Chatelain über die Trennung in Bern, Zukunft in Langenthal

9.11.2021 - Von Roman Badertscher

Nach der Bekanntgabe des neuen Jobs als Geschäftsführer beim SC Langenthal sprachen wir mit Alexander Chatelain.

Alex Chatelain, vielen Dank, dass du dir für das Interview Zeit nimmst. Wie geht es dir und wie bist du bisher durch den Eishockeyherbst gekommen?

Chatelain: „Mir geht es sehr gut. Ich bin erholt und bereit für die neue Aufgabe. Diesen Sommer hatte ich nicht wahnsinnig viele Verpflichtungen, was ich sehr genossen habe. Im August habe ich die Champions League Gruppenspiele verfolgt, dann natürlich den Saisonstart unserer Ligen und den Start in Nordamerika. Ich habe also viel Hockey verfolgt.“

Blicken wir zuerst noch etwas zurück. Beim SC Bern kamst du nach einer schwierigen Saison als Assistenz-Coach zusammen mit Mario Kogler bis in den Playoff Viertelfinal. Nach Saisonende wurden die Positionen beim SCB auch in der sportlichen Führung neu besetzt. Wie blickst du auf deine SCB-Zeit seit deiner Rückkehr im Jahr 2014 im Nachhinein zurück und wie schwer war es für dich, „tschüss“ zu sagen?

„Ich hatte jetzt genügend Zeit zu reflektieren. Wenn man die ganzen sieben Jahre anschaut, waren mindestens fünf super. Angefangen beim Nachwuchs 2014 als Assistent von Sven Leuenberger habe ich enorm viel gelernt. Dann kamen die erfolgreichen Jahre in der ersten Mannschaft mit drei Quali-Siegen und drei Meistertiteln. Der SCB war sehr erfolgreich und auch für mich. Das was nachher kam, gehört eben auch zum Sport. Man kann nicht immer nur gewinnen. Irgendwann muss man auch wieder verlieren, was wir heftig erlebt haben. Trotzdem ziehe ich für mich über die sieben Jahre eine sehr positive Bilanz, weil es mehrheitlich gut lief und zum Beispiel auch die Zeit als Assistenz-Trainer von Mario Kogler habe ich sehr geschätzt und war für mich eine sehr positive Geschichte.

Dass wir im Frühling getrennte Wege gingen, hat mich nicht wahnsinnig überrascht. Wenn man etwas die Entwicklung angeschaut hat, war ich nicht schockiert. Ich habe es eher erwartet. Schon als kleiner Junge war ich Fan des SCB und meine Eltern zügelten nach Bern und ich konnte beim SCB spielen und natürlich war eine Entlassung nicht das, was man sich wünschte. Am Anfang hatte ich zu kämpfen damit aber mit der Zeit gewinnt man Abstand und kann das grössere Bild anschauen. Es ist überhaupt kein Problem mehr. Ich habe mich auch mit allen Verantwortlichen durch den Sommer ausgesprochen und reflektiert. Es gibt keine „Hard feelings“ und kann mich auch in Zukunft mit jedem vom SCB treffen, ohne dass es schlechte Gefühle geben würde.“

Im Sommer kamen bei gewissen Medien Gerüchte auf, dass du auch in Davos als Sportchef im Gespräch warst. Kannst du diese Gerüchte bestätigen und falls ja, was hätte dich an diesem Job am Meisten gereizt?

„Die Gerüchte kann ich insofern bestätigen, dass wir uns ausgetauscht haben. Es war aber auch so, dass aufgrund meiner familiären Situation – meine Kinder sind 15 und 18 und in der Lehre oder auf dem Weg dorthin – ein Wechsel nach Davos keine wahnsinnig realistische Option war. Wenn ich in einer anderen Familienkonstellation gewesen wäre, hätte ich mich vielleicht mehr darum bemüht. Der Zeitpunkt hat einfach nicht richtig gepasst. Klar muss man in so einem Job mit Wohnortwechseln liebäugeln, aber es kam für uns als Familie nicht in Frage umzuziehen. Für mich war es auch nicht das Wunschszenario. Die letzten paar Jahre, wo die Kinder noch zuhause sind und noch etwas auf uns angewiesen sind und wie sie ihren Weg gestalten, möchte ich noch miterleben. Klar, der Job hat mich sicher gereizt, aber Davos liegt halt nicht auf dem Weg.“

Worauf hast du dich persönlich fokussiert? Wolltest du unbedingt wieder Sportchef sein oder kamen für dich zu diesem Zeitpunkt auch andere Positionen in Frage?

„Im Mai habe ich Zeit für mich genommen. Natürlich habe ich die NHL-Playoffs und WM geschaut. Dann kam noch die Fussball-EM, was ich auch genossen habe. Ich hatte aber nie das Gefühl, nur die Arbeit als Sportchef zu machen und sonst nichts. Habe ja auch vorher anderes gemacht und alles was mit Eishockey zu tun hatte, hat mir immer Freude bereitet. Insofern konnte ich nicht sagen, ich wolle nur Sportchef sein – hätte ich auch nicht gut gefunden, denn so wahnsinnig viele Sportchef-Jobs gibt es nicht und wenn du lokal verwurzelt sein willst, schränkt das noch mehr ein. Deshalb nahm ich den Sommer um die Richtung zu bestimmen und wollte sicher erstmal im Eishockey bleiben. Ich hätte mir auch ein Wechsel in die Privatwirtschaft vorstellen können, wollte aber warten und schauen, ob es sich im Eishockey etwas ergibt.“

Bevor wir auf dein Engagement beim SC Langenthal näher zu sprechen kommen, interessiert uns schon, wie das Engagement als Experte bei MySports zustande kam? Erzähle uns davon.

„Durch den Kontakt mit Ueli Schwarz, der schon länger bei MySports engagiert ist und auch durch Jann Billetter. Dann gab es Kontakte und wir haben uns ausgetauscht. Mit den Verantwortlichen von MySports ging es sehr unkompliziert und weil der Sender sowieso noch jemanden suchte – Gerd Zenhäusern hörte auf - hat sich das gut ergeben.“

Nun wirst du ab 1. Dezember 2021 neuer Geschäftsführer des SC Langenthal. Warum Langenthal? Was machen dieser Standort und die neue Stelle für dich aus?

„Ich fühle mich sehr wohl in der Region Bern. Es gibt nicht wahnsinnig viele Optionen und ich musste etwas geduldig sein. Ich kenne Langenthal aus der Zeit, als ich noch dort spielte und Nachwuchs-Geschäftsführer war. Habe nur gute Erinnerungen und mit Gian Kämpf habe ich mich Mitte August bereits darüber ausgetauscht, als klar wurde, dass der damalige Geschäftsführer den Verein verlässt. Der Club wollte sich Zeit nehmen, im Oktober wurden die Gespräche aufgenommen und dann ging es sehr schnell. Ich freue mich sehr auf Langenthal, weil ich viele Leute noch kenne und gute Erinnerungen an die Zeit dort habe.“

Du hast dich bereits nach dem Titelgewinn in der NLB 2012 mit einem 50%-Pensum als Geschäftsführer der Nachwuchsabteilung engagiert. Denkst du, dass du dank dieser Erfahrung sowie auch die des Sportchefs beim SCB, in deiner neuen Funktion profitieren kannst?

„Ja, ich glaube alle Erfahrungen, die man macht, helfen für die neuen Funktionen. Das Wissen und die Lehrblätze kann man zum Teil mitnehmen und deshalb denke ich schon, dass ich davon profitieren kann.“

In Langenthal steht einiges an. Der Mannschaftskern soll neu aufgebaut und die Nachwuchsstrategie weiterentwickelt werden. Wie siehst du aktuell die Mannschaft und den Nachwuchs des SC Langenthal und wo besteht Verbesserungspotenzial? Wie gehst du an diese Aufgabe heran?

„Im Moment kann ich nur Sachen von aussen sagen. Die Gespräche haben noch nicht im Detail stattgefunden. Die Mannschaft sehe ich in einer Transformationsphase. Sie war sehr erfolgreich und hatte einen starken Kern. Das wird hauptsächlich die Aufgabe von Kevin Schläpfer sein, den Kern neu aufzubauen. Wie alle Clubs hat sicher auch der SCL unter Corona gelitten und musste das Budget runterfahren. Der Club steht aber auf einer soliden Basis und hat gute Strukturen. Die Finanzen stimmen soweit, gibt aber sicher Potenzial um einen Schritt vorwärts zu machen.

Das U15 Team des SC Langenthal konnte bspw. seit zwei Jahren nicht an der Meisterschaft mitspielen. Das tut einem Club wie Langenthal weh und das sind solche Dinge, die wir angehen müssen. Wie gross die Chancen für dieses Jahr in der ersten Mannschaft sind, ist noch schwer zu sagen. Ich werde mich sicher mit allen austauschen und schauen, wo Verbesserungspotenzial besteht und dann entscheiden, was wir als erstes anpacken.“

Die Swiss League macht sich wie die National League bald offiziell eigenständig. Es gibt dazu ja verschiedenste Ansichten. Ist das aus deiner Sicht aber eher ein gutes oder schlechtes Zeichen für das Produkt „Schweizer Eishockey“ und warum?

„Generell sollte man im Schweizer Eishockey an einem Strick ziehen. Darum habe ich das Gefühl – unabhängig davon ob sich die National League und die Swiss League sich von der Liga getrennt haben – dass das kein wahnsinnig gutes Signal nach aussen ist. Vor ein paar Jahren hat man die MySports-League ins Leben gerufen, also eine weitere Liga und Spieler wurden eher weniger. Da habe ich das Gefühl, dass nicht alle in die gleiche Richtung ziehen. Man sollte versuchen eine gemeinsame Strategie zu fahren, um das Schweizer Eishockey gemeinsam voranzubringen.“

Ein neues Arena-Projekt sei ebenfalls in Planung. Was kannst du uns dazu bereits sagen und vielleicht auch in welchem Zeithorizont die Realisierung sein wird?

„Da kann ich noch nicht viel dazu sagen. Ich weiss, dass die eine Abstimmung wegen den Unterstützungskrediten für den Nachwuchs verloren ging. Den Betrag bekamen wir nicht zugesprochen. Dafür konnte man die Abstimmung für den Planungskredit gewinnen. Da sind wir jetzt immerhin einen Schritt weiter. Der Schoren ist eines der Stadien, welches man in Zukunft sicher ablösen muss aber wann das sein wird, ist aufgrund der hohen Spannbreite schwer zu sagen. Was glaube ich allen klar ist, ist, dass der Schoren nicht mehr ewig Swiss League-tauglich sein wird und in Betrieb bleiben kann.“

Hast du bereits einige Dinge, die du nach deinem Amtsantritt ändern resp. sofort angehen möchtest? Was sind deine Ziele persönlich wie für den SC Langenthal für die angebrochene Saison 2021/22?

„Persönlich möchte ich als Geschäftsführer des SC Langenthal allen Involvierten möglichst gute Rahmenbedingungen schaffen, dass sie ihre Arbeit möglichst gut ausführen können. Wo ich ansetzen werde, weiss ich noch nicht. Da muss ich zuerst Gespräche führen. Aber die Strukturen innerhalb des Clubs müssen stimmen. So wie ich es von aussen beurteilen kann, sind diese relativ gut. Die Finanzen müssen ebenfalls stimmen, sonst ist es sowieso nicht gut. Das ist etwas, wo wir ein Auge drauf halten müssen, dass wir die ganzen Finanzströme im Griff haben und dass wir im Sinne der fristgerechten Lohnzahlungen professionell auftreten können.

Wir wollen gegenüber allen Anspruchsgruppen gerecht sein und als professionelles Unternehmen angesehen werden. Die Erneuerung des Mannschaftskerns versuche ich Kevin so gut zu helfen wie ich kann. Er ist hauptverantwortlich, aber sicher ist es gut, wenn man sich austauschen, gemeinsam Ziele erreichen und die Strategie des Verwaltungsrats weiterführen kann. So dass wir die ganze Region Oberaargau fürs Eishockey begeistern können.“

Wir wünschen dir viel Erfolg und danken für das Gespräch.