den Ausfällen der drei bis vier besten Verteidiger und da Coach Doug Shedden kein Vertrauen in die jungen Verteidiger hatte, wurden die besten Kräfte überforciert, was zu weiteren Problemen führte. Shedden, der schon im Dezember auf der Kippe stand, wurde im Februar durch Ireland ersetzt. Der neue Coach hat die Bianconeri defensiv stabilisiert und vor allem die Eiszeiten der diversen Spieler besser verteilt. Dank diesen Veränderungen beendete der HC Lugano die Qualifikation mit einer positiven Note und fünf Siegen in Folge.

Prognose: Ein Klassiker der Playoffs, auch wenn es diese Paarung seit 2004 nicht mehr gab. Wie letztes Jahr sind die Bianconeri in der Rolle des Aussenseiters, auch wenn diesmal die Hürde viel höher ist, denn die ZSC Lions haben zusammen mit dem SCB das beste und breiteste Kader der NLA. Falls Elvis Merzlikins im Lugano-Tor wieder sein bestes Eishockey in den Playoffs auspackt und man die defensive Power der Lions eindämmen kann, hat die Mannschaft von Greg Ireland eine Chance die Überraschung zu schaffen. Es wird eine lange Serie geben und die ZSC Lions gewinnen diese in Spiel 7.

EV Zug (3.) – Genf-Servette (6.)

Wie der EHC Biel sorgten die Innerschweizer schon vor dem Saisonstart mit der Verpflichtung eines Spielers aus der NHL für Schlagzeilen. Der Verteidiger Raphael Diaz kehrte zu seinem Stammverein zurück, damit untermauerte man die Ambitionen auf einen Spitzenplatz. Gestützt auf eine Bank wie Tobias Stephan und eine solide Abwehr spielte der EVZ bis fast am Schluss um den Qualifikationssieg. Am Schluss hatte man eine Baisse und musste sich mit dem dritten Platz begnügen. Die richtige Herausforderung folgt für Coach Harold Kreis und seine Spieler jetzt in den Playoffs, ein Scheitern im Viertelfinal wie in den letzten Jahren wäre mit den getätigten Investitionen sicherlich inakzeptabel und könnten dem Trainer und einigen ausländischen Spielern den Job kosten.

Auch McSorley hatte in Genf in den ersten Monaten mit einer langen Verletztenliste zu kämpfen und lange schien sogar die Playoff-Qualifikation auf der Kippe. Aber als er endlich wieder fast auf das komplette Kader zählen konnte, legte Genf-Servette eine Siegesserie hin und qualifizierte sich souverän für die Playoffs, auch weil vorne endlich die Ausländer wie Spaling und Gerbe einschlugen und auch Paré, der aus Zagreb kam, erwies sich eine wertvolle Verstärkung. Bezina kehrte zurück, doch er hat nicht mehr die wichtige Rolle wie früher, spielt höchstens im dritten Verteidigungspaar. Wichtiger ist die Rückkehr von Center Romy, der lange verletzt war.

Prognose: Die Innerschweizer haben eine äussert positive Bilanz gegen die Grenats, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass dies nicht viel heissen muss. Die Innerschweizer stehen unter Druck, Trainer Harold Kreis spielt um seine Zukunft. Die Mannschaft von McSorley ist wie immer in den Playoffs eine harte Nuss, jeder Sieg muss hart erkämpft werden. Interessant wird sein, wer das Duell zwischen den beiden Torhütern Tobias Stephan und Robert Mayer gewinnen wird und welche Ausländer dieser Paarung den Stempel aufdrücken werden. Wir trauen den Grenats die Überraschung zu und glauben, dass sich Genf-Servette 4:2 durchsetzen wird.

Lausanne HC (4.) – HC Davos (5.)

Die Strategie von LHC-Sportchef Jan Alston ist voll aufgegangen. Mit Coach Dan Ratushny weht ein neuer, offensiver Wind in Lausanne und dies sogar erfolgreich. Auch die Transfers haben voll eingeschlagen. Jeffrey ist einer der besten Center der Liga und Verteidiger Junland brachte das Powerplay in Schwung und sorgte dafür, dass die Waadtländer am Schluss die beste Überzahl-Quote der Liga hatte. Mit Routinier Cristobal Huet hat man hinten die defensive Versicherung. Dass man am Schluss eine Baisse hatte ist mehr als verständlich, der vierte Platz war je zementiert und von hinten hatte man nichts mehr zu befürchten. Jetzt nimmt man erstmals die Halbfinal-Qualifikation ins Visier.

Nach dem Abgang von Stammgoalie Leonardo Genoni zum SCB ging der HCD mit dem unerfahrenen Duo Senn – van Pottelberghe ein gewisses Risiko ein. Auch die Verpflichtung von Verteidiger Haudegen Daniel Rahimi sorgte bei vielen für ein Kopfschütteln. Der HC Davos kam zäh aus den Startblöcken, doch nach dem Spengler Cup legte man einen Zwischenspurt ein. Die jungen Torhüter steigerten sich im Laufe der Saison, Senn gewann das Duell gegen van Pottelberghe und angeführt von Leitwolf Ambühl und den jungen wilden wie Dino Wieser und Simion schaffte man trotz einiger Ausfälle souverän die Qualifikation für die Playoffs, die vor allem für Goalie Senn ein Prüfstein sein werden.

Prognose: Die grössere Routine spricht für den HC Davos, ausser auf der Goalieposition. Diese Paarung verspricht attraktives und schnelles Eishockey, denn beide Teams können ein hohes Tempo gehen. Beide haben lange Anreisen zu den Auswärtsspielen, dies könnte auch eine Rolle spielen. Der LHC wird von der Euphorie der eigenen Fans getragen werden, die Spiele in Malley werden alle ausverkauft sein. Im Bündnerland nimmt man es gelassener, dort gibt die Höhenluft den Davosern einen Heimvorteil. Die beiden Goalies und die Spezialsituationen dürften diese Serie wohl entscheiden und wir trauen den Waadtländer zu, den Sprung in die Halbfinals zu schaffen und den HCD in sieben Spielen zu bezwingen.

Background-Portal

Duelle in Bildern

Die PostFinance Topscorer am Bully: Biels Robbie Earl gegen Berns Mark Arcobello. Foto: PPR/Alessandro della Valle

Hier sorgt Lugano sorgt für Aufregung vor dem ZSC-Tor, die Zürcher gehen aber als Favoriten ins Rennen. Foto: Tim Eckert

Servette-Topscorer Nick Spaling gegen Zugs Carl Klingberg. Foto: PPR/Alexandra Wey

Das auf dem Papier engste Duell: Lausannes Joël Genazzi testet Davos-Goalie Gilles Senn. Foto: PPR/Jürgen Staiger