Lugano: Auf dem Weg nach oben?

24.03.14 - Von Maurizio Urech

Als in Genf Noah Rod den 10. und letzten Penalty magistral verwandelte ging wieder einmal eine Saison des HC Lugano früh zu Ende. Auf den ersten Blick kann man es sogar als Rückschritt gegenüber der Vorsaison sehen als man erst im siebten Spiel am EV Zug scheiterte, doch die Realität ist eine andere. Unter dem Duo Patrick Fischer - Peter Andersson hat beim HC Lugano eine neu Ära begonnen.

Die beiden haben ein klares Konzept mit dem sie den HC Lugano wieder an die Spitze führen wollen. Die Basis dazu ist die harte tägliche Arbeit. Anfangs Saison erhielten alle Spieler eine Chance. Diejenigen die nicht mehr zu ihrer Philosophie passten oder ihre Rolle nicht mehr ausfüllen konnten, mussten Ihre Koffer packen. Mit Glen Metropolit, Hnat Domenichelli und Dan Fritsche traf es klingende Namen.

Bei einem kurzen Rückblick auf die Qualifikation fällt vor allem auf, dass es dem Trainer-Duo gelungen ist, der Mannschaft ein stabiles Defensiv-Konzept zu verpassen. Die Bianconeri hatten nach den Lions die beste Defensive und auch in der Unterzahl-Statistik stand man auf dem zweiten Platz. Ausser im dritten Spiel der Serie gegen Genf konnte man dies auch in den Playoffs bestätigen.

Auf der Habenseite ist sicherlich auch die Tatsache, dass man mit Elvis Merzlikins einen jungen Torhüter gefunden hat, der mehr als ein Versprechen für die Zukunft ist. Mit Giacomo Dal Pian und Luca Fazzini erhielten weitere junge ihre Chance und in der nächsten Saison folgen mit Riccardo Sartori und Matteo Romanenghi die nächsten Spieler aus dem Nachwuchs und in dieser Saison hat man den besten Raffaele Sannitz seit der Saison 2005/2006 gesehen.

Mit dem Schweden Fredrik Pettersson hat man einen Leader auf und neben dem Eis verpflichtet und mit der Rückkehr von Alessandro Chiesa wird die schon starke defensive noch verstärkt.

Auf der Sollseite steht sicherlich die mangelnde Torproduktion. In den letzten drei Spielen gegen Genf-Servette hat man jeweils nur ein Tor geschossen. Die Bianconeri haben viele gute Zweiweg-Stürmer, doch der eigentliche Scorer fehlt und sicherlich wird die Verpflichtung eines starken ausländischen Stümers ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Offen ist trotz eines noch weiterlaufenden Vertrags auch die Zukunft von Jacob Micflikier, der seine zwei Chancen während den Playoffs nicht nutzen konnte.

Hier unsere Einschätzung zu den Leistungen der Spieler des HC Lugano.

Torhüter:

Michael Flückiger: Ein Virus setzte ihn lange ausser Gefecht, er kam daher nur zu einem Einsatz im Dress der Bianconeri. Wir wünschen ihm alles Gute für die Fortsetzung der Karriere in Ambri.

Daniel Manzato: Er spielte eine solide aber keine herausragende Saison. Man wurde den Eindruck nicht los, dass er praktisch nie ein Spiel „gestohlen“ hat und im Gegenteil ein paar Mal in der Schlussphase wichtige Punkte nicht festhalten konnte. Wie wird er auf die Herausforderung Merzlikins reagieren?

Elvis Merzlikins: Sicherlich der Shooting-Star der Bianconeri. Der gebürtige Lette wurde ins kalte Wasser geworfen und überzeugte vom ersten Einsatz an als er sein erstes Spiel im Penaltyschiessen entschied und auch am Donnerstag in seinem ersten Playoffeinsatz zeigte er eine Klasseleistung. Falls er weiterhin hart arbeitet und mit beiden Füssen auf dem Boden bleibt, kann er zu einem der besten Goalies der Liga werden.

Verteidiger:

Florian Blatter: Zum ersten Mal seit er in Lugano ist spürte er das Vertrauen des Coachs. Er dankte es mit soliden Leistungen und spielte seine beste Saison im Dress des HC Lugano. Er wird die Bianconeri verlassen.

Ilkka Heikkinen: Keine einfache Saison für den finnischen Verteidiger, der als Keyplayer vor allem im Powerplay startete. Als Patrick Fischer auf vier ausländische Stürmer setzte, verlor er seinen Stammplatz. 23 Tore und 30 Assist in zwei Saison sprechen für ihn. Er wird seine Karriere wohl in der KHL fortsetzen.

Steve Hirschi: Keine einfache Saison für den Kapitän der Bianconeri, der mit Verletzungen zu kämpfen hatte, aber immer auf die Zähne biss. Ein sicherer Wert falls er gesund bleibt.

Lorenz Kienzle: Eigentlich müsste er unter der Rubrik Stürmer auftauchen, denn auf dieser Position hat er mehr Spiele bestritten als in der Verteidigung. Konnte sich gegenüber der Vorsaison steigern, hat aber noch Luft nach oben.

Clarence Kparghai: Aufgrund einer Verletzung konnte er erst im Oktober ins Spielgeschehen eingreifen dann überzeugte er mit seinem physischen Spiel und seiner Dynamik. Ein wichtiger Eckpfeiler für die defensive des HC Lugano in den nächsten Jahren.

Marco Maurer: Stiess im November von den ZSC Lions zu den Bianconeri, Dan Fritsche ging den umgekehrten Weg. Stabilisierte mit seiner physischen Präsenz die Defensive der Bianconeri, kann aber auch im Sturm aushelfen.

Dominik Schlumpf: Einer der Aktivposten im Spiel des HC Lugano. Erhielt in dieser Saison enorm viel Verantwortung von Patrick Fischer, spielte auch im ersten Powerplay-Block und rechtfertigte das Vertrauen mit einer starken Saison. Sein Reifeprozess ist noch lange nicht abgeschlossen.

Stefan Ulmer: Was für eine Saison, er verdoppelte nicht nur seine Punkteproduktion er bildete zusammen mit Vauclair eines der besten Verteidigerpaare der gesamten Liga, überzeugte mit seiner Spielintelligenz, einer der Schlüsselspieler für die Zukunft.

Julien Vauclair: Hatte keine leichte Saison nach der Attacke von Holden und fiel praktisch zwei Monate aus. Die Olympiade war das Highlight seiner Saison. Kam in den Playoffs nicht ganz auf sein gewohntes Niveau. Wir wünschen ihm eine verletzungsfreie nächste Saison.

Stürmer:

Lukas Balmelli: Der Junior des HC Lugano begann die Saison beim HC Thurgau. Aufgrund der vielen Verletzungen kam er zu seinem NLA-Debut im Dress der Bianconeri. In 18 Einsätzen kam er zu seinem ersten Tor in der höchsten Spielklasse, nachdem er mit dem HC Thurgau aus den Playoffs ausgeschieden war, beendete er die Saison mit den Elite-Junioren wo er bis in den Final kam.

Flavien Conne: Der Routinier verletzte sich beim ersten Saisonspiel in Rapperswil. Als er sich fast wieder zurückgekämpft hatte setzte ihn eine Krankheit ausser Gefecht. Er kehrte erst für die Playoffs zurück. Er dürfte wohl seine Karriere beenden und in einer anderen Funktion beim HC Lugano bleiben.

Giacomo Dal Pian: Der Junior bestritt seine erste volle Saison in der NLA und war einer der Aktivposten bis im Januar. Nach seiner Verletzung verlor er seinen Stammplatz, wir erwarten ihn noch stärker in der nächsten Saison.

Luca Fazzini: Patrick Fischer hat ihn behutsam aufgebaut, Fazzini ist sicherlich das grösste Talent aus der Juniorenbewegung des HC Lugano. Er besitzt einen ausgeprägten Torriecher und kam in dieser Saison schon auf sechs Toren. Auch er bestritt die Playoffs mit den Elite-Junioren, erst am Donnerstag wurde er eingesetzt. Einer der Trumpfkarten für die Zukunft der Bianconeri falls er weiterhin hart an sich arbeitet.

Danny Irmen: Der US-Amerikaner kam mit einer B-Lizenz für die Playoffs zu den Bianconeri. Nach dem Flop von Micflikier im ersten Spiel erhielt er seine Chance und überraschte alle. Er ist kein spektakulärer Spieler sondern einer, der hart arbeitet und sich in den Dienst der Mannschaft stellt. In beiden Heimspielen punktete er und verdiente sich das Vertrauen des Trainerstabs.

Diego Kostner: Er machte in dieser Saison einen weiteren Schritt nach vorne und kann zu einem Schlüsselspieler im Kader des HC Lugano werden. Er hat sich zu einem kompletten Zweiweg-Stürmer entwickelt, leider verletzte er sich im Januar und kam nachher nicht mehr auf Touren.

Mikko Lehtonen: Kam im Rahmen des Tauschgeschäftes mit Glen Metropolit zu den Bianconeri, konnte aber seine Chance nicht nutzen.

Brett McLean: Der Vorzeigeprofi spielte seine beste Qualifikation seit er in der Schweiz ankam. Er traf alleine im Powerplay 11 Mal der absolute Spitzenwert in der Liga. Auch wenn er in den Playoffs nicht punkten konnte war es richtig seinen Vertrag um ein weiteres Jahr zu verlängern. Er ist ein Vorbild für die jungen und ein wichtiger Spieler auf und neben dem Eis.

Jacob Micflikier: Der Kanadier stiess erst im Oktober zum Team und bewies mehrmals seinen Torriecher, 16 Tore und 11 Assist in 35 Spielen sind ein beachtlicher Wert. In den Playoffs war er eine einzige Enttäuschung vor allem im ersten Spiel auswärts in Genf war seine Leistung indiskutabel. Er kehrte erst für das vierte Spiel ins Kader zurück, konnte seine Chance aber nicht nutzen. Seine Zukunft in Lugano ist ungewiss.

Brady Murray: Er verpasste die gesamte letzte Saison und er verletzte sich schon im ersten Saisonspiel in Rapperswil, kehrte im November ins Team zurück und zeigte, dass er dank seiner läuferischen Qualitäten gut ins System des Trainerduos passt. Leider konnte er seine Schnelligkeit nicht immer in Tore ummünzen, ansonsten hätte er weit mehr als drei Tore erzielt. Sein Vertrag läuft aus. Noch ist ungewiss, ob die Option auf eine Vertragsverlängerung eingelöst wird.

Fredrik Pettersson: Der Schwede stiess im November zu den Bianconeri, obwohl er auch andere Offerten hatte und entschied in seinem ersten Einsatz schon das Derby in Ambri. Er brachte seine Energie und seinen Spielwitz in der Resega und wurde schnell zu einem Liebling der Tifosi. Sein Vertrag wurde vorzeitig verlängert. Ein kluger Schachzug. Er ist einer der Leader der Mannschaft und wird auch in den kommenden Saisons für Spektakel in der Resega sorgen.

Sébastien Reuille: Der Routinier spielte eine solide Qualifikation und war vor allem im Boxplay ein wichtiger Spieler und schoss auch ein paar wichtige Tore, auch wenn sein Wert für die Mannschaft nicht nur in Toren und Assist gemessen werden kann. Kam in den Playoffs nicht auf Touren.

Thomas Rüfenacht: Auch in dieser Saison fiel der bullige Stürmer für 12 Spiele verletzt aus, trotzdem kam er auf 11 Toren und 10 Assist und war mit seiner physischen Präsenz im Slot ein wichtiger Faktor. Sein Abgang zum SCB dürfte nur schwer zu kompensieren sein. Spieler mit seinen Charakteristiken sind rar auf dem Schweizer Markt.

Raffaele Sannitz: Was für eine Verwandlung! Offenbar ist es dem Trainerduo Fischer-Andersson gelungen bei Sannitz die richtigen Worte zu finden. In dieser Saison sah man endlich wieder einen Stürmer am Werk, der seine Präsenz vor beiden Toren markierte und auch läuferisch überzeugte. In den statistischen Werten schlug sich dies noch nicht nieder, aber in seinen Leistungen. Falls er weiter hart arbeitet, kann er nächste Saison noch einen weiteren Schritt nach vorne machen.

Dario Simion: Von ihm erwartete man in dieser Saison den entscheidenden Schritt nach vorne, doch dieser gelang ihm nicht. Nur selten konnte er sein vorhandenes Potential abrufen. Er war nicht immer bereit den Preis für den Torerfolg zu zahlen. Er beendete die Saison mit den Elite-Junioren und wird nächste Saison zum HC Davos wechseln.

Julian Walker: Er stiess erst anfangs Saison von Genf-Servette zu den Bianconeri und feierte ein gelungenes Debut im Heimspiel gegen den SC Bern. In der Folge konnte er nicht immer an diese Leistung anknüpfen, erst im Januar konnte er regelmässig Punkten. Er hatte auch mit diversen Stangenschüssen Pech. Walker hat ein grosses Potential und eine der Herausforderungen für Patrick Fischer wird es sein dafür zu sorgen, dass Walker es regelmässig abrufen kann. Er kann zu einem der besten Stürmer der Liga werden.

Eric Walsky: Er verpasste den Saisonstart wegen einer Verletzung und musste sich in der Folge an das neue Spielsystem gewöhnen, aber erst als ihn Patrick Fischer auf der Centerposition aufstellte, deutete er sein Potential an. Wir erwarten vom schnellen Läufer mit den feinen Händen dass er in der nächsten Saison seine Qualitäten noch besser ausspielen kann.

Chris Campoli, Hnat Domenichelli, Dan Fritsche, Glen Metropolit und Jordy Murray mussten während der Saison den HC Lugano verlassen.

Trainer-Duo

Wie schon anfangs erwähnt hat das Duo Patrick Fischer - Peter Andersson ausgezeichnete Arbeit geleistet. Es machte wieder richtig Spass die Spiele der Bianconeri zu verfolgen. Natürlich lief noch nicht alles perfekt, doch die Handschrift der beiden ist deutlich zu sehen. Sie geniessen das Vertrauen der Tifosi und noch viel wichtiger das Vertrauen der Clubführung mit Präsidentin Vicky Mantegazza an der Spitze. Jetzt folgt für beide der letzte schwierige Schritt, aus dem HC Lugano wieder eine richtige Spitzenmannschaft zu formen.