Ici c’est Bienne!

24.8.2015 - Von Martin Merk

Seit Freitag spielt er EHC Biel offiziell in seiner neuen Arena. Die Tissot Arena ist ein Schmuckstück und Glücksfall für den Verein und ist auch architektonisch einzigartig, da es in einen Ostteil mit der Eishalle und einem Westteil mit einen kleinen Fussballstadion ausgestattet ist.

„Ici c’est Bienne!“ riefen die Bieler Fans in den vergangenen Jahren aus der Fankurve. Hier ist Biel, hier regiert der EHC Biel. Mancher Gast vermochte dies mit einem Lächeln zur Kenntnis genommen haben in Anbetracht des Alters des Bieler Eisstadions, das zuletzt ein Netz benötigte aufgrund der bröckelnden Hülle. Doch damit ist nun Schluss. Das Eisstadion ist nicht mehr, gejubelt wird nun in der Tissot Arena.

Aufgrund der 2:3-Niederlage haben die Gäste aus Dornbirn die Eröffnung zwar sportlich etwas verdorben, gingen die Seeländer doch als Favorit ins Duell wie jeder NLA-Club im Duell mit einem österreichischen Team. Doch das Erlebnis des ersten Spiels in der neuen Eishalle liessen sich die Fans nicht nehmen.

Erst wenige Tage zuvor wurde klar, dass bereits dieses Spiel in der neuen Heimat des EHCB ausgetragen werden kann. Noch ist nicht alles perfekt. Der Videowürfel wird bestimmt noch dynamischer ausgenutzt und der Gastronomiebereich über Wurst und Brot hinausgehen. Doch Eishockey konnte gespielt werden und die 4016 Zuschauer sorgten bereits früh in der Saison für NLA-Atmosphäre, auch dank den nimmermüden Gästefans aus dem österreichischen Grenzort. Auch diese sorgten für eine Premiere, gab es doch in Biel erstmals einen Gästeblock, der räumlich klar von der Stehplatzkurve der Heimfans getrennt ist. 1500 Stehplätze stehen hinter dem einen Tor für die EHCB-Fans bereit, 500 Stehplätze auf der anderen Seite für Gästefans und 4500 Sitzplätze für ein Total von 6500 Zuschauer.

Den grossen, massiven Stehplatz-Sektor des Eisstadions werden einige Bieler Fans wohl vermissen im Vergleich zur Tissot Arena auf zwei Etagen. Doch damit hat es sich dann wohl auch schon. Für den Club ist der Umzug vom bröckelnden Eisstadion 150 Meter nordöstlich in die neue Arena ein langersehnter Gewinn von dem man sich eine bessere Zukunft verspricht. Anstatt jährliche Sockelverluste stopfen zu müssen, kann der Verwaltungsrat nun über eine Vorwärtsstrategie nachdenken.

„Es war eine strenge Zeit, aber das wussten wir. Es ist eine Riesenfreude, wenn man diese Halle sieht und diese ist nicht zu vergleichen, mit dem, was wir im alten Stadion hatten“, sagt der Geschäftsführer Daniel Villard.

„Es gibt uns sehr viele neue Möglichkeiten. Wir haben mehr Restaurants, VIP-Logen. Die VIP-Logen alleine bringen uns eine Million Franken an Mehreinnahmen, dazu kommt die Gastronomie.“

Durch die neue Arena hat sich das Budget um satte drei Millionen Franken erhöht. Mit Tim Stapleton konnte man sich einen Ausländer holen, der früher in einer zu hohen Preisklasse spielte. Der Amerikaner stand in den letzten drei Jahren in der russischen KHL im Einsatz. Jahrelang versuchte ihn der damalige Trainer Doug Shedden vergeblich nach Zug holen, nun ist er in Biel gelandet.

Auch ansonsten haben die Seeländer in die Innerschweiz geschielt, wo man vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls ein neues Zeitalter eingeläutet hat.

„Wir haben uns in vielen Sachen an Zug orientiert. Sie haben ähnliche Halle auch von der Grösse“, so Villard. „Wir haben uns viel mit ihnen ausgetauscht, das war für uns sehr wichtig. Wir waren mehrmals dort und sie waren sehr hilfsbereit. Es war eine sehr gute Zusammenarbeit mit Zug.“

Auch ansonsten gab es Änderungen. Das gewohnte Farbbild der letzten Jahre mit Fokus auf gelb und rot wird man wohl höchstens noch bei hartgesottenen Fans in der Fankurve sehen oder wenn die SCL Tigers zu Gast sind, denn die Clubführung konsequent auf rot und blau setzen – eine Farbkombination, die schleichend an Bedeutung gewonnen hat und nun nicht nur das Trikot, sondern auch das neue Logo ziert.

Beim ersten Spiel in der neuen Arena gab es diesbezüglich keine Auffälligkeiten, doch zuvor hatten einige ultraorientierte Matchbesucher bei einem Gastspiel in der Ajoie ihren Frust freien Lauf gelassen und durch Rauch beinahe einen Spielabbruch erzwungen.

„Es ist sicher unschön, aber wir haben das mit den Farben so entschieden und werden das so durchziehen. Man muss es zur Kenntnis nehmen, dass so einen Entscheid nicht immer alle gleich gut finden“, kommentiert Villard die Anspannung.

Ohnehin gibt es für die Clubführung wichtigere Pendenzen, insbesondere auf dem Eis. Mit nur punktuellen Änderungen möchte man sich in der NLA verbessern, doch ganz so einfach wird es wohl nicht. Und mit Basel, Langnau und Rapperswil sind in den letzten Jahren bereits drei Mannschaften mit neuer Halle abgestiegen.

„Wir müssen schauen, dass die Euphorie bei den Zuschauern nicht ins Unermessliche steigt. Nur wegen der Halle werden wir nicht automatisch ein Playoff-Teilnehmer“, warnt Villard. „Aber es ist natürlich eine andere Ausgangslage. Gerade bei Verhandlungen mit Spielern haben wir nun ein neues Argument mit der Halle.“

Das Ziel bleibt aber gleich wie immer seit dem Aufstieg vor sieben Jahren: die Playoff-Qualifikation und damit mindestens den Rang 8, welchen die Mannschaft von Kevin Schläpfer allen Negativ-Prognosen zum Trotz in den vergangenen vier Jahren dreimal geschafft hat. Klar, dass man dies auch in der neuen Tissot Arena erleben möchte.

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Tissot Arena

Hier gehts entlang zur Eishalle. Foto: Martin Merk

Der rechte Teil des Komplexes beinhaltet die Eishalle. Foto: Martin Merk

Die Tissot Arena von innen beim ersten Heimspiel des EHC Biel. Foto: Martin Merk