Sprunger spricht zu Gottérons Neustart

2.10.2016 - Von Martin Merk

Nach wochenlanger Saisonvorbereitung gab es bei Fribourg-Gottéron bereits im September einen Neustart Larry Huras als neuen Trainer anstelle von Gerd Zenhäusern, der Stabilität in seiner neuen Stelle als Nachwuchschef dem Schleudersitz des Trainers bevorzugte.

Für Huras gibt es in Fribourg viel zu tun. Gottéron ist Vorletzter, schoss am zweitwenigsten Toren, kassierte am zweitmeisten, hat eines der schlechtesten Powerplays, Boxplays und nur in Davos ist die Abwehrquote der Torhüter tiefer als bei Benjamin Conz.

Wir sprachen mit dem Team-Captain Julien Sprunger über den abrupten Trainerwechsel, wie die ersten Tage mit Huras verliefen, über seine Clubtreue zu Gottéron und seine Situation mit der Nationalmannschaft.

Wie war die erste Woche mit Larry Huras als Trainer?

Es war ein ziemlich radikaler Wechsel. Er ist ein Trainer, der viel spricht und charismatisch ist, ich denke das tut uns gut um neue Energie zu gewinnen. Wir bekamen viele Informationen, schauten viele Videos, hatten nach einem Tag das Cup-Spiel. Es begann gut. Wir haben eine Mannschaft die zwar nicht in Form ist, aber Potenzial hat. Das Ziel ist, möglichst rasch in der Tabelle raufzuklettern.

Sie hatten vorher nie mit ihm zusammengearbeitet. Haben Sie ihn trotzdem gekannt?

Ich kannte ihn, weil die Welt des Schweizer Eishockeys klein ist und er früher für andere Clubs gearbeitet hat, auch wenn ich selbst nie unter ihm gespielt hatte. Das ist neu für mich. Aber er ist sich selbst treu und charismatisch. Er hat viel Erfahrung und Erfolge im Schweizer Eishockey.

Was ging durch den Kopf als Sie hörten, dass Gerd Zenhäusern euch verlassen möchte, um die Stelle als Nachwuchschef anzunehmen?

Es war ein Schock und eine Überraschung. Wirklich niemand hat das erwartet. Von einem Tag auf den anderen war es zu Ende nach drei Monaten Sommertraining und eineinhalb Monaten Vorbereitung auf dem Eis, Trainingslagern und plötzlich entschied er etwas anderes zu tun. Das war schon ziemlich überraschend, der Abgang schien auch nicht augenfällig. Wir müssen seine Entscheidung akzeptieren, aber der Zeitpunkt war schon ziemlich speziell.

Nach ein bisschen Zeit zur Reflexion, denken Sie, dass es ein guter Entscheid war für ihn und den Club?

Er hat diese Entscheidung getroffen und nachgedacht, daher wird es für ihn eine gute Entscheidung sein. Ich persönlich kann da nicht viel sagen, für mich ist es schwierig, mich darüber zu äussern. Aber er ist ideal für die Nachwuchsbewegung, er kennt viele Leute, die Trainer, die Junioren. Nun mussten wir in der Mannschaft bereits nach acht Spielen nicht wenig ändern um wieder raufzukommen. Wir haben nun aber viel Zeit dies zu tun.

Der Start mit Huras war nicht so einfach mit einem knappen Sieg im Cup gegen Red Ice Martigny und nun zwei Niederlagen in der NLA.

Beim Cup-Spiel war es schwierig, in 48 Stunden die Automatismen zu finden. Er wollte nicht alles aufs Mal ändern, aber er hat einige Dinge geändert. Man muss sich anpassen, neue Gewohnheiten anlernen, nachdenken was man anders tun muss. Es waren schwierige Spiele für uns, nun müssen wir uns auf die neue Woche konzentrieren. Larry kann nicht in ein paar Tage Wunder vollbringen. Andere Teams haben sich wochenlang mit ihren Trainern vorbereitet, wir haben erst ein paar Tage, da ist es normal, dass wir taktisch noch nicht auf demselben Niveau sind. Aber ich hoffe, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Welche grösseren Änderungen erwarten Sie für die kommenden Monate?

Er wird nicht alles von A bis Z ändern, er wird Vieles gleich belassen. Wir haben begonnen dort zu arbeiten, wo wir Schwächen haben, an der defensiven Zone und im Powerplay. Das sind Situationen, die über Sieg und Niederlage entscheiden können. Wir fokussieren uns darauf, auf das Auslösen der Angriffe, das Forechecking, das Powerplay. Es ist schwierig, in wenigen Tagen daran zu arbeiten und alles perfekt zu machen, aber er hat uns vorher beobachtet, er sieht Potenzial, er arbeitet sehr hart. Nun müssen wir schauen, dass wir alle in die gleiche Richtung arbeiten.

Sie sind ein wichtiger Spieler im Team. Passen Sprunger und Huras gut zusammen?

Diese Frage stellt sich gar nicht. Er ist der Trainer, ich ein Spieler. Er hat seine Art zu coachen, nach einer Woche kann man da noch nicht viel sagen, aber seine Priorität ist das defensive Spiel, das müssen wir momentan bei uns verbessern. Offensiv haben wir genug Talent und Möglichkeiten, Spieler um Tore zu schiessen, aber es beginnt hinten. Für mich weiss ich, was ich tun muss. Ich muss auch defensiv spielen wie alle anderen auch und offensiv weiter Tore schiessen. Wir müssen alle arbeiten egal ob ein Sprunger, Cervenka oder Neuenschwander. Wir müssen alle am selben Strick ziehen.

Was waren die Hauptgründe für die ungenügenden Resultate?

Es ist speziell, denn in der Champions League lief es gut, wir waren Gruppensieger, dann lief es plötzlich nicht so gut. Wir waren nie katastrophal. In jenen Spielen, die wir nicht gewonnen hatten, waren individuelle Fehler ausschlaggebend, teilweise lief es etwas blöde, wir gingen oft in die Verlängerung. Es sind Details. Auch das Powerplay lief nicht gut, die Defensive war nicht so gut, aber es ist schwierig, einen Hauptgrund zu finden.

Alle sechs Schweizer Clubs haben es in die nächste Runde der Champions Hockey League geschafft. Hat sich bei euch und den NLA-Clubs die Einstellung zum Wettbewerb geändert?

Ich glaube die Schweizer Liga ist eine der besten Europas, auch wenn Schweden und Finnland auch gute Meisterschaften haben. Es gab einige Schweizer Clubs, die auch Erste waren. Vielleicht haben sich die Prioritäten der Clubs mehr zugunsten der Champions League verschoben. Bei uns haben wir von Beginn an gesagt, dass sie ein Saisonziel von uns sein wird. Wir möchten so weit wie möglich kommen. Der Club sandte damit eine Message an die Spieler, dass die Champions League wichtig ist. Es ist gut, gegen Mannschaften aus Schweden, Finnland, Deutschland oder Tschechien spielen zu können. Wir haben Spiele, in denen es bereits in der Vorsaison 100 Prozent zur Sache geht. Ausserdem, wie gesagt, das Schweizer Eishockey hat sicherlich ein gutes Niveau.

Ihre Situation bei der Nationalmannschaft ist etwas speziell. Sie sind nicht zurückgetreten, spielen aber auch nicht mehr wirklich für sie. Wie ist da der aktuelle Status?

Ich hatte Diskussionen mit den Trainer, mit Simpson, dann Hanlon, nun mit Fischer. Meine private Situation ist speziell mit der Familie, dem Kind. Für mich ist es momentan nicht möglich, nach der Saison vier, fünf, sechs Wochen wegzugehen. Ich habe immer mit Stolz für die Schweiz gespielt, es war immer eine Ehre, aber ich muss momentan meine Prioritäten setzen mit einem Kind, das sehr klein ist. Alles kann im Leben ändern, aber momentan ist die Situation so. Ich habe immer ehrlich mit allen darüber gesprochen und sie haben es akzeptiert.

Dann wird man Sie wohl nicht in Paris an der WM sehen.

Ich denke nicht, von dem was wir besprochen haben, auch wenn sich die Situation ändern kann. Momentan ist es so wie es ist.

Als Sie ein kleiner Junge waren, war Gottéron in einer grossen Ära mit dem Duo Bykov/Chomutov. Wir erlebten Sie die 90er-Jahre auf der Eisbahn St-Léonard? Und welchen Namen hatten Sie als Erstes auf dem Trikot?

Als ich ganz klein war, vielleicht vier Jahre, sind Bykov und Chomutov gekommen. Mein Vater brachte mich bereits zu den Spielen auf den Sitzplätzen. Als ich selbst mit dem Spielen begann, ging ich später mit den Jungs in die Fankurve. Ich verfolgte Gottéron von klein auf bis ich Profi wurde. Mein erstes Trikot war von Patrice Brasey, da mein Vater seine Familie kannte, sie luden uns auch zu Spielen ein.

Nun hat es viele Kinder, die Ihr Trikot tragen.

Das macht mir Freude. Wenn man Freiburger ist und in Fribourg spielt, ist es speziell. Man ist privilegiert, wenn man das Hockeyspielen zum Beruf machen kann, dann ist es wichtig, etwas an die Kinder zurückzugeben und ein Vorbild zu sein. Daher macht es mir Freude, wenn ich Kinder mit meinem Trikot sehen, die den gleichen Stock haben wollen oder die gleichen Bewegungen ausprobieren.

Es gibt heute nicht mehr so viele Spieler, die das Leben lang beim selben Club bleiben. Werden Sie so einer sein? Ist das ein Ziel?

Am Anfang meiner Karriere hatte ich nie darüber nachgedacht, meine Karriere in Fribourg zu beenden. Ich hatte die Möglichkeit nach Nordamerika zu gehen, doch eine Verletzung an der WM hinderte mich daran. Danach gab es Gedanken zu einem Club wie Bern oder Zürich zu gehen, es gab aber Dinge in meinem Leben, die dafür sorgten, dass ich nicht ging. Von dem her habe ich zwar nie gesagt, dass ich immer am selben Ort bleiben würde, aber ich bin glücklich in Fribourg. Es gibt auch andere Spieler wie Seger in verschiedenen Clubs, die lange beim gleichen Club bleiben. Diese Treue zum Club, dass Spieler nicht jedes Jahr wechseln, finde ich wichtig. Die Leute bemerkten das.

Werden Sie also Ihre Karriere bei Gottéron beenden?

Das kann man nie so sagen. Ich bin 30, ich weiss, dass ich dem Ende näher bin als dem Anfang, aber man weiss, dass der Sport auch ein Business ist. Vielleicht sagt man mir eines Tages, dass es für mich nicht mehr reicht bei Fribourg oder dass es nicht mehr passt. Ich denke darüber nicht gross nach. Ich habe einen neuen Vertrag, habe für vier Jahre verlängert und weiss noch nicht, wie es mit 34 aussehen wird. Dahinter gibt es momentan noch einige Fragezeichen.

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Captain Sprunger

Julien Sprunger und seinen Copains lief es in der Champions Hockey League wesentlich besser als in der NLA. Foto: Alexander Raemy