Moy von Kalifornien in die Schweizer Nati

8.11.2019 - Von Martin Merk

Er ist einer der Herren, die wohl nicht jeder Fan auf dem Radar hatte für ein Aufgebot beim Deutschland Cup. Doch der gebürtige Kalifornier Tyler Moy bestritt gestern gegen die Slowakei sein erstes Länderspiel – und tat dies ziemlich gut. Grund genug für eine Hintergrundstory zum Stürmer des Lausanne HC.

Bis vor ziemlich genau einem Jahr war Tyler Moy in der Schweiz kaum auf dem Radar. Er spielte Juniorenhockey, vier Jahre College-Hockey und schaffte es in die AHL. So wie viele anderen Amerikaner halt auch. Und doch landete er vor ziemlich genau einem Jahr in Lausanne, denn seine Mutter stammt aus dem luzernischen Nebikon und so hat er auch die Schweizer Staatsbürgerschaft. Sie wanderte einst in die USA aus und lernte Tyler Moys aus Detroit stammenden Vater in San Diego kennen. Dort in Kalifornien wurde er 1995 geboren, dort wuchs er auf. Eishockey zwischen Strand und Palmen.

„Es ist dort auch schön, ich habe in schönen Orten gelebt bislang“, sagt er zu den Heimatländern seiner Eltern. Zur Schweiz hatte er bis auf seine Mutter keine grosse Beziehung, was sich dank des Eishockeys nun geändert hat.

Die Nashville Predators drafteten Moy 2015 in der sechsten Runde, doch in seiner zweiten AHL-Saison wollte es nicht so recht klappen, er musste gar in der drittklassigen ECHL antreten. Und so versuchte er sich als Profi in der Schweiz, fand im Lausanne HC im November letzten Jahres eine neuen Arbeitgeber in Übersee.

„Ich wusste immer, dass ich einen Schweizer Pass habe. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so früh in die Schweiz wechseln würde, doch dann kam ich letztes Jahr“, sagt er.

Ein Jahr später steht er im Kreise der Nationalmannschaft. Zwei Saisons muss er als Doppelbürger in der Schweiz spielen um nach den Regeln des internationalen Eishockeyverbands IIHF spielberechtigt zu werden. Bis Anfang März 2020 sollte es soweit sein, also rechtzeitig für die WM. Am Deutschland Cup kann er jetzt schon Nationalteam-Luft schnuppern, weil es kein IIHF-Turnier ist.

„Ich wusste, dass ich für IIHF-Turniere zwei Saisons hier spielen muss. Nun ist mein zweites Jahr, daher wusste ich, dass die Möglichkeit besteht zum Team zu stossen. Ich bin froh, dass es klappte“, sagt Moy.

Der Schweizer Verband klärte die Möglichkeit seiner Spielberechtigung für die WM schon vorgängig mit der IIHF ab, wie der Nationaltrainer Patrick Fischer erklärt. Daher ist er jetzt schon dabei. Von rot-weiss in Lausanne zu rot-weiss mit der Nationalmannschaft in Krefeld. „Wir wollten probieren ihn jetzt schon aufzubieten. Er ist ein grosses Talent. Einer mehr, der die Konkurrenz belebt“, sagt Fischer.

Es geht schnell für Moy, seit die Predators vor einem Jahr seinen Vertrag auflösten, um den Weg frei für Europa zu machen. In der AHL verdiente er vor Steuern 70‘000 US-Dollar pro Jahr, in der Schweiz liegt bekanntlich ein Vielfaches davon drin. Einem Wechsel vermochte ihm niemand zu verübeln.

In den USA war Moy ein erfolgreicher Spieler auf College-Ebene, studierte Evolutionsbiologie in der Elite-Universität Harvard und spielte dort Eishockey. Und aufgepasst Frauennati: Seine kleine Schwester tut es ihm nun gleich, spielt in Harvard ebenfalls Eishockey und studiert Volkswirtschaftlehre. „Wir sind beide dankbar, das Beste aus beiden Welten, Sport und Akademie, zu erhalten. Es ist eine einmalige Gelegenheit an so einem Ort zu sein mit so vielen brillianten Köpfen und das Eishockey war auch grossartig, in meinem letzten Jahr kamen wir ziemlich weit bis ins Halbfinale (der NCAA). Es waren vier gute Jahre für mich“, blick er zurück.

In den Scouting-Reports wurde Moy als Zweiweg-Stürmer, als Center mit Potenzial für die vierte Linie in der NHL benannt, der defensive Arbeit verrichtet und sich gelegentlich offensiv einbringt. Ein guter Schlittschuhläufer, ein „big guy“. In seiner ersten AHL-Saison konnte er offensiv aber nicht so viel produzieren, wie die Predators erwartet hatten. 6 Tore und 10 Assists in 72 AHL-Spielen. Entsprechend kritisch beurteilte man ihm beim Camp für seine zweite Saison. Als seine Karriere in den USA nicht vorwärts kam, besinnte er sich daher auf seine anderen Wurzeln.

„Meine Mutter wuchs in Nebikon ausserhalb von Luzern auf. Wir haben keine Familie mehr hier, jedoch hat meine Familie noch Freunde und ich schloss Freundschaft mit ihren Kindern. Sie wurden nun riesige Lausanne-Fans und kommen manchmal nach Lausanne, oder ich fahre nach Nebikon während Pausen oder Weihnachten“, sagt der 24-Jährige.

„Es war eine gute Gelegenheit rüberzukommen. Das Umfeld ist hervorragend. Es war ganz anders, der ganze Vibe mit den Fans, und Fans die zu Auswärtsspielen reisen. Das ist ziemlich cool. Es ist grossartiges Eishockey hier, ich kam hier um Spiele zu gewinnen und mich zu verbessern.“

Schweizerdeutsch hat Moy aks Kind aber nie gelernt, dafür während vier Jahren in der Schule Französisch. Das ist zwar schon eine Weile her, hilft ihm aber, sich in Lausanne auch abseits des Eises durchzuschlagen.

Beim LHC erhält er mehr Vertrauen als in seiner alten Heimat. Er wird hier als rechter Flügel eingesetzt, spielt in Lausanne in der dritten Linie. Patrick Fischer setzte Moy bei seinem Länderspiel-Debüt auf derselben Position an der Seite von Raphael Prassl und Noah Rod ein.

„Es war toll erstmals Teil der Schweizer Nationalmannschaft zu sein und wir gewannen erst noch“, sagt Moy. Dabei fiel er auf, kreierte Chancen als es lange torlos war und hatte am Schluss selbst ein Tor und ein Assist.

„Es ist toll gleich im ersten Spiel zu treffen, es war ein grossartiger Pass. Ich sah, dass der andere Pfosten rauskam und hatte ein bisschen Angst, zum Glück zählte es aber.“

Auch Fischer zeigte sich zufrieden. „Er hat geziegt, was man von ihm kennt. Er spielt trickreich, ist kampfstark. Er hatte ein Tor und Assist, aber er hat auch nach hinten gut gespielt“, so das Fazit des Nationaltrainers nach Moys ersten Spiel beim Deutschland Cup.

Es ist noch nicht lange her, da fieberte Tyler Moy mit zwei Herzen in der Brust während Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen von den USA uas mit.

„Ich schaute die WM daheim an. Meine Mutter fante für die Schweiz, so hatten wir mit der Schweiz und den USA zwei Teams zum Unterstützen“, sagt Moy.

Nun ist er ein halbes Jahr vor der Eishockey-Weltmeisterschaft im eigenen Land selbst zum WM-Kandidaten geworden.

„Das wäre grossartig“, sagt er zum Traum an der WM zu spielen. „Es ist mein Ziel und es wäre eine riesige Ehre. Ich versuche es. Ich möchte mich weiter verbessern und es wäre grossartig für die Schweiz an der WM zu spielen.“ Dann fügt er aber auch in der Manier eines nordamerikanischen Teamplayers mit einer Portion Demut an: „Aber ich lebe einfach im Moment, nehme es Tag für Tag und bin für jede Gelegenheit dankbar.“

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Tyler Moy

Tyler Moy debütierte gestern mit der Schweizer Nationalmannschaft beim Deutschland Cup. Foto: Vedran Galijas

Tyler Moy stürmt seit letzter Saison für den Lausanne HC. Foto: Thomas Oswald