Schweizer Nati bodigt Schweden und steht im Halbfinale
Schweiz
Schweden
Spielbericht
Dank einer beherzten Leistung schafft die Schweiz mit einem historischen 3:1 Sieg gegen Schweden den Einzug ins WM-Halbfinale und trifft dort am Samstag im Nachmittagsspiel auf Norwegen.
Es geht in die K.o.-Phase. Alles was vorher war, zählt nichts mehr. Die Schweiz mit der bisher besten Offensive und besten Defensive des Turniers muss heute liefern.
Die zwei Teams treten so an, wie man es erwarten durfte. Einzige Änderung bei der Schweiz betrifft die Goalieposition. Der Rest ist unverändert. Auch Schweden nimmt keine Änderung gegenüber dem letzten Auftritt in der Gruppenphase vor.
Die Schweiz beginnt stark und energetisch. Man spürt die Anspannung auf dem Eis bei Die ersten 5 Minuten gehören klar den Schweizern, welche viel Druck aufs schwedische Tor erzeugen und häufiger im Scheibenbesitz sind.
Mitten in dieser Druckphase der Schweiz kommen die Schweden aber zum Führungstreffer: Auf Pass von Heinemann erwischt Karlsson Genoni zwischen den Beinen. Das ist eine neue Situation für die Schweizer: In Rückstand ist man an dieser WM bislang noch nie gelegen.
Und ein Unglück kommt selten allein. Nur 25 Sekunden nach dem schwedischen Führungstreffer gibt es einen weiteren herben Dämpfer für die Schweiz: Bei der nachträglichen Sichtung einer Szene wird Kukan mit einer 5 Minuten plus Spieldauerdisziplinarstrafe belegt wegen eines üblen Crosschecks gegen Jungtalent Stenberg. Gespielt sind zu dem Zeitpunkt erst knapp 7 Minuten.
Mit viel Einsatz übersteht die Schweiz diese heikle und kräfteraubende Phase. Einen Schreckmoment gibt’s aber 20 Sekunden vor Ablauf der Strafe, als die Scheibe plötzlich im Tor liegt. Es sieht zuerst danach aus, als hätte Sundqvist mit seinem Schlittschuh unabsichtlich - weil ausgeglitten - dem Puck einen Schubs ins Tor gegeben. Beim Review stellen die Refs jedoch eine klare Kick-Bewegung fest und annullieren den Treffer wieder.
In der 14. Minute sorgt Josi mit einem Distanzschuss für den mehr als verdienten 1:1 Ausgleich. Sein Geschoss, welches den Innenpfosten noch leicht touchiert, kann Goalie Hellberg wohl nicht richtig sehen, weil ihm durch Thürkauf die Sicht etwas verdeckt ist.
Gekämpft wird mit harten Bandagen. Beidseits ist man bestrebt, kernige Checks auszuteilen und jeder erfolgreich angesetzte Check wird vom heimischen Publikum frenetisch bejubelt. Umgekehrt ist die Entrüstung gross, wenn man nicht einverstanden ist mit dem Schiedsrichter-Entscheid oder der Pfiff ausbleibt bei strittigen Szenen. Ein schneller Konter bringt die erstmalige Schweizer Führung: Malgin, lanciert von Josi, stürmt los und plötzlich tut sich ihm eine Lücke auf und er kann unbedrängt aufs Tor ziehen und einschiessen. Da hat die schwedische Zuordnung in der Hintermannschaft nicht gestimmt.
In Überzahl erhöht der vor dem schwedischen Tor vergessen gegangene Thürkauf nach sehenswertem Zuspiel von Hischier und Josi auf 3:1 und baut damit den Vorsprung für die Schweiz auf zwei Tore aus. Das Mitteldrittel geht mit 2:0 Toren und 13:3 Schüssen aufs Tor deutlich an die Schweiz.
In der 45. Minute muss Jan Cadieux’ Team noch eine Unterzahlsituation überstehen. Das gelingt und danach spielt die Schweiz die Partie souverän herunter und lässt nichts mehr anbrennen. Die Schweden ersetzen schon früh ihren Torwart, kommen aber nicht mehr zum Erfolg und müssen die Niederlage entgegennehmen.
Die Schweizer Hockeynati hat heute mit ihrem grossen Selbstvertrauen überzeugt und ist bereit gewesen, den Angstgegner Schweden in diesem wichtigen Spiel zu bezwingen. Gegner im Halbfinale wird Norwegen sein, welche ihr Viertelfinale gegen Lettland gewonnen haben.
Coach Jan Cadieux hat sich geäussert zu seinem Gameplan: Man habe viel Energie hineinbringen wollen, den Gegner attackieren wollen. Das sei normalerweise die Strategie der Schweden und heute habe man gegen sie das angewandt, was sie normalerweise mit dem Gegner anstellten. Dies im Wissen darum, dass das auch gefährlich sein könne. Er spricht damit die Strafen an, die man dann allenfalls nimmt und einem zum Verhängnis werden können.
Und genau eine derartige Situation mit einer Strafe – es war erst noch eine 5-minütige - ist ja dann bekanntlich auch gekommen. Für Andrighetto war das kein Problem. Auf die Frage, ob sie nie Zweifel gehabt hätten, antwortet der Leader bestimmt und klar mit «Nein, überhaupt nicht.» Sie hätten etwas viele dumme Strafen genommen, Undiszipliniertheiten, die man sicher anschauen müsse, aber gleichzeitig einen Super-Job gemacht im Penalty killing. hockeyfans.ch meint: So geht Selbstvertrauen!
Zu Norwegen als Gegner im Halbfinal kann Sven Andrighetto noch nichts sagen. Sturmpartner Malgin: «Ich weiss, es ist eine gute junge Mannschaft, die bisher eine sehr gute WM gespielt hat und darum sicher verdient im Halbfinale steht.»
Immer wieder sind auch die tollen Fans und der abschliessende Song «W Nuss» von Patent Ochsner Thema. Bächler verrät, dass er in den Schlusssekunden des Spiels jeweils diesem Song entgegenfiebere. Das liesse sich nicht verhindern. Und übrigens: Reto Berra singt am lautesten von unseren Nati Cracks. Das haben seine Teammates bestätigt!
Telegramm
Schweiz – Schweden 3:1 (1:1, 2:0, 0:0)
Swiss Life Arena, Zürich – 10’000 Zuschauer (ausverkauft) – SR: Brander (FIN) / Kaukokari (FIN), Birkhoff (CAN) / Gibbs (CAN).
Tore: 06:21 Karlsson (Heinemann, Ekman-Larsson) 0:1; 13:23 Josi (Malgin) 1:1; 32:58 Malgin (Josi, Moser) 2:1; 36:31 Thürkauf (Hischier, Josi; Ausschluss Persson) 3:1.
Strafen: 5 x 2 Minuten plus 5’ + 20’ (Kukan; Crosscheck) gegen die Schweiz, 3 x 2 Minuten gegen Schweden.
Schussverhältnis: 32:22 (13:7, 13:3, 6:12)
Schweiz: Genoni (Berra); Egli, Josi (C); Kukan, Marti; Moser, Berni; Frick, Jung; Meier, Hischier (A), Biasca; Bertschy, Bächler, Niederreiter; Thürkauf, Malgin, Andrighetto (A); Riat, Jäger, Knak; Rochette.
Schweden: Hellberg (Soderblom); Ekholm (A), Brannstrom; Ekman-Larsson (C), Johansson; Larsson, Persson; Hagg; Raymond (A), Bjorck, Stenberg; Karlsson, de la Rose, Heinemann; Holstrom, Sundqvist, Frondell; Silfverberg, Asplund, Grundstrom; Berglund.
Bemerkungen: Schweiz ohne Suter (rekonvaleszent) sowie Aeschlimann und Frick (beide überzählig); Schweden ohne Harenstam, Petersson und Heed (alle überzählig); Schweden von 56:33 bis 56:36 und ab 57:09 ohne Torhüter; 58:01 Timeout Schweden; Best Player Schweiz: Malgin; Best Player Schweden: Raymond.
