Schweiz kämpft sich gegen Tschechien zurück

Von Martin Merk
Schweiz
4
0 - 2 - 1
Tschechien
3
1 - 0 - 2
15.02.2026
A-Nationalmannschaft
0:1‧2:0‧1:2
Spielbericht

Nach dem herben Dämpfer gegen Kanada zeigt die dezimierte Schweizer Herren-Nationalmannschaft eine tolle Teamleistung und besiegt Tschechien nach einem Rückstand 4:3 in der Verlängerung. Mit dem fünften oder sechsten Rang in der Gesamttabelle dürfte ein Gegner wie Italien oder Frankreich im Playoff um die Viertelfinal-Qualifikation warten.

Nach dem 0:1-Rückstand leitete der Captain Roman Josi mit einem Tor und Assist die Wende zur Führung ein. Tschechien glich kurz vor Schluss nochmals auf 3:3 aus, doch nach 109 Sekunden in der Verlängerung schoss Dean Kukan die Schweizer zum Sieg.

«Es war eine 2:1-Situation und ich nahm den Schuss. Zuerst sah ich gar nicht, dass er rein ging und dann war es natürlich ein riesiges Gefühl. Es war wichtig für uns, dass wir den zweiten Rang holen», sagte Dean Kukan nach der Partie.

«Es war sicher unser bestes Spiel. Wir möchten immer besser werden. Wir spielten richtig gut, auch wenn der Gegentreffer am Schluss unnötig war.»

Als Inspiration nahmen sich die Schweizer auch den letzten Gegner.

«Wir schauten an, wie Kanada gegen uns spielte und heute spielten wir fast so wie sie gegen uns. Einfach spielen, Forechecking. So wie sie uns schlugen. Es ging heute auf.»

Schweizer stecken Änderungen weg

Der Trainer Patrick Fischer musste erwartungsgemäss einige Änderungen vornehmen nach dem verlustreichen Kanada-Spiel. Kevin Fiala wird nach seiner Unterschenkeloperation nicht mehr zum Einsatz kommen. Mit Andrea Glauser und Denis Malgin fehlen zwei weitere Leistungsträger zumindest heute. Sie befinden sich in Therapie und ob es für das nächste Spiel übermorgen in der Playoff-Qualifikation reichen wird, wird man sehen.

Auch Fialas Schicksal berührte und motivierte die Schweizer. Sie wollten auch für ihn siegen, der das Spiel vom Spitalbett aus verfolgen musste. «Es ist nicht einfach einen so wichtigen Spieler zu verlieren. Alle geben nun mehr auch für ihn», sagte Kukan.

Vom Spitalbett schickte Fiala dem Team noch ein Video. «Es sagte, dass wir Vollgas geben sollen und er so schnell wie möglich versucht zum Team zu kommen», sagte Kukan. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut.

Im Tor spielte heute wieder Leonardo Genoni. Janis Moser verteidigte wie gegen Ende des letzten Spiels an der Seite von Roman Josi. Die bislang überzähligen Spieler Tim Berni und Simon Knak gaben ihr Debüt. Philip Kurashev rückte anstelle von Fiala in den Paradesturm um Nico Hischier und Timo Meier. Auch die anderen drei Sturmreihen mussten entsprechend umgestellt werden. Die Tschechen konnten mit eingespielten Linien spielen. Einzig der Zug-Stürmer Dominik Kubalik wurde auf die Tribüne geschickt, wofür Filip Chlapik in der Aufstellung vorrückte.

Luxusprobleme vs. Lazarett für die Trainer, doch auf dem Eis starteten die Schweizer solide. Die Tschechen hatten zwar den ersten Torschuss, die Schweizer aber mehr Puckzeit in der Angriffszone mit ersten, guten Möglichkeiten in der 5. Minute als Lukas Dostal mehrfach getestet wurde. Hischier und Sven Andrighetto kamen zum Abschluss, später hatten auch Kurashev und Nino Niederreiter ihre Chancen.

Notnagel Chlapik bringt Tschechien in Front

Eine unnötige Strafe von Damien Riat für einen hohen Stock in die Kopfgegend von Tomas Hertl in der neutralen Zone nahm aber etwas Momentum weg. Die Schweizer fanden wieder ins Spiel, produzierten aber kaum mehr Chancen.

Dafür gingen die Tschechen in der 16. Minute 1:0 in Führung als Moser die Scheibe an Martin Necas verlor. Chlapik auf der rechten Seite war ohne Gegenspieler und traf auf Zuspiel Necas’. Ausgerechnet Chlapik, der erst als Nachnominierter (für den verletzten Pavel Zacha) nach Mailand kam und für heute in die zweite Linie vorrückte. Genoni war chancenlos und kassierte seinen ersten Gegentreffer in einem Ernstkampf mit dem Nationalteam in regulärer Spielzeit nach fünf Spielen ohne Gegentreffer.

Zurück fanden die Schweizer vorerst nicht, zumal Jonas Siegenthaler bei einer Kontermöglichkeit Necas zurückhielt und die Schweizer damit die letzten zwei Minuten nochmals in Unterzahl spielen musste. Die Schweizer verteidigten aber mit vereinten Kräften und geblockten Schüssen und hatten durch eine 2:1-Situation mit Moser und Sandro Schmid sogar eine Riesenmöglichkeit für den Shorthander. Moser schoss selbst, scheiterte aber.

Wende dank Josi

Zu Beginn des Mitteldrittels erhielten auch die Schweizer ihre erste Möglichkeit in Überzahl zu spielen als Michal Kempny Meier mit einem Haken ausbremsen musste, doch dem ersten Tor kamen sie dabei nicht nahe. Die Schweizer hatten nun aber mehr vom Spiel und Hischier eine gute Tormöglichkeit, doch auch die Tschechen blieben für einen möglichen Treffer gefährlich. Genoni musste einige harmlosere Schüsse, aber auch eine grössere Chance von Roman Cervenka entschärfen.

Necas holte in der 30. Minute eine weitere tschechische Strafe als er von Josi überlaufen wurde und ihn am Trikot zurückhielt, doch die Tschechen hielten den Kasten weiterhin rein. Als Siegenthaler bei einem Zweikampf Lukas Sedlak mit dem Ellbogen ins Gesicht nachschlug, konnten die Tschechen mit einem zweiminütigen Powerplay etwas aufschnaufen, doch es blieb beim 1:0.

«Es war ein gutes Spiel. Wir mussten gewinnen und taten es nicht. Es ist hart zu gewinnen und wir haben es nicht geschafft. Wir sind besser als wir es zeigten», sagte Necas über die tschechische Leistung.

In der 37. Minute kam dann doch noch der verdiente Ausgleich. Ausgerechnet die Verteidiger Josi und Moser liefen an vorderster Front aufs tschechische Tor zu. Josi von rechts versuchte Moser anzuspielen, doch Radko Gudas ging dazwischen und lenkte die Scheibe ins eigene Tor.

Knapp zwei Minuten vor Drittelsende konnten die Schweizer aufgrund einer Strafe gegen Cervenka nochmals in Überzahl antreten und nutzten die Chance diesmal nach 25 Sekunden aus. Dostal blockte einen Weitschuss Josis, doch Meier staubte zur 2:1-Pausenführung ab.

Team spielte auch für Fiala

«Es geht schnell hier. Ich bin Offensiv-Verteidiger und hoffe etwas offensiv zu kreieren, aber man muss den Platz gut gebrauchen und kann nicht einfach nach vorne laufen. Wir spielten als Team extrem gut und es macht mich stolz, dass wir einen Weg fanden», sagte Josi, der Mann der für die plötzliche und schnelle Wende stand.

«Heute war unser komplettestes Spiel. Schnell nach vorne, aggressives Forechecking. Das ist unsere Spielweise, die wir beibehalten müssen. Es war ein emotionales Spiel. Wir sagten vor dem Spiel, dass wir für Kevin spielen heute. Es war ein Riesenschock für alle. Kevin ist eine Superperson, ein Superspieler und ein Leader im Team. Er ist einer, der jedes Mal kommt, wenn die Nati ruft. Wir konnten ihm heute ein kleines Lachen auf dem Gesicht zaubern.»

Nachdem die Schweizer so lange wie erfolglos dem Rückstand hinterher gerannt waren, konnten sie das Spiel innert weniger als zwei Minuten wenden mit Josi als Ausgangspunkt beider Tore.

Achterbahnfahrt im Schlussdrittel

Die Schweizer starteten gut ins Schlussdrittel, doch in der 47. Minute konnten sich die Tschechen kurzzeitig im Angriffsdrittel festsetzen und den Ausgleich erzielte. Chlapik verpasste den Abschluss vor Genoni, doch links kam Radim Simek frei an die Scheibe und schoss das 2:2.

Die Reaktion der Schweizer liess aber nicht lange auf sich warten und 94 Sekunden später stellte Pius Suter die Schweizer Führung wieder her. Bei einem Schweizer Angriff landete ein tschechischer Befreiungsschlag bei Suter, der Dostal zum 3:2 bezwingen konnte.

Es kündigte sich jedoch eine heikle Schlussphase an, auch mit einem Unterzahlspiel wegen Beinstellens von Michael Fora gegen Sedlak.

Dreieinhalb Minuten vor Schluss hatten die Schweizer Glück als bei einem tschechischen Tor David Pastrnak in Genoni fuhr. Die Schiedsrichter winkten sofort ab und die Tschechen riskierten keine Coach’s Challenge, nahmen dafür den Torhüter heraus um zwischenzeitlich mit sechs gegen vier Feldspieler anzutreten. Und sie trafen, als es dann sechs gegen fünf Feldspieler waren. Nach einem diagonalen Pass von Filip Hronek traf links vor dem Tor Necas zum Ausgleich.

«Es war ein intensives Spiel, eine Achterbahnfahrt und ein wichtiger Sieg für uns. Wir haben es gut gemeistert», sagte Timo Meier. «Gegen Kanada waren wie zu emotional und liessen uns aus dem Spiel nehmen. Heute machten wir einen besseren Job, das Unterzahlspiel war souverän und Deany mit einem unglaublichen Schuss.»

Der Ausgleich war den Spielanteilen entsprechend nicht unverdient, doch der Sieg kam doch noch für die Schweiz. Die Nati holte dank Dean Kukans sattem Schuss in der Verlängerung den zweiten Gruppenplatz und zwei wichtige Punkte für die Gesamttabelle, aus welcher der Playoff-Baum erstellt wird.

«Ich bin stolz wie die Mannschaft rauskam. Wir wussten, dass wir zusammenrücken mussten. Es war emotional nicht einfach. Einmal mehr kamen wir einen Schritt nach vorne, heute fanden unser Spiel, mehr Forechecking, mehr Geradlinigkeit», sagte Fischer. «Es ist immer harte Arbeit gegen Tschechien. Details entscheiden und heute war es wieder ein Krimi.»

So geht es weiter

Schade für die Schweiz, dass es knapp nicht zu einem Sieg in regulärer Spielzeit reichte, denn beim Szenario mit sechs Punkten aus drei Spielen hätten die Schweizer voraussichtlich Italien im Qualifikations-Playoff und Finnland in einem allfälligen Viertelfinalspiel erhalten bei einem fünften Rang in der Gesamtwertung. Dieser Rang ist zwar immer noch möglich, je nach dem was Deutschland und Lettland heute Abend in der Gruppe C machen, es kann aber auch zu einer auf dem Papier leicht schwierigeren Route im Playoff-Baum kommen als Sechster.

Sicher ist jetzt schon: Am Dienstag bestreitet die Schweiz die Playoff-Qualifikation für die Teams der Rängen 5-12. Es dürfte ein Gegner vom Kaliber Frankreich, Italien oder Dänemark warten.

«Wir dürfen den Gegner nicht unterschätzen. Man sah bei Italien-Schweden, was am Anfang geschah. Wenn wir so wie heute spielen, haben viele Gegner ein Problem mit uns», blickte Kukan aufs nächste Spiel.

«Es wird ein KO-Spiel. Es wird nicht einfach, egal gegen wen», sagte Josi. «Wir sahen es gegen Frankreich, es war ein knappes Spiel. Es wird auch im nächsten Spiel nicht anders.»

Heute Nacht werden wir mehr wissen und euch in den News auf dem Laufenden halten.

Schweiz – Tschechien 4:3 (0:1, 2:0, 1:2, 1:0) n.V.

Santagiulia Eishockey-Arena. – 11'263 Zuschauer. – SR: Campbell (CAN) / Rooney (USA), Hautamäki (FIN) / Suchanek (CZE).

Tore: 15:19 Chlapik (Necas, Kämpf) 0:1. 36:53 Josi (Moser, Jäger) 1:1. 38:37 Meier (Josi, Hischier / Ausschluss Cervenka) 2:1. 46:33 Simek (Chlapik, Necas) 2:2. 48:07 Suter (Moser, Meier) 3:2. 57:54 Necas (Hronek, Pastrnak / Tschechien ohne Torhüter) 3:3. 61:49 Kukan 4:3.

Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 3-mal 2 Minuten gegen Tschechien.

Schüsse aufs Tor: 29:32 (9:8, 10:10, 9:12, 1:2)

Schweiz: Genoni (Ersatz: Akira Schmid); Moser, Josi; Kukan, Siegenthaler; Fora, Marti; Berni; Meier, Hischier, Kurashev; Niederreiter, Suter, Andrighetto; Bertschy, Thürkauf, Sandro Schmid; Riat, Jäger, Knak.

Tschechien: Dostal (Ersatz: Vladar); Hronek, Simek; Gudas, Kempny; Kundratek, Spacek; Tichacek; Pastrnak, Hertl, Palat; Necas, Kämpf, Chlapik; Kase, Sedlak, Cervenka; Stransky, Faksa, Flek; Tomasek.

Bemerkungen: Schweiz ohne Fiala, Glauser, Malgin (alle verletzt) und Berra (überzählig). Tschechien ohne Rutta (verletzt), Kubalik und Vejmelka (beide überzählig). – 56:34 Tor von Tschechien aberkannt (Torhüterbehinderung). – Tschechien von 56:49 bis 57:54 ohne Torhüter. – 56:54 Time-out Tschechien.

Resultat:

4:3 nV