Historisch knappe Niederlage gegen Kanada
Kanada
Schweiz
Spielbericht
Die Schweiz war gegen ein nach wie vor überlegenes Kanada so nahe dran wie noch nie, verlor jedoch das Halbfinalspiel 1:2 und spielt am Donnerstag gegen Schweden um Bronze.
Kanada versuchte von Beginn an aufs Schweizer Tor zu ziehen, doch die Schweizerinnen standen hinten gut und gestanden ihren Gegnerinnen kaum eine Abschlussmöglichkeit zu, scheiterten auf der anderen Seite aber auch oftmals früh in den eigenen Angriffsbemühungen. Nach vorne sollte die Beförderung von Sinja Leemann (im Tausch mit Rahel Enzler) in die erste Linie mit Alina Müller und Lara Stalder zusätzliche Impulse setzen.
Die Statistik nach neun Minuten bis zur ersten Werbeunterbrechung: 2:0 Torschüsse für Kanada, 5:0 gewonnene Anspiele. Es lag das Gefühl des Abtastens in der Luft.
In der 11. Minute nahm Emma Maltais für ein übermotiviertes Checken nach der Puckabgabe gegen Alessia Baechler eine Strafe, doch die Schweizerinnen blieben weiterhin ohne Torschuss. Erst gegen Ende des Drittels hatten die Kanadierinnen gefährliche Chance. Etwa als Daryl Watts von hinter der Torlinie zum Schweizer Tor spielte und die Scheibe hinter der Schweizer Torhüterin durchkullerte. Lara Christen konnte befreien. Wenig später hatte Emily Clarke einen Pfostenschuss, während auf der anderen Seite auch die Schweizerinnen ihren ersten offiziellen Schuss aufs Tor durch einen Weitschuss Christens registriert erhielten. Die Pausensirene kam zu einem guten Zeitpunkt für die Schweizerinnen. Der Schweizer Plan ging in den ersten 20 Minuten auf: möglichst lange torlos halten und die Kanadierinnen nervös machen.
«Wir spielen defensiv sehr solid, hart, blocken viele Schüsse. Wir wollen ihnen Zeit und Raum nehmen, damit sie auch Fehler machen. Bislang hat es geklappt», sagte die Verteidigerin Alessia Baechler im Pauseninterview mit SRF. «Es ist ein wichtiges Spiel mit cooler Atmosphäre, aber wir dürfen sie nicht grösser machen als sie sind.»
Nachdem die Kanadierinnen mit normalen Schüssen wenig erreicht hatten, gingen sie nach 109 Sekunden im Mitteldrittel mit einem missglückten Schuss in Führung. Die Kapitänin Marie-Philip Poulin traf vor der blauen Linie den Puck nicht richtig, er prallte an der Schweizer Stürmerin Naemi Herzig ab und hüpfte ins Schweizer Tor.
Die Kanadier suchten gleich das 2:0, während die Schweizerinnen zu einem Angriff mit 2:1 Feldspielerinnen kamen, doch Kaleigh Quennec scheiterte an Ann-Renée Desbiens.
In der 29. Minute war es wieder Poulin, die traf. Die routinierte Stürmerin mit dem Torriecher verwertete einen Abpraller nach einem abgewehrten Schuss von Daryl Watts und überholte ihre Landsfrau Hayley Wickenheiser als beste Torschützin aller Zeite des olympischen Frauen-Eishockeyturniers.
Poulin stand auch in der 33. Minute im Mittelpunkt als sie Laura Zimmermann von hinten in die Bande checkte, was im Videostudium auf eine grosse Strafe überprüft wurde, es blieb jedoch bei zwei Minuten. Kaum war sie vorbei, fällte Blayre Turnbull die Schweizerin Sinja Lehmann, womit es gleich weiter ging mit fünf gegen vier Spielerinnen. Dies brachte zumindest etwas Ruhe für die Defensive, doch grosse Chancen waren Mangelware. Auf der anderen Seite überstanden auch die Schweizerinnen ihr erstes Unterzahlspiel als Quennec wegen übertriebener Härte auf die Strafbank musste.
Für das Schlussdrittel spielte Enzler wieder im Paradesturm und traf nach fünf Minuten nach einem Rückpass von hinter der Torlinie Müllers. Das Tor nährte die Hoffnung auf ein Wunder bei den Schweizerinnen. Sie hatten für einige Minuten eine starke Phase, agierten öfters in der Offensive, schossen mehr und die Kanadierinnen wirkten nervös, wobei in der 48. Minute Turnbull zu einer Kontermöglichkeit kam, Christen konnte sie aber noch im letzten Moment stören.
Die Schweizerinnen suchten weiter den Treffer und nahmen zwei Minuten vor Schluss gegen Kanada die Torhüterin raus (wann hat es das schon mal gegeben?), doch ein übermotivierter Check von Ivana Wey verhinderte eine Schlussoffensive.
Damit bestreitet die Schweiz am Donnerstag nicht ganz unerwartet das Spiel um Bronze gegen Schweden um 14:40. Im Finale stehen die USA und Kanada um 19:30. In beiden Fällen nahm das Halbfinale den gleichen Verlauf wie vor zwölf Jahren in Sotschi 2014 als die Schweizerinnen Kanada mit zwei Toren und Schweden den USA mit fünf Toren Differenz unterlagen. Damals besiegten die Schweizerinnen Schweden um Bronze 4:3, Kanada holte Gold gegen die USA. Ein Szenario, das die Schweizerinnen gerne wiederholen würden. Aus dem damaligen Team sind noch Müller und Stalder dabei, bei den Schwedinnen niemand und bei Kanada schoss Poulin das goldene Tor in der Verlängerung.
Kanada – Schweiz 2:1 (0:0, 2:0, 0:1)
Santagiulia Eishockey-Arena. – 10’000 Zuschauer. – SR: Cooke (USA) / Doyle (USA), Buckner (USA) / Hajkova (CZE).
Tore: 21:49 Poulin (Jaques, Watts) 1:0. 28:21 Poulin (Watts, Shelton) 2:0. 44:53 Enzler (Müller) 2:1.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Kanada, 2-mal 2 Minuten gegen die Schweiz.
Schüsse aufs Tor: 46:8 (13:1, 22:3, 11:4)
Kanada: Desbiens (Ersatz: Maschmeyer); Fast, Larocque; Jaques, Shelton; Ambrose, Thompson; Tabin; Fillier, Poulin, Watts; Stacey, Turnbull, Clark; Jenner, Nurse, Maltais; Gardiner, O’Neill, Gosling; Spooner.
Schweiz: Brändli (Ersatz: Maurer); Christen, Baechler; Mériguet, Vallario; Sigrist, Wetli; Büchi; Stalder, Müller, Leemann; Marti, Wey, Enzler; Lutz, Herzig, Zimmermann; Quennec, Rüedi, Schaefer; Balzer.
Bemerkungen: Kanada ohne Osborne (überzählig). Schweiz ohne Wagner (überzählig). – 17. Pfostenschuss Clarke. – Schweiz von 57:58 bis 58:08 ohne Torhüterin.
