Derby-Sieg für die finnische Moral
Finnland
Schweden
Spielbericht
Finnland macht es in der Gruppe B der olympischen Herren-Eishockeyturniers spannend. Nach der überraschenden Auftaktniederlage gegen die Slowakei gewannen die Finnen dann, wenn es für sie am schönsten ist: 4:1 gegen den grossen Nachbarn Schweden.
Das grösste «Derby» der Vorrunde beim olympischen Herren-Eishockeyturnier kam am dritten Spieltag mit dem nordischen Klassiker zwischen Finnland und Schweden. Beide Nationen zählen zum Favoritenkreis in Mailand, wobei den Schweden aufgrund ihres riesigen Reservoirs an NHL-Spielern in diesem Duell die Favoritenrolle zukam, zumindest auf dem Papier.
Schweden hatte in der Starphase auch mehr vom Spiel, doch es waren die Finnen, die in der 8. Minute mit ihrem erst zweiten Torschuss in Führung gingen. Die Finnen spielten die Scheibe der Bande entlang nach vorne. Olli Määttä versuchte vors Tor zu kommen und wurde geblockt, doch die verlorene Scheibe landete bei Nikolas Matinpalo, der sie via den nahen Pfosten ins Tor hämmerte.
In der 16. Minute lenkte Anton Lundell eine seitliche Eingabe von Eetu Luostarinen ab. Die Scheibe flog hoch über den schwedischen Torhüter Filip Gustavsson. Weil Lundell die Scheibe mit dem Stock verfolgte, gab es eine längere Videoanalyse, ob der Stock zu hoch war oder der Torhüter behindert wurde, letztlich verwarf das Schiedsrichterduo beide Szenarien und gab das 2:0. Und so gab viele glückliche Finnen in der Arena, die sich einmal mehr daran erfreuten, den grossen Nachbarn zu ärgern.
«Wir trafen», fasste Lundell zusammen, wieso gegen Schweden klappte, was vorgestern gegen die Slowakei nicht ging. «Vielleicht waren wir einen Schritt härter als zuvor.»
Auch das Mitteldrittel blieb ausgeglichen und wurde physischer. Etwa als der finnische Captain Mikael Granlund scheinen schwedischen Kontrahenten Elias Pettersson in die finnische Spielerbank checkte. Auf dem Eis gehörte der nächste Moment aber den Schweden, die kurz darauf ein Powerplay hatten. In der 25. Minute nutzten sie es und konnten dank dem Weitschuss von Rasmus Dahlin auf ein Tor verkürzen.
«Wir schliefen im ersten Drittel. Sie starteten hart. Wir wurden im Laufe des zweiten und dritten Drittels besser, aber sie hatten schon eine komfortable Führung und blockten viele Schüsse», sagte der schwedische Stürmer Gabriel Landeskog.
Wenige Minuten später hatten die Schweden auch das nächste Überzahlspiel. Alexander Wennberg hatte den Ausgleich auf dem Stock als er alleine aufs finnische Tor ziehen konnte, doch im Gegenzug schossen die Finnen den Shorthander zur 3:1-Führung. In der 33. Minute erhielt Joel Armie erhielt die Scheibe nach einem Bandenkampf schnurstracks, war blitzschnell vor dem Tor und hob sie zum 3:1 ins Netz.
Die Emotionen gingen im Spiel hoch. Einige Zweikämpfe führten zu Strafen so dass in der Schlussphase des Mitteldrittels je drei Spieler bestraft wurden und die Unparteiischen nach der Sirene die Captains baten ihre Spieler zu beruhigen.
Die Strafen wurden etwas weniger, die Tore auch, selbst wenn Schweden viele Chancen hatten. Der Torhüter Juuse Saros hatte mit 34 Paraden seinen Anteil am Sieg. «Er hat heute so ein gutes Spiel gespielt. Er hielt uns am Leben und hatte grosse Paraden als wir sie benötigten. Er war ein Grund wieso wir siegten», sagte Lundell.
Als letzter Spieler traf Mikko Rantanen 35 Sekunden vor Schluss ins leere Tor zum 4:1-Endstand. Ein emotional bedeutender Sieg für die Finnen, nachdem sie beim Auftakt gegen den Aussenseiter Slowakei noch auf der Verliererseite gestanden waren.
«Nun haben wir die Chance sechs Punkte in dieser Gruppe zu holen, wenn wir gegen Italien gut spielen und sie schlagen. Wir spielten mit Verzweiflung, wie mit der Intensität eines Spiels 7», sagte Rantala. «Schweden hat ein gutes Team mit guten Spielern. Wir wussten, dass es nicht einfach wird und dass wir auf bestem Niveau sein müssen und das waren wir.»
Finnland – Schweden 4:1 (2:0, 1:1, 1:0)
Santagiulia Eishockey-Arena. – 11’336 Zuschauer. – SR: Dwyer (CAN) / Rooney (USA), Cherrey (CAN) / Davis (USA).
Tore: 7:44 Matinpalo 1:0. 15:26 Lundell 2:0. 24:39 Dahlin 2:1. 32:47 Armia 3:1. 59:25 Rantanen (Granlund, Hintz / ins leere Tor) 4:1.
Strafen: 9-mal 2 Minuten gegen Finnland, 7-mal 2 Minuten gegen Schweden.
Schüsse aufs Tor: 24:35 (9:10, 9:8, 6:17)
Finnland: Saros (Ersatz: Korpisalo); Lindell, Heiskanen; Ristolainen, Mikkola; Matinpalo, Määttä; Jokiharju; Rantanen, Hintz, Granlund; Teravainen, Aho, Lehkonen; Kakko, Lundell, Luostarinen; Armia, Haula, Tolvanen; Kapanen.
Schweden: Gustavsson (Ersatz: Markström); Karlsson, Broberg; Dahlin, Forsling; Andersson, Hedman; Edkman-Larsson; Raymond, Lindholm, Bratt; Nylander, Eriksson Ek, Kempe; Zibanejad, Pettersson, Rakell; Landeskog, Wennberg, Holmberg; Forsberg.
