EV Zug holt sich beim beachtlichen EHC Biel drei glückhafte Punkte ab

Von Robert Szendröi
EHC Biel
2
1 - 0 - 1
EV Zug
3
0 - 1 - 2
27.02.2026
National League
Zuschauer: 6497
1:0‧0:1‧1:2
Spielbericht

Seeländer werden für eine lobenswerte Vorstellung nicht belohnt. Zweimal in Führung müssen sie sich den Innerschweizern beugen, die im richtigen Moment zuschlagen und die Gunst der Headschiedsrichter auf ihrer Seite haben. Dazu zeigen sich die Einheimischen bei der schmerzhaften 2:3-Niederlage vor dem gegnerischen Gehäuse zu stumpf im Abschluss.

Die Richtlinie für den EHC Biel in den letzten fünf Qualifikationsrunden ist eisklar: Man setzt alles daran, um noch in extremis auf den Play-in-Zug aufzuspringen. Am letzten Dienstag hat man einen kleinen Schritt dazu getan, indem man sich beim HC Lugano in der Cornèr Arena mit 4:3 nach Penaltyschiessen zwei eminent wichtige Zähler holte. So haben die Bieler den Rückstand auf die SCL Tigers und den SC Bern auf drei respektive vier Zähler verkürzt.

Anders sieht die Ausgangslage beim Widersacher EV Zug aus: Die Zuger scheinen ihrerseits den direkten Playoff-Zug allmählich zu verpassen. Sie kassierten zuletzt eine 1:3-Heimpleite gegen den HC Firbourg-Gottéron. Der Rückstand auf die sechst- und siebtplatzierten Genfer Servettiens respektive die Waadtländer aus Lausanne beträgt satte zehn Punkte. Somit mussten auch die Innerschweizer ihre Kufen so scharf wie möglich wetzen, um beim EHC Biel möglichst vollumfänglich zu punkten.

Somit war die Mission beiderseits augenscheinlich, dass nur ein Dreier beide Lager wirklich zufriedenstellen konnte.

Erstes Drittel

Es war durchaus ein Spiegelbild der letzten Runde, was die Hockeyfans in der Seeländer Eishockey-Metropole im ersten Abschnitt zu Gesicht bekamen. Die Einheimischen von Trainer Christian Dubé versuchten, der Partie den Stempel aufzusetzen, und die Zuger zeigten sich vorwiegend in den ersten zehn Minuten in etwa auf ähnlichem Niveau. Saftige Torchancen blieben in dieser Phase indes noch rar. Dies änderte sich schlagartig nach Mitte des Startdrittels, als sich Biels Niko Huuhtanen die Scheibe in der neutralen Zone eroberte und Petr Cajka (11.) zum Konter lancierte. Dieser drängte ins gegnerische Drittel vor und zog eiskalt hinter dem Slot mittels Handgelenkschuss ab und erwischte EVZ-Tophüter Leonardo Genoni etwas überraschend zur Seeländer 1:0-Führung. Danach konnten die Innerschweizer ihre erste Überzahl nicht zum Ausgleich ausnützen. Dabei stand Biels Rückversicherung Harri Säteri das eine oder andere Mal goldrichtig und hielt seinen Kasten dicht. Später durften ebenso die Bieler ein Powerplay spielen, doch zur erhofften Resultaterhöhung reichte es nicht.

Zweites Drittel

Scheinbar hielt EVZ-Coach Benoît Groulx in der ersten Teepause eine deftige Gardinenpredigt. Schliesslich kehrten die Zuger wie verwandelt ins zweite Drittel zurück. Es dauerte nur gerade 32 Sekunden, bis Lukas Bengtsson (21.) die Vorarbeit von Tobias Geisser und dem slowakischen Olympia-Teilnehmer Tomas Tatar zum 1:1-Ausgleich ausnützte. Er traf aus dem rechten gegnerischen Bullykreis. Diesen Schwung setzten die Innerschweizer während rund fünf Zeigerumdrehungen unentwegt fort, ohne aber eine weitere Mouche im Seeländer Gehäuse unterzubringen. Danach erwachten die Bieler aus dieser Lethargie und konnten das Geschehen wieder ausgeglichener gestalten. Beidseitig boten sich danach je eine weitere Überzahlsituation, die jedoch beide ohne Torerfolg blieben. Erst in der Schlussphase des Mittelabschnitts erhöhte der EVZ noch einmal den Druck auf Säteris Gehäuse, der aber stets auf der Hut war und mit seinen bekannten Abwehrkünsten den Gästerückstand verhinderte. Dafür resultierte sieben Sekunden vor der zweiten Sirene für die Groulx-Schützlinge eine kleine Strafe gegen Biels Abwehr-Schweden Linus Hultström.

Drittes Drittel

Beim Einstieg ins Schlussdrittel besannen sich die Einheimischen auf ihre beste Phase des ersten Aktes und reüssierten mit dem unerschrockenen Jungtalent Jonah Neuenschwander (42.) zur neuerlichen Bieler Führung – dies notabene in Unterzahl. Dabei entwischte der Jungsporn den Zugern, zog allein auf Hüter Genoni los und bezwang diesen mit einem raffinierten Hocheckschuss im 1-gegen-1-Duell eiskalt und im Stile eines abgeklärten Routiniers zum zwischenzeitlichen 2:1-Treffer zugunsten der Truppe aus der Tissot Arena. Allerdings mochte das Schiedsrichtergespann die Strafen-Messlatte nicht beidseitig gleich hoch halten. Dies ermöglichte den Innerschweizern ein weiteres Powerplay, welches Nando Eggenberger (45.) zum 2:2-Ausgleich verwertete. Letztlich kam es für den EV Zug noch besser. Zuerst konnte Neuenschwander einen Tatar-Abschluss vor Säteri noch klären, doch Slot-König Mike Künzle (54.) erbte die zu kurze Abwehr und überlistete den Biel-Schlussmann Säteri mit einem Lupfer in den Netzhimmel zur glückhaften 3:2-Siegesmouche. Die Bieler Schlussoffensive im Powerplay und mit einem zusätzlichen sechsten Feldspieler anstelle Säteris brachte den leistungsbezogen verdienten Ausgleich nicht mehr. Ausserdem zeigte sich Goalie Genoni mit seinen Abwehrparaden bärenstark und als unüberwindbares Bollwerk. Damit liess er die Bieler im Abschluss verzweifeln.

Fazit und Ausblick

Der EHC Biel wurde für eine insgesamt beachtliche Darbietung um seine Eisfrüchte gebracht. Einerseits braucht es in der Offensive mehr Abschlussstärke, andererseits – dies aus neutraler Sicht betrachtet – faireres Verhalten der Headschiedsrichter. Die Zuger können sich bestimmt ins Fäustchen lachen, denn sie konnten aus einigen Situationen Profit schlagen und waren zudem kaltblütig genug, um die drei Punkte ins Zugerland zu entführen.

Für die Seeländer geht es am Samstag in die Hauptstadt zum SC Bern. Ein Vollerfolg nach der regulären Spielzeit würde die Bieler bis auf zwei Punkte an die Mutzen herankommen lassen. Allerdings haben die Bieler gegen den SCB in dieser Saison nicht überzeugen können.

Hingegen steht für den EVZ gleichzeitig vor eigener Kulisse das Gotthard-Derby gegen den HC Ambrì-Piotta an, der in der Gotthard-Arena eine 2:5-Klatsche gegen Leader HC Davos einkassierte. Um den Traum von der direkten Playoff-Qualifikation am Leben zu halten, benötigen die Groulx-Mannen indes zwingend einen Dreier gegen die Biancoblù.

Resultat:

2:3

P. Cajka, J. Neuenschwander
N. Eggenberger, M. Künzle, L. Bengtsson