Lugano – Finalniederlage als Startschuss?

27.4.2016 - Von Maurizio Urech

Auch wenn am 12. April kurz vor 23 Uhr die Enttäuschung bei Trainer und Spieler des HC Lugano nach der entscheidenden Niederlage gegen den SCB gross war, standen die Fans der Bianconeri wie ein Mann hinter ihrer Mannschaft und applaudierten und feierten die Spieler nach einer tollen Saison, der nur das Happy-End fehlte: Der SC Bern hatte in einer spannenden und hochklassigen Finalserie die Oberhand behalten.

Doch drehen wir das Rad der Zeit zurück. Noch bevor die Saison begann, wurde der Vertrag mit Headcoach Patrick Fischer um zwei weitere Jahre verlängert, dies weil man von seiner Arbeit überzeugt war. Doch leider kamen die Bianconeri nur harzig aus den Startlöchern und nach einer 0:5-Niederlage gegen den HCD am 15. Spieltag und dem letzten Tabellenplatz wurde Patrick Fischer entlassen. Doug Shedden übernahm das Team vor Ende Oktober. Unter dem neuen Coach wurde Lugano vor allem vor eigenem Publikum eine Macht und langsam aber sicher kletterte man in der Tabelle nach oben, nach einem 7:2-Heimsieg gegen Angstgegner Genf-Servette und sechs Siegen in Folge stand man am 12. Dezember auf dem vierten Tabellenplatz.

Man schloss die Qualifikation auf dem 5. Platz und traf im Viertelfinale ausgerechnet auf den Ex-Verein von Doug Shedden den EVZ. Seit 10 Jahren hatte der HC Lugano keine Playoff-Serie mehr gewonnen und mit entsprechend wenig Kredit stiegen die Bianconeri in diese Serie. Nach dem ersten Erfolg im Penaltyschiessen setzte man sich mit einem Sweep souverän durch, doch im Halbfinal wartete ausgerechnet Angstgegner Genf-Servette der zweimal im Viertelfinal die Endstation bedeutete. In den ersten fünf Spielen gewann jeweils das Auswärtsteam und der erste Heimsieg in Spiel 6 sollte die Entscheidung bringen und dies auf dramatische Art und Weise: Verteidiger Philippe Furrer verwertete in der Verlängerung und schoss den HC Lugano nach 10 Jahren ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein SCB in den Final. Was dieser Erfolg bedeutete sah man beim Routinier Steve Hirschi, der nach vielen Enttäuschungen seine Tränen nicht zurückhalten konnte.

Es gibt viele Anzeichen dafür, dass der HC Lugano den ersten Schritt in eine bessere Zukunft gemacht hat. Diese Mannschaft hat einen guten Mix zwischen jungen, hungrigen Spielern und Routiniers und kann mit einigen Ergänzungen auch in den nächsten Jahren den Fans attraktives Eishockey bieten. Jetzt weiss man auch wie man erfolgreiches Playoff-Eishockey spielt. Entsprechend gross war die Euphorie die man bei den Tifosi auslöste, das Resultat war ein neuer Zuschauerrekord , nie hatte man im Durchschnitt mehr Fans und in der Resega herrschte Hühnerhaut Stimmung.

Zum Abschluss noch unsere Einzel-Bewertung der Spieler

Elvis Merzlikins – Auch weil sich Manzato zweimal schwer verletzte wurde er zum Stammgoalie und startete vor allem erstmals in die Playoffs. Er nutzte seine Chance, spielte eine grossartige Saison und in den Playoffs sein bestes Eishockey, eine Bank für die nächste Saison, seine Zukunft liegt in der NHL.

Daniel Manzato – Eine Saison zum Vergessen mit zwei schweren Knieverletzungen. Wir wünschen ihm dass er nächste Saison gesund bleibt.

Viktor Östlund – Er hat sein wichtigstes Spiel schon gewonnen, trainierte die ganze Saison und durfte zur Belohnung dafür das Derby am 50. Spieltag bestreiten.

Alessandro Chiesa – Hat sich zum Leader entwickelt, räumt kompromisslos vor dem eigenen Tor auf, auch im Boxplay einer der besten, doch auch offensiv stark , 19 Punkte sind ein neuer Höchstwert für ihn.

Philippe Furrer – Der Penalty gegen Genf-Servette war einer der Highlights der Saison, er war einer der Eckpfeiler , übernahm die Rolle des Ausländers, wie Chiesa nicht nur defensiv stark sondern auch offensiv mit 18 Punkten.

Steve Hirschi – Der Kapitän war wie immer eine Bank in der Abwehr der Bianconeri. Er hat sich entschied noch eine Saison anzuhängen. Er liebt Lugano und Lugano liebt ihn.

Lorenz Kienzle – Spielte seine bisher beste Saison im Lugano Dress, defensiv stabil, unvergessen sein Auftritt am Spenglercup bei der Auseinandersetzung mit DiDomenico. Er wechselt zu Fribourg-Gotteron.

Clarence Kparghai – Konnte endlich eine Saison am ersten Spieltag beginnen, er gibt keine Scheibe verloren, verletzte sich in vierten Finalspiel und wird länger ausfallen. Ein sicherer Wert für die Zukunft.

Riccardo Sartori – Eine schwierige Saison für ihn, erhielt nicht die gewünschte Eiszeit, doch er hat alles um sich auf diesem Niveau zu etablieren, wird im Sommer noch härter arbeiten um für die nächste Saison bereit zu sein.

Stefan Ulmer – Hatte in dieser Saison erneut mit Verletzungen zu kämpfen, ist der kreativste Verteidiger der Bianconeri, einer der Schlüsselspieler auch für die nächsten Jahre, 26 Punkte sprechen eine deutliche Sprache, wenn er endlich eine Saison ohne Verletzungen durchspielen kann, liegt sogar noch mehr drin.

Julien Vauclair – Auch er hatte eine schwierige Saison mit Verletzungen, doch er liess davon nicht unterkriegen und kehre zurück, in den Playoffs legte er noch eine Schippe drauf, der beste Vauclair seit langem, kann dieser Mannschaft noch viel geben, sein nächstes Ziel ist der 100. Treffer in der NLA.

Alessio Bertaggia – „Bertaggino“ ist einer der grossen Gewinner dieser Saison, konnte seine Geschwindigkeit endlich in Tore ummünzen, 33 Punkte sind sein neuer Bestwert in der NLA, von ihm darf man in den nächsten Saisons noch mehr Geschwindigkeit und Tore erwarten.

Damien Brunner – Leider hatte auch er mit Verletzungen zu kämpfen, aber kam trotzdem auf fast einen Punkt pro Spiel, ein Sniper mit Schweizer Pass, er wird noch viele wichtige Tore für die Bianconeri schiessen, wir hoffen dass er nächste Saison verletzungsfrei bleibt.

Giacomo Del Pian – Das Eigengewächs hatte eine schwierige Saison, spielte vor allem in der NLB, sein Vertrag wird nicht verlängert, vielleicht erhält er anderswo noch eine Chance.

Luca Fazzini – Das ewige Talent wurde sogar in die NLB zu den Lakers abgeschoben um mehr Eiszeit zu haben, in den Playoffs liess er seine Qualitäten immer wieder aufblitzen, falls er noch härter Arbeitet anstatt sich auf den Lorbeeren auszuruhen, wird er noch viele Tore für den HC Lugano schiessen.

Gregory Hofmann – War die erwartete Verstärkung für die Bianconeri, eine Rakete auf Kufen, ergänzt sich sehr gut mit seinem Zwilling Bertaggia, er wird noch für viele Highlights im Dress des HC Lugano sorgen, wird noch härter dafür Arbeiten damit er am Schluss nicht als zweiter Sieger dastehen muss.

Linus Klasen – Letzte Saison war er nur der Künstler der in den Playoffs verschwand, diesmal sah man in den Playoffs einen Leader und Antreiber auf dem Eis, der geniale Spielmacher ist an vielen Abenden alleine das Eintritts-Geld Wert, die Fans der Bianconeri dürfen sich auf noch viele Highlights freuen.

Diego Kostner – Wie in den letzten Jahren ein ehrlicher Arbeiter der immer wenn er auf dem Eis stand sein Bestes gegeben hat, er wechselt zu Ambri-Piotta, wir wünschen ihm alles Gute.

Maxim Lapierre – Der Kanadier stiess kurz vor den Playoffs zu den Bianconeri, dank seiner physischen Präsenz ein wichtiger Faktor für den Erfolg, ein unangenehmer Gegenspieler, spielte seine Rolle als Sheriff hervorragend, noch ist offen ob er nach Lugano zurückkehren wird.

Tony Martensson – Hatte einen schwierigen Saisonstart wegen persönlicher Probleme, wurde zu Unrecht kritisiert, er war der Stabilisator zwischen Pettersson und Klasen und steigerte sich immer mehr und in den Playoffs sah man den besten Martensson mit acht wichtigen Toren, darunter ein paar GWG, ein Leader.

Giovanni Morini – Hatte Riesiges Verletzungspech und bestritt nur 36 Spiele diese Saison, aber in diesen zeigte er sein ganzes Talent, hatte kein Problem sich an das Niveau der NLA anzupassen, defensiv stabil, er weiss aber auch wo das Tor steht, nächste Saison wird er hoffentlich verletzungsfrei bleiben, er hat eine grosse Zukunft vor sich.

Fredrik Pettersson – Hatte das Pech sich während den Playoffs zu verletzen, spielte ein starke Qualifikation, erzielte im Lugano Dress mehr als einen Punkt pro Spiel, eine Tormaschine, wird nur schwer zu ersetzen sein. Er wechselt in die KHL wo er hoffentlich mehr Glück haben wird als bei seinem ersten Versuch.

Sébastien Reuille – Der Routinier war auch diese Saison ein sicherer Wert im Kader der Bianconeri, kämpferisch ein Vorbild, ganz stark im Boxplay, ein wichtiger Spieler in der Garderobe, ein Krieger auf dem Eis.

Matteo Romanenghi – Der Lugano-Junior beendete die Saison in der NLB mit dem EHC Olten, noch ist unklar ob er in Lugano bleiben wird, evtl. könnte Biasca ein Thema für ihn werden.

Raffaele Sannitz – Der Center spielte eine ganz starke Saison, ein kompletter Zwei-Weg Center, der nicht nur vor dem eigenen Tor aufräumt, sondern auch wichtige Tore schiesst, einer der Schlüsselspieler im Kader der Bianconeri.

Tim Stapleton – Der US-Amerikaner stiess nach einem enttäuschenden Saisonstart mit dem EHC Biel im November zu den Bianconeri, in 24 Spielen erzielte er immerhin 15 Punkte, nach der Verpflichtung von Lapierre war er de Facto der fünfte Ausländer, wird nächste Saison für einen anderen Verein spielen.

Janick Steinmann – Der Pechvogel im Kader des HC Lugano, bestritt nur 14 Spiele bevor ihn eine Gehirnerschütterung für den Rest der Saison ausser Gefecht setzte. Wir wünschen ihm in primis dass er wieder vollständig gesund wird, alles andere ist im Moment Nebensache.

Julian Walker – Auch wenn es die nackten Zahlen mit fünf Toren und sieben Assist nicht aussagen, er spielte eine ganz starke Saison und war massgeblich am Erfolg der Bianconeri beteiligt. Defensiv ein Eckpfeiler, nur er weiss wie viele Schüsse er im Boxplay geblockt hat und wie viele blauen Flecken er als „Trophäe“ dafür erntete, verteilte aber auch unzählige Checks, er hat seine Rolle definitiv gefunden.

Das Sommertraining in Lugano beginnt bereits am 9. Mai