Henauer, die Berner Mauer

23.4.2019 - Von Fabian Lehner

Andri Henauer spielt normalerweise bei de Elite A Junioren des SC Bern. Bei der U18-WM stand er bereits zweimal zwischen den Pfosten, einmal wurde er ausgewechselt. Dennoch machte er seine Arbeit gut, auch wenn er gegen starke Gegner viele Tore fressen musste. Wir sprachen mit ihm vor der entscheidenden Schlussphase der Vorrunde mit dem heutigen Spiel gegen Finnland.

Andri Henauer ist bereits der 2. Henauer, welcher an eine U18-WM auflaufen durfte. Letztes Jahr gehörte sein Bruder Mika Henauer zu den besten Verteidiger der Schweizer. Auch Andri ist in der Defensive beschäftigt. Als Torhüter sogar noch einiges defensiver. In Bern spielte er 14 Spiele bei den Novizen, wo er auf einen Schnitt von 1.9 Gegentoren kam. In den 11 Spielen bei den Elite-A-Junioren kam er auf einen Schnitt von 2.07. In den Playoffs lag dieser in 9 Spielen mit 2.82 Etwas höher. Das sind aber relativ gute Werte, wenn man bedenkt, wie viele Tore normalerweise in diesen Spielen fallen.

„Es ist schade, konnten wir in den ersten Spielen nicht Punkten, vor allem wenn man bedenkt, dass die Weissrussen gegen die Topteams bereits gepunktet hatten.“ Die Aussage ist treffend gewählt. Die Weissrussen sind bereits durch mit 7 Punkten. Die Schweizer stehen aber in der Poleposition beim heutigem entscheidendem Spiel gegen die Finnen. Mit seiner eigenen Leistung ist er nicht ganz unzufrieden, aber auch nicht zufrieden. „Es war ganz okay, aber wenn man sieben Tore bekommt und einmal ausgewechselt wird, darf man als Torhüter nicht zufrieden sein“, sagt er selbstkritisch, eine Fähigkeit die er an sich selbst lobt.

Sein Bruder, Mika, lobt seine Ruhe, aber findet, dass er eben noch selbstkritischer sein dürfte: „Ich bin stolz hier meinen Bruder über die Schulter zuschauen. Ich habe das ganze selber in Russland erlebt und ihm jetzt hier zuzuschauen ist sicher toll. 2-3 Tipps habe ich ihm sicher mit auf den Weg gegeben, aber er macht das auch alleine gut“, spricht er mit Stolz über seinen „kleinen“ Bruder. „Mika ist eine wichtige Ansprechperson für mich. Da konnte ich schon von seiner Erfahrung im letzten Jahr profitieren“, bestätigt Andri das gute Verhältnis der beiden.

Steigerungspotenzial bei der Mannschaft sieht er beim Strafen nehmen. Das zieht sich durch die letzten Spiele durch. Gegen die Weissrussen hat sich dies zwar bereits gebessert, dürfen wir festhalten. Auch wenn es wieder acht Strafen waren, waren doch einige sehr strenge Pfiffe dabei.

„Mit meiner Saison im Club bin ich zufrieden. Ich wollte möglichst viel Elite A spielen und durfte auch oft in den Playoffs ran“, sagte er. „Genau das habe ich mir vorgenommen, deswegen darf ich zufrieden sein.“ Verbesserungspotenzial sieht er bei sich in der Physis und im Spiel mit der Scheibe. Das viele Scouts da sind, nimmt er wahr. „Wichtig ist sich nicht verrückt machen lassen und das Team in den Vordergrund zusetzten.“ Das Ziel der Mannschaft ist mit der Viertelfinalequalifikation. Selber hat er sich keine spezifischen Ziele gesetzt. „Ich möchte dem Team einfach ein guter Rückhalt sein mit guter Leistung und die Erfahrung auf zu saugen“, meint er dazu. „In der nächsten Saison möchte ich bei den Elite A eine Leaderrolle übernehmen. Ein Wechsel ins Ausland ist kein Thema aktuell“, sagt er mit Blick auf seine Zukunft.

Angesprochen auf den Fakt, dass sehr viele Berner im Team sind, beginnt er zu schmunzeln: „Sicher hilft es, wenn sich alle schon kennen, aber gross einen Unterschied macht es nicht.“ Generell scheint die Stimmung gut zu sein. Man bemerkt keine Grüppchenbildung wie es in anderen Jahren bei manchen Teams auch schon vorkam. „Neben Joel Salzgeber ist Bastian Guggenheim auch immer für einen guten Spruch gut“, sagt er. Auf die Frage, ob man wen der Boxer einen Spruch macht lachen „muss“, muss er lachen und bejaht er schelmisch. Natürlich nur im Scherz. Es sei einfach seine sehr lustige Art, die ihm gegeben sei.

Der Weg für eine gute Zukunft scheint gut zu sein. Zwar ist er jetzt noch etwas klein für einen Torhüter, er wird aber noch einige Zentimeter wachsen. Philip Grubauer ist mit 1.85m auch nur unwesentlich grösser und ist zurzeit Stammtorhüter in der NHL. Für die Schweizer Liga ist die Grösse sowieso weniger entscheidend. Vielleicht wird er ja der nächste Berner Kultgoalie wie Renato Tosio oder Marco Bührer? Gute Voraussetzungen bringt „Tri“ sicher mit. Wir würden uns sicher freuen, von ihm und seinem Bruder Mika in Zukunft mehr zu hören.