Der Stolz der Löwen

8.9.2019 - Von Andreas Bernhard

Vier Trainer in zwei Jahren. Ein Meistertitel 2018, der über eine schlechte Qualifikation hinwegtäuschte und ein Absturz in die Platzierungsrunde 2019. Bei den ZSC Lions wird erneut die Trendwende versucht. Ein neuer Startrainer soll es richten. Wenn sich die Einstellung der Spieler nicht ändert, wird es auch für Rikard Grönborg, als Headcoach zweifacher Weltmeister mit Schweden, eng.

Nach einem Schweden, zwei Kanadiern und einer Schweizer Legende übernimmt nun wieder ein Schwede das Zepter an der Bande der ZSC Lions. Auf ihm lasten alle Hoffnungen der Zürcher. Er möge bei den Spielern das Feuer wieder entfachen. Etwas das einem ausgebrannten Arno Del Curto in der letzten Saison nicht gelungen war. Die ZSC Lions müssen wieder einmal eine anständige Qualifikation hinter sich bringen, um die Zuschauer bei Laune zu halten. Die Fans werden nicht mehr länger viel Geld für wenig Qualität ausgeben. Für die kommende Saison können die Lions jedoch weiterhin auf den Goodwill der Fans zählen. Die Saisonkartenverkäufe gingen zwar etwas zurück aber nicht dramatisch.

Die Mannschaft ist in ihren Grundzügen dieselbe geblieben. Mit Lukas Flüeler steht ein sehr guter Torhüter zwischen den Pfosten. Wenn er für einmal von Verletzungen verschont bleibt, haben die Lions auf dieser Position nichts zu befürchten. In der Verteidigung müssen die Zürcher den Abgang von Kevin Klein verkraften. Ersetzt wurde er nicht. Dafür erhielt der Sturm mit Marcus Krüger eine prominente Verstärkung. Garrett Roe und Marco Pedretti sorgen für weitere Feuerkraft. Das Toreschiessen sollte nicht das Problem sein. Fredrik Pettersson, Roman Wick, Denis Hollenstein, Pius Suter, Simon Bodenmann und Chris Baltisberger sollten zusammen mit den Neuen für genügend Tore sorgen, um locker in den vorderen Rängen mitspielen zu können. Doch genau das haben sie in der letzten Spielzeit nicht getan.

Die bisherigen Spieler der Lions wurden im Sommer entsprechend in die Pflicht genommen. Sven Leuenberger hat lange, intensive Einzelgespräche geführt. Peter Zahner sprach an der jährlichen Vorsaison-Pressekonferenz die sportlichen Baustellen an: «Wir vermissten den Teamgeist, die Disziplin und die Leadership. Die Spieler haben oft zuwenig Stolz und Respekt gezeigt. Das führte dazu, dass wir unter Druck immer wieder in Schwierigkeiten geraten sind. In vielen Phasen mangelte es uns an Intensität.» Nach der Qualifikation 2018 hörte man ganz ähnliche Aussagen. Ein Tor zur rechten Zeit im Viertelfinal gegen den EV Zug änderte damals alles. Jetzt muss diese Initialzündung in einem Qualifikationsspiel im Herbst kommen. Die Leader der ZSC Lions haben die einmalige Chance zu zeigen, dass sie es besser können. Sie sind alle noch da.

Die ZSC Lions sind weiterhin eine Topmannschaft, haben ein stabiles Kader und sind im Stolz verletzt. Das sind gute Zutaten für eine erfolgreiche Saison. Im veränderten Sommertraining wurde die Basis dafür geschaffen und Rikard Grönborg hat gegenüber hockeyfans.ch aufgezeigt, wie er mit den gleichen Spielern mehr Erfolg haben will als seine Vorgänger: «Die Spieler müssen die letzte Saison hinter sich lassen. Wir schlagen ein neues Kapitel auf. Wir werden jeden Tag hart arbeiten und in jedem Spiel ein harter Gegner sein. Es wird nicht über Nacht passieren. Das haben wir im Testspiel gegen den HC Davos gesehen. Da hat noch nicht alles so geklappt, wie wir uns das vorstellen.»

Die Prognose von hockeyfans.ch geht davon aus, dass die Lions in dieser Saison stärker zurückkommen werden. Das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden. Doch wie lange wird die Führungsetage ruhig zuschauen, wenn die Mannschaft zur Nationalmannschaftspause im November in den hinteren Regionen zu finden ist?

hockeyfans.ch-Ranglistentipp
1.
2.
3. EHC Biel
4. ZSC Lions
5.
6. HC Lugano
7. Fribourg-Gottéron
8. SCL Tigers
9. HC Davos
10. Genf-Servette
11. HC Ambrì-Piotta
12. SC Rapperswil-Jona Lakers

Background-Portal

Pettersson

Damit es den ZSC Lions besser läuft, müssen sich vor allem auch die bisherigen Spieler (Bild: Fredrik Pettersson) steigern. Foto: Vedi Galijas