Biel, der späte Spielverderber
SC Bern
EHC Biel
Spielbericht
Derby-Time in Bern. Der SCB empfing im viertletzten Qualifikationsspiel den Kantonsrivalen EHC Biel. Es ging für beide Teams im Kampf um die Play-In-Plätze um wichtige Punkte. Es könnte sogar das wegweisende Spiel für einer der beiden Mannschaften sein. Das Motto der Heimfans „Egau i welerä Form“ spricht dafür, dass nach wie vor Hoffnung auf Seiten des Berner Anhangs besteht. Die Hoffnung löste sich aber in der 57. Minute in Luft auf.
Vielleicht übertragen auch die fünf SCB-Frauen, die in Milano mit der Schweizer Frauen-Nationalmannschaft Olympia-Bronze gewonnen haben und vor dem Spiel geehrt wurden, den hoffnungsvollen Funken auf die Herren auf dem Eis?
1. Drittel
Der Funke sprang direkt auf die Bieler über. Kaum war das erste Bully gespielt, erspielte sich der SC Bern die erste Chance durch Miro Aaltonen, bei welcher Harri Säteri ein erstes Mal verschieben musste. Im direkten Gegenzug beförderte Fabio Hofer den Puck mit einem Kick in Richtung Sandro Zurkirchen. Der Puck prallte vom Schoner ab und Hofer lenkte ihn mit dem Stock noch ins Tor. 0:1 nach nur 30 Sekunden!
Der SCB kämpfte sich nach dem frühen Gegentor und einer Druckphase der Bieler zurück. Victor Ejdsell brachte den Puck in der siebten Minute von der blauen Linie aufs Tor, Joël Vermin lenkte mit seinem Körper noch unhaltbar ab. 1:1. Damit war das Berner Derby so richtig lanciert!
In der elften Minute vergab nach einem perfekten Zuspiel von Miro Aaltonen sein Landsmann Waltteri Merelä vor dem Bieler Schlussmann. Das war die Grosschance zum 2:1! Kurz darauf scheiterte Fabian Ritzmann im 1 gegen 1 an Säteri. Die Berner legten eine andere Körpersprache im Vergleich zum letzten Heimspiel zu tage und ihre Möglichkeiten wurden besser.
In der 17. Minute gab es dann ein Getümmel vor Sandro Zurkirchen, der sein Team im Spiel behielt. Diese Aktion war enorm wichtig. Eine gute Minute später sorgte Victor Ejdsell mit einem Check an Niklas Blessing dafür, dass er den Puck an Joël Vermin verlor. Dieser sah im Slot Mike Sgarbossa, der den Puck backhand ins Netz beförderte.
Es wäre aber kein Derby, wenn der EHC Biel nicht um eine Reaktion bemüht wäre. Diese kam auch. Der SCB konnte nicht befreien und Marcus Sylvegards Schuss wurde von Petr Cajka unhaltbar abgelenkt. 2:2 nach 20 Minuten – so kann es weiter gehen!
2. Drittel
Victor Ejdsell kassierte kurz nach Wiederbeginn einen Ellbogencheck von Petr Cajka, der zum Ärger vieler ungeahndet blieb. In der 23. Minute wurde Samuel Kreis am Abschluss gehindert und zu Fall gebracht. Dies gab die erste Strafe des Spiels. Das Powerplay der Mutzen blieb aber wie so oft in dieser Saison eine Baustelle.
Miro Zryd schenkte den Bernern mit einem Cross-Check an Marc Marchon die nächste Powerplay-Gelegenheit. Die Überzahl des SCB wurde besser und mit mehr Härte geführt. Tristan Scherwey verzog aus bester Position!
Direkt danach Yanick Sablatnig mit dem nächsten Foul. Irgendwann musste der Puck ins Bieler Tor, sonst wird sich das am Schluss wieder rächen. Und siehe da, Joël Vermin versenkte kurz vor Spielhälfte trocken zum 3:2. Biels modischer Head Coach Christian Dubé nahm die Coach’s Challenge aufgrund einer möglichen Goaliebehinderung.
Scherwey touchierte die Fanghand von Säteri minim, doch der Finne blieb in seiner Position. Ob dies ausreichen wird, um den Treffer zu annullieren? Tatsächlich. Sablatnig musste somit wieder auf die Strafbank zurück. Halten wir fest: Der Puck war drin, zählte aber nicht und die Seeländer überstanden die dritte Unterzahl.
Die Bieler konnten daraus nun Hoffnung schöpfen. Zudem musste mit Romain Loeffel ein erster Berner auf die Strafbank. Die Überzahl war aber nicht nur die Baustelle des SCB, sondern auch des Kantonsrivalen. Beide Teams liegen in dieser Statistik unter dem Liga-Durchschnitt. Noch etwas für die Statistik: Das zweite Drittel endete trotz zahlreicher Berner Chancen und einem aberkannten Treffer torlos.
3. Drittel
Vier Sekunden – nicht Minuten, sondern wirklich Sekunden – vergingen ehe Lias Andersson nach dem Eröffnungsbully des Schlussabschnitts einen Berner zu Fall brachte. Erneut überstanden die Seeländer eine Unterzahlsituation unbeschadet.
Das Spiel konnte auf beide Seiten kippen. Der SCB hatte gefühlt mehr Spielanteile, doch die Bieler lauerten auf Konter und kamen zu gefährlichen Abschlüssen. Einer davon landete in der 48. Minute am Aussennetz.
Kurz vor Drittelhälfte erhöhte der SCB den Druck und sorgte dafür, dass Dubé in der 52. Minute bereits sein Time-out nahm. Biel war nun wieder etwas besser im Tritt, der SCB defensiv weiterhin stabil, offensiv aber immer noch mit Problemen. Ein Fehler konnte entscheidend sein.
In der 57. Minute spielte Hardy Häman Aktell den fürchterlichen Pass an der blauen Linie entlang, an welcher bereits zwei Bieler für den Konter bereit standen und diesen dann auch ausführten. Lias Andersson schloss die Kombination zum 2:3 ab. 0 Punkte im kapitalen Derby gegen Biel… Dass die Mannschaft für das Gezeigte noch Applaus bekam, erstaunte.
SC Bern – EHC Biel 2:3 (2:2, 0:0, 0:1)
PostFinance Arena, Bern. – 16‘806 Zuschauer – Schiedsrichter: Kaukokari (FIN)/Piechaczek (GER), Obwegeser/Duc.
Tore: 0:30 Hofer (Rajala) 0:1, 6:33 Ejdsell (Rhyn, Sgarbossa) 1:1, 17:03 Sgarbossa (Vermin, Ejdsell) 2:1, 18:52 Cajka (Sylvegard) 2:2, 56:46 Andersson (Hofer, Rajala) 2:3.
Strafen: 1 x 2 Minuten gegen den SC Bern, 4 x 2 Minuten gegen den EHC Biel.
Schüsse aufs Tor: 40:25 (12:11, 14:5, 14:9)
SC Bern: Zurkirchen (Ersatz: Von Burg); Lindholm, Loeffel; Kreis, Untersander (C); Häman Aktell, Rhyn; Kindschi; Marchon (A), Aaltonen, Merelä (A); Vermin, Sgarbossa, Ejdsell (PF-TS); Scherwey, Müller, Schild; Alge, Ritzmann, Levin Moser.
EHC Biel: Säteri (Ersatz: Janett); Zryd, Hultström; Dionicio, Burren (A); Blessing, Stampfli; Moser; Hofer, Andersson (PF-TS), Rajala (A); Sever, Haas (C), Sylvegard; Neuenschwander, Cajka, Sallinen; Bärtschi, Christen, Sablatnig; Braillard.
Bemerkungen: SC Bern ohne Füllemann, Simon Moser, Lehmann, Graf, Baumgartner (verletzt), Reideborn, Bemström, Iakovenko (überzählig), Fuss, Henauer, Riatsch, Ryser (Swiss League), Bont, Serkins, Zürcher (Nachwuchs). EHC Biel ohne Müller, Kneubuehler, Grossmann (verletzt), Huuhtanen (überzählig), Cattin (Swiss League). – 51:27 Time-out EHC Biel. – SC Bern von 58:13 bis 60:00 ohne Goalie.
