Wie hätte die Saison geendet?

15.3.2020 - Von Martin Merk

Die Saison 2019/2020 ist in den Ligen der Schweiz ist wegen der Coronavirus-Pandemie zu Ende. Wie wäre alles ausgegangen? Wir lassen die Daten sprechen und kommen zum Schluss: Der EV Zug hätte seinen zweiten Meistertitel gewonnen – wie schon 1998 in einem Finale gegen Davos!

Wer hätte die Meisterschaft 2020 gewonnen? Wer hätte in den sauren Apfel beissen müssen und in der Ligaqualifikation gegen den Meister der Swiss League antreten müssen? Wir werden es nie erfahren.

Und weil es in den Hallen und im Fernseher weit und breit weder Eishockey noch sonstige Sportarten gibt, wagen wir es trotzdem anhand der Daten dieser Saison vorauszusagen, wie die Saison weitergelaufen wäre. Daten haben wir auf hockeyfans.ch schliesslich genug (zukünftige Spiele leider weniger).

Dazu nahmen wir die Direktbegegnungen dieser Saison, jeweils getrennt nach Heim- und Auswärtsresultat. Wir nahmen dabei für die ersten zwei Heim-/Auswärtsspiele jeweils dieselben Resultate. Danach wurde, falls es nur ein weiteres Heim- oder Auswärtsspiel gab, der Mittelwert genommen. Um es nicht komplizierter zu machen als es sich anhört, wurden weitere Faktoren wie die Formkurve oder die Kadersituation nicht berücksichtigt.

Viertelfinale

ZSC Lions (1.) – HC Lugano (8.) 2:4 (7:2, 1:3, 1:2, 1:3, 4:2, 1:3)

Die ZSC Lions gewannen zwar am Schluss noch die reguläre Saison im Direktduell gegen den EV Zug, doch an den HC Lugano hatten die Zürcher keine guten Erinnerungen. Daheim gewannen sie nur eins von zwei Spielen, in Lugano gewannen sie diese Saison gar nie und hatten auch in der Vergangenheit ihre Probleme. Von den bisherigen Daten her hätte es hier also eine Überraschung gegeben, die kaum jemand erwartet hätte.

EV Zug (2.) – Fribourg-Gottéron (7.) 4:3 (0:4, 3:2, 5:0, 1:2 n.P., 0:4, 3:2, 5:4)

Auch der EV Zug war gegen Fribourg-Gottéron keineswegs so souverän und zwar weder daheim noch auswärts. Dank dem Heimvorteil kommt Zug im siebten Spiel weiter.

HC Davos (3.) – Lausanne HC (6.) 4:0 (4:3, 7:1, 2:1 n.V., 4:3 n.P.)

Die Lausanner Ambitionen nehmen schon früh ein Ende, denn gegen Davos haben sie kein einziges Spiel gewinnen können, auch wenn es meistens knapp war.

Genf-Servette (4.) – EHC Biel (5.) 1:4 (2:4, 3:6, 3:2, 3:7, 2:3)

Genf-Servette schloss die reguläre Saison zwar knapp vor dem EHC Biel ab, doch die Bieler haben wie bislang die Überhand in den Direktduellen und setzen sich in fünf Spielen durch.

Halbfinale

EV Zug (2.) – HC Lugano (8.) 4:2 (3:2 n.P., 1:2 n.V., 1:2, 5:3, 3:2 n.P., 3:2)

Sechsmal ein Duell mit einem Hitchcock-Finale wie schon in der regulären Saison, doch am Ende setzen sich die Zuger knapp durch.

HC Davos (3.) – EHC Biel (5.) 4:3 (5:2, 1:2, 4:3 n.V., 2:5, 5:2, 2:4, 4:3 n.V.)

Beide Teams zeigen sich als heimstark, das Duell geht bis ins siebte Spiel, wo der HC Davos den Heimvorteil mit einem Siegestor in der Verlängerung nutzt.

Finale

EV Zug (2.) – HC Davos (3.) 4:1 (4:5, 4:2, 4:2, 2:1 n.V., 4:3)

Es kommt zu einer Finalrevanche der Finalserie von 1998 als der EVZ sich den bislang einzigen Meistertitel holten konnte. Das Zugerland steht Kopf und die Hallen sind beiderorts innert Minuten ausverkauft. Public Viewings werden aufgebaut in einem April ohne Coronavirus (schön wärs!). Vor 22 Jahren gewann der EVZ die Serie mit 4:2, die damaligen Protagonisten zieren die Kameras und Zeitungsblätter mit Räubergeschichten von damals. Und nun?

Wie schon im ersten Heimspiel der regulären Saison erleiden die Zuger Träume erst einmal Schiffbruch mit einer 4:5-Heimniederlage, doch der HCD kann die Situation nicht nutzen – der EVZ gleicht in Davos aus! Von nun an rollt der Zuger Express. Auch daheim gibt es einen 4:2-Sieg, auswärts gewinnen die Zuger nach einem torarmen Spiel in der Verlängerung und können den Sack im 5. Spiel vor heimischem Publikum zumachen. Die Fans bereiten sich auf die Meisterfeier vor, doch es stehen spannende, harte 60 Minuten an. Der EVZ schafft es, bezwingt den HCD 4:3 und holt sich seinen zweiten Meistertitel der Geschichte!

Ranking Round

Die Ranking Round der letzten vier Teams muss aber auch noch gespielt werden, somit lassen wir den Computer auch hier rechnen. Sie beginnt mit folgender Ausgangslage:
1. SC Bern 68
2. HC Ambrì-Piotta 63
3. SCL Tigers 63
4. SC Rapperswil-Jona 53

Gespielt wird jeder gegen jeden, jeweils daheim und auswärts. Es sind teils knappe Spiele, doch am Schluss verfestigt sich nach jeweils sechs Spielen pro Team die Rangliste:
1. SC Bern 80
2. HC Ambrì-Piotta 72
3. SCL Tigers 71
4. SC Rapperswil-Jona 60

Playout-Finale

SCL Tigers (11.) – SC Rapperswil-Jona Lakers (12.) 4:1 (4:1, 2:1, 2:1, 3:7, 3:1)

Die SCL Tigers und die SC Rapperswil-Jona Lakers spielen gegen den letzten Platz. Die SCL Tigers erwischen den besseren Start, setzen sich in drei knappen Spielen durch, bevor die Lakers kurz vor dem Aus noch ein Ausrufezeichen setzen mit einem 7:3-Sieg. Doch am Schluss setzen sich die SCL Tigers durch und beenden die Saison. Dem SCRJ droht die Ligaqualifikation gegen den Meister der Swiss League.

Swiss League

Halbfinale:
EHC Kloten (1.) – SC Langenthal (6.) 4:1 (5:1, 3:1, 2:3, 8:1, 4:2)
HC Ajoie (2.) – EHC Visp (4.) 3:4 (4:3 n.V., 3:2 n.V., 0:2, 2:3, 4:3 n.V., 2:3, 0:2)

Finale:
EHC Kloten (1.) – EHC Visp (4.) 3:4 (1:3, 4:0, 2:3, 5:0, 1:3, 5:0, 2:3)

Welch ein Finale in der Swiss League! Der Favorit EHC Kloten schafft es bis ins Finale, während der EHC Visp in sieben Spielen den Cupsieger HC Ajoie ausschaltet. In der Finalserie gewinnt kein einziges Team ein Heimspiel! Der gegen Kloten auswärtsstarke EHC Visp setzt sich im siebten Spiel in Kloten mit 3:2 durch und feiert den Meistertitel! Das Oberwallis ist im Freudentaumel, doch gleich geht es weiter um den Aufstieg.

Ligaqualifikation NL/SL

SC Rapperswil-Jona Lakers (NL) – EHC Visp (SL) 4:1 (3:1, 4:1, 2:1, 2:3, 3:1)

Müssen die SC Rapperswil-Jona Lakers nach zwei Jahren im Oberhaus wieder absteigen oder schaffen sie den Klassenerhalt? Ihnen fiel ein Stein vom Herzen, dass sie nicht gegen Kloten antreten müssen, doch sie treten gegen einen EHC Visp in Hochform an.

Die letzten Vergleiche liegen zwei Jahre zurück und werden hier für diese Datenstory verwendet. Die Lakers machen ihre Arena zu einer Festung und gewinnen auch auswärts ein Spiel. Den Klassenerhalt schaffen sie im fünften Spiel vor heimischem Publikum. Am Obersee wird gefeiert und das Wallis muss sich weiterhin gedulden.

Swiss League Ranking Round

Auch in der Swiss League gibt es erstmals einen Abstiegskampf. Vier von sechs Partien sind bereits gespielt. Es bräuchte noch ein Wunder für den HCB Ticino Rockets um dem letzten Rang zu entkommen. Sie verlieren ihre Spiele gegen Sierre und Winterthur, damit müssen sie in die Ligaqualifikation. Mehr dazu unten.

MySport League

Die Finalserie zwischen dem HCV Martigny und dem EHC Basel wäre am Donnerstag gestartet. Die Walliser waren Qualifikationssieger, die Basler rückten in einem Endspurt auf den dritten Rang vor und schafften es ins Finale. Wie in den bisherigen Begegnungen setzt sich jeweils das Heimteam durch – Martigny gewinnt die Finalserie 3:2 und feiert den Meistertitel der dritthöchsten Spielklasse!

Es kommt zum Duell zwischen Martigny und Biasca – wie schon in der Finalrunde der dritthöchsten Spielklasse vor vier Jahren. Damals gewann Biasca beide Spiele gegen Martigny und setzte sich auch im Finalspiel gegen Thun durch, um den Aufstieg auch sportlich zu rechtfertigen. Für unser Datenmodell bedeutet dies: Die Ticino Rockets bleiben mit 4:0-Siegen oben, Martigny unten.

Was denkt ihr? Seid ihr mit all den Prognosen einverstanden? Hätten die Ligen ganz anders geendet? Diskutiert mit im Forum oder in unseren Posts auf Facebook, Instagram oder Twitter.

Background-Portal

Zug als Meister?



Zugs Sven Senteler bejubelt einen Treffer gegen Davos in der regulären Saison. Nach unserer Datenanalyse hätte der EVZ die Playoffs im Finale gegen Davos gewonnen. Foto: Philipp Hegglin