Tim Bozon: Gegangen für neue Erfahrungen

08.02.12 - Von Maurizio Urech

Nach mehreren Jahren in der Schweiz bei Servette, Kloten und Lugano hat Tim Bozon, einer der Söhne von Philippe Bozon, die Schweiz verlassen. Bozon, der bei den Junioren-Nationalteams Frankreich repräsentierte, wagte als 17-Jähriger den Sprung in die kanadische Juniorenliga WHL.

Tim Bozon, viele waren von Ihrem Entscheid überrascht nach Nordamerika zu wechseln. Sie hätten doch auch versuchen können sich einen Stammplatz im Fanionteam des HC Lugano zu ergattern?

Sicherlich wäre dies auch eine Option gewesen, doch mein Ziel ist es eines Tages in der NHL zu spielen und sicherlich sind meine Chancen besser, wenn ich bereits auf Juniorenstufe in Nordamerika spiele. Dazu wollte ich etwas Neues kennenlernen und was mich träumen lässt ist der Fakt, dass ich mit 17 Jahren praktisch schon meine ersten Erfahrungen als Profi machen kann. Es ist schon grossartig, wenn man den Enthusiasmus der Fans sieht.

Genau dies wollten wir ansprechen. Hier in der Schweiz finden die Spiele der Junioren vor 100 Zuschauern statt, in Nordamerika dies ist dies ganz anders. Ist es richtig, dass ihr normal vor über 4'000 Zuschauern spielt?

Dies ist richtig so. Wir spielen meisten vor 4'000 bis 10'000 Zuschauern. Es ist wirklich unglaublich zu sehen, wie die Leute hier richtige Eishockey-Freaks sind und es ist toll vor so vielen Zuschauern spielen zu dürfen.

Persönlich dürfen Sie sicher mit der bisherigen Saison zufrieden sein: 52 Spiele mit 53 Punkten und einer +26 Bilanz. Was können sie an ihrem Spiel noch verbessern?

Meine Saison verlief bisher effektiv so, wie ich es mir erhofft habe. Ich habe meine Ziele erreicht, jetzt kann ich nur hoffen, dass es so weiter geht. Steigerungspotential besteht sicherlich noch in meinem Defensivverhalten.

In diesen Tagen erscheint Ihr Name in der NHL-Draft-Liste weit oben. Glauben Sie, dass die NHL ein realistisches Ziel sein könnte oder eher die Rückkehr in die Schweiz?

Ich bin nach Nordamerika gegangen und möchte so lange als möglich hier bleiben. Mein Ziel ist es schon, eines Tages in der NHL spielen zu können. Der Draft wird mir schon erste Erkenntnisse liefern, wie meine Karriere weiter verlaufen könnte. Ein, zwei Jahre werde ich wohl noch auf Juniorenniveau spielen.

Verfolgen Sie noch die Schweizer Meisterschaft oder vor allem die NHL?

Doch ich verfolge die Schweizer Meisterschaft weiterhin regelmässig und informiere mich auf über die Resultate der Elite-A-Junioren.

Alessio Bertaggia hat ja ebenfalls den Schritt nach Nordamerika gewagt. Haben sie regelmässigen Kontakt mit ihm und den anderen Schweizern, die in der WHL spielen? Und hat es ausser Ihnen auch weitere französische Spieler in der Liga?

Via Skype bin ich in regelmässigem Kontakt mit Alesssio, dazu auch mit Dave Sutter, der in Seattle spielt. Mit ihm habe ich in Genf gespielt, auch mit weiteren Schweizern die in der OHL und in der QMJHL spielen habe ich Kontakt. Es gibt aber keinen weiteren französischen Spieler in dieser Liga.

Hat es in Ihrer Mannschaft (Kamloop Blazers) weitere Spieler, welche den Sprung in die NHL schaffen könnten?

Wir haben nur zwei Spieler, die gedraftet wurden. Der Verteidiger Austin Madaiska hat sehr gute Chancen in den nächsten Jahren den Sprung in die NHL schaffen zu können.

Vor wenigen Tagen erlebten sie das bisherige Highlight dieser Saison, das Aufgebot für das NHL-Prospect-Game. Wussten Sie davon, dass sie auf der Liste der Ersatzspieler waren oder hat Sie das Aufgebot überrascht?

Nein, eher überraschend war, dass ich nicht schon im ersten Aufgebot figurierte, was auch für alle in der Organisation der Kamloops eher überraschend kam. Doch mein GM hat mir gesagt, dass sicherlich einige verletzte Spieler absagen werden, so dass ich mit einem Aufgebot rechnen konnte.

Beim Penaltyschiessen am Tag vor dem eigentlichen Spiel haben Sie etwas ganz Spezielles versucht. Ist es richtig, dass diesen Trick von Niederreiter gesehen haben?

Stimmt. Genauso hat vor zwei Jahren Niederreiter alle mit seinem einhändigen Trick überrascht, und ich wollte meinen eigenen Move mit möglichst viel Kreativität haben. Als mir gesagt wurde, dass ich beim Breakaway-Showdown dabei sein werde, wusste ich sofort, dass ihn wagen würde.

Der ganze Event ging ja über mehrere Tage. Es gab sicherlich nicht nur die Direktübertragung des Spiels. Ihre Eindrücke?

Es war etwas ganz spezielles. Mehr als 200 GMs und Scouts waren anwesend um uns zu sehen. Zuerst gab es Tests auf und neben dem Eis, dazu noch eine Autogrammstunde und viele Interviews mit den anwesenden Journalisten. Am letzten Tag wurden noch Spielerprofile für NHL.com erstellt. Ein toller Event, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Das Spiel selbst ging ja mit einer knappen Niederlage für ihr Team verloren. Ihr wurdet von Mark Recchi (Stanley-Cup-Sieger mit Boston) gecoacht. Wie war das Spiel und wie ist es von einer solchen Persönlichkeit gecoacht zu werden?

Es war eines der härtesten Spiele, die ich je bestritten habe. Die Intensität war sehr hoch. Es wurde sehr körperbetont gespielt. Auch die Checks wurden konsequent angebracht. Sicherlich kein spektakuläres Spiel, aber ein ganz spezielles Spiel. Mark Recchi ist auch der Besitzer unseres Teams. Ich kannte ihn schon ein wenig, aber ihn während drei Tagen an meiner Seite gehabt zu haben, war schon sehr speziell. Man bringt ihm viel Respekt entgegen.

Zurück zu Ihrem Team den Kamloops Blazers. Wie schätzen Sie die Chancen im Hinblick auf die Playoffs ein?

Ich glaube, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben, die es bis ins Finale schaffen kann. Wir sind im Moment Tabellenführer und haben sicherlich grosse Chancen, im Mai um den Memorial Cup spielen zu können.

Wir bedanken uns bei Tim Bozon für das Interview und wünschen ihm für die weitere Saison in der WHL viel Glück und Erfolg.

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