HC Lugano – ein erster Schritt in eine bessere Zukunft?
Keine 48 Stunden nach dem unglücklichen Out in der Verlängerung des sechsten Viertelfinalspiels gegen Gottéron überraschte Larry Huras in der Medienkonferenz viele mit der Aussage, dass er überzeugt sei, dass man trotz des Ausscheidens mit dieser Mannschaft auf dem richtigen Weg sei.
Mit dieser Mannschaft könne man einen erfolgreichen Zyklus einleiten und er sei überzeugt, man könne mit dieser Mannschaft in den nächsten zwei Jahren die Meisterschaft gewinnen!
Damit hat er vor allem eine klare Ansage an die Mannschaft gemacht und die Messlatte im Hinblick auf die nächste Saison hoch angelegt. Er ist nicht mehr bereit in der nächsten Saison Mittelmass zu tolerieren. Er will eine Mannschaft sehen, die permanent in der oberen Ranglistenhälfte rangiert ist und nicht mehr in der zweiten. Doch bevor wir uns mit der Zukunft beschäftigen ein Rückblick auf die laufende Saison.
Auch dieses Jahr ging es bei den Bianconeri nicht ohne einen Knalleffekt. Am 21. Oktober kassierte man eine 0:9-Klatsche in Kloten, daraufhin hatte Barry Smith die Nase voll von der unprofessionellen Einstellung einiger Spieler. Er nahm seinen Hut und kehrte nach Nordamerika zurück. Ein unglaublicher Zufall spielte dem HC Lugano in die Karten: Am gleichen Freitagabend wurde Larry Huras in Bern nach einer 1:2-Niederlage gegen die ZSC Lions von seinem Amt enthoben und bereits eine Woche später stand Huras erneut an der Bande des HC Lugano und feierte bei seinem Einstand einen 3:0-Sieg gegen den HC Davos.
Doch auch unter Huras war die Mannschaft nicht vor Rückschlägen gefeit. Nach dem klaren 7:2-Sieg gegen die Lakers am 21. Spieltag lag man nur 6 Punkte hinter dem 2. Tabellenplatz, doch dann hielt die in Lugano in den letzten Jahren übliche Genügsamkeit Einzug und einen Monat später lag man immer noch auf dem 6. Platz, aber der 6-Punkte-Abstand war diesmal auf dem 5. Platz. Es ist sicherlich nicht übertrieben zu sagen dass die einzige Konstanz der Bianconeri in der Folge die Inkonstanz war, aber immerhin kam nie in Gefahr das Mindestziel die Playoff-Qualifikation zu verpassen.
In diesen Playoffs traf man mit Fribourg-Gottéron auf einen der meistgenannten Meisterschaftsfavoriten. Man konnte die ersten zwei Auswärtsspiele in der BCF Arena dank einer konzentrierten und disziplinierten Leistung gewinnen, doch leider konnte man diese Breaks dann zu Hause nicht bestätigen. Sehr wahrscheinlich hätte man bei einem Sieg im 4. Spiel die Weichen auf Weiterkommen gestellt, doch mit ein etwas Pech spielte man die Trümpfe wieder in die Hände der Freiburger, die dann ihr drittes Heimspiel in der BCF-Arena klar und diskussionslos gewannen und nach einem turbulenten Spiel in der Resega das Weiterkommen bejubeln konnten.
Ein Fakt ist, dass wenn man in den Playoffs drei Mal zu Hause verliert, nicht verdient weiterzukommen. Doch wenn man alle 3 Heimspiele Revue passieren lässt, dann waren die Leistungen nicht so schlecht, doch die Freiburger waren vor dem Tor kaltblütiger und dazu haben die Bianconeri ein paar Geschenke zu viel an den Gegner verteilt.
Jetzt versuchen wir einen Blick in die nähere Zukunft zu werfen, sprich auf die nächste Saison. Wie von Huras bemerkt haben die Bianconeri vor allem ein Generationen-Problem. Man hat entweder ganz junge oder ältere Semester im Kader, es fehlen die Spieler zwischen 23 bis 28 Jahren und man wird versuchen dieses Manko in den nächsten Jahren mit gezielten Transfers auszumerzen.
Auf einer der Schlüsselposition kommt es bei den Bianconeri zu einer wichtigen Änderung: anstelle von Benjamin Conz, der vertraglich bekanntlich an Genf-Servette gebunden ist, wird das Tor nächste Saison vom Duo Daniel Manzato und Michael Flückiger gehütet. Flückiger kehrt nach Lugano zurück. Er hat bei den Kloten Flyers gezeigt, dass er ein guter Backup-Torhüter sein kann. Manzato erhält beim HC Lugano die grosse Chance seine Karriere neu zu lancieren. Man darf gespannt sein, ob er dem Druck standhalten wird, denn seit dem Abgang von Ronnie Rüeger und bis zur aktuellen Saison hatten die Bianconeri ein Problem auf der Goalieposition.
Einen weiteren wichtigen Transfers konnten die Bianconeri mit Johann Morant vom SCB tätigen. Huras kennt ihn aus seiner Zeit beim SC Bern. Von ihm erwartet man keine spektakulären Sololäufen. Solides Handwerk soll er abliefern, vor dem eigenen Tor aufräumen und körperbetont spielen. Für das Spektakuläre dürfte in der nächsten Saison in der Resega ein alter bekannter zuständig sein: Glen Metropolit, der ja schon einem Meistertitel mit den Bianconeri in der Saison 2005/2006 mit den Bianconeri feiern konnte. Anschliessend durfte er sein Glück in der NHL versuchen, bevor er nach Zug in die NLA zurückkehrte. Falls er zusammen mit Bednar spielen sollte, dürfen sich die Tifosi der Bianconeri auf einige Highlights gefasst machen.
Wenn wir schon bei den Centerpositionen sind, ein wichtiger Mosaikstein ist auch die Weiterverpflichtung von Brett McLean, der das genau Gegenteil von Metropolit ist: kein spektakulärer Spieler, doch alles was er macht hat Hand und Fuss, er markiert vor beiden Toren Präsenz und kann einen Block führen und ein absoluter Vorzeigeprofi. Damit hat man die wichtigen Centerpositionen ausgezeichnet besetzt und einen ersten wichtigen Mosaikstein gesetzt. Doch damit sind die Transferaktivitäten des HC Lugano noch nicht abgeschlossen, Gerüchten zu folgen soll noch ein Schweizer Stürmer und ein ausländischer Verteidiger verpflichtet werden.
Abschliessend noch die Bewertung der einzelnen Spieler:
Benjamin Conz: ein sicherer Rückhalt während der Qualifikation, gewann mehrere Punkte für die Mannschaft, in den Playoffs zahlte er wohl in den Spielen 5 und 6 Lehrgeld doch er hat die Zukunft noch vor sich.
Alex Caffi: kam zu einigen Teileinsätzen er braucht Spielpraxis die er hoffentlich nächste Saison in der NLB bekommt.
Michael Tobler: hat vor allem im Spiel 6 gezeigt, dass er durchaus das Talent zum Back-up Goalie in der höchsten Spielklasse hätte, doch dafür müsste er härter arbeiten.
Florian Blatter: hat die Chance nicht genutzt die ihm Lugano offerierte, eine anonyme Saison mit ein paar Aussetzern die Gegentore kosteten und vor allem verlor er die meisten Zweikämpfe in der eigenen Zone.
Jordan Hendry: von ihm erwartete man nichts spektakuläres er sollte defensive Stabilität bringen, in den Playoffs baute er nach einen guten Beginn unerklärlicherweise ab.
Steve Hirschi: der Kapitän ist auf und neben dem Eis ein Leader und ein Vorbild, defensiv eine Sicherheit, 20 Skorerpunkte zeigen, dass er auch offensiv wichtig ist, wir wünschen ihm dass er die nächste Saison verletzungsfrei bestreiten kann.
Lorenz Kienzle: hat in seiner zweiten Saison bei den Bianconeri einen weiteren Schritt nach vorne gemacht, defensiv stabil, offensiv dürfte er sich hin und wieder etwas mehr zutrauen.
Matteo Nodari: er hat in seiner Entwicklung stagniert. Er kann und muss sich noch in vielen Bereichen steigern, vor allem sollte er seinen Körper besser einsetzen und auch in der Spielübersicht kann er noch zulegen.
Petteri Nummelin: über seine Professionalität müssen wir nicht diskutieren, genauso nicht wie über seine Verdienste für den HC Lugano. Einer der ganz Grossen. Begann die Saison hervorragend, bevor er wie in den vergangenen Saisons durch Verletzungen gebremst wurde, Huras wird versuchen müssen seine Einsätze in der nächsten Saison genau zu dosieren. Ein gesunder Nummelin kann für den HC Lugano immer noch ein Schlüsselspieler sein.
Dominik Schlumpf: war lange ein Kandidat für den Pechvogel Preis. Als er regelmässig spielen konnte, zeigte er sein ganzes Talent. Er brachte defensive Stabilität in die Mannschaft, dazu schaltete er sich hin und wieder erfolgreich ins Angriffsspiel ein, ein sicherer Wert für die Zukunft.
Stefan Ulmer: hat in seiner zweiten Saison bei den Bianconeri einen wichtigen Schritt nach vorne in seiner Entwicklung gemacht, defensiv ohne grosse Aussetzer, bringt jetzt auch seine offensiven Qualitäten zum tragen, richtig seinen Vertrag vorzeitig zu verlängern.
Julien Vauclair: eine komplizierte Saison für den Routinier, gerade als er zu seinem Spiel gefunden hatte setzte ihn eine Gehirnerschütterung für einige Spiele ausser Gefecht. Davon erholte er sich nur langsam und erst in den Playoffs sah man den wahren Vauclair wieder auf dem Eis. Auch ihm ist zu wünschen dass er die nächste Saison verletzungsfrei bestreiten kann.
Jaroslav Bednar: dass sich die Bianconeri problemlos für die Playoffs qualifizierten, ist vor allem sein Verdienst. Er war für spektakuläre, aber auch wichtige Tore zuständig. Leider behinderte ihn während den Playoffs eine leichte Verletzung. Wird auch nächste Saison für einen Punkt pro Spiel gut sein.
Flavien Conne: der Routinier hat gezeigt dass er weiterhin ein wichtiger Spieler für den HC Lugano sein kann wenn er gesund bleibt, defensiv eine Garantie vor allem im Boxplay, ist aber trotzdem noch für ein paar Tore pro Saison gut.
Hnat Domenichelli: eine weitere ungenügende Saison für den Kanadier, 14 Tore in einer Saison sind ein Witz für einen Spieler wie er der nach Lugano geholt wurde um Spiele zu entscheiden. Nach einem guten Spiel tauchte er für die nächsten 4-5 Spiele in der Anonymität unter und kurvte lustlos auf dem Eis umher. Falls sich seine Einstellung nicht ändert wäre es wohl angebracht an seiner Stelle einen jungen, hungrigen Spieler einzusetzen und ihn auf die Tribüne zu verbannen.
Mauro Jörg: das „ewige Talent“, hätte das Potential zu weit über 20 Punkten in der Saison, lässt jedoch in seinem Spiel zu häufig die letzte Konsequenz vermissen, vielleicht tut ihm ein Vereinswechsel gut?
Oliver Kamber: musste diese Saison vor allem in der zweiten Hälfte auch defensive Aufgaben übernehmen, mit seiner Spielübersicht vor allem als Passgeber wertvoll.
Diego Kostner: einer der jungen, wilden Garde der Bianconeri, hat gezeigt dass er den unbedingten Willen hat sich einen Stammplatz zu erkämpfen, schade setzte ihn eine Knieverletzung für die Schlussphase der Saison ausser Gefecht, wir sind uns sicher dass er mit dieser Einstellung in der nächsten Saison zu einem sicheren Wert wird.
Brett McLean: hat erst 16 Spiele für den HC Lugano gespielt aber sofort gezeigt wieso er auch für die nächste Saison ein Schlüsselspieler sein wird, der Kanadier verfügt über eine hohe Spielintelligenz die es ihm erlaubt sowohl seinen Block zu führen als auch seine Mitspieler besser zu machen, dazu ist er auch noch ein ausgezeichneter Bullyspieler.
Brady Murray: er konnte erst Ende November ins Spielgeschehen eingreifen, doch dann zeigte er sofort wie wertvoll er für die Bianconeri sein kann. Er bringt eine grosse Spielintensität und ist auch ein kaltblütiger Vollstrecker, 3 Tore und 2 Assist in 6 Playoffspielen sprechen eine deutliche Sprache, falls er endlich von Verletzungen verschon bleibt kann er ein Schlüsselspieler werden.
Leandro Profico: eine der positiven Überraschungen dieser Saison, hat sich einen Stammplatz erkämpft und wohl auch eine Vertragsverlängerung verdient. Er stellt sich voll in den Dienst der Mannschaft, er ist immer mit vollem Einsatz dabei und nicht zu vergessen bei Bedarf kann er auch in der Abwehr eingesetzt werden.
Sébastien Reuille: es schien eine Saison zum vergessen für ihn vor allem als er ihm Training von einem abgelenkten Puck getroffen wurde und danach mit 80 Stichen genäht werden musste schien seine Saison beendet. Doch er zeigte ein grosses Kämpferherz und spielte die Playoffs mit einem speziellen Schutz und seine Leistungen waren ganz einfach unglaublich er war mit seiner Energie und seine Torgefährlichkeit einer der besten im Dress der Bianconeri mit 3 Toren und 1 Assist, Chapeau!
Kimmo Rintanen; der Routinier kam nach Anfangsschwierigkeiten immer besser in Fahrt und war vor allem im Powerplay wichtig. Riesenpech für ihn dass er sich ausgerechnet Ende Januar am Knie verletzte. Er kam nur noch im letzten Spiel der Serie gegen Fribourg zum Einsatz, wo er prompt ein Tor erzielte. Er erhält keinen neuen Vertrag in Lugano und wird wohl nach Finnland zurückkehren.
Kevin Romy: Nachdem sein Wechsel nach Genf bekannt wurde, blühte der Romand richtiggehend auf, und hatte rein statistisch seine beste Saison im Dress der Bianconeri mit 38 Punkten in 45 Spielen während der Qualifikation. Leider bestätigte sich wieder einmal dass er nicht der Mann für die entscheidenden Spiele ist, denn ein Tor und 2 Assists sind einfach zu wenig.
Raffaele Sannitz: auch bei ihm müssen wir uns leider wiederholen. Leistung ungenügend. Man erwartete eine Steigerung von ihm die blieb jedoch aus, sowohl was die Torproduktion angeht (ein mickriges Tor, die anderen waren Eigentore) wie auch für sein Auftreten auf dem Eis, wo er das nötige Engagement vermissen liess. Er müsste vor den beiden Toren viel mehr präsent sein. Auch bei ihm gilt Einstellung ändern ansonsten Platz auf der Tribüne.
Dario Simion: er gehört wie Kostner zu den jungen wilden im Kader des HC Lugano, er ist trotz seines jungen alters schon ein kompletter Spieler, er hat nicht nur einen ausgeprägten Torriecher, vor allem ungewöhnlich für einen so jungen Spieler er macht auch seine defensiven Hausaufgaben, schade dass er sich an der U-20 WM an der Schulter verletzt hat, ein fester Wert im Hinblick auf die nächste Saison.
Daniel Steiner: seine erste Saison in Lugano ist sicherlich als positiv zu bewerten, er schoss während der Qualifikation mehrere wichtige Tore. Während der Playoffs hatte er das Pech das ihm im 3. Spiel ein reguläres Tor aberkannt wurde dass ihm sicher gut getan hätte, er hat sicherlich das Potential dazu in der nächsten Saison noch produktiver zu sein.
Rob Niedermayer: er hatte das Pech sich am Knie zu verletzen als er gerade in Fahrt zu kommen schien. Er hätte mit seiner physischen Präsenz und seiner Routine sicherlich der Mannschaft einiges bringen können, jetzt wird er wohl seine Schlittschuhe an den Nagel hängen.
Codey Burki: in Lugano wartet man immer noch auf seinen Schweizer Pass. Schade für ihn, denn sicherlich macht er als Ausländer nicht die Differenz, doch als Schweizer Spieler für den 3. oder 4. Block hätte er durchaus seinen Platz gefunden. Trotz der wenigen Einsätze hat er sich im Training immer voll reingehängt. Für die nächste Saison wünschen wir ihm den Schweizer Pass und einen Stammplatz in der NLA.
