Später Einbruch gegen die USA

Von Martin Merk
Schweiz
0
0 - 0 - 0
USA
5
1 - 1 - 3
09.02.2026
long.fra
0:1‧0:1‧0:3
Spielbericht

Gegen die favorisierten USA konnten die Schweizerinnen zwei Drittel mithalten und zeitweise mitgestalten, brachen aber im Schlussdrittel ein und verloren 0:5.

Die Schweizerinnen stiegen mutig in die Partie und gestalteten die ersten Minuten der Partie mit. Waren sie gegen Kanada fast gänzlich mit Abwehrarbeit beschäftigt, so erschienen die USA nicht wie von einem anderen Stern.

«Wir hatten noch nie 21 Schüsse gegen die USA. Gegen Kanada machten wir offensiv zu wenig, hatten nicht so viel Selbstvertrauen. Heute haben wir überrascht», sagte der Trainer Colin Muller.

Gleichzeitig mussten die Schweizerinnen aufpassen nicht übermütig und defensiv nachlässig zu sein, etwa als Taylor Heise in der 5. Minute zu einem Konter loslaufen konnte, doch die Torhüterin Andrea Brändli, die nach einer Noroviruserkrankung erstmals spielte, war zur Stelle. Sie wehrte zum Auftakt 45 von 50 Schüssen ab.

«Gegen Kanada und die USA sind es anstrengende Spiele, aber auch sehr coole. Man weiss, dass man keine Zeit für irgendwas hat. Man muss reagieren. Das habe ich ab und zu noch gerne. Es ist schön so ins Turnier zu starten», sagte Brändli.

Eine Minute später war es dann aber doch so weit. Nach einem schnellen Pass Caroline Harveys zur Mitte traf Haley Winn zur amerikanischen Führung.

Die Schweizerinnen hatten wie gegen Kanada hart zu kämpfen, versuchten sich aber auch ihre Momente zu erspielen. Nahe am Ausgleich waren sie als Lara Stalder in der 10. Minute alleine auf weiter Flur in einem Bandenkampf gegen zwei Amerikanerinnen den Puck erobern konnte. Die Scheibe kam zu Ivana Wey, deren Weitschuss an den Pfosten landete.

Die nächste Chance erbot sich wenige Minuten später als Rory Guilday Wey in der Angriffszone ungestüm von den Beinen holte, doch die Torgefahr in den zwei Minuten Überzahlspiel hielt sich in Grenzen. Die grösste Chance ergab sich nach eine Zuspiel Weys auf Rahel Enzler, doch die amerikanische Torhüterin Gwyneth Philips war zur Stelle. Auf der anderen Seite war Hilary Knight kurz vor Drittelsende dem 2:0 nahe als sie bei einem Gerangel die Scheibe versuchte über Brändlis Schoner zu hieven, doch sie senkte sich zu rasch.

«Wir haben offensiv mehr kreiert. Wir haben nach dem Spiel gegen Kanada einen Schritt gemacht. Es hätte auch ein Tor reingehen können, dann wärs 1:1. Gegen Kanada hatten wir sechs Schüsse, heute 20», sagte Stalder. «Wir können viel Gutes mitnehmen. Wir haben uns gut geschlagen, die Lücke zu ihnen wird kleiner.»

Die Amerikanerinnen bekamen das Spiel im Mitteldrittel besser in Griff, liessen die Schweizerinnen weniger gewähren und gewannen die Anspiele für sich. In der 35. Minute, kurz nach einer vereitelten Chance von Alina Müller, konnten sie die Führung erhöhen als sich Laila Edwards gegen die Schweizer Abwehr durchtanken konnte. Shannon Sigrist nahm den Puck hinter dem Tor, doch Joy Dunne kam an die Scheibe und schoss sie via den Schlittschuh von Stefanie Wetli ins Netz. Die Schweizerinnen hatten kurz vor der Pause noch Chancen in einem Überzahlspiel, doch es blieb beim 0:2-Rückstand.

Hoffnungen fürs Schlussdrittel machten die Amerikanerinnen bereits mit ihrer ersten Chance zunichte. Auf Zuspiel Heises traf Hannah Bilka unmittelbar vor dem Tor. Eineinhalb Minuten später traf Hayley Scamurra auf ihren eigenen Abpraller hin zum vermeintlichen 4:0, doch ein Coach’s Challenge der Schweizer war erfolgreich, denn Dunne hatte mit einem Check die Torhüterin Brändli ausser Gefecht gesetzt.

Im Gegenzug kamen Stalder und Lara Zimmermann bei Kontermöglichkeiten zu guten Chancen. Auf der anderen Seite konnte Alex Carpenter entwischen und erzielte in der 47. Minute doch noch den vierten Treffer für die USA. Eine Minute später umspielte Harvey die Schweizer Torhüterin zum 5:0.

«Wir wurden im Laufe des Spiels stärker. Manchmal ging es nicht wie wir wollten, aber wir finden immer einen Weg», sagte die amerikanische Verteidigerin Edwards.

Wie schon gegen Kanada schienen die Kräfte bei den Schweizerinnen gegen einen solchen Gegner nicht für die gesamten 60 Minuten zu reichen.

«Es ist ein super Gegner. Sie haben vier Linien, die bei uns die erste Linie sein könnte. Wenn man ihnen am Schluss den Raum gibt, machen sie die Tore», sagte Stalder.

Morgen Abend (21:10) treffen die Schweizerinnen in einem Spiel um den dritten Gruppenrang auf Finnland. Bei einem Sieg würde im Viertelfinale ein Duell mit Schweden aus der Gruppe B winken, bei einer Niederlage käme es im Viertelfinale wahrscheinlich zu einem baldigen Wiedersehen mit Finnland. Die Schweizerinnen haben es damit selbst in die Hand, wie es weitergeht und auf wen sie treffen.

«Wir hatten nun die harten Spiele, nun kommen jene, die wir gewinnen müssen», sagte Muller.

Schweiz – USA 0:5 (0:1, 0:1, 0:3)

Santagiulia Eishockey-Arena. – 11’132 Zuschauer. – SR: Kainberger (Ö) / Neary (CAN) / Gutauskas (CAN) / Saarimäki (FIN).

Tore: 6:04 Winn (Harvey, Knight) 0:1. 34:08 Dunne 0:2. 41:17 Bilka (Heise, Harvey) 0:3. 46:34 Carpenter (Knight, Dunne) 0:4. 47:42 Harvey (Carpenter, Dunne) 0:5.

Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 2-mal 2 Minuten gegen Finnland.

Schüsse aufs Tor: 21:50 (6:18, 9:19, 6:13)

Schweiz: Brändli (Ersatz: Maurer); Christen, Baechler; Mériguet, Vallario; Sigrist, Wetli; Büchi; Stalder, Müller, Enzler; Zimmermann, Wey, Marti; Lutz, Leemann, Schaefer; Quennec, Herzig, Balzer; Rüedi.

USA: Philips (58:12 McNaughton); Edwards, Keller; Winn, Harvey; Barnes, Stecklein; Guilday; Bilka, Carpenter, Knight; Murphy, Heise, Curl; Zumwinkle, Pannek, Coyne; Simms, Janecke, Dunne; Scamurra.

Bemerkungen: Schweiz ohne Wagner (überzählig). – 10. Pfostenschuss Wey. – 42:52 Tor von Scamurra nach Coach’s Challenge aberkannt.

Resultat:

0:5