Spoiler-Alarm: So wird die Swiss League

2.10.2020 - Von Daniel Gerber

Zwar gibt es die App, mit der man eine komplette Saison bereits im Voraus ansehen kann noch nicht – und ein baldiger Markteintritt ist auch nicht zu erwarten. Aber dennoch lässt sich bei dieser Swiss-League-Vorschau bereits einiges erahnen: Deshalb die Spoiler-Warnung.

Insgesamt liegen viele Clubs in ihrer jeweiligen Tabellenregion nahe beieinander. In den letzten paar Saisons tauschten manche Tabellennachbarn ihre Plätze während der Qualifikation bis zum letzten Spieltag immer mal wieder. Deshalb sind die meisten Ranglistentipps zusätzlich in grössere Regionen gefasst.

Besonders interessant wird die kommende Saison dadurch, dass der Gewinner der Swiss League ohne Liga-Qualifikation direkt in die National League aufsteigt sofern er eine Bewerbung einreicht und die Auflagen erfüllt.

Rang 1 bis 4 – Sie kämpfen um Playoff-Heimrecht

Rang 1 – EHC Kloten: Der EHC Kloten verfügt nach wie vor über eines der stärksten Teams in der Liga. Namen wie Nicholas Steiner, Jorden Gähler, Fabian Ganz, René Back, Niki Altorfer, Dominic Forget, Jeffrey Füglister, Steve Kellenberger und viele weitere wie etwa Marco Truttmann brauchen nicht näher vorgestellt zu werden. Neu hinzu kam etwa der langjährige NL-Stürmer Juraj Simek. Und mit Dominic Nyffeler ist auch die Torhüter-Position – das Sorgenkind in der ersten Swiss-League-Saison – undurchlässig abgedeckt. Vor allem aber ist Kloten auch durch Trainer Per Hanberg als Favorit zu bezeichnen. Der Schwede weiss, wie man in einer zweithöchsten Spielklasse gewinnt: 2015 gelang ihm der Aufstieg mit dem schwedischen Team Karlskrona HK. Und 2019 kegelte er im Viertelfinale den EHC Kloten aus dem Rennen und holte den Swiss-League-Titel mit dem SC Langenthal und wurde in der vergangenen Saison mit dem EHC Kloten Qualisieger. Nur Corona kann den EHC Kloten in der nun kommenden Saison in der Qualifikation stoppen.

Rang 2 – EHC Olten: Dem EHC Kloten dicht auf den Versen ist der EHC Olten. In der Qualifikation werden die Dreitannenstädter der Equipe aus der Flughafenstadt wohl den Vortritt gewähren müssen. In den Playoffs aber zeigte sich insbesondere (aber nicht nur) in den vergangenen Jahren, dass namentlich innerhalb der ersten paar Mannschaften fast alles möglich ist. Das Kader der Oltner ist zumindest auf dem Papier ein grosses Versprechen und die Durchmischung von grossen Namen und starken Talenten ist gegeben. Bisher hat der EHCO die Playoffs in der Swiss League nie gewonnen… gelingt es jedoch beim jüngsten Anlauf, gäbe es den langersehnten Aufstieg gleich noch als Schmankerl obendrauf.

Rang 3 – EHC Visp: «Die Halle schiesst keine Tore» lautet eine Floskel aus der Mottenkiste… ausser beim EHC Visp. Zumindest den ein oder anderen Assist darf dem heissblütigen Publikum durchaus gutgeschrieben werden (und je nachdem wo der Puck in der ehemaligen Litternahalle an die Bande und dann überraschend vor das Tor prallte, machte sich die Halle durchaus in der Skorerliste verdient). Die neue Arena gibt den Oberwallisern Schub und die vor einiger Zeit verjüngte Mannschaft ist gereift – und beispielsweise mit SCB-Leihgabe Simon Sterchi ergänzt. Bereits in der vergangenen Saison erreichte Visp schwungvoll (4:1 gegen den HC Thurgau) das Playoff-Halbfinale, das nie ausgetragen wurde. Es ist sehr gut möglich, dass Visp in den Playoffs plötzlich Olten und/oder Kloten schockt – so wie 2014, als Langnau direkt wieder aufsteigen wollte und der EHC Visp ausgerechnet in der Ilfishalle den Pokal errang. Auch der EHC Visp wird um den Aufstieg mitreden.

Rang 4 – SC Langenthal: Drei der letzten acht Titel in der Swiss League erkämpfte sich der SC Langenthal – und das entscheidende Spiel wurde stets in der heimischen Eishalle auf dem Schore Hoger geholt. Namentlich gegen den Lausanne HC aber auch gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers war das Berner Team klarer Aussenseiter (anders als 2019 gegen den HC La Chaux-de-Fonds). Besonders in der Corona-Krise setzt der SCL nun auf ein günstiges Kader. Mehrfach wurde im Vorfeld erklärt, dass nur so viel Geld ausgegeben wie zuvor eingenommen wird. Und so stiess nun auch erst rund zehn Tage vor dem ersten Puckeinwurf ein erster Ausländer zum Team: Mit Eero Elo wurde eine günstige und vorerst befristete Einigung erzielt. Der SCL gehört daher nicht zum engen Favoriten-Kreis, wie 2012 und 2017 auch nicht; doch wer weiss, vielleicht ist der SCL am Ende einmal mehr lachender Vierter… zuerst in der Quali-Tabelle und zuletzt im Finale gegenüber Kloten, Olten und Visp.

Rang 5 bis 8 – Diese Teams erreichen die Playoffs

Rang 5 – HC Ajoie: In einer fernen Zeit vor Corona – die älteren Leser werden sich vage daran erinnern – wurden im Eishockey Titel vergeben. Vor der Einführung eines komplett überarbeiteten Modus (gespielt wird, bis die Saison durch Corona beendet wird) wurde im schweizerischen Eishockey nur ein nationaler Titel vergeben: Der Cup-Titel – gewonnen durch den HC Ajoie. Spätestens ab Playoff-Beginn dürften die Jurassier bereit sein. Und sollte jemand das «Perpetuum Mobile» Devos/Hazen zumindest abbremsen können, trifft Verteidiger Jordane Hauert mit einem Slapshot kurz nach der Mittellinie. Wenn die Konkurrenz in den Playoffs schläft, dürfen die NL-Car-Chauffeure den Weg zum erneuerten Stadion in Porrentruy programmieren. Devos will schon länger in die National League, vielleicht nimmt er gleich seinen ganzen Verein mit.

Rang 6 – HC Thurgau: In den vergangenen Jahren tasteten sich die Ostschweizer stets näher an die Top-4 heran – als erklärtes Vereinsziel. In der Qualifikation dürfte es knapp nicht unter die ersten vier Mannschaften reichen; allerdings mit einem nur geringen Rückstand auf einen Platz der das Heimrecht garantiert. In den Playoffs aber dürfte die Mannschaft, die mittlerweile über ein ansehnliches Kader verfügt, durchaus ein Kandidat für das Weiterkommen sein; so wie 2018/19, als die Mannschaft das Halbfinale erreichte.

Rang 7 – HC La Chaux-de-Fonds: Die Durchschlagskraft beim HC La Chaux-de-Fonds hat in den letzten rund zwei Jahren abgenommen. Zum 100 Jahre-Jubiläum reichte es der Equipe aus der drittgrössten Stadt der Romandie noch bis ins Finale (0:4 gegen den SC Langenthal im Jahr 2019). Doch seither hat das Team etwas an Schwung eingebüsst, nicht zuletzt durch den Wechsel von Daniel Carbis zum EHC Olten. Die Playoffs erreicht der HCC ohne Probleme, doch wie in der vergangenen Saison (1:4 gegen den HC Ajoie) dürfte das Viertelfinale gleichzeitig Endstation bedeuten.

Rang 8 – EHC Winterthur: In der sechstgrössten Stadt der Schweiz domiziliert, schaffte es der EHC Winterthur noch nicht bis in die Playoffs. Diese Saison könnten die Sterne besser stehen. Mit Marco Mathis verfügen die Zürcher nun aber über einen Torhüter, der weiss, wie man den Titel in der Swiss League holt. Er kann seine Equipe zumindest in die Playoffs führen. Die Verteidigung ist zwar noch jung, aber gut ausgebildet – im Grunde ähnlich wie die GCK Lions, aber um ein bis zwei Jahre routinierter. Insgesamt könnte es diesmal für die Playoffs reichen.

Rang 9 bis 12 – Für diese Mannschaften wird es eng

Rang 9 – HC Sierre: Das unauffällige unter den Farmteams: Der HC Sierre zählt ganz anders als die drei anderen Farmteams auf eine heissblütige Fan-Schar und über einige Identifikationsfiguren – die teils zwar noch nicht so lange im Team sind, da dieses bekanntlich erst vor kurzem wieder aufgestiegen ist – die aber in der Region absolute Begriffe sind und teils schon letzte Saison das Publikum begeisterten, so etwa Guillaume Asselin, Arnaud Montandon und Rémy Rimann. Goran Bezina, Remo Giovannini, Tomas Dolana oder Thibaut Monnet oder Trainer Dany Gélinas sind zudem weitere Cracks, welche den HC Sierre von den Ticino Rockets und der EVZ Academy abheben. Zusammen mit dem EHC Winterthur und den GCK Lions kämpft der HCS um eine Viertelfinalteilnahme.

Rang 10 – GCK Lions: Corsin Casutt. Ryan Hayes. Roman Schlagenhauf. An einem guten Tag würden die drei auch in der National League als Linie für Furore sorgen. Doch die drei stehen in den Reihen der GCK Lions, welche – anders als andere Farmteams – seit mehreren Jahren konsequent, rund drei bis vier routinierte Spieler im Kader der Junglöwen ins Rennen schicken. Dies «nimmt» zwar ein paar Ausbildungsplätze, führt aber zu einem grösseren Lerneffekt für die Mitspieler. Dies dürfte die Lions schlagkräftiger machen und mindestens auf Rang 10 einreihen; wenn nicht sogar besser, so wie letzte Saison (Rang 8 und im Viertelfinale Zürcher Derby gegen den EHC Kloten).

Rang 11 – EVZ Academy: Mit einem Kader von knapp unter 20 Jahren dürfte sich die EVZ Academy in dieser Saison eher hinter den GCK Lions einreihen. Klar wünschen sich die jungen Zentralschweizer eine Playoff-Teilnahme zwecks Erfahrungsausbau – in dieser Saison dürfte es jedoch erstmals für den EHC Winterthur reichen … oder den HC Sierre.

Rang 12 – Ticino Rockets: Die Ticino Rockets müssen vielen Herren dienen. Das bietet zwar einen gigantischen Talentpool, aber keine eingespielten Mechanismen – dies zeigte sich bereits in den vergangenen Spielzeiten. Oft war noch am Tag vor dem Spiel nicht klar, wer alles dabei sein wird. Resultate aus in der Vorbereitung sagen meist nichts, in diesem Falle jedoch zeigen die Ergebnisse, dass alles wohl wie bisher laufen wird: 1:3 gegen Ambri, 1:7 gegen Lugano, 5:1 gegen Basel, 3:1 gegen Bregenzerwald, 4:2 gegen Bellinzona, 2:5 gegen Martigny, 1:3 gegen Chur und 3:1 gegen Martigny. Die Interpretation daraus: An einem guten Tag gewinnen die Rockets gegen einen gleichklassigen Gegner, an einem schlechten verliert die Equipe gegen ein Team aus der MySports-League.

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Favorit Kloten


Der EHC Kloten und der EHC Olten werden erneut zu den Favoriten in der Swiss League gezählt. Foto: Jörg Oegerli