Nati-Direktor zieht Bilanz
hockeyfans.ch traf sich mit Raeto Raffainer auf der Geschäftsstelle der Swiss Ice Hockey Federation. Der Erfolg von Stockholm mit der Silbermedaille aus dem Jahr 2013 ist hier anhand von Fotos noch sehr präsent. Dahin würde man gerne wieder kommen. Wie es um die Nati steht haben wir in einem längeren Gespräch mit dem Nationalteamdirektor erörtert, der nach seiner ersten vollen Saison Bilanz zieht.
Das sagt Raeto Raffainer...
...zur vergangenen Saison für die Nati:
Es war ein turbulenter Start mit dem Trainerwechsel. Die Vertragsauflösung erfolgte auf gegenseitigen Wunsch. Wir waren froh im Dezember eine gute Lösung zu finden. Mit den Resultaten sind wir bis zur WM sehr zufrieden, wenn wir den Slovakia Cup ausklammern, da wir in Zilina bewusst mit jüngeren Spielern antraten. Wir gewannen 7 von 11 Spielen, wenn wir mit Topbesetzung antraten. Aufgrund der Analyse vom vergangenen Jahr wollten wir mindestens ein Vorbereitungsspiel mit dem kompletten WM-Team absolvieren – daher wurde die Partie gegen Deutschland in Basel organisiert.
Leider war der Start ins WM-Turnier resultatmässig nicht optimal. Auch mit dem Spiel gegen Norwegen dürfen wir nicht zufrieden sein – insbesondere mit dem Mitteldrittel. Ab Spiel drei war dann eine Steigerung zu erkennen und vieles funktionierte nun gut. Im Spiel fünf gegen fünf spielten wir eine sehr gute WM. Das Powerplay funktionierte im Gegensatz zum Boxplay. Obwohl das Turnier auf dem 11. Rang beendet wurde, sahen wir Trainer, welche innert kurzer Zeit die Mannschaft zu einem funktionierenden Team formten, eine tolle Stimmung erzeugten und über weite Strecken ein positives Bild des Schweizer Eishockeys zeigen konnten.
...wieso man mit Patrick Fischer verlängerte:
Wir haben aufgrund der eingehenden Analyse gesehen, dass dieses Turnier in den Boxplays und in den Räumen ums eigne Tor verloren ging - Dinge, welche man korrigieren kann. Dennoch waren viele Aspekte okay bis gut. Aber die Grundvoraussetzung, dass die Jungs motiviert sind, gut aus der Kabine kommen, sich in Schüsse werfen, die war vorhanden. Deswegen fanden wir, dass wir jetzt an den Details arbeiten müssen und gehen positiv mit Patrick Fischer in die Zukunft.
...wie es mit Felix Hollenstein und Reto von Arx weiter geht:
Sie waren Teil der Analyse, doch wir brauchten die Zeit bis jetzt für die Analyse selbst, die Gespräche mit Patrick Fischer und Christian Wohlwend und anderen U20-Kandidaten. Nun ist es wichtig für uns den Staff für die U20-Nati zu komplettieren, da hier die Saison schon bald losgeht. Selbstverständlich werden wir in den kommenden Wochen auch Gespräche mit den beiden führen.
...zum Jahr für die Junioren-Nationalteams:
Die U20-Nationalmannschaft ist eine grosse Herausforderung. Einerseits hat die U20 das kürzeste Programm aller Nationalmannschaften und andererseits ist der Leistungsunterschied hier enorm. Wir reden hier von 1./2.-Linienspielern der Elite-A-Junioren, bis zu Spielern mit NHL-Erfahrungen oder Erstrunden-Drafts. Das ist eine Herausforderung für jeden Coach. Zudem gibt es keine sogenannt einfachen Gegner auf diesem Level. Jeder Gegner hat eine grosse Anzahl Spieler, welche in den kanadischen Junioren- und in anderen Topligen beschäftigt sind. Und dennoch kann eine Schlüsselpartie den Turnierverlauf entscheidend beeinflussen – dieses Schlüsselspiel hatten wir an der WM in Helsinki verloren. Bei der U18-WM wussten wir, dass grosse Herausforderungen auf uns zukommen. Unter der Leitung von Thierry Paterlini haben wir uns jedoch sehr gut entwickelt. Auch hier war der Teamgeist ein wesentlicher Aspekt. Das Schlüsselspiel war wieder eng gegen die Letten, aber wir konnten dieses – anders als im vergangenen Jahr – für uns entscheiden. Wenn wir die allgemeine Entwicklung der U-Teams anschauen, spielen wir jedoch klar gegen den Abstieg. Alles andere wäre nicht realistisch. Das müssen wir den Clubs auch so rapportieren und zusammen mit den Clubs müssen wir versuchen, das Beste aus unseren besten Talenten herauszuholen.
...warum man sich für Christian Wohlwend als U20-Nationaltrainer entschieden hat:
Christian Wohlwend hat bereits vier Jahre SIHF-Erfahrung auf dieser Altersstufe. Er war bei der U20 Headcoach und Assistent, Assistent bei der A-Nati und hat auf Clubebene seit mehreren Jahren Trainererfahrung auf dieser Altersstufe. Er kann mit dieser Herausforderung, welche die U20 mit dem Gefälle hat, sehr gut umgehen. Deswegen, und auch bei der Analyse seiner Arbeit, welche er schon im Dienste von Swiss Ice Hockey verrichtet hatte, ist der Entscheid zugunsten von Christian Wohlwend gefallen.
...zur Zusammenarbeit mit den Clubs:
Die Zusammenarbeit läuft gut. Wir sind international auf allen Stufen A-klassig. Die Abstand zu den Topnationen ist auf Juniorenstufe grösser geworden, dagegen müssen wir ankämpfen. Die Clubs sind bezüglich der Spielerentwicklung in der Pflicht. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass dieses Ziel auch dank der guten Zusammenarbeit mit den Clubs erreicht werden kann.
...wo die grössten Mankos der Schweizer sind im Vergleich zu den Topnationen:
Physisch haben wir sicher ein Manko, besonders auf der U18-Stufe. Wir sind schlicht kleiner und leichter als die Spieler dieser Nationen. Zudem haben wir in vielen Bereichen Schwachstellen – läuferisch, schusstechnisch und was das Spielverständnis angeht Ein Augenmerk werden wir künftig sicher auf den Bereich der Torhüter legen. Ich bin froh, dass wir als SIHF die Torhüterausbildung und die Torhüterentwicklung nun aktiv vorantreiben. Mit der Anstellung der Goaliecoaches Thomas Bäumle und Stefan Siegfried haben wir einen ersten Schritt in diese Richtung gemacht. Wir schafften es in den letzten fünf Jahren nicht annährend an eine 90-Prozent-Fangquote heran, was alarmierend ist. Wichtig ist jedoch auch, seine Schwächen zu erkennen und den Hebel entsprechend ansetzen. Daran arbeiten wir zurzeit.
