Nach 46 Jahren: USA holen Olympia-Gold
Kanada
USA
Spielbericht
Zum erst dritten Mal nach 1960 und 1980 holen die USA Olympia-Gold im Herren-Eishockey. Die Amerikaner bezwangen Kanada in einem engen Finalspiel 2:1 dank Jack Hughes’ Siegestor in der Verlängerung.
Gold bei den Frauen, Gold bei den Männern. Jeweils im Finale gegen Kanada. Jeweils in der Verlängerung. Mailand war eine goldene Chance für das amerikanische Eishockey und die USA nutzten es, zerschlugen das Selbstverständnis der Kanadier, dass sie die besten des Kontinents und der Welt sind.
«Es ist egal, wer das Tor schiesst. Es ist einfach ein unglaubliches Team. Wir sind so stolz für unser Land zu gewinnen und für unsere USA-Hockey-Bruderschaft», sagte Jack Hughes. «Sie waren uns ein bisschen überlegen. Unser Torhüter war bereit und dann kam die Verlängerung. Beide Teams haben starke Spieler, da kann alles passieren. Wir wollten diese Gold-Dürre durchbrechen und hier Gold zu gewinnen, ist einfach ein unglaublicher Moment.»
Für die USA, die bereits letztes Jahr mit dem Weltmeistertitel (ebenfalls ein Finalsieg in der Verlängerung, gegen die Schweiz) ein historisches Ausrufezeichen gesetzt haben, ist es die erste Olympia-Medaille im Herren-Eishockey seit Silber 2010 und die erste Goldmedaillen seit 1980. Die Zeiten haben sich geändert. Damals kämpften Amateure an den Olympischen Spielen. Den amerikanischen College-Boys gelang das «Miracle on Ice» gegen sie sowjetischen Sportsoldaten auf den Tag genau vor 46 Jahren. Nun trafen NHL-Profis aufeinander. Ein Wunder war der heutige Sieg daher nicht, aber einen Einfluss dürfte es sehr wohl haben. Nach dem Spiel erhielt die Mannschaft auch einen Videoanruf des Präsidenten Donald Trump.
Mit den Brüdern Hughes und Tkachuk war das Team auch eine Familiensache. Speziell war es für Brock Nelson, dessen Familie bei allen drei Goldmedaillen auf dem Eis war, sein Grossvater 1960 und sein Onkel 1980.
«Es ist unglaublich, ein wahrgewordener Traum. Es ist hart zu beschreiben, wie speziell es ist», sagte Nelson. «Ich sah meinen Onkel. Er war emotional während des Turniers. Es macht Spass das mit ihm zu teilen. Mein erster Anruf wird mit meinem Grossvater sein.
«Es ist das beste Gefühl, dass ich je hatte. Kanada spielte ein hervorragendes Spiel und irgendwie blieb der Puck ausserhalb des Tores, mehrere Male. Connor Hellebuyck war unglaublich. Dann schossen wir das Tor, auf das es drauf ankam. Unglaublich», sagte Dylan Larkin.
Quinn Hughes betonte nach dem Spiel wie speziell es war im Olympischen Dorf zu nächtigen, wo er ein Zimmer mit seinem Bruder teilte. «Wir waren wie eine Familie. Es waren zwei spezielle Wochen für mich. Das Zimmer der Tkachuks war in der Nähe und sie hatten zwei Wochen lang die Türe offen. All die Jungs auf dem gleichen Stock zu haben, war speziell und wir trafen verschiedene Athleten», sagte er. Auch ein kleiner Seitenhieb an die Kanadier, welche als einzige Mannschaft nicht im Olympischen Dorf sein wollte, sondern lieber Einzelzimmer in einem Luxushotel buchte.
Vor dem Spiel beschäftigte die Frage, ob der angeschlagene Sidney Crosby spielen wird oder nicht. Der Trainer deutete bereits an, dass dies nur der Fall sein würde, wenn Crosby wirklich fit wäre und nicht um ihn bloss als Inspiration auf dem Eis zu haben. Kanada musste heute erneut ohne ihn auskommen. Er musste zuschauen, konnte erst zur Medaillenzeremonie aufs Eis und erhielt nicht jene Farbe, die er gerne gehabt hätte.
«Wir spielten ein unglaubliches Spiel, wir machten so viele Dinge richtig. Ich dachte wir würden einen Weg zum Sieg finden, leider erhielten wir nicht das Resultat, das wir wollten», sagte Crosby danach in der Interviewzone.
Mit 42:28 Schüssen hatten die Kanadier in der Tat die Chance, das Spiel für sich entscheiden zu können.
Kanada startete mit Vollgas und brachte die amerikanische Defensive mit Torchancen und kernigen Checks in den ersten Spielminuten arg ins Schwitzen. Doch nach sechs Minuten trafen die Amerikaner mit ihrem ersten Torschuss des Spiels. Die Kanadier verloren in der Angriffszone die Scheibe, Matt Boldy nahm sie, übertölpelte den kanadischen Verteidiger Devon Toews und liess diesen und Cale Makar zu Statisten erscheinen ehe er den kanadischen Torhüter Jordan Binnington zum 1:0 bezwang.
Die Amerikaner versuchten der kanadischen Härte und Verbissenheit mit Spielwitz und Geschwindigkeit entgegenzuwirken.
Im Mitteldrittel ging es mit einem physischen und spannenden Spiel weiter. Die Schiedsrichter liessen viel durchgehen und es gab Tormöglichkeiten auf beiden Seiten.
Die beste Chance vergab Connor McDavid als er in der 31. Minute eine seltene Möglichkeit zum Alleingang erhielt. Er hätte es ähnlich machen können wie die Amerikaner in ähnlicher Spielsituation bei ihrem ersten Tor, doch er scheiterte an Connor Hellebuyck. Kurz darauf hielt Jake Guentzel den Kanadier Brandon Hagel derart deutlich zurück, dass es eine Strafe gab. 28 Sekunden später musste auch noch sein Teamkollege Charlie McAvoy wegen Haltens raus. Die Kanadier hatten nun das Momentum, machten aber erstaunlich wenig daraus.
Die Kanadier drückten weiter und schienen lange kein Rezept zu finden bis in der 38. Minute Cale Makar den Ausgleichstreffer erzielte. Nach einem gewonnenen Anspiel und Seitenwechsel konnte er von rechts aufs Tor ziehen und Hellebuyck mit einem satten Schuss bezwingen. Kurze Zeit später hatten die Kanadier wiederum Glück als ein Schuss von Brock Faber 16 Sekunden vor Schluss zuerst an den rechten und dann an den linken Pfosten ging. Die Szene zeigte symbolisch, wie eng es zwischen Frust und Freude war in diesem Finale.
«Wir spielten schnell, wir diktierten das Spiel, wir hatten gute Beine, wir waren schnell, physisch. Es war ein tolles Spiel abgesehen vom Ende», sagte der Kanadier Tim Wilson. «Hockey ist ein lustiger Sport. Manchmal spielt man gut genug um zu gewinnen und dann geht es trotzdem nicht auf. Sie nutzten ihre Chancen und schlugen uns.»
Bei ausgeglichenem Spielstand war das Schlussdrittel wieder etwas ausgeglichener. Unnötige Strafen durch hohe Stöcke hätten hier auf beiden Seiten entscheidend sein können als der Kanadier Sam Bennett und später der Amerikaner Jack Hughes auf der Strafbank Platz nehmen mussten, doch das Drittel blieb torlos und das Spiel ging beim Stand von 1:1 in die Verlängerung. Diese musste wie schon im letzten nordamerikanischen Duell in einem Olympia-Finale in Vancouver 2010 entscheiden.
Diese wurde im Format «sudden death» gespielt bei 3 gegen 3 Spieler bis zum bitteren Ende. Doch dieses folgte für Kanada nach nicht einmal zwei Minuten. Zach Werenski setzte sich in der kanadischen Zone gegen Nathan MacKinnon durch und passte zu Jack Hughes, der das goldene Tor für die Amerikaner erzielte. Er wurde zum gefeierten Helden ebenso wie der Torhüter Hellebuyck, der mit 41 von 42 gehaltenen Schüssen, darunter einige spektakuläre Paraden, seinen Anteil am Sieg hatte.
«Wir hätten das Spiel nicht gewonnen ohne Heli. Er spielte hervorragend und wir hatten einen Superstar, der das Spiel beendete», sagte Brady Tkachuk. «Ich bin stolz auf unsere Widerstandsfähigkeit, wie wir mit Widerstand umgingen. Es waren die besten zwei Wochen meines Lebens.»
Und so ging es an die Feier, an welcher auch die verstorbenen Gaudreau-Brüder geehrt wurden. Nicht nur kam dabei Johnny Gaudreaus Trikot mit der Nummer 13 aufs Eis, auch seine Kinder Noah und Johnny junior kamen aufs Mannschaftsfoto. Eine schöne Geste.
Kanada – USA 1:2 (0:1, 1:0, 0:0, 0:1) n.V.
Santagiulia Eishockey-Arena. – 11'289 Zuschauer. – SR: Dwyer (CAN) / Roney (USA), Cherrey (CAN) / Hautamäki (FIN).
Tore: 6:00 Boldy (Matthews, Q. Hughes) 0:1. 38:16 Makar (Toews) 1:1. 61:41 Jack Hughes (Werenski, Hellebuyck) 1:2.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Kanada, 3-mal 2 Minuten gegen die USA.
Schüsse aufs Tor: 42:28 (8:8, 19:8, 14:10, 1:2)
Kanada: Binnington (Ersatz: Thompson); Makar, Toews; Parayko, Harley; Doughty, Sanheim; Theodore; MacKinnon, McDavid, Celebrini; Stone, Suzuki, Marner; Wilson, Bennett, Marchand; Jarvis, Horvat, Hagel; Reinhart.
USA: Hellebuyck (Ersatz: Oettinger); McAvoy, Quinn Hughes; Faber, Slavin; Sanderson, Werenski; Hanifin; Matthew Tkachuk, Eichel, Brady Tkachuk; Boldy, Matthews, Guentzel; Thompson Larkin, Jack Hughes; Trocheck, Nelson, Miller; Keller.
