Schweiz kämpft sich gegen Tschechien zurück

Von Martin Merk
Tschechien
3
2 - 0 - 1
Schweiz
4
1 - 0 - 2
06.02.2026
long.fra
2:1‧0:0‧1:2
Spielbericht

Die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft ist in einem zum Schluss nervenzerreibenden Spiel gegen Tschechien siegreich gestartet. Ivana Wey traf im Penaltyschiessen zum 4:3-Sieg.

Die Schweizerinnen gerieten durch teilweise nicht zwingenden Gegentreffern 1:3 in Rückstand, konnten aber in der Schlussphase ausgleichen und sich in der achten Runde des Penaltyschiessens schliesslich durchsetzen.

Der Trainer Colin Muller lobte speziell die jungen Stürmerinnen wie Wey und Naemi Herzig, die neben den ebenfalls auffälligen Offensivstars wie Alina Müller und Lara Stalder auffielen. Die 20 Jahre alte Wey traf im Penaltyschiessen gleich doppelt.

«Ich fühlte mich erleichtert als es reinging. Die Tschechinnen führten 3:1 und dachten wohl, dass es am Schluss etwas einfacher würde. Wir haben uns gut zurückgekämpft, nachdem wir ihnen die ersten beiden Tore geschenkt hatten», sagte Muller.

«So ein Spiel zu gewinnen tut uns gut. Es war knapp und es war ein riesiger Teameffort. Es ist ein tolles Gefühl. Wir haben immer daran geglaubt, auch als wir ein oder zwei Tore hinten waren. Wir standen zusammen und es ging in die richtige Richtung», sagte die Siegesschützin Wey.

«Von Beginn an spielten wir nicht, wie wir spielen wollten und wie wir gestern spielten», sagte die Tschechin Tereza Plosova. «Es ist härter zu spielen, wenn man gestern gespielt hat, aber es sind die Olympischen Spiele. Alle haben die gleichen Bedingungen. Wir müssen darauf vorbereitet sein. Heute waren wir es nicht.»

Es war aber ein langer, harziger Weg zum Sieg gegen eine Nation, die sich im Frauenhockey stark entwickelt und zuletzt die Schweiz überholt hat. Die Tschechinnen gingen nach nur 92 Sekunden in Führung. Den Schuss von Adela Sapovalivova konnte Saskia Maurer, die etwas überraschend den Vorzug gegenüber Andrea Brändli im Tor erhielt, abblocken, die Scheibe aber nicht unter Kontrolle bringen, worauf Kristyna Kaltounkova abstaubte.

«Andrea war heute nicht 100 Prozent, sie wird aber sicher in einem der nächsten beiden Spiele spielen», sagte Trainer Muller etwas kryptisch, ohne ins Detail gehen zu wollen. Maurer konnte sich aber steigern und wehrte zum Schluss 33 von 36 Schüssen (91,7%) ab. «Saskia war unglaublich und hat uns immer im Spiel gehalten und wir konnten uns zurückkämpfen», sagte ihre Abwehrkollegin Lara Christen.

Die Schweizerinnen liessen nach dem frühen Gegentreffer nicht locker und hatten anfänglich mehr Chancen. In der 8. Minute schaffte Laura Zimmermann mit einem vor der blauen Linie abgefangenen Puck den Ausgleich und bezwang die tschechische Torhüterin Michaela Hesova stilsicher. Die Freude hielt jedoch nur von kurzer Dauer als Natalie Mlynkova durch eine Lücke in der Schweizer Hintermannschaft ideal angespielt an die Scheibe kam und diese zur erneuten Führung versenkte.

Der tschechische Führungstreffer schien den Schweizerinnen etwas Wind aus den Segeln zu nehmen, auch wenn Alina Müller 20 Sekunden vor Ende des Startdrittels noch den Aussenpfosten traf. Die Tschechinnen hatten aber lang mehr vom Spiel ehe sich die Schweizerinnen im Laufe des Mitteldrittels steigerten und öfters zum Abschluss fanden.

Naemi Herzig kreierte dabei eine gute Chance mit einer Puckeingabe zur Mitte, doch Kaleigh Quennec kam nicht richtig an die Scheibe. Zum Drittelsende hatten die Schweizerinnen ein Powerplay mit einer guten Chance von Stalder, doch sie sah ihren Schuss ebenso abgewehrt wie Rahel Enzler im Nachschuss.

Im Schlussdrittel mussten die Schweizerinnen zum Start eine Unterzahlsituation überstehen, gerieten dann aber in der 47. Minute in Rückstand als sie nicht befreien konnten. Lena Marie Lutz verlor die Scheibe an Plosova, welche das Geschenk zur 3:1-Führung annahm.

Ein Powerplay gab den Schweizerinnen kurz darauf neue Hoffnung und in der 50. Minute verkürzte Müller auf einen Querpass Weys den Rückstand auf ein Tor.

Die Schweizerinnen bekundeten aber Mühe näher ranzukommen, die Tschechinnen standen defensiv gut, doch zweieinhalb Minuten vor Schluss war das Glück doch noch auf ihrer Seite als ein Weitschuss Christens reinging zum vielumjubelten 3:3-Ausgleich.

«Ich bekam den Puck an der blauen Linie, die Schusslinie war offen und ich schoss und sah wie er reinging», sagte Wey. Sie sicherte den Schweizerinnen mindestens einen Punkt, doch die Frauennati wollte noch mehr.

In der Verlängerung mit drei gegen drei Feldspielerinnen gestanden sich die beiden Teams nur wenige Abschlussmöglichkeiten zu und manchmal fehlte auch die Präzision um einen Überraschungsmoment zu kreieren.

So musste das Penaltyschiessen entscheiden und der Zusatzpunkt ging an die Schweiz. Die Starstürmerinnen beider Teams kamen zum Zuge, wobei Stalder, Müller und Wey trafen ehe Alina Marti und Herzig scheiterten, womit auch das Penaltyschiessen in die Verlängerung musste. Dort traf Wey in der achten Runde zum Sieg, während die Tschechinnen scheiterten.

«Ich fühlte mich erleichtert. Ich machte lange keinen Penaltyschuss rein in der Nati und jetzt auf dieser Bühne gleich zwei. Ich bin sehr froh, dass ich dem Team helfen konnte das Spiel zu gewinnen», sagte Wey.

Es war ein spezieller Auftakt für die Schweizerinnen, gerade wenn man an die letzten Begegnungen bei Weltmeisterschaften gegen Tschechien denkt: 0:7, 0:3, 1:6, 2:3, 2:5, 2:4. Der letzte Sieg lag 2017 zurück. Seit die Tschechinnen zur Spitzengruppe aufschlossen, konnte die Schweiz kein Mittel gegen sie finden. Bis heute in einem Spiel mit vielen Emotionen und toller Stimmung vor fast 9000 Fans in der neugebauten Mailänder Santagiulia Eishockey-Arena.

«Es ist speziell hier, auch weil wir so nahe zur Schweiz sind und es so viele Zuschauer hat. Wir haben sonst im Frauenhockey leider nicht so viele Zuschauer», sagte etwa Nicole Vallario.

Vor dem Spiel wurden die Schweizerinnen zudem vom Bundespräsidenten Guy Parlemin angeneizt, der dem Team eine Ansprache hielt.

Trotz der Emotionen im Spiel blieben die Schweizerinnen nach dem Spiel aber nüchtern.

«Es ist erst das erste Spiel, es geht noch lange und dann kommt das Viertelfinale», sagte Christen. «Aber es war schon speziell. Viele von uns sind sich nicht gewohnt, dass so viele Leute zuschauen.»

Nach dem Spiel ging es schnurstracks zur Eröffnungszeremonie und am Samstagabend treffen die Schweizerinnen auf Kanada.

Tschechien – Schweiz 3:4 (2:1, 0:0, 1:2, 0:0, 0:1) n.P.

Santagiulia Eishockey-Arena. – 8927 Zuschauer. – SR: Henriksson (SWE) / Hiller (USA), Clarke (CAN) / Zach (CAN).

Tore: 1:32 Kaltounkova (Sapovalivova, Hymlarova) 1:0. 7:16 Zimmermann 1:1. 8:33 Mlynkova (Mrazova) 2:1. 46:09 Plosova 3:1. 49:33 Müller (Wey, Stalder / Ausschluss Trnkova) 3:2. 57:40 Christen (Enzler, Müller) 3:3.

Penaltyschiessen: Stalder 0:1, Mrazova 1:1; Müller 1:2, Mlynkova scheitert; Wey 1:3, Hymlarova 2:3; Marti verschiesst, Pistekova verschiesst; Herzog scheitert, Sapovalivova 3:3; Mrazova scheitert, Müller verschiesst; Hymlarova scheitert, Stalder scheitert; Sapovalivova scheitert, Wey 3:4.

Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Tschechien, 1-mal 2 Minuten gegen die Schweiz

Schüsse aufs Tor: 36:30 (16:9, 6:12, 11:6, 3:3)

Tschechien: Hesova (Ersatz: Peslarova); Neubauerova, Pejsova; Trnkova, Tejralova; Laskova, Cajanova; Seroiszkova; Mlynkova, Mrazova, Vanisova; Plosova, Pistekova, Krizova; Hymlarova, Kaltounkova, Sapovalivova; Vocetkova, Pribylova, Jurickova.

Schweiz: Maurer (Ersatz: Wagner); Christen, Baechler; Mériguet, Vallario; Sigrist, Wetli; Rüedi, Büchi; Stalder, Müller, Enzler; Zimmermann, Wey, Marti; Luth, Leemann, Schaefer; Quennec, Herzig, Balzer.

Bemerkungen: Schweiz ohne Brändli (überzählig). – 19:40 Pfostenschuss Müller. – 64:37 Time-out Tschechien.

Resultat:

3:4 nP