Schweiz verliert Stalder, dann das Spiel
Finnland
Schweiz
Spielbericht
Die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft nahm sich gegen Finnland viel vor, doch dann verlor sie zuerst Lara Stalder beim Aufwärmen und schliesslich auch das Spiel gegen Finnland. Bereits im Viertelfinale könnte es zu einem Wiedersehen mit den Finninnen kommen.
Die Schweizerinnen fanden nie richtig ins Spiel und hatten 23 Stunden nach dem Spiel gegen die USA auch nicht die Energie um nach einem Zweitorerückstand nochmals ein Comeback zu erzwingen.
«Wir haben uns sicher mehr vorgenommen. Es war sicher nicht unser bestes Spiel. Wir sind zu wenig gelaufen, gaben ihnen Räume. Es ist sicher wichtig, dass wir da einen Schritt machen fürs nächste Spiel», sagte Sinja Leemann.
Der Trainer Colin Muller nahm in der Offensive einige Änderungen vor neben dem Wechsel zu Saskia Maurer im Tor, nachdem Andrea Brändli nachts zuvor ein intensives Spiel hatte. So stellte er Leemann anstelle von Rahel Enzler in den Paradesturm um Alina Müller und Lara Stalder, doch dann verletzte sich Stalder beim Aufwärmen als sie von einem abgelenkten Puck in der Halsgegend getroffen wurde, so dass zum Start zusätzlich Laura Zimmermann in die erste Linie rückte anstelle der Kapitänin.
«Wir fühlten uns nach den letzten Spielen gut, starteten die ersten fünf Minuten schnell und wurden dann passiver», sagte Müller. «Sie [Stalder] ist unser Captain und beste Spielerin. Wenn so jemand ausfällt kurz vor dem Spiel, ist es sicher nicht cool, aber unser Team hielt zusammen. Wir freuen uns, wenn sie wieder zurück ist.»
Die komplett neu gemischten Sturmreihen schienen ihre Wirkung aber nur mässig zu entfalten und der Ausfall der Kapitänin war ein grösserer Schock zum Verkraften. Finnland hatte im ersten Drittel mit 9:5 Schüssen die Oberhand, zwingende Chancen gab es aber auf beiden Seiten selten, so dass das Startdrittel torlos endete. Finnland war in der 14. Minute am nächsten als Maurer einen Schuss von Viivi Vainikka an den Pfosten lenkte.
Das Mitteldrittel begann mit der Schweiz in der Vorwärtsbewegung, wobei Ivana Wey alleine auf die finnische Torhüterin Sanni Ahola losziehen konnte und scheiterte, doch danach kam lange wenig. Im Gegenzug traf Ronja Savolainen den Pfosten. Kurz darauf konnten die Finninnen im ersten Powerplay des Spiels in Führung gehen. Nach einem Querpass zur Mitte von Sanni Vanhanen bezwang Vainikka Maurer zwischen den Schonern. Es war das erste Tor in Mailand für die Finninnen nach 144 gespielten Minuten.
«Wir hatten zwei Spiele nicht getroffen. Es fiel uns ein Stein vom Herzen nach den Toren», sagte Savolainen. «Die ersten Spiele waren nicht gut. Die Krankheit, die uns plagte, bremste uns, aber wir kommen nun zurück.»
Kurz nach ihrem zweiten Powerplay erhöhten die Finninnen zu Spielmitte ihre Führung auf 2:0. Auch diesmal traf eine Stürmerin der hinteren Reihe als die Ambrì-Legionärin Julia Liikala Maurer mit einem Weitschuss in die entfernte Ecke bezwang.
Von den Schweizerinnen war offensiv dagegen wenig zu sehen. Die Pässe waren weniger präzise als jene der Finninnen, sie wirkten weniger spritzig und zu oft ging die Scheibe verloren.
Ein überdeutliches Haken von Petra Nieminen gegen Naemi Herzig in der neutralen Zone gab den Schweizerinnen immerhin die Chance in Überzahl zu spielen, doch im Gegensatz zu ihren Gegnerinnen liessen sie die Möglichkeit ungenutzt. Als Lara Christen nach einem Puckverlust selbst ihre Gegnerin zurückhalten musste, ging es mit einem finnischen Powerplay weiter. Anfänglich jedoch zum Vorteil der Schweizerinnen. Müller konnte Jenni Hiirikoski die Scheibe abluchsen und traf in der 38. Minute im Alleingang zum 1:2. Nur 35 Sekunden später nutzten die Finninnen das Powerplay aber doch noch als Vanhanen nach einem Gestochere eine lose Scheibe zur 3:1-Führung verwerten konnte.
Der Trainer Muller machte nach der Niederlage seinen Ärger über den Spielplan kund. Seinem Team fehlte die Energie, nachdem man gestern Nacht gegen die USA spielte, während Finnland ausgeruht in die Partie stieg. «Schade für die Frauen, sie gaben alles.» Die vielen Strafen und ein ungenügendes Unterzahlspiel trugen das ihre bei.
Das Schlussdrittel begann mit Vorteilen für Finnland, das sich bald dem vierten Powerplay erfreuen durfte. Nutzen konnten sie es diesmal nicht und Michelle Karvinen scheiterte wenig später mit einem Lattenschuss. Als Zimmermann für einen später Bodycheck in die Kühlbox geschickt wurde, kamen die Chancen erneut für Finnland, während das Schweizer Team trotz verschiedenen Kombinationen in den Sturmreihen – gegen Ende führte Müller eine Linie mit Marti und Wey an – nicht auf die Erfolgsspur fand für eine Aufholjagd. Stattdessen blieb es beim 3:1, auch weil ein finnisches Tor, das Elisa Holopainen derart offensichtlich mit der Hand ins Tor lenkte, dass es in der Wiederholung vom Publikum mit einem Schmunzeln quittiert wurde.
So endete ein Abend, der nicht zu Schweizer Gunsten begann, auch nicht zu Schweizer Gunsten. Doch bereits in wenigen Tagen könnte es zu einem Wiedersehen kommen. Sofern Finnland im Nachtragespiel gegen Kanada übermorgen kein Wunder schafft, wird Tschechien die Gruppe auf dem dritten Rang beenden (und im Viertelfinale auf Schweden treffen) gefolgt von Finnland und der Schweiz. Damit würden Finnland und die Schweiz am Freitag oder Samstag im Viertelfinale wieder aufeinandertreffen.
«Wir sind bereit fürs Viertelfinale. Es wird ein ganz anderes Spiel geben», zeigte sich Müller zuversichtlich. «Wir zeigten in den ersten drei Spielen, dass wir super Hockey spielen können und eine Chance haben gegen Finnland. Jetzt müssen wir runterfahren, erholen und dann wieder Vollgas geben.»
Damit stimmte sie ein, was die meisten Spielerinnen denken. Die Stimmung war nach dem Spiel gedrückt, dem Optimismus tat dies aber keinen Abbruch. «Wir müssen die Beine mehr bewegen. Sie sind eine schnelle Mannschaft. Wir müssen vorne mehr Aspekte setzen», sah Leemann das Verbesserungspotenzial.
Für die Schweizerinnen stehen nun mindestens zwei Tage Spielpause auf dem Programm. An Erholung sollte es das nächste Mal also nicht mangeln. Für Muller wäre Finnland der bevorzugte Gegner. «Wenn Lara zurückkommt und wir mehr Biss zeigen, ist alles möglich», sagte der Trainer.
Finnland – Schweiz 3:1 (0:0, 3:1, 0:0)
Rho Eishockey-Arena. – 3790 Zuschauer. – SR: Hiller (USA) / Mantha (CAN), Todd (CAN) / Welsh (CAN).
Tore: 23:33 Vainikka (Vanhanen, Nieminen / Ausschluss Büchi) 1:0. 29:50 Liikala (Nylund, Vesa) 2:0. 37:00 Müller (Ausschluss Christen!) 2:1. 37:35 Vanhanen (Karvinen, Schalin / Ausschluss Christen) 3:1.
Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Finnland, 5-mal 2 Minuten gegen die Schweiz.
Schüsse aufs Tor: 31:15 (9:5, 13:6, 9:4)
Finnland: Ahola (Ersatz: Kyrkkö); Laitinen, Rantala; Savolainen, Suoranta; Karjalainen, Hiirikoski; Yrjölä; Kuoppala, Nieminen, Karvinen; Nuutinen, Tulus, Vainikka; Holopainen, Vanhanen, Schalin; Vesa, Nylund, Liikala.
Schweiz: Maurer (Ersatz: Brändli); Christen, Baechler; Büchi, Vallario; Sigrist, Wetli; Mériguet; Zimmermann, Müller, Leemann; Marti, Wey, Enzler; Lutz, Herzig, Balzer; Quennec, Rüedi, Schaefer.
Bemerkungen: Finnland ohne Tapani (verletzt). Schweiz ohne Stalder (verletzt) und Wagner (überzählig). – 14. Pfostenschuss Vainikka. 21. Pfostenschuss Savolainen. 45. Lattenschuss Karvinen. 51. Pfostenschuss Holopainen. – 59:06 Handtor von Holopainen aberkannt. – Schweiz ab 59:21 ohne Torhüterin.
