Weshalb der SC Bern nicht vom Fleck kommt

4.1.2021 - Von Roman Badertscher

Das neue Jahr begann für den SC Bern genauso wie 2020 aufgehört hat. Mit einer Niederlage. Mit 1:7 mussten die Mutzen das Lausanner Eis am Samstag verlassen. Ein bitteres Resultat, auch wenn das Team von Interims-Headcoach Mario Kogler erneut ohne zehn seiner Stammspieler auskommen musste.

Hat man mit dem Umbruch zu lange gewartet? War man zu „erfolgsverwöhnt“?

Der SC Bern hat in den letzten fünf beendeten Spielzeiten dreimal den Titel gewinnen können, zuletzt in der Saison 2018/19. Bereits in diesen Playoffs stand das Team kurz vor dem Ausscheiden gegen den EHC Biel und auch gegen den EV Zug stand man in der Finalserie mit dem Rücken zur Wand. Dank den damals überragenden Gaëtan Haas und Leonardo Genoni wurde der 16. Meistertitel Tatsache.

Es folgte ein Jahr des Neuaufbaus, allen voran aufgrund der Wechsel von Haas in die NHL und Genoni zum EV Zug. Niklas Schlegel konnte die Erwartungen im Berner Tor nicht erfüllen und wurde während der Saison durch Tomi Karhunen ersetzt. Im Sturm wurden Inti Pestoni und Vincent Praplan unter Vertrag genommen, die beide ebenfalls nicht aus ihrer Komfortzone heraustraten und das Team mit den gestandenen Spielern wie Moser, Untersander, Blum, Rüfenacht, Scherwey nicht zu einer besseren Tabellensituation führen konnten. Schlussendlich war das Resultat ein neunter Platz und ein Trainerwechsel. Der SCB hatte das Glück, keine Playouts zu bestreiten, da die Saison vorzeitig abgesagt wurde.

Auf die jetzige Saison hin wollte man vieles besser machen. Eine neue Sportchefin und ein neuer Headcoach wurden verpflichtet. Headcoach Don Nachbaur schmiss bereits anfangs Dezember hin und überliess die Mannschaft Interims-Coach Mario Kogler. Es war der dritte Trainerwechsel im Kalenderjahr 2020. Auch unter Kogler läuft es im Moment nicht besser, es resultierten bis zum jetzigen Zeitpunkt fünf aneinander folgende Niederlagen. Nun könnte man also statistisch argumentieren, dass der Trainer nicht das Problem ist. Was dann?

Schwache Offensive, defensiv mit Aussetzern, dafür ein starkes Boxplay

Der SC Bern weist eine Schusseffizienz aufs gegnerische Tor von 6,6% aus. Das ist der schwächste Wert der Liga. Zum Vergleich: Der EV Zug steht in dieser Statistik mit 10,5% an der Liga-Spitze. Dies belegen auch die erzielten Tore von 37 beim SCB zu 71 beim EVZ. Der SC Bern benötigt rund 12:10 Minuten, um ein Tor in Überzahl zu erzielen, allerdings hält er im Boxplay mit 11:19 Minuten stark dagegen, einen Treffer in Unterzahl zu kassieren.

Die besten Berner Torschützen sind zweifelsfrei die neu verpflichteten Stürmer Ted Brithén und Dustin Jeffrey. In der Scorerliste der National League sind sie aber erst auf den Plätzen 55 und 56 zu finden. Dies zeigt nun deutlich auf, wie schwach die SCB-Offensive derzeit ist.

Auf diese Saison hin wurden zudem die Verträge mit Alain Berger und Gregory Sciaroni um zwei Jahre verlängert sowie Jan Neuenschwander und Thierry Bader als Verstärkung im Sturm verpflichtet. Dies geschah alles noch vor der Coronavirus-Pandemie. Bisher wusste das Quartett mit je zwei (Berger, Sciaroni und Neuenschwander) resp. drei Punkten (Bader) offensiv kaum zu überzeugen.

Leistungsträger sind ausser Form, die Jungen entwickeln sich nicht weiter

Im aktuellen Team des SC Bern sind mehrere Leistungsträger ausser Form, die mit dem SC Bern mindestens einmal in den letzten Jahren den Titel geholt haben. Simon Moser, Thomas Rüfenacht, Tristan Scherwey, Eric Blum, Ramon Untersander, Beat Gerber – um nur einige zu nennen.

Das Team verlor in den letzten zwei bis drei Jahren extrem an Substanz. Die gewichtigen Abgänge konnten nicht konsequent ersetzt werden.

Auch die Jungen haben es nicht einfach, sich in einer Mannschaft weiterzuentwickeln, bei der das Selbstvertrauen seit längerer Zeit fehlt. André Heim und Yanik Burren haben auslaufende Verträge und sollten sich eigentlich für einen neuen Vertrag von ihrer besten Seite zeigen. Selbstverständlich ist die Situation mit Corona und den bereits zwei angeordneten Quarantäne-Unterbrüchen schwierig zu meistern, allerdings kämpft jede Mannschaft mit diesen Problemen.

Philip Wüthrich und Mika Henauer sind die Lichtblicke beim SCB

Nicht allen jungen Spielern geht es gleich. Philip Wüthrich zeigte bisher im Berner Tor eine solide Leistung und ist mit einer Fangquote von 92,4% ein sicherer Rückhalt. Er liess bisher pro Spiel im Schnitt 2,6 Gegentore zu, sein finnischer Kollege Tomi Karhunen 2,8.

Mika Henauer fehlte die letzten beiden Spiele krankheitsbedingt. Allerdings konnte man bei ihm bereits nach Beginn dieser Saison durchaus Fortschritte erkennen. Der 20-Jährige bildete zeitweise sogar das erste Verteidigerpaar mit Ramon Untersander. Laut einigen Medienberichten soll Henauer beim SC Bern bereits um drei Jahren verlängert haben, eine offizielle Bestätigung des Clubs ist noch ausstehend. Es wäre auf jeden Fall eine Vertragsverlängerung, die für die Zukunft des SC Bern von grosser Bedeutung wäre.

Was braucht es nun, um in Richtung Pre-Playoffs zu kommen?

Es braucht einen Sieg im nächsten Spiel gegen Ambrì-Piotta und es müssen mehr platzierte Schüsse aufs Tor abgegeben werden. Ein Sieg kann dieser Mannschaft Aufwind geben und die Blockade lösen. Der Anfang muss aber bei jedem Spieler selber geschehen, nämlich im Kopf, wieder an sich zu glauben.

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Trainerwechsel


Auch nach dem Trainerwechsel to Mario Kogler kommt der SC Bern derzeit nicht vom Fleck. Foto: Philipp Hegglin