Wer schaffts ins Halbfinale?

2.3.2016 - Von Maurizio Urech

Am Donnerstag beginnt auch für die Schweizer Hockeyfans die schönste Zeit des Jahres. Die Playoffs versprechen auch dieses Jahr Emotionen, Spannung pur und Polemiken. Nach einer Qualifikation, die so ausgeglichen war wie noch nie, analysieren wir jede Paarung und wagen uns aufs Glatteis mit unseren Prognosen.

ZSC Lions (1.) – SC Bern (8.)

ZSC gegen den SCB. Auf dem Papier ist das eine Hammer-Paarung zwischen zwei Schwergewichte des Schweizer Eishockeys mit den höchsten Umsätzen. Aber wird es auch sportlich ein Duell auf Augenhöhe?

Die ZSC Lions haben den Hattrick geschafft und zum dritten Mal in Serie die Qualifikation souverän gewonnen und alles andere als eine erneute Finalqualifikation wäre eine Sensation. Die Löwen sind breit aufgestellt wie kein Team, oder wie formulierte es ein Coach: „Gegen die ZSC Lions zu spielen ist wie wenn du auf die chinesische Armee treffen würde. Kaum hat man die erste und die zweite Welle überstanden, kommt die dritte und vierte und erledigt den Job.“

Die Lions können sich auf eine solide Verteidigung verlassen und offensiv lassen sie sich nichts fehlen. Man hat sowohl die Künstler wie Matthews, Nilsson und Malgin, welche zaubern können, Suter ist der designierte Schweizer Rookie des Jahres, Herzog, Schäppi, Künzle und Trachsler sorgen für die physischen Präsenz, dazu hat man den rekonvaleszenten Joker Flüeler auf dem Torhüterposten, auch wenn die Playoffs mit Schlegel im Tor losgehen.

Der SC Bern hat sich nach einer komplizierten Saison mit Trainerwechsel und vielen Verletzten in extremis doch noch für die Playoffs qualifiziert. Die Qualifikation hing an einem seidenen Faden, dazu genügt ein Blick zurück in die 43. Runde und dem Auswärtsspiel gegen den LHC. Die Waadtländer führten 4:3 und 1,4 Sekunden vor Schluss kam es zu einem Bully vor dem Verteidigungsdrittel des LHC, eigentlich Game-Over, doch die Waadtländer verspielten den Vorteil auf fahrlässige Art und Weise und kassierten 0,1 Sekunden vor Schluss den Ausgleich. Lausanne gewann im Penaltyschiessen und nach 50 Partien hatte man bei Punktgleichheit mit dem SCB das Nachsehen.

Der SCB hat mit Eric Blum den kreativsten Verteidiger verloren und hat dazu ein Problem auf der Torhüterposition, wo weder Stepanek noch Schwendener dem Team die nötige Sicherheit geben können. 162 Gegentore (3.24 im Schnitt) ist der viertschlechteste Wert der Liga. Natürlich können die Berner jetzt ohne Druck in der Rolle des Aussenseiters antreten, doch wie viel Energie hat hat der Strichkampf mental und physisch gekostet?

Prognose: Die ZSC Lions entscheiden die Serie 4:1 für sich

HC Davos (2.) – Kloten Flyers (7.)

Schweizer Meister HC Davos gegen die Kloten Flyers ist eine reizvolle Paarung zwischen zwei der schnellsten Teams der NLA, welche attraktives Eishockey versprechen.

Der HC Davos tanzte diese Saison auf verschiedenen Hochzeiten und trotz der dreifach Belastung (Champions League, Spengler Cup und Meisterschaft) brachte Coach Arno Del Curto sein Schiff souverän in den Hafen der Playoffs. Trotz diversen Verletzungsproblemen stand die Qualifikation nie zur Diskussion und dazu kam man in der Champions Hockey League bis in den Halbfinal und dank dem zweiten Platz ist man dort auch nächstes Jahr am Start.

Genoni war der gewohnt sichere Rückhalt der Bündner und hat diverse Spiele für sein Team gewonnen. Sein Abgang zum SCB wird nur schwer zu kompensieren sein. Der finnische Stürmer Perttu Lindgren war der Überflieger des HCD. Teilweise wurde alles, was er anfasste, zu Gold, sprich zu einem Torerfolg. Doch auch die Schweizer Stürmer wie Marc Wieser (49 Punkte), „Mr. Duracell“ Andres Ambühl und Mauro Jörg waren für das offensive Spektakel zusammen mit Dick Axelsson zuständig. Nicht weniger als acht Stürmer haben mehr als 10 Tore erzielt und in der Verteidigung sind Beat Forster und Félicien Du Bois die unbestrittenen Leader.

Die Kloten Flyers standen die ganze Saison in den Schlagzeilen, jedoch nicht nur wegen der Leistungen auf dem Eis, sondern auch mit dem was neben dem Eis geschah mit den neuen kanadischen Besitzern. Zuerst vergraulte man die Fans mit einem Saisonabo mit überhöhten Preisen ohne Playoff-Spiele, was einen massiven Einbruch bei den Zuschauerzahlen zur Folge hatte. Dann wurde bekannt, dass man die laufende Saison mit einem Minus von rund 7 Millionen Franken abschliessen wird und zuletzt wechselte der Verwaltungsrats-Präsident Ken Stickney die Fronten und übernahm die Aktien von Hugh Quennec bei Lausanne.

Lange Zeit stand auch die Playoff-Qualifikation auf der Kippe. Dank einem starken Endspurt mit sieben Siegen in den letzten acht Spielen schaffte man diese doch noch. Nach dem monatelangen Ausfall von Luca Boltshauser spielte Martin Gerber praktisch die ganze Qualifikation durch, doch der Routinier überzeugte nur selten, die letzten Spiele verpasste er wegen einer Verletzung. Wer in die Playoff starten wird, ist ein ganz heikler Entscheid für Coach Simpson. Offensiv war Praplan mit seinen 18 Toren die Entdeckung, Hollenstein schoss im Endspurt wichtige Tore, während von der Ausländer-Fraktion deutlich mehr kommen muss, wenn man gegen den HCD eine Chance haben will.

Prognose: Auch wenn die Kloten Flyers unbeschwert aufspielen können, werden sie gegen das Powerhockey des HCD kein Rezept finden, der HCD gewinnt die Serie 4:2.

Genf-Servette (3.) – Fribourg-Gottéron (6.)

Ein heisses Romand-Derby zum Playoff-Auftakt sorgt vor allem in der Westschweiz für viel Schlagzeilen und Emotionen bei einer Paarung in der sich zwei Teams gegenüber stehen die eine jahrelange Rivalität „verbindet“.

Was für die zwei Teams gilt, die vor Ihnen klassiert sind, gilt auch für die Grenats: Man spielte eine souveräne Qualifikation mit konstanten Leistungen und basierend auf die gewohnte Heimstärke und ein Spielsystem, welches seit Jahren das gleiche ist. So qualifizierte man sich souverän für die Playoffs. Am Schluss der Qualifikation ging es nur noch um die Platzierung. Schon früh war klar dass man diese unter den ersten vier Teams beenden würde.

Vor einem Robert Mayer, der Hochs und Tiefs hatten, sorgten vor allem die Offensiv-Verteidiger Loeffel und Fransson für die Musik. Zusammen kamen die beide auf 55 Punkte. Bezina, Vukovic und Antonietti waren fürs Grobe zuständig. Bei den Stürmern war Riat die Entdeckung, doch jetzt droht nach einer Verletzung das Saisonende. Die Nordamerika-Fraktion um D’Agostini, Pyatt und Slater kümmerte sich zusammen mit Romy um die Torproduktion und diese Stürmer werden sicher auch zu Schlüsselspieler in dieser Serie.

Der Freiburger Drachen sorgte diese Saison wieder einmal für viele Schlagzeilen. Die Saison war eine richtige Berg- und Talfahrt. Man startete wie die Feuerwehr mit acht Siegen und am 23. Oktober nach einem 3:1-Heimsieg gegen die ZSC Lions grüsste man noch als stolzer Leader. Doch es wäre untypisch für den Drachen gewesen, wenn er konstant weiter gespielt hätte und im Dezember fiel man in ein schwarzes Loch und verlor gleich elfmal in Serie und stürzte bis auf den achten Platz ab. Dann kehrte man mit vier Erfolgen in Serie auf die Erfolgsstrasse zurück und löste doch noch das Playoff-Ticket.

Goalie Benjamin Conz startete wie sein Team stark, doch in der kritischen Phase war er seiner Mannschaft keine Stütze. Wie sieht dies in den Playoffs aus? Verteidiger Yannick Rathgeb spielte eine ganz starke erste Saison und wenig überraschend war erneut Julien Sprunger mit 25 Toren der beste Torschütze der Drachen. Bei den Ausländern hatten Mauldin und Pouliot vor allem mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, Salminen begann stark bevor er von der Bildfläche verschwand und Gottéron verliess. Reway und der Routinier Genoway ersetzten ihn.

Prognose: Genf-Servette wird diese Serie mit 4:2 dank dem physischen Spiel für sich entscheiden. Trotz einiger Ausfälle ist man breiter aufgestellt als der Drachen.

EV Zug (4.) – HC Lugano (5.)

Bereits vor drei Jahren gab es diese Playoffs-Begegnung und auch dort hatte der EVZ unter Coach Shedden den Heimvorteil und entschied die Serie in Spiel 7 vor eigenem Publikum. Bei den Bianconeri sind sechs Spieler dabei, die schon damals im Kader standen, genauso viele wie beim EVZ. Morant und Schlumpf spielten damals noch mit dem HC Lugano, Alessandro Chiesa mit dem EVZ.

Der EVZ spielt unter Harold Kreis ein offensives und attraktives Eishockey und man setzte sich schon bald in der Spitzengruppe fest und Ende Januar stand man sogar auf dem zweiten Tabellenplatz. Auch wenn es im Februar nicht mehr so gut lief, sicherte man sich den Heimvorteil bereits eine Runde vor Schluss.

Dass der EVZ bei der jährlich durchgeführten Wahl durch der Captains und Trainer gleich dreimal im All-Star Team vertreten war, ist kein Zufall. Tobias Stephan ist zweifellos ein Top-Goalie, Daniel Sondell dirigiert das Powerplay, Tim Ramholt und Robin Grossmann unterstützen ihn offensiv, während Johann Morant und Yannick Blaser hinten aufräumen. Liga-Topscorer Pierre-Marc Bouchard ist dafür verantwortlich, dass die Innerschweizer jederzeit für ein Powerplaytor gut sind. Dass auch Immonen, Holden, Suri und Martschini zu den Scharfschützen zählen, ist keine Überraschung. Offensiv ist der EVZ breit aufgestellt und brandgefährlich.

Der HC Lugano war unter Coach Patrick Fischer mit grossen Ambitionen in die Saison gestartet, doch nach einem akzeptablen Start stürzte man bis auf den letzten Tabellenplatz ab und dies kostete Fischer den Job. Fünf Tage später präsentierte man mit Doug Shedden seinen Nachfolger und dieser fand offenbar die richtigen Worte, um die Mannschaft aus dem Tabellenkeller zu führen. Vor allem zu Hause wurde man eine Macht. Im Schlussspurt verlor man einige Schlüsselspiele auswärts, so dass er nicht mehr für den Heimvorteil reichte.

Goalie Elvis Merzlikins schafft den Durchbruch und musste nach den zwei schweren Verletzungen von Manzato Verantwortung übernehmen. Jetzt steigt der Lette mit Schweizer Lizenz erstmals als Stammgoalie in die Playoffs. Sein Duell mit Stephan wird zur grossen Herausforderung für ihn. Philippe Furrer ist zusammen mit Alessandro Chiesa der Verteidigungsminister der Bianconeri, Ulmer ist nach einer schwierigen letzten Saison wieder eine offensive Waffe. Nichts Neues ist, dass Linus Klasen und Fredrik Pettersson mit 49 beziehungsweise 48 Punkten für die offensive Musik sorgten. Zusammen mit Landsmann Tony Martensson sollen die drei dies auch in den Playoffs machen. Dahinter aber kommen mit Brunner, Hofmann, Bertaggia und Sannitz gleich vier Spieler mit Schweizer Pass, die mehr als 10 Tore geschossen haben. Vom Kanadier Maxim Lapierre darf man kernige Checks und einige wichtige Tore erwarten.

Prognose: Zwischen den Teams mit Offensiv-Spektakel könnte erneut der Heimvorteil eine entscheidende Rolle spielen. Wir erwarten eine spannende Serie über sieben Spiele mit dem besseren Ende für die Zentralschweizer.