Kämpferische Schweizerinnen unterliegen Kanada
Schweiz
Kanada
Spielbericht
Das Schweizer Frauen-Nationalteam konnte Kanada lange ärgern und liess zwei Drittel lang alles offen ehe die Kanadierinnen sich im Schlussdrittel doch noch standesgemäss durchsetzen und 4:0 gewinnen konnten.
Nach einem torlosen Drittel lagen die Schweizerinnen nach 40 Minuten «nur» 0:1 zurück. Es schien noch alles offen, auch wenn die Offensivbemühungen keinen Ausgleichstreffer erahnen liessen. Die Schweizerinnen verteidigten lange gut und versuchten physisch dagegen zu halten. Spielerisch, im Spiel mit der Scheibe, im Tempo und Präzision waren sie den Kanadierinnen aber deutlich unterlegen und mussten ihnen das Spieldiktat überlassen. Erst im Schlussdrittel folgte nach Gegentreffern in Unterzahl der Einbruch bis hin zur 0:4-Niederlage.
«Am Anfang kamen wir nichts ins Spiel rein, konnten aber später besser dagegenhalten. Eine Zeit lang nahmen wir viele Strafen und stellten uns selbst ein Bein. Wir kassierten Tore und es nahm uns das Momentum», sagte die Verteidigerin Lara Christen, die mit 25:48 am meisten Eiszeit erhielt. Es sei aber eine Leistung, auf die man aufbauen könne.
Aufgrund des Spielausfalls wegen den Erkrankungen bei Finnland stieg Kanada erst an diesem dritten Spieltag ins Turniergeschehen ein. Die Schweizerinnen spielten 28 Stunden nach ihrem wichtigen Sieg gegen Tschechien wieder und traten dabei in der gleichen Aufstellung an. In Abwesenheit von Andreas Brändli, die nach ihrer überstandenen Noroviruserkrankung sicherheitshalber fernblieb, hütete Saskia Maurer erneut das Tor. Sie wehrte 51 von 55 Torschüssen (92,7%) ab, nachdem sie bereits gestern gegen Tschechien viel Arbeit hatte (33 von 36 abgewehrte Schüsse, 91,7%) und konnte ihr Team lange im Spiel halten.
«Es war ein gutes Spiel. Wir kämpften von Anfang an und waren nahe dran. Falls eine unserer Chancen reingegangen wäre, hätte es vielleicht anders ausgesehen. Wir haben füreinander gekämpft und daran geglaubt», sagte Maurer. «Ich bin sicher müde, aber wir haben morgen kein Spiel, daher war es völlig ok.»
Das Spiel begann wie viele dieser Duelle mit Einbahnhockey und Druck auf das Schweizer Tor. Nach fünf Minuten zählte das Statistik-Team bereits 8:0 Schüsse aufs Tor für Kanada. Wäre das Spiel so weitergegangen, hätten die Kanadierinnen bis zum Spielschluss hochgerechnet 96 Schüsse aufs Tor verzeichnet.
Ganz so schlimm wurde es zwar nicht, doch hing lange eher die Frage in der Luft wann als ob die Kanadierinnen in Führung gehen würden. Richtig gefährlich wurde es aber erst nach rund neun Spielminuten als Brianne Jenner rechts angespielt frei zum Schuss kam, doch Maurer machte die Ecke zu. Eine Minute später tauchten schliesslich auch die Schweizerinnen erstmals vor dem kanadischen Tor auf als Ivana Wey versuchte Alina Marti mit einem Seitenpass zu bedienen.
Danach spielten die Kanadierinnen phasenweise mit fünf Gegenspielerinnen quasi in Powerplay-Formation. Sarah Nurse brachte nach elf Spielminuten die Scheibe erstmals ins Tor, doch bei ihrem Ablenker in der Luft war der Stock derart hoch, dass niemand auf ein Videostudium pochte als die Unparteiischen abwinkten.
In der 16. Minute kam Rahel Enzler fast etwas unverhofft ins kanadische Drittel, doch die Kanadierinnen waren schnell genug zur Stelle um einen Abschlussversuch zu stören.
Brenzlig wurde es zum Schluss als Marti die erste Strafe des Spiels kassierte als ein Check in die Bande als regelwidrig taxiert wurde. Wenig später rauften sich Lara Stalder und Daryl Watts vor dem Schweizer Tor und mussten ebenfalls in die Kühlbox.
Die Schweizerinnen überstanden die Strafe, die noch ins Mitteldrittel hinein ging, doch als danach auch Alina Müller wegen eines Bodychecks in die Kühlbox musste, gingen die Kanadierinnen nach 18 Sekunden in Führung. Die als 13. Stürmerin aufgestellte Veteranin Natalie Spooner stocherte nach zum 1:0.
«Wir spielten wirklich solide 60 Minuten und manchmal und manchmal braucht es Zeit um ein Tor zu erarbeiten. Gratulation ihrer Torhüterin. Es war eine phänomenale Leistung», lobt die Kanadierin Jenner. «Wir wissen, dass sie ein gefährliches Team sind und Kontergelegenheiten nutzen. Sie zeigen gute Ansätze und wir können hier kein Spiel locker nehmen. Wir machten einen guten Job.»
Damit standen die Schweizerinnen vor einer schwierigen Aufgabe, hatten sie doch bislang selten Torgefahr kreieren können. Doch sie wurden mutiger und in der 34. Minute konnte Sinja Leemann entwischen. Es war der erste Torschuss des Drittels und der dritte des Spiels, doch Emerance Maschmeyer wehrte ab und mehr schaute vor der Pause nicht heraus.
«Wir wissen, dass Kanada eines der besten Teams ist und dass es ein hartes Spiel würde mit viel Arbeit in der Defensive», sagte Maurer. «Wir taten einen guten Job in der Defensive und kreierten ein paar gute Chancen. Wenn wir eine der Chance nutzen würden, wäre das Spiel unterschiedlich.»
Das Schlussdrittel begann zu Kanadas Gunsten als Ivana Wey eine hart ausgesprochene Strafe wegen Bandenchecks erhielt, doch die Schweizerinnen hielten dagegen und erlaubten wenig Abschlüsse. Doch Wey musste wegen Bandenchecks erneut in die Strafbank und diesmal trafen die Kanadierinnen nach nur fünf Sekunden als Sarah Fillier rechts vom offenen Tor frei zum Schuss kam.
Im Gegenzug erhielten auch die Schweizerinnen ihr erstes Powerplay, zu Abschlussversuchen kam es aber kaum und beinahe traf im Gegenzug Blayre Turnbull als sie von der Strafbank zurückkam. Eine weitere Strafe gegen Nicole Vallario wegen Beinstellens gegen Turnbull verhinderte vorerst weitere Schweizer Bemühungen. Stattdessen bezwang Julia Gosling bei verdeckter Sicht Maurer zum 3:0.
«Ich fand die Strafen merkwürdig. Sie wollten nichts gegen Kanada pfeifen und wir bekamen in ähnlichen Situationen Strafen», sagte der Trainer Colin Muller. «Es muss nun einfach weitergehen und wir müssen schneller spielen. Gegen die USA wird es genauso hart wie heute, wenn nicht noch härter. Auf dem kleinen Eisfeld ist es gegen Kanada schwierig für uns. Sie sind mit dem Stock immer am richtigen Ort.»
Das Spiel war jedenfalls gelaufen und die Kanadierinnen kamen einfacher zum Abschluss. Watts erhöhte drei Minuten vor Schluss mit einem Schuss ins hohe Eck zum 4:0-Endstand.
So kam es zum Schluss zu dem, was man als ehrenvolle Niederlage bezeichnen darf. Die Schweiz konnte im Frauenhockey noch nie gegen Kanada gewinnen. Von den bisherigen fünf Partien an Olympischen Spielen waren alles Kanterniederlage bis auf eine 1:3-Niederlage 2014. Bei der Frauen-WM lauteten die Resultate seit der letzten Olympiade 0:4, 0:3, 1:5, 0:4, 1:8 und 1:4. Die Schweizerinnen waren lange nahe dran das beste Resultat der Geschichte zu erzielen und blieben bei fünf gegen fünf Feldspielerinnen während 56 Minuten unbezwungen, doch mehr lag resultatmässig trotzdem nicht drin als in den vergangenen Jahren.
Nach einer wohlverdienten Pause erhalten die Schweizerinnen am Montag eine nicht minder schwierige Aufgabe gegen die USA. Am Dienstag folgt das letzte Gruppenspiel gegen Finnland, wo es für die Schweiz um den dritten Gruppenrang gehen dürfte.
Schweiz – Kanada 0:4 (0:0, 0:1, 0:3)
Rho Eishockey-Arena. – 3885 Zuschauer. – SR: Cooke (USA) / Kainberger (Ö), Buckner (USA) / Saarimäki (FIN).
Tore: 27:02 Spooner (Poulin, Fillier / Ausschluss Müller) 0:1. 44:03 Fillier (Fast, Watts / Ausschluss Wey) 0:2. 53:36 Gosling (Ambrose, Thompson / Ausschluss Vallario) 0:3. 56:44 Watts (Nurse, Thompson) 0:4.
Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 2-mal 2 Minuten gegen Kanada.
Schüsse aufs Tor: 6:55 (2:17, 1:13, 3:25)
Schweiz: Maurer (Ersatz: Wagner); Christen, Baechler; Mériguet, Vallario; Sigrist, Wetli; Büchi; Stalder, Müller, Enzler; Zimmermann, Wey, Marti; Lutz, Leemann, Schaefer; Quennec, Herzig, Balzer; Rüedi.
Kanada: Maschmeyer (Ersatz: Osborne); Fast, Larocque; Ambrose, Shelton; Jaques, Thompson; Tabin; Stacey, Poulin, Gosling; Fillier, Nurse, Watts; Clark, Turnbull, Maltais; Jenner, O’Neill, Gardiner; Spooner.
Bemerkungen: Schweiz ohne Brändli (krank). – 11:00 Tor von Nurse wegen hohen Stocks aberkannt.
