Russen wollen Schweizer Hockeyherzen erobern

4.10.2018 - Von Martin Merk

Nur wenige Tage ist es her als die National Hockey League die Schweizer Fans mit einem Testspiel zwischen den New Jersey Devils und dem SC Bern in der PostFinance-Arena beglückten und schon rührt die zweitstärkste Liga der Welt die Werbetrommel in der Schweiz. Die Kontinentale Hockey League (KHL) aus Russland mit Teams aus weiteren Ländern (China, Finnland, Kasachstan, Lettland, Slowakei, Weissrussland) macht mit drei Mannschaften und zwei offiziellen Meisterschaftsspielen Ende November in Zürich Halt und träumt insgeheim von KHL-Clubs in Westeuropa.

Am 26. November spielt Dinamo Riga im Zürcher Hallenstadion gegen den Meister SKA St. Petersburg, zwei Tage später bestreitet Dinamo Riga an gleicher Stelle ein zweites KHL-Meisterschaftsspiel gegen den Traditionsclub ZSKA Moskau, dies jeweils mit Anspiel um 19:30. Einen Monat davor empfängt Slovan Bratislava die beiden gleichen Gegner in Wien. KHL World Games nennt sich die neue Offensive in Richtung Westen und für die Gastspiele kommt niemand Geringeres als die beiden namhaftesten Clubs der grössten Liga Europas.

«Dinamo Riga nahm zweimal am Spengler Cup teil und ist in der Schweiz bestens bekannt. ZSKA und SKA sind berühmte Marken nicht nur in, sondern auch ausserhalb Russlands. Diese beiden Mannschaften haben die besten Spieler und sind auch Basis für die russische Nationalmannschaft, welche die Olympischen Spiele gewann», sagt Georgy Kobylyansky, KHL-Vorstandsmitglied und Vizepräsident Hockeybetrieb. Er zählt bei den russischen Teams Spieler wie Pavel Datsyuk, Nikita Gusev, Igor Shestyorkin, NHL-Rückkehrer Nail Yakupov, Sergei Andronov, Kirill Kaprizov oder als einer der Ausländer den früheren ZSC-Spieler Linden Vay auf. Ein «who is who» des russischen Eishockeys ausserhalb der NHL wird in Zürich zu Gast sein.

Mit den beiden Spielen in Zürich geht die KHL so weit in den Westen wie noch nie zuvor. Bislang fanden KHL-Gastauftritte eher sporadisch und unweit Russlands statt, mal abgesehen von den ausländischen Clubs in der Liga. Dinamo Riga trug beispielsweise Heimspiele in den baltischen Nachbarländern aus und ging nach Vilnius und Tallinn. Eine Ausnahme: 2010 bestritten der SKA St. Petersburg und Spartak Moskau ein Spiel in Davos wenige Tage bevor sie dort am Spengler Cup teilnahmen. Vor 4600 Zuschauern gewann SKA standesgemäss 5:1. In Zürich soll alles noch eine Nummer grösser werden. Und für spätere Saisons sind Spiele an anderen Standorten wie in Paris oder in Deutschland in den Plänen der Russen.

«Für uns ist es sehr interessant in Zürich etwas zu organisieren, da das Hockeylevel in der Schweiz stetig steigt. Das WM-Finale war ein grossartiges Spiel. Wir untersuchen neue Märkte, auch hier in der Schweiz, und wir wollen wissen, ob hier Interesse besteht. Wir haben Erfahrung mit dem Spengler Cup in Davos, aber in Zürich spielen wir zum ersten Mal», sagt Kobylyansky. «Wir wollen den Schweizer Fans zeigen, wie wir die Spiele in der KHL ausführen. Es ist nicht nur ein Spiel, es ist eine Show mit Eröffnungszeremonie und spannende Spiele. Es ist Hockey und Show. Die Zuschauer können die Spiele zwischen der KHL und der Schweizer Meisterschaft vergleichen und wir hoffen, dass wir nicht verlieren», sagt Kobylyansky. «Dinamo Riga ist ein gutes Team mit einem neuen Kader, guten Spielern, sie sind nun Fünfter in der Western Conference. Die Duelle gegen ZSKA haben eine lange Geschichte und sie sind eine von nur zwei Mannschaften, die es letzte Saison schafften, SKA zu besiegen. Es wird eine hervorragende Gelegenheit, ein hohes Level im Eishockey zu zeigen. Sie bringen auch Showelemente mit, die Nationalhymnen werden live gesungen und die Cheerleader nehmen sie auch mit.»

Drei Teams mit langer Tradition

Der Titelverteidiger SKA St. Petersburg gilt als sportlich attraktivste und teuerste Mannschaft Europas. Sowohl Trainer wie auch Clubführung sind eng mit dem russischen Verband und der Nationalmannschaft verknüpft. Bei den «Olympischen Athleten aus Russland», welche das Olympische Männer-Eishockeyturnier gewannen, kamen praktisch alle Spieler entweder von SKA oder dem ZSKA Moskau, dem wohl bekanntesten Eishockeyteam aus Russland. Das einstige Armeeteam aus der Hauptstadt holte unzählige Meister- und Europacup-Titel – die meisten in den Sowjetzeiten. Dank dem Einstieg des staatlichen Ölkonzerns Rosneft – der Vertrag wurde im Beisein des russischen Präsidenten Wladimir Putin unterzeichnet – spielt der einstige Serienmeister wieder ganz oben mit und beendeten die jahrelange Tristesse für die Hauptstadt als jahrelang «Provinzclubs» wie Metallurg Magnitogorsk, Ak Bars Kasan oder Salawat Julajew Ufa die Meistertitel unter sich ausmachten.

Wer die russischen Stars nahe miterleben will, hat nicht nur die beiden Spiele als Chance. Auch eine Autogrammstunde mit Spielern soll es geben und auch die ehemalige Nationalteam- und Gottéron-Legende Slava Bykov soll dabei vorbeikommen.

Mit Dinamo Riga hat die KHL ein Heimteam ausgewählt, das in den letzten Jahren mässig mithielt, den Marktwert aber in den letzten Wochen markant gesteigert hat. Der lettische Club ist in der Western Conference Fünfter und damit auf richtigem Wege, um erstmals seit fünf Jahren die Playoffs zu erreichen. Der Schwede Linus Videll ist noch vor Gusev Topscorer der Liga mit 16 Punkten in 12 Spielen, sein Teamkollege Mathew Maione ist Vierter in der ligaweiten Scorerliste. Der Club hat eine lange Tradition. Während der Sowjetzeit gegründet, führte Dinamo Riga die Eishockeytradition nach der verlorenen Unabhängigkeit in Lettland weiter und war in jener schwierigen Zeit, als das Land von der Weltkarte verschwand, eine Stütze für die Letten im Sport. Im Eishockey konnten sie die grossen Teams aus Moskau ärgern und um Medaillen im Sowjetreich mitspielen. 1988 reichte es gar für Silber hinter dem ZSKA. Der Club spielte nach dem Zerfall der Sowjetunion weiter bis die russische Liga 1995 für ausländische Teams geschlossen wurde. Als die KHL startete, wurde Dinamo Riga 2008 neugegründet. Der Club war nicht nur Gründungsmitglied der Liga, sondern sorgte gar für das erste Tor der KHL-Geschichte – weil man im Fernen Osten in Chabarowsk einige Zeitzonen vor den anderen Teams spielte.

«Wir sind sehr froh, dass wir die Liga in der Schweiz vertreten dürfen. Wir waren schon zweimal im Spengler Cup und spielten einmal im Finale. Wir haben sehr gute Beziehungen zu Davos. Der HCD spielte in der Vorsaison auch bei unserem Turnier und wir gewannen. Es ist eine Ehre in der Schweiz zu spielen gegen die grössten Mannschaften der Liga», sagt Juris Savickis, Präsident von Dinamo Riga, von dessen Hauptgeldgeber, sowie KHL-Vorstandsmitglied. Und nach dem hervorragenden Saisonstart macht er auch klar, dass man in Zürich mit dem Team rechnen kann. «Wir haben auch zweimal in Playoff-Spielen gegen SKA gewonnen. Es wird also nicht so sein, dass wir verlieren werden. Wir werden unser bestes Spiel zeigen. Wir haben Charakter. Niemand kommt nach Riga und glaubt ein einfaches Spiel zu haben und das wird in Zürich nicht anders sein.»

In Lettland ist Eishockey Nationalsport. Weil die heimische Liga strukturschwach ist, waren die besten lettischen Spieler durch die halbe Welt verteilt. Nun spielt das halbe Nationalteam bei Dinamo Riga auf hohem Niveau. «Die Aufgabe der KHL ist auch, dass die besten Spieler nicht nach Nordamerika gehen, sondern den Fans in Europa Freude machen und nicht nur in Amerika und Kanada. Wir wollen, dass Spieler, die das Niveau haben dort zu spielen, hier bleiben. Je mehr Länder bei uns mitmachen, desto besser wird es für diese», sagt Savickis, weiss aber auch, dass die Schweiz eher ein Gastspielort für einzelne Spiele als für einen Club sein wird. «Die Schweizer Eishockeyliga hat ein gutes Niveau, vielleicht das beste ausserhalb der KHL in Europa. Das sieht man auch an Weltmeisterschaften. Daher ist es schwierig ein Team für die KHL zu gewinnen. Aber es wird daran gearbeitet, dass immer bessere Mannschaften in der KHL spielen», sagt der Lette.

Den Schweizer Hockeyfans verspricht er Eishockey und Unterhaltung vom Feinsten. «Was in Bern war, war ein Freundschaftsspiel. In Zürich kämpfen wir um Punkte. In Riga haben wir rund 10'000 Zuschauer, wenn SKA und ZSKA kommen, weil sie die besten Mannschaften sind», sagt er. In Zürich hofft er finanziell zumindest über die Runden zu kommen. «Unser Ziel ist, dass wir auf eine null kommen und ein bisschen mehr», sagt er und ergänzt bezüglich Tickets. «Wir orientieren uns [preislich] am Markt. Die Schweiz ist das reichste Land der Welt. Es kostet etwas, Mannschaften wie SKA und ZSKA zu sehen.»

Die meisten noch verfügbaren Tickets im Züricher Hallenstadion kosten zwischen 30 und 60 Franken und sind damit preislich in ähnlichem Rahmen wie bei den ZSC-Spielen in der National League. Dazu gibt es auch teurere Tickets mit Verpflegung vom Apéro bis zum Drei-Gang-Dinner. Wieviele Tickets verkauft sind, konnte man noch nicht sagen, da der Vorverkauf eben erst bei Ticketmaster losgegangen ist. In Wien, wo die Spiele einen Monat früher stattfinden, sind aber 50 Prozent der Tickets weg. Dinamo Riga wird als Heimclub für die Organisation und das Eis verantwortlich sein. Eine Herausforderung: die Eiswerbung. Am 25. November spielen die ZSC Lions gegen den HC Davos, einen Tag später folgt bereits das erste der beiden KHL-Spiele.

Reformen und mehr Geld

Zehn Jahre ist es her, als die Kontinentale Hockey Liga die alte russische Superliga ablöste. Eine Art russische Hockeyrevolution. Man orientierte sich an der NHL, führte gar, wenn auch in einer Light-Variante, eine Salärobergrenze und Draft ein. Kontinental bedeutete auch, dass man im eurasischen Raum wachsen möchte. Wurden anfänglich Teams aus den Nachbarländern im früheren Raum der Sowjetunion eingeladen, ging man später weiter Richtung Westen und neuerdings auch Osten mit einem Club in China. Dabei ging man früher nicht immer sanft vor und zog im einen oder anderen Land den Zorn der nationalen Liga, von Verband und Clubs auf sich. In den grösseren Märkten schaffte man es durch Akquisition Jokerit Helsinki in die KHL zu führen, während in Schweden die Abwehrhaltung gegenüber einem projektierten Club namens Crowns nach wie vor gross ist. Mit Slovan Bratislava ist ein weiterer Traditionsclub dabei, während Projekte in Tschechien und Kroatien nach einigen Jahren gescheitert sind.

Ein Problem, dass die KHL plagt, sind die Finanzen der Clubs. Sie kommen zwar buchhalterisch über die Runden, sind dabei aber stark von Mäzenen, Rohstoffkonzernen oder regionalen Regierungen abhängig. Mäzenentum kennt man zwar beim einen oder anderen Schweizer Club auch, doch ist der Deckungsgrad durch Einnahmen aus dem operativen Geschäft in der KHL verschwindend klein. «Momentan decken die Einnahmen 10 bis 20 Prozent, den Rest decken Investoren wie Privatpersonen oder grosse Firmen wie Gazprom oder Rosneft. Unser Ziel ist, dass die Zahl in sieben Jahren auf 40 bis 45 Prozent steigt. In diesem Zeitraum sollten auch die Einnahmen aus Fernsehrechten steigen. Dafür brauchen wir auch Clubs in Westeuropa. Die TV-Rechte sind in 27 Länder verkauft, neu auch in Grossbritannien», sagt Kobylyansky.

Mit verschiedenen Mitteln möchte man gesünder werden. Bis 2020 wird die Salärobergrenze pro Team auf 900 Millionen Rubel (13,3 Millionen Franken) gesenkt, welche bislang jedoch Ausnahmen für eine bestimmte Anzahl Starspieler kannte, wie man sie vor allem bei SKA und ZSKA in Zürich sehen wird. Das Ausländerlimit bleibt bei fünf. Auch nach der Senkung sollen die Löhne höher bleiben als in anderen europäischen Ligen, so Kobylyansky. Laut ihm verdient die KHL an der zentralen Vermarktung rund 2 Milliarden Rubel und schüttet ungefähr 400 Millionen Rubel (5,9 Millionen Franken) an die Clubs aus. Clubs in der National League erhalten deutlich mehr als die KHL-Teams.

Damit sich die wirtschaftliche Situation dereinst ändert, schrumpfte sich die KHL gesünder. Neben freiwilligen Abgängen aus finanziellen Gründen begann die KHL eine Welle an Ausschlüssen. Absteiger wurden anhand verschiedener Kriterien erkoren, wobei nicht nur die sportliche Leistung zählte. «Wir haben drei russische Clubs aus der KHL ausgeschlossen. Kriterien sind auch die Einnahmen der Clubs, Fernsehzahlen, Fairplay. Wir werden diese Strategie fortführen und russische Clubs gegen Clubs aus Europa austauschen. Die schwächsten Mannschaften gehen dann in die zweithöchste Liga», sagt Kobylyansky. Die Zahl der Clubs soll aber vorerst bei 25 Mannschaften bleiben.

Dieses Jahr mussten die beiden schwächsten russischen Teams der letzten Saison daran glauben. «Do swidanija» hiess es für den Traditionsclub und einstigen Landesmeister Lada Togliatti sowie für Jugra Chanty-Mansisk. Ein Jahr zuvor musste Metallurg Nowokusnetsk gehen. Die drei Clubs spielen nun eine Liga tiefer in der VHL. «Wir bringen Lada Togliatti nicht um. Sie spielen nun in der VHL, sind dort unter den besten Teams. Für die Fans ist es viel besser, nun kommen 5000-6000 Leute zu den Spielen, in der KHL waren es vielleicht 2000 und sie verloren Spiel um Spiel», erklärt Kobylyansky den eingeschlagenen Weg gegenüber den Lotterclubs der Liga. Eine Warnung an andere Teams. Deswegen wird anderenorts aufgerüstet. In St. Petersburg soll für SKA und mit der Eishockey-WM 2023 als Zeithorizont die grösste Hockeyarena der Welt erstellt werden mit einer Kapazität für 22‘000 Zuschauer – mehr als in Chicago und Montréal. Dazu sind in Nowosibirsk, Jekaterinburg und Nischni Nowgorod neue Hallen geplant.

Hoffnung auf den Westen

Ansonsten hofft man vor allem im Westen neue Märkte zu erschliessen. Der alte Traum einer eurasischen Liga vom Atlantik bis zum Pazifik als Gegenpol zur NHL ist auch nach zehn Jahren keineswegs ausgeträumt. «Wenn wir neue Clubs wie aus Paris, Mailand oder London haben, wollen wir die Gruppen aufteilen in neu drei Gruppen. Eine Pazifik-Division, eine Ural-Division in Zentralrussland und eine West-Division», verrät Kobylyansky. Damit soll die KHL schmackhafter gemacht werden. Teams aus dem Westen oder aus dem Pazifik würden dann in der regulären Saison nur innerhalb ihrer Division und gegen Teams aus der zentralen Ural-Division spielen. Ausser in den Playoffs, wo die Teams neu gemischt würden. Reisestrapazen wie zwischen Bratislava und dem acht Zeitzonen entfernten Wladiwostok sollen damit Geschichte sein. Das spart Geld und käme potenziellen Clubs im westlichen Europa ebenso entgegen wie eine mögliche Expansion auf der anderen Seite in Länder wie Japan oder Südkorea.

Diese Expansionspläne sind wohl auch ein Grund, weshalb die KHL sich seit Jahren nicht zu einer Teilnahme an der Champions Hockey League hat überreden lassen. «Wir sprachen kürzlich am IIHF-Kongress mit der Champions Hockey League. Wir haben gute Beziehungen mit dieser Organisation. Es gibt aber technische Probleme. Wir haben 62 Spiele in der regulären Saison. Wir beginnen Anfang September und müssen zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft fertig sein. Der Kalender ist ausgefüllt», sagt Kobylyansky.

Wohin wird die Reise führen? Ein Club in Mailand, Milano Rossoblu, wurde einst während der WM 2011 in Bratislava präsentiert. Nächster Frühling findet die WM erneut dort statt, doch in Italien hat sich nichts getan. Nicht jeder Club, der sich in der Vergangenheit als KHL-Kandidat präsentierte, wurde Wirklichkeit. Das einstige Hirngespinst Helvetics aus dem für die KHL überprovinziellen Huttwil lässt grüssen. Bis auf einige Medienberichte und ein cooles Logo – die Webseite www.helveticshockey.ch ist auch heute noch aufgeschaltet – schaute nichts heraus.

«Mailand kann kommen, wenn sie eine neue Arena haben», sagt Kobylyansky. London und Paris sind momentan die heissesten Kandidaten. Im Gegensatz zu Ländern wie die Schweiz, Deutschland oder Schweden mit starken nationalen Ligen wäre man dort durchaus offen für ein KHL-Team.

«In Paris sprachen wir mit Herrn [Luc] Tardif (Präsident des französischen Eishockeyverbands, Anm). Er möchte etwas organisieren und uns unterstützen. Wir hatten Verbindungen auf dem Level der Sportminister, vor zwei Wochen gab es da aber einen Wechsel. Wir brauchen erst einmal gute Investoren», erklärt Kobylyansky den aktuellen Stand. Auch mit der berühmten Arena im Gebiet Bercy wurde bereits diskutiert. «Sie versprachen uns 22 bis 23 Heimspiele in der Arena. Für fünf bis acht Spiele müssten wir woanders spielen, etwa in Marseilles oder Chamonix.»

Auch London wäre interessant mit vielen Russen, die in der englischen Metropole leben. «Wir haben Investoren, aber wir wollen kleine Schritte machen. Wir hatten schlechte Erfahrungen mit Lev in Prag. Wir haben beispielsweise Investoren aus den USA und Grossbritannien für ein Team in London, wollten Finanzgarantien. Aber momentan ist das gestoppt aufgrund der aktuellen Situation», sagt er. Was er damit meint sind die weniger guten Geschichten in den englisch-russischen Beziehungen nach der Giftattacke an einem übergelaufenen Spion. Die Briten machen Russland dafür verantwortlich. Die diplomatische Krise liess die Gespräche um ein Hockeyteam entsprechend abkühlen.

Auch ansonsten werden immer wieder Städte und Länder genannt. Der KHL-Gründer Alexander Medwedew etwa sprach vor einigen Wochen in russischen Medien über ein Team in den Vereinigten Arabischen Emiraten. «Ich glaube, das ist nicht seriös», kommentiert Kobylyansky dies mit einem Schmunzeln. Um grössere Hockeyländer wie die Schweiz, Deutschland oder Schweden zu gewinnen, sucht man derzeit um diese herum attraktive Marktlücken.

World Games als Markttest für Schweizer Team?

Doch wie sieht es mit der Schweiz aus? Nach den Gerüchten um ein Team in Huttwil vor sieben Jahren und später um Genf-Servette – der einstige Servette-Geldgeber Gennadi Timchenko ist Präsident der KHL und des SKA St. Petersburg sowie an Jokerit beteiligt – ist es zuletzt ruhig geworden. Wie in Schweden dürfte es bei den NL-Clubs eher eine Abwehrhaltung geben, schliesslich verdienen sie in der National League mehr Geld und haben weniger Ausgaben. Einen Schweizer «Superclub» für die KHL würde der heimischen Liga das Scheinwerferlicht streitig machen. Die KHL zeigt sich hier daher eher zurückhaltend und diplomatisch. «Ich habe die Erlaubnis der Swiss Ice Hockey Federation und auch von der IIHF für die KHL World Games, dasselbe in Wien. Wir haben ein gutes Verhältnis mit den Organisationen. Wir sind nicht aggressiv. Wir möchten Partner sein und wollen zeigen, welches Hockeylevel in der KHL gezeigt wird», stellt Kobylyansky klar.

Was müsste ein Schweizer Club überhaupt mitbringen für die KHL? Hinterbänkler der Liga kommen mit Budgets etwas über zehn Millionen Franken aus, sind damit aber sportlich chancenlos. «Wenn ein Club aus Europa kommt, soll er bestimmte finanzielle Grundlagen und eine gute Arena haben. Wieviel? Jokerit Helsinki hat beispielsweise ein Budget von 20 Millionen Euro. In der Schweiz haben soviel ich weiss mehrere Clubs ähnliche Budgets», sagt Kobylyansky. Die Spitzenteams wie SKA oder ZSKA dürften gar doppelt soviel für ihre Starensembles ausgeben.

Dann wäre der Ort. Logistisch käme etwa Huttwil, aber auch Davos, wo die KHL durch ihre Spengler-Cup-Teilnahme gute Kontakte pflegt, kaum in Frage. Mit Zürich, Genf und Basel hat die Schweiz nur drei Landesflughäfen, welche längere Reisen möglich machen. «Zürich oder Genf wären gute Plätze. Grosse Städte mit internationalen Flughäfen. Ich denke wenn wir in der Schweiz einen Club hätten, wäre es ein neuer Club mit einem neuen Namen», sagt er. Zum Thema Schweiz ist man etwas wortkarger, auch weil es wenig Konkretes gibt. Die Auftritte mit den hochkarätigen Teams Ende November können aber auch als eine Art Markttest betrachtet werden. «Wir werden sehen», so Kobylyansky. Fans können sich so oder so freuen. Einen Vorgeschmack an KHL-Spielen gibt es hierzulande im Fernsehen übrigens auf MySports.

Background-Portal

KHL-Besuch in Zürich

KHL-Vizepräsident für den Hockeybetrieb Georgy Kobylyansky weilte diese Woche zu Besuch in Zürich. Foto: Martin Merk
 

Juris Savickis ist als Präsident von Dinamo Riga Gastgeber der KHL World Games in Zürich. Foto: Martin Merk
 


 

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