Pleite, Pech und Pannen gegen Kanada
Kanada
Schweiz
Spielbericht
Die Schweizer haben sich gegen Kanada viel vorgenommen, aber das Glück war definitiv nicht auf ihrer Seite. Sie verloren das Spiel 1:5 und dabei auch Kevin Fiala, Andrea Glauser und Denis Malgin.
Es war ein hochklassiges Spiel. 1:5 lautete das Endresultat, doch dies täuschte ebenso über den Unterschied zum Gegner hinweg wie das Schussverhältnis von 25:39, denn während die Kanadier traditionsgemäss aus allen Lagen schossen, hatten die Schweizer vor allem Schüsse aus kürzerer Distanz. Deswegen gab es auch viel Lob vom kanadischen Trainer Jon Cooper, der die Entwicklung der Schweizer lobte. «Das Resultat entspricht sicher nicht den Stärkeverhältnissen», sagte er.
Und doch war es ein schwer verdaulicher Abend für die Schweizer. Nicht nur hatten sie Pech im Spiel, sondern gegen einen physischen Gegner mit Kevin Fiala, Andrea Glauser und Denis Malgin auch drei Spieler verletzt verloren, wobei der Schock vor allem beim Ausfall von Fiala tief lag, der nicht selbst aufstehen konnte und mit der Bahre vom Eis geholt werden musste.
«Wir verloren das Spiel, hatten drei Verletzte, meiner Meinung nach wurde merkwürdig gepfiffen. Aber so ist manchmal der Sport. Irgendwie müssen wir damit umgehen», liess der Verteidiger Jonas Siegenthaler den Frust durchblicken. Er musste nach Glausers Ausfall einige Extraeinsätze bestreiten.
«Wir haben gegen eine starke Mannschaft verloren und nun muss unser Fokus auf das nächste Spiel liegen. Wir müssen die Fehler anschauen und rausnehmen. Wir hätten stärker dagegenhalten können, physischer spielen. Wir sind auch grosse Jungs.»
Einen Tag nach dem Startspiel gegen Frankreich mit Leonardo Genoni im Tor startete die Schweiz heute erwartungsgemäss mit Akira Schmid als Torhüter, der bislang erst drei Ernstkämpfe mit dem Herren-Nationalteam hatte, diese aber an der WM 2024 allesamt gewann.
Eine grössere Änderung gab es zum Spielstart im Sturm. Die beiden New-Jersey-Stürmer Timo Meier und Nico Hischier wurden wiedervereint. An Meiers Stelle wurde Calvin Thürkauf in die Linie um Pius Suter versetzt. In der Abwehr tauschen Christian Marti und Michael Fora die Plätze. Doch aufgrund der frühen Ausfälle von Glauser und Malgin musste der Nationaltrainer ohnehin noch mehr umstellen als ihm lieb war. Als «mühsam» bezeichnete er die Ausfälle.
«Es ist für uns schwierig Einen zu sehen, der auf der Bahre rausgetragen wird, egal wer es ist», sagte Fischer. «Wir spielten nur mit sechs Verteidigern, mussten in der Offensive und im Powerplay umstellen.»
Gleich zu Beginn brannte es auf beiden Seiten. In der ersten Minute rettete der Pfosten gegen Shea Theodore, im Gegenzug lancierte Malgin einen schnellen Angriff links entlang der Bande, den Nino Niederreiter in der Mitte beinahe zur Führung abschloss.
Dann geschah, was die Schweizer vermeiden wollte. Dean Kukan handelte sich eine Strafe ein als sich sein Stock im Rückwärtsgang beim zu einer Kontermöglichkeit anlaufenden Sam Bennett verhedderte und diesen zu Fall brachte. Nach 19 Sekunden im Powerplay lagen die Kanadier bereits in Führung. Nathan MacKinnon passte von links quer vors Tor, wo auf der anderen Seite Connor McDavid goldrichtig stand und die Lücke im Tor fand.
Eine Minute später hatten die Schweizer Glück als Sidney Crosby alleine auf Schmid ziehen konnte, doch der Schweizer Torhüter zeigte eine Glanzparade. In der 11. Minute spielte dann wieder McDavid bei einem schnellen Angriff die Schweizer aus, diesmal mit einem Pass auf die linke Seite, wo Thomas Harley frei zum Schuss kam und auf 2:0 erhöhte.
Immerhin erhielten kurz darauf auch die Schweizer ihre erste Powerplay-Gelegenheit. Doch was Bo Horvath von der Strafbank aus sah, dürfte ihn anfänglich wenig Nerven gekostet haben, denn den Schweizern gelang für eineinhalb Minuten kaum ein Spielaufbau, doch als sie sich dann festsetzen konnten, trafen sie auch gleich. Einen Weitschuss von Sven Andrighetto konnte der kanadische Torhüter Logan Thompson noch an die Latte lenken, doch Pius Suter stand vor dem Torraum und verwertete die Chance.
In der 15. Minute kamen die Schweizer unverhofft zu einer weiteren Torchance als Devon Toews hinter dem Tor die Scheibe verlor. Suter kam an die Scheibe und auch Nino Niederreiter übte Druck aus, doch Thompson bekam den Puck unter Kontrolle.
«Wir wussten, dass viel Geschwindigkeit und Physis von ihnen kommt. Wir sind gut gestartet, bekamen schnell ein einfaches Powerplay-Tor. Wir kamen zurück auf 1:2, nutzten unsere Chancen aber nicht aus. Für uns gilt es zu lernen auf diesem Tempo zu spielen und zu verteidigen», sagte Fischer.
Die Schweizer konnten nach dem Rückstand auf jeden Fall wieder Selbstvertrauen tanken und nahmen dieses ins Mitteldrittel mit. Dieses Begann mit einem Schweizer Powerplay, nachdem Theodore wegen eins Beinstellens gegen Niederreiter auf die Strafbank geschickt wurde. Die Schweizer hatten ihre Chancen, doch sie trafen nicht. Ganz anders Kanada. Nach dem überstandenen Unterzahlspiel verwertete Macklin Celebrini ein Zuspiel Nathan MacKinnons zum 3:1 in der 25. Minute. Wenig später hatten die Kanadier auch noch ein Powerplay als Michael Fora wegen hohen Stocks auf die Strafbank geschickt wurde, doch die grösste Chance hatte Nico Hischier mit einer Kontermöglichkeit.
Zum sportlichen Unterschied und den Verletzungen stiess auch weiteres Pech hinzu, etwa als Bennett den scheibenführenden Hischier mit dem Stock aufs Visier schlug und die tschechisch-kanadischen (!) Unparteiischen die Einzigen in der Halle zu sein schienen, die es nicht gesehen hatten. Auch Niederreiter sah bei der Strafe gegen ihn wegen Ellbogenchecks nicht glücklich aus, zumal sein Gegenspieler Travis Sanheim seinen Kopf gar theatralisch verzog um das Powerplay herauszuholen. Und dass Glauser und Malgin früh ausschieden, half gegen eine solche Mannschaft gewiss nicht. Die Schweizer liessen sich von all den Widrigkeiten aber nicht unterkriegen und zogen ihr Spiel weiter. Sie verhinderten bis zum Drittelsende weitere Treffer und kamen selbst zur einen oder anderen guten Abschlussmöglichkeit.
Die Schweizer spielten im Schlussdrittel gefällig und liessen die Kanadier zu weniger Chancen kommen, doch auch diese nutzten die Favoriten aus. In der 48. Minute lenkte Crosby einen Schuss von Mitch Marner zum 4:1 ins Tor. Und nach einem Schweizer Powerplay ohne Ausbeute hatte auch MacKinnon noch seinen Treffer zum 5:1.
«Es war ein enges Spiel, aber sie brauchen halt nicht viele Chancen um Tore zu schiessen. Da waren einige der besten Spieler der Welt in einer Linie», sagte der Schweizer Captain Roman Josi.
«Sie machten schnell zwei Tore. Es ist schwierig gegen sie etwas auszulösen. Ich wünschte, dass wir als Team mehr nach vorne gespielt hätten, aggressiver gespielt hätten. Wenn man zu viel verteidigt gegen so ein Team, wird es schwierig. Wir wussten, dass sie hart spielen. Bei ihnen gibt es keine Checker, es sind alle am Checken.»
Kurz vor Schluss musste auch noch Fiala mit einer Verletzung im unteren Körperbereich vom Feld getragen werden nach einem unglücklichen Zweikampf in Bandennähe gegen Tom Wilson. Er musste zur weiteren Untersuchung ins Spital gefahren werden und es sah kaum danach aus, dass er beim Turnier noch Einsätze haben wird. Glauser schied mit Verdacht auf Gehirnerschütterung aus, Malgin musste wegen Schulterproblemen abbrechen.
Bereits am Vortag gegen Tschechien fielen den Kanadiern Gegenspieler zum Opfer, was auch ein nordamerikanischer Journalist gegenüber Crosby bemerkte.
«Wir spielten ziemlich schnell und bekamen das Spiel im zweiten Drittel im Griff. Sie kreierten einige gute Chancen, unser Torhüter hielt uns im Spiel», sagte Crosby über das Spiel und fügte zu den Verletzten an: «Wir möchten physisch spielen. Wir mögen es nicht zu sehen, wenn Spieler ausscheiden, aber wir wollen alle so gut und hart spielen wie wir können. Es war hart zu sehen. Ich hoffe er [Fiala] ist ok.»
Ein solches Spiel ist hart wegzustecken und beeinflusst auch die Kaderstärke für die nächsten Spiele. Doch genau das müssen die Schweizer nun tun bevor sie übermorgen auf Tschechien treffen.
«Vor allem die Ausfälle schmerzen. Morgen gilt es uns zu erholen und gegen die Tschechen anzugreifen», sagte Fischer. «Für uns ist wichtig, dass wir als Mannschaft zusammenbleiben, auch wenn es grad emotional nicht einfach ist. Wir werden morgen aufstehen und Lösungen suchen, damit wir bereit sind.»
Kanada – Schweiz 5:1 (2:1, 1:0, 2:0)
Santagiulia Eishockey-Arena. – 11'510 Zuschauer. – SR: Hribik (CZE) / O’Rourke (CAN), Ankerstjerne (DAN) / Brisebois (CAN).
Tore: 5:45 McDavid (MacKinnon, Makar / Ausschluss Kukan) 1:0. 10:54 Harley (McDavid, Wilson) 2:0. 12:42 Suter (Andrighetto, Kukan / Ausschluss Horvath) 2:1. 24:14 Celebrini (MacKinnon) 3:1. 47:28 Crosby (Marner, Makar) 4:1. 53:03 MacKinnon (McDavid, Celebrini) 5:1.
Strafen: je 3-mal 2 Minuten.
Schüsse aufs Tor: 39:25 (13:10, 14:6, 12:9)
Kanada: Thompson (Ersatz: Kuemper); Makar, Toews; Parayko, Theodore; Doughty, Harley; Sanheim; Wilson, McDavid, Celebrini; Suzuki, MacKinnon, Hagel; Stone, Crosby, Marner; Reinhart, Horvat, Jarvis; Bennett.
Schweiz: Akira Schmid (Ersatz: Genoni); Glauser, Josi; Kukan, Siegenthaler; Marti, Moser; Fora; Meier, Hischier, Fiala; Niederreiter, Malgin, Andrighetto; Thürkauf, Suter, Kurashev; Bertschy, Jäger, Riat; Sandro Schmid.
Bemerkungen: Kanada ohne Morrissey (verletzt), Binnington und Marchand (beide überzählig). Schweiz ohne Berni, Berra und Knak (alle überzählig). – Glauser und Malgin im ersten Drittel verletzt ausgeschieden und nicht mehr eingesetzt. 57. Fiala verletzt ausgeschieden. – 0:45 Pfostenschuss Theodore.
