Drei unverzeihbare Bieler bei Lugano-Sieg

EHC Biel

HC Lugano
Spielbericht
Bestimmt haben die Luganesi beim 3:2-Auswärtserfolg beim EHC Biel und in der Tissot Arena nichts gestohlen. Allerdings müssen sich die Seeländer an der eigenen Nase nehmen. Schliesslich sorgen schon wieder drei individuelle Fehler für die siegbringenden Luganeser Tore. Beim HC Lugano brilliert Jere Innala mit einem Doppelpack und der gleichzeitigen HCL-Siegessicherung!
Kein Zweifel wäre am Freitagabend für den EHC Biel nach erfolgreicher Aufholjagd beim SC Bern zum 2:2 mehr drin gelegen. Doch dann leistete sich Alexandr Iakovenko einen unbegreiflichen Puckverlust an der gegnerischen blauen Linie, der die letztliche 2:4-Pleite bei den Hauptstädtern einleitete. Somit war im Bieler Lager gegen den HC Lugano Wiedergutmachung angesagt.
Seitens der Luganesi musste man im Heimspiel gegen die ZSC Lions eine 2:3-Niederlage nach Verlängrung wegstecken. Bis 107 Sekunden vor Schluss in der Cornèr Arena schienen die «Bianconeri» auf bestem Weg zu sein, um dem souveränen Leader aus der Limmatstadt die erste Saisonniederlage beizufügen. Zuletzt kam es anders: Der Zürcher Mikko Lehtonen (59.) glich zum 2:2-Remis aus und nach 95 Sekunden in der Verlängerung schoss Dean Kukan die Zürcher Löwen in extremis zum Sieg.
Offensichtlich, dass sich die 5713 Hockeyfans in der Tissot Arena auf eine spannende Partie einrichten konnten.
Erstes Drittel
Zwar verlief der erste Akt in der Bieler Tissot Arena torlos, doch insgesamt bekamen die Hockeyfans beidseitig ein gefälliges Geschehen vor Augen geführt. Die Einheimischen konnten sich nach rund 15 Minuten sogar eine Druckphase erarbeiten, die indes in Sachen Tormöglichkeiten erfolglos blieb. Grundsätzlich stand der Startabschnitt ganz im Zeichen zweier ausgezeichneter Schlussmänner. Beim HC Lugano feierte Robert Mayer seinen Einstand zwischen den «Bianconeri»-Pfosten und zeigte sich so auf der Höhe seiner Aufgabe, als ob er schon seit Jahren den Kasten am Ufer des Ceresios hütete. Auf Seeländer Seite stand ihm Harri Säteri nichts nach: Auch er parierte in starker Art und Weise die gefährlichsten Abschlussversuche der Südtessiner.
Zweites Drittel
Allgemein war man gespannt, wer den Torbann schliesslich brechen würde. Schliesslich war es Biels Ex-NHL-Wunderwaffe Jeff Skinner (24.), der in kaltblütiger Sniper-Manier auf der linken Angriffsseite vor dem gegnerischen Gehäuse direkt in den Netzhimmel zur EHCB-1:0-Führung einschoss. Dabei wurde er von Lias Andersson mustergültig bedient. Eigentlich machten die Seeländer weiterhin einen sicheren Eindruck, doch ein weiteres Mal erlaubten sie sich – diesmal mit Fabio Hofer – einen katastrophalen individuellen Fehler, der von den reaktionsschnellen Luganesi zum 1:1-Remis ausgenutzt wurde. Luca Fazzini leistete beim Breakaway die Vorarbeit, und Jere Innala (29.) erwischte Biels Schlussmann Säteri aus der Nahdistanz. Damit nicht genug der Bieler Fauxpas: Es vergingen nicht einmal weitere zwei Minuten, als Yanick Stampfli einen weiteren unverzeihlichen Puckverlust verursachte, der vom Ex-Bieler Ramon Tanner zur provisorischen 2:1-Führung der Südtessiner führte. Immerhin liessen sich die Mannen von Christian Dubé nicht entmutigen und spielten spielerisch absolut keine untergeordnete Rolle. Dafür wurden sie in der 39. Minute mit dem erneuten Ausgleich – diesmal zum 2:2 – durch Mark Sever belohnt, der die stocktechnisch saubere Vorarbeit von Gaëtan Haas sowie Dominic Zwerger am Torraum-Rechteck locker vollendete.
Drittes Drittel
Offensichtlich war, dass im Schlussdrittel der Siegespegel auf beide Seiten hätte kippen können. Zuerst wurde den Tessiner Gästen der Treffer von Santeri Alatalo nicht anerkannt, da der Bieler Kasten bereits zuvor aus den Fugen geraten war. Dies holten die «Bianconeri» indes später nach, indem der brandgefährliche Innala ein zweites Mal eiskalt aus der Kurzdistanz zuschlug. Vorausgegangen war dabei erneut ein Seeländer Abwehrschnitzer durch Miro Zryd, der einen abgeprallten Puck im Slot nicht aus der Gefahrenzone wegbefördern konnte. Somit bedeutete die 3:2-Mouche für den HC Lugano gleichzeitig das Endergebnis. Zwar ersetzten die Einheimischen in den restlichen 90 Sekunden Torhüter Säteri durch einen sechsten Feldspieler, doch der Ausgleich wollte ihnen nicht mehr gelingen. So entführten die clevereren Luganesi den Dreier insgesamt nicht unverdient.
Fazit und Ausblick
Langsam wird die Tabellensituation für den EHC Biel ungemütlich. Nicht, dass man mit den Konkurrenten spielerisch und läuferisch nicht mithalten könnte, aber die Situation mit den individuellen Puckverlusten ist zurzeit beängstigend. Diese müssen dringend reduziert werden, denn schon am letzten Freitag in der PostFinance Arena beim SC Bern leitete Alexandr Iakovenko die Bieler Pleite mit einem fatalen Puckverlust ein. Nächsten Freitag gastiert mit dem HC Ajoie das Überraschungsteam der laufenden Saison, das mit seinen Legionären praktisch jeden Widersacher ins Schwitzen bringt. Somit sind die Seeländer mehr als gewarnt.
Seitens des HC Lugano kann man die nächste Woche mental leichter angehen. Schliesslich hat man aus den Wochenendpartien zuerst zu Hause gegen die ZSC Lions einen Zähler geholt, während man im Seeland das ganze Punktepaket ergattert hat. Somit lässt sich am nächsten Freitag der HC Davos mit grosser Zuversicht empfangen.
