Grönborg freut sich auf die Schweiz

4.9.2019 - Von Martin Merk

Rikard Grönborg mag Herausforderungen – und eine solche hat der mehrfache schwedische Weltmeistertrainer mit den ZSC Lions gefunden. Wir sprachen vor dem Saisonstart mit ihm.

Er war einer der grössten Trainer auf dem europäischen Trainermarkt. Nun ist Rikard Grönborg hinter der Bande der ZSC Lions und ist mit seiner Familie unweit des Flughafens nach Winkel gezogen.

Er soll aus der Mannschaft, die mit dem neunten Rang enttäuschte, wieder ein Spitzenteam machen und jener Trainer sein, der die so lange erhoffte Konsistenz bringen soll nach all den Wechseln. Die Top-4 wurden ihm als Ziel vorgegeben, auch wenn er bezüglich Erwartungen etwas auf die Bremse drückt.

Wir sprachen eine Woche vor dem Saisonstart mit dem 51-jährigen Schweden, der bei den beiden WM-Finalspielen zwischen Schweden und der Schweiz 2013 und 2018 mit dem glücklicheren Ende hinter der schwedischen Bande stand.

Bei den ZSC Lions wartet eine neue Herausforderung auf Sie. Man träumt normalerweise von Meistertiteln, verpasste aber zuletzt die Playoffs und verschliss Trainer. Können Sie das Team wieder nach oben bringen?

Man kann als Neunter nicht mit dem Finger schnippen und wird dann Erster, auch wenn das schön wäre. Es ist ein Prozess, es geht nicht über Nacht. Es wird eine Herausforderung, aber ich mag Herausforderungen. Wir möchten besser laufen, aggressiver spielen, ein bisschen ähnlich wie das Nationalteam in Schweden. Es ist ein grosser Druck in dieser Organisation und ich mag diese Situation. Es ist nicht anders als Nationaltrainer in Schweden zu sein, man erwartet jedes Jahr, dass wir gewinnen.

Die Fans sähen die ZSC Lions aber schon gerne weit oben.

So einfach geht das nicht nach zwei Wochen zusammen. Aber wir haben das Potenzial im Team, wir müssen so arbeiten, dass wir uns jeden Tag verbessern. Fokussiert sein ist wichtig.

Letzte Saison mangelte es auch an Selbstvertrauen. Was lässt sich da tun?

Das Selbstvertrauen muss von innen kommen. Ich möchte die Rahmenbedingungen schaffen, damit die Spieler erfolgreich arbeiten können, dass sie nach den Trainings gut vorbereitet sind. Das sind Dinge, die ich kontrollieren kann.

Im Kader hat sich nicht so viel geändert. Wie nehmen Sie das Team war?

Der Kern der Spieler ist immer noch hier. Die Spieler müssen aber die letzte Saison hinter sich lassen. Wir möchten jeden Tag hart arbeiten und ein Team sein, gegen das es hart zu spielen ist. Ich möchte eine Mannschaft hier haben, auf die wir alle stolz sein können.

Was ist Ihr Ziel hier?

Meine persönlichen Ziele sind sekundär. Ich muss jeden Morgen bereit sein um dem Team die Grundlage zu geben erfolgreich zu sein. Wir haben Ziele, die wir als Team erreichen wollen und müssen hart daran arbeiten, jeden Tag besser zu werden.

Hat sich für Sie vieles verändert nach Jahren als Nationaltrainer?

Ich liebe es. Ich sehe jeden Tag die gleichen Gesichter, wenn ich aufwache. Es war anders als Nationaltrainer, wo man oft daheim war und Telefonate erledigte. Ich freue mich sehr auf diese Zeit.

Die Lions hatten einige Trainer in den letzten Jahren, auch zwei Schweden. Haben Sie mit ihnen über die ZSC Lions gesprochen?

Ich sprach mit Lasse Johansson, auch schon als er hier war. Er gab mir einige Tipps über die Situation. Ich mag Konsistenz. In Schweden hatten wir Erfolg, auch weil wir Konsistenz hatten. Der Schlüssel für mich ist aber die tägliche Arbeit und was wir machen. Ich mag auch die Situation mit Lini (Liniger) und den GCK Lions, die Entwicklung der jungen Spieler. Ich hoffe wir können weitermachen, Spieler zu entwickeln. Es liegt nun auch an mich und dem Staff, daran zu arbeiten.

Sie sprachen über Herausforderungen. Welches ist Ihre grösste Herausforderung in Zürich?

Es gibt jeden Tag Herausforderungen. Wir verloren etwa 3:6 gegen Davos. Da gab es Dinge, die gut liefen und Dinge, die wir verbessern müssen. In dieser Liga kann jeder jeden schlagen. Wir müssen fokussiert sein. Wir können nicht ändern, was letzte Saison geschah. Wir müssen ein Umfeld schaffen, in welchem die Spieler erfolgreich sein können. Sie haben es vielleicht schon in den Testspielen gesehen. Wir möchten laufen, wir möchten Druck ausüben, wir möchten viele Dinge anders machen. Aber es geht nicht über Nacht. Manchmal muss man auf die Nase fallen, um eine bessere Mannschaft zu kreieren. Dieses Spiel war ein guter Weckruf für uns, um zu sehen wo wir im Prozess sind.

Sie sprachen auch mit anderen Clubs, unter anderem Davos. Weshalb sind Sie letztendlich in Zürich gelandet?

Ich sprach mit Clubs aus anderen Ligen. Ich mag die Herausforderung in einer grossen Organisation in Europa. Mit einem Team Erfolg zu haben, dass die Erwartungen letzte Saison nicht so erfüllte, spornt mich an. Ich mag Herausforderungen, ansonsten wäre ich nicht so lange in diesem Beruf.

Sie kennen ja viele schwedische Nationalspieler. Hatten Sie auch mit welchen Kontakt bezüglich der Lions?

Sven (Leuenberger) ist in Kontakt mit den Spielern, aber ich war natürlich bei Marcus Krüger involviert. Ich coachte ihn beim World Cup, den Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Er war erfolgreich im Nationalteam und bei den Blackhawks. Er war ein wichtiger Teil im Stanley-Cup-Team. Was ich an ihm mag, ist, dass er ein Leader in der Kabine ist. Er geht mit gutem Beispiel voran, ist der Erste auf dem Eis und der Letzte der geht. Seine Vorbereitung aufs Spiel ist klasse, er legt Wert auf Details. Ich sprach nach der WM mit ihm und ich denke wir sind glücklich, dass wir ihn nun haben. Er war mit anderen Teams in Kontakt, auch in der NHL, möchte aber etwas Neues probieren.

Haben Sie bislang spezielle Erfahrungen in der Schweiz gehabt?

Jeder Tag ist speziell. Was ich mag ist, dass Ordnung und Regeln wichtig sind. In Schweden ist das ähnlich, auch wenn wir nicht so strikt sind wie in der Schweiz. Bislang lief alles gut. Ich verstehe auch ein bisschen Hochdeutsch, ans Schwiizerdütsch muss ich mich aber noch gewöhnen. Meine Frau ist Amerikanerin und hat sich an den schwedischen Lifestyle gewöhnt, nun lernt auch sie eine neue Kultur kennen. Wir sind sehr gespannt. Meine beiden Töchter lernen auch eine neue Sprache und gehen hier zur Schule.

Waren Sie als Schwede hier schon bei IKEA?

Ja, ja. Ich hab da schon ein bisschen Möbel abgeholt. Es ist immer ein bisschen stressig, wenn man woanders hinzieht, besonders ausserhalb des Landes. Aber wir haben nun unseren Tagesablauf, auch mit der Schule und so. Ich mag die tägliche Routine.

Haben Sie im Team unterschiedliche Mentalitäten festgestellt im Vergleich zu Schweden?

Nein. Ich kenne viele der Spieler in unserem Team, weil ich gegen sie trainierte früher. Ich bin über das Talentlevel im Team und in der Liga nicht überrascht. Es ist eine läuferisch starke, aggressive Liga, das mag ich. Das war auch ein Grund, weshalb ich in die Schweiz kam.

Was denken Sie über das Niveau in der Schweiz?

Wir haben die Schweiz, die SHL, die finnische Liga, die tschechische Liga, die KHL. Es gibt einige Top-Ligen in Europa und die Schweiz gehört sicher dazu. Die Hockeykultur ist gut und wir hatten mit Schweden einige Spiele gegen die Schweiz, wo ich glücklich war auf der Siegerseite zu stehen. Ich freue mich sehr, in diesem Land zu arbeiten. Ich habe vier Goldmedaillen bei den verschiedenen Weltmeisterschaften gewonnen, aber auch sieben Silbermedaillen. Ich weiss auch, wie es ist einen Final zu verlieren. Der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage kann sehr klein sein. Die Schweiz hat Weltklasse-Spieler publiziert und ich liebe dieses Land und die Leute. Ich mag, wie das Schweizer Nationalteam spielt und die Konsistenz, die sie haben, wie gut sie zusammenarbeiten. Ich hoffe, dass sie mal die Weltmeisterschaft gewinnen, das wäre gut fürs Schweizer Eishockey. Bei der WM sieht man immer viele Schweizer Fans, sie gehören zu jenen, die Stimmung in die Halle bringen und eine gute Zeit haben. Für mich wird es erstmals seit vielen Jahren, dass ich ohne einen Stellenbeschreib bei einer WM sein kann und erst noch in meiner Umgebung.

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Grönborg

Rikard Grönborg ist neuer Trainer der ZSC Lions. Foto: Martin Merk

Jahrelang stand Grönborg hinter der Bande der schwedischen Nationalmannschaft. Foto: Vedi Galijas