Nur alle 4 Jahre im Fokus: Frauenhockey in der Schweiz

15.2.2022 - Von Simon Wüst

Trotz der guten Leistungen im internationalen Rampenlicht fristen unsere Eishockeyspielerinnen immer noch ein Mauerblümchendasein.

Eigentlich ist es schade, dass wir alle vier Jahre über das gleiche Thema schreiben müssen. Pünktlich zu bzw. bei den Olympischen Winterspielen steht das Fraueneishockey im Fokus der Hockeygemeinde Schweiz und der Medien. Der Grund ist ein Positiver: unsere Amateur-Spielerinnen, welche daneben mehrheitlich hochprozentig Arbeiten müssen oder noch studieren und nichts am Eishockey verdienen, schlagen sich ausgezeichnet auf internationalem Parkett. Zumindest europäisch spielt man an der Spitze mit – denn die Diskrepanz zwischen den Nordamerikanerinnen und dem Rest der Welt ist nach wie vor gross. Aber mit der Förderung im eigenen Land steht es schlecht. Von den Proficlubs der National League bei den Männern investieren gerade mal die ZSC Lions und Lugano (allerdings nicht weniger als in früheren Jahren) ins Frauenhockey und fördern eine Damen-Abteilung. Dabei hätten unsere Frauen mehr verdient.

Aber was wäre möglich, würde der Schweizerische Eishockeyverband SIHF vor allem die reichen Grossclubs und die National League und deren Sponsoren mehr für die Mädchen und Frauen investieren?

Sehr viel!

Schon eine 12er-Liga mit genügend finanziellen Mitteln und Aufmerksamkeit würde die besten Spielerinnen aus ganz Europa anziehen und sowohl die Liga wie auch unsere Spielerinnen besser machen, ja wahrscheinlich zur besten Liga ausserhalb Nordamerikas. Heute gibt es nur gerade sechs Mannschaften in der höchsten Liga (die ein zu grosses Leistungsgefälle aufweist) und insgesamt rund 2000 lizenzierten Spielerinnen in vier Leistungsklassen. Das ist eigentlich eine zu schmale Basis für eine nachhaltige Entwicklung. Spitzenspielerinnen suchen auch deshalb nach Möglichkeiten in Nordamerika oder Schweden, wo es zahlreiche europäische Spitzenspielerinnen aufgrund der besseren Bedingungen hinzieht. Der Nationaltrainer Colin Muller ist sich sicher: «Wäre jedes der 13 (schon bald 14) National-League-Teams verpflichtet auch eine Frauenmannschaft bzw. Mädchen-Förderungen zu betreiben, würden wir in Zukunft grosse Schritte Richtung Weltspitze machen. Klar braucht es noch einige Jahre oder eine ganze Generation um ein Niveau von Kanada zu erreichen, aber irgendwann müssten wir beginnen». Das Gleiche erhofft sich auch unsere Topstürmerin Lara Stalder: «Ich wünsche mir mehr Grossclubs, welche den Mädchen Strukturen bieten, die sie von Hockeykarrieren träumen lassen. Damit wir eine breite Basis erschaffen, welche international mithalten kann.»

Die Situation ist nicht einfach: Daniela Diaz, beim Verband zuständig für Frauenhockey, hat gekündigt. Ob für sie eine Nachfolgerin gesucht und gefunden wird, ist noch offen.

Für eine Standortbestimmung und Neuausrichtung ist nun der richtige Zeitpunkt. Die Frage ist, ob die Frauen mit den tollen Leistungen in Peking etwas bewirken können. Schon vor acht Jahren, nach der Bronzemedaille in Sotschi, wurde viel versprochen und geredet, aber insgesamt sind die Strukturen heute nicht viel anders als vor acht Jahren. Immerhin sagt Raeto Raffainer, der Verantwortliche für den Sport beim SC Bern: «Wir haben die Frauenförderung auf dem Radar.» Eine Frauenabteilung schliesst er mittelfristig beim SCB nicht aus. Immerhin. Das tönte früher auch schon anders.

Morgen um 12:30 Uhr Schweizer Zeit beginnt das Spiel gegen Finnland um die Bronzemedaille und den inoffiziellen Titel als bestes Team Europas.

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Stalder


Lara Stalder, Captain des Schweizer Frauen-Nationalteams, betritt das olympische Eis in Peking. Foto: Andreas Robanser