Ist die erste Heimniederlage der Anfang vom Ende?

Von Pascal Zingg
ZSC Lions
2
1 - 0 - 1
HC Davos
5
0 - 2 - 3
10.04.2026
National League
Zuschauer: 12000
1:0‧0:2‧1:3
Spielbericht

Die ZSC Lions verlieren im vierten Playoff-Halbfinal-Spiel gegen den HC Davos mit 2:5. Es ist dies die erste Playoff-Heimniederlage der Zürcher seit drei Jahren.

Die Heimstärke der ZSC Lions war eine der grossen Faktoren in den letzten beiden Saisons. Insgesamt 19 Mal in Serie ging man zuletzt als Sieger vom Eis, was den Zürcher Löwen unter anderem zwei Meistertitel ermöglichte. Die Tatsache, dass diese Serie heute Abend gegen den HC Davos zu Ende ging, macht deutlich, dass wir uns an einer Zeitenwende befinden könnten. Es scheint tatsächlich so, als wäre der HCD in dieser Saison derart stark, dass ihn nicht einmal die ZSC Lions aufhalten können.

Zu denken geben dürfte den Zürchern, dass sie heute in den ersten zehn Minuten alles gemacht haben um den Gegner aus Davos zu bezwingen. «Das erste Drittel war bombastisch. Es war unglaublich, wie wir aus der Garderobe gekommen sind und das Heft in die Hand genommen haben», lobte Marco Bayer. Trotz viel Aufwand musste sich der ZSC in dieser Phase jedoch vorwerfen, dass man einmal mehr nicht effizient war. Zwar schlenzte Kukan die Scheibe in der siebten Minute wunderbar unter die Latte, doch scheiterten Rohrer und Fröden mit ihren ebenfalls sehr guten Chancen am Pfosten oder dem eigenen Unvermögen.

Einmal mehr zeigte sich damit, dass der HC Davos in dieser Serie die effizientere Mannschaft ist. Dies insbesondere im zweiten Drittel, als Tino Kessler von einem missglückten Aufbau der Zürcher profitierte und das Spiel wieder ausgleichen konnte. War der HCD effizient, glänzten die Zürcher ab dem zweiten Drittel zusehends mit Eigenfehler. Wie beim ersten Treffer konnten die Davoser auch beim zweiten Streich einen Zürcher Angriff in der Mittelzone abfangen. Kam hinzu, dass Brandon Lemieux vor dem gegnerischen Tor ganz einfach stärker war als Gegenspieler Dario Truttmann.

«Mit der Führung im Rücken waren agierten sie extrem clever. Es war für uns daher schwierig nach dem 1:2 nochmals zu guten Chancen zu kommen», erkannte Marco Bayer. Dabei war dem Coach bewusst, sein Team in dieser Phase auch kein gutes Powerplay spielte. Mit drei kleinen Strafen in acht Minuten spendierten die Bündner dem Zürcher Löwen nämlich genug Chancen um nochmals in dieses Spiel zurückzukehren. Weil die Special Teams am heutigen Abend keinen Unterschied machten, war es im dritten Drittel erneut Tino Kessler, der dem Spiel den Stempel aufdrückte. Der Stürmer eroberte die Scheibe im eigenen Drittel, lief übers ganze Feld und lancierte schliesslich Calle Andersson, der zum vorentscheidenden 3:1 einschoss.

Waren die Davoser beim 2:1 schon cleverer, brachte sie nun gar nichts mehr aus der Ruhe. Dies galt auch für den Anschlusstreffer von Juho Lammikko, den Rasmus Asplund nur 45 Sekunden später mit dem 4:2 konterte. Dass Tino Kessler 105 Sekunden vor dem Ende noch das 5:2 ins leere Tor gelang war nurmehr Resultatkosmetik.

Wie so oft in dieser Serie musste man am Schluss konstatieren, dass der HCD ganz einfach cleverer und vor allem auch effizienter war als die Zürcher Löwen. «Wir versuchen alles, aber irgendwie will die Scheibe im Moment einfach nicht rein», analysierte Denis Malgin. Dabei scheint die Spielweise des ZSC ein Ebenbild des Topscorers zu sein. Schliesslich kann man dem Stürmer nicht aberkennen, dass er jeden Abend rackert und versucht das Spiel der Lions anzukurbeln. Wirklich Zählbares schaut dabei jedoch nicht heraus, weshalb Malgin nach vier Halbfinal-Spielen noch immer ohne Scorerpunkt dasteht!

Wollen die Zürcher diese Serie noch drehen, müssen sie neben der verbesserten Effizienz auch die Quote an Eigenfehlern herunterschrauben. «Blickt man auf die ersten 20 Minuten, bin ich aber durchaus optimistisch, dass wir auch in Davos gewinnen können», erklärte Marco Bayer. Dabei war dem Coach bewusst, dass die Lions dem HCD nun drei Niederlagen in Serie zufügen müssen. Blickt man auf die ganze Saison haben die Bündner jedoch noch nie drei Mal in Serie verloren. Will man die Zeitenwende nach der ersten Playoff-Heimniederlage seit dem 5. April 2023 doch noch abwenden, brauchen die Zürcher wohl ein kleines Wunder. Will man dieses Wunder tatsächlich schaffen, benötigen die Lions neue Impulse. Solche Impulse könnte beispielsweise eine Rückkehr von Sven Andrighetto bringen. Der Stürmer ist bei den Löwen noch immer «day to day» gelistet, was auf eine Rückkehr in Spiel fünf hoffen liesse.

Resultat:

2:5

J. Lammikko, D. Kukan
T. Kessler (2), C. Andersson, B. Lemieux, R. Asplund