Kloten: Naht das Ende?

18.5.2012 - Von Urs Berger

Die Kloten Flyers stehen offenbar vor einem Konkurs. Dennoch könnte man den Klub retten. Dabei müssten aber alle Beteiligten, auch die Spieler, an einem Strang ziehen. Der SC Bern hat 1998 unter der Leitung von Marc Lüth vorgemacht wie dies geht.

Als man 1998 beim SC Bern den Jahresabschluss machte, erwachten die Stadtberner. Mit einem Schuldenberg von über 10 Millionen Franken war man tiefrot verschuldet. Auslöser dafür waren die horrenden Summen für die damalige VIP-Tribüne, die Prämien der Spieler und die Miete im Allmend-Stadion. Der SC Bern stand, wie die Kloten Flyers, vor dem Aus. In der Not organisierten sich die Spieler und die Betreuer und starteten zusammen mit den Berner Medien einen Spendenaufruf. Die Fans des SC Bern halfen mit und waren mit ein Grund, dass der SC Bern die Zeit des Übergangs zur Valora Gruppe überstanden. Als diese den Klub übernahmen und Marc Lüthi als Geschäftsführer und CEO installierte, murrten viele Fans. Aber am Ende schaffte Marc Lüthi mit einer Nachlassstundung und einer harten Budgetkontrolle den Klub wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Heute ist der SC Bern einer der wenigen Clubs, die permanent und ohne Mäzen schwarze Zahlen liefern.

Stadt Kloten in der Pflicht

Ähnlich wie der SC Bern 1998 präsentiert sich nun die Situation bei den Kloten Flyers. Gemäss verschiedenen Medien sollen die Klotener mit 14 Millionen Franken verschuldet sein. Dabei sind die Hauptgläubiger die Stadt Kloten, die Gewerbler und die Spieler. All diese Beteiligten müssen nun bereit sein, einen harten Schnitt hinzunehmen und mit einem neuen starken Mann den Neustart zu wagen. Die Stadt Kloten sollte endlich auf die überhöhte Eismiete von etwas über einer Million pro Saison verzichten und ihrem sportlichen Aushängeschild besserer Rahmenbedingungen verschaffen. Man könnte meinen, die Stadtväter würde die Bedeutung des Klubs nicht interessieren. Man sonnte sich lieber an dessen Erfolge. Doch nun geht es hart auf hart und es wäre Zeit sich zu engagieren, anstatt das Aushängeschild Klotens in den Konkurs ziehen zu lassen. Jahrelang hat die Stadt Kloten von den Steuern der Kloten Flyers profitiert und nun lässt man offenbar den Klub im Regen stehen. Von Seiten der Politik kamen bisher nur ungenügende Zeichen eines Verzichtes. Und genau dies wäre nun bitter nötig.

Spieler benötigen Herzblut

Das gleiche Bild zeichnet sich bei den Spielern ab. Jahrelang zahlte man in Kloten ohne Murren die Löhne, die die Spieler forderten. Sicher waren einige Löhne zu hoch und einige Spieler wurden zu gut bezahlt. Auch im aktuellen Kader wurde zu viel an Lohn bezahlt. Diesen Vorwurf muss sich die jetzige Führung machen lassen. Doch was nun die Spieler veranstalten ist ein Affront für jeden Anhänger der Kloten Flyers und deren Fans. Vor allem für diejenigen, welche sich die Saisonkarte oder den Eintritt an ein Spiel mühsam von ihrem Einkommen zusammen sparen um wenigsten einmal ein Spiel der Kloten Flyers zusehen. Die Spieler setzen dem Klub lieber eine Frist und machen gehörig öffentlichen Druck auf ihren Arbeitgeber. Damit setzten sie ein falsches Signal. Natürlich mag dieses Vorgehen juristisch richtig sein. Und für die Spieler, welche weniger als die Topshots verdienen, muss man Verständnis aufbringen. Aber Herzblut, welches von so vielen Spielern immer wieder erwähnt wurde, sieht anders aus. Die Spieler sollten in sich gehen und sich zusammenraufen. Wieso nicht mit einer kreativen Idee zu den Gewerblern gehen und zur Stadt? Oder mit den Anhängern zusammen spannen und eine „Bettelaktion“ starten. Sicher, das Letztere ist nicht gerade eine schöne Arbeit, dber um den Klub zu retten sicher ein erster richtiger Schritt. Und dieser würde in Kloten sicher wohlwollender aufgenommen als ein juristischer Schachzug.

Gewerbe: profitieren ja, helfen nein

Auch das Gewerbe muss sich Kritik gefallen lassen. Jahrelang konnte man von den Kloten Flyers profitieren. Als die kleinen Firmen merkten, dass es um Kloten Flyers nicht so gut steht, zog man sich zurück, legte sich mit Jürg Bircher an und ging auf Konfrontationskurs. Man konnte sich nicht mehr im Lichte der Flyers sonnen und verliess das angeschlagene Schiff und vergrub sich in Grabenkämpfe. Ähnlich wie die Politik profitierte man jahrelang von den Flyers. Nun, in der Krise, kehrt man ihnen den Rücken und lässt den Klub offensichtlich im Regen stehen. Davon profitieren ja, aber helfen will man nicht.

Fehleinschätzung der „Retter“

Jürg Bircher ist an der jetzigen Situation sicher nicht unschuldig. Mit seiner Preistreiberei hat er dafür gesorgt, dass in Kloten die Kostenspirale zu schnell drehte und der Klub in das Minus ritt. Die Probleme, die früher schon bestanden, wurden verschärft. Dennoch sucht er nach wie vor nach einer Lösung. Seine beiden „Retter“ warfen den den Bettel jedoch schnell hin. Die Rettungsversuche wirkten unglaubwürdig. Wie soll etwa ein Journalist, wie Fetscherin, einen Klub mit einem Finanzloch über mehrere Millionen Franken aus der Misere ziehen ohne Erfahrung in diesem Bereich? Auch der zweite potenzielle Retter, Hans-Ueli Lehmann, wusste, dass die Kloten Flyers Schulden in Millionenhöhe haben. Dennoch brachte er sich als Retter ins Spiel, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind, machte dann aber einen Rückzieher, um zu sagen, die finanzielle Lage lasse eine kontrollierte Nachlassstundung nicht zu. Auch hier lag eine grobe Fehleinschätzung der Lage vor.

Bircher trägt Mitschuld

Wie bereits geschrieben trägt auch der aktuelle Verwaltungsratspräsident seine Mitschuld an der aktuellen Lage. Nicht nur hat er die Löhne der Spieler unverantwortlich nach oben geschraubt. Auch seine Kommunikation und sein Auftreten gegenüber den Fans und dem Umfeld des Clubs ist nicht glücklich. Zu oft hat er das nötige Fingerspitzengefühl vermissen lassen. Dazu kommt, dass er von den Fans und anderen Exponenten des Klubs von Beginn an zu wenig Kredit bekam. Dies ist sicher auch aus dem Grund, weil er zu Beginn seiner Amtszeit mit dem vormaligen Besitzer der Kloten Flyers die Messer kreuzte. Doch auch da war nicht alles Gold was glänzt. Der Club leidet nicht nur unter dem Minus der letzten Jahren, sondern auch an Altlasten. Vielleicht wäre damals eine Nachlasstundung bereits eine Option gewesen. Denn offenbar war auch damals die finanzielle Lage der Flyers nicht besser.

Und nun?

Wie kann es nun weitergehen? Diese Frage beschäftigt wohl die ganze Eishockey-Schweiz. Denn eine Meisterschaft ohne den Traditionsklub aus der Flughafenstadt kann man sich nicht vorstellen. Die vernünftigste Lösung wäre, dass sich alle Parteien zusammensetzen und die Situation sachlich und ohne Emotionen analysieren. Dabei müssen sowohl die Spieler, die Politik, das Gewerbe und die Stadt Kloten Zugeständnisse und Abstriche machen. Ebenfalls wichtig sind dabei die Fans. Denn mit ihrer Unterstützung können sie das Unternehmen der Flyers retten und eine Nachlasstundung einleiten. Diese Variante ist die wohl beste für alle Beteiligten und würde, analog wie in Bern, einen Neustart ermöglichen. Wir schätzen dieses Verfahren bei 30% ein. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Kloten Flyers in den Konkurs zu schicken und damit die Kloten Flyers auf der Landkarte des (Profi-)Eishockeys verschwinden zu lassen. Dies wäre indes ein herber Verlust für das Schweizer Eishockey und wäre im Moment sicher die Variante, welche einen harten Schnitt für alle wäre. Dabei würden aber alle Beteiligten viel verlieren und der Sport an Ansehen einbüssen. Diese Variante sehen wir bei 65%. Die dritte Möglichkeit wäre, dass man die Kloten Flyers trotz allem Widerstand der Liga in eine Auffanggesellschaft überführt und so das Überleben der Flyers sichert. Die Wahrscheinlichkeit dieser Lösung liegt bei 5%. Egal was nun geschieht, Verlierer ist der Sport und der zahlende Fan.