Italien schreibt Eishockey-Geschichte
Italien
Frankreich
Spielbericht
Das italienische Frauen-Nationalteam schreibt Eishockeygeschichte mit ihrem ersten Sieg an den Olympischen Spielen: 4:1 gegen Frankreich.
In Turin 2006 waren die Italienerinnen chancenlos, in Mailand gewannen die Weltranglisten-18. überraschend gegen Frankreich (15.) 4:1 getragen von einer lautstarken Kulisse von 9356 Zuschauern.
Frankreich erwischte den besseren Start und ging im ersten Drittel durch Gabrielle de Serres in Überzahl in Führung (10.). Doch die Italienerinnen ließen sich davon nicht beirren. Nur eine Minute später glich Kayla Tutino zum 1:1 aus – ein psychologisch wichtiger Treffer, der dem Spiel sofort eine neue Richtung gab.
«Wir haben versucht, ruhig zu bleiben», erklärte Kristin Della Rovere später. «Diese Reaktion zeigt, wie stabil und selbstbewusst wir sind – egal ob wir führen oder zurückliegen.»
Im zweiten Drittel wurde Italiens Dominanz zunehmend sichtbar. Rebecca Roccella brachte ihr Team in der 36. Minute erstmals in Führung.
Cheftrainer Eric Bouchard sah sein Team voll im Soll: «Wir haben unserer Vorbereitung vertraut. Die letzten drei Monate waren extrem wichtig für diese Mannschaft. Wir wollten bei unserem Spiel bleiben – schnelles, italienisches Hockey.»
Zu Beginn des Schlussdrittels sorgte die erst 19-jährige Matilde Fantin für die Vorentscheidung. Ihr Treffer zum 3:1 nur 14 Sekunden nach dem Anspiel war der Lohn eines mutigen Auftritts. «Ich bin unglaublich stolz auf sie», schwärmte Della Rovere. «Sie spielt mit so viel Selbstvertrauen. Sie ist auf dem Weg, eine der besten Spielerinnen der Welt zu werden.»
Den emotionalen Höhepunkt setzte schliesslich Della Rovere selbst. In der 45. Minute traf sie nach Vorlage von Anna Caumo zum 4:1-Endstand.
«Es war unglaublich. Ich werde gerade selbst ein bisschen emotional», sagte Della Rovere. «Ich bin so stolz auf diese Gruppe. Wir haben uns jede Sekunde davon verdient. Die Fans, die Stimmung – das war etwas ganz Besonderes.»
Sowohl Spielerinnen als auch Trainer betonten die Bedeutung der Fans. Fantin sprach von einem «einzigartigen Gefühl», Bouchard nannte den Heimvorteil «unfassbar». «Wir haben diese Energie gespürt», so der Trainer. «Und wir sind glücklich, dass wir den Sieg holen konnten.»
Auf französischer Seite überwog die Ernüchterung. Lore Baudrit zeigte sich selbstkritisch: «Es ist enttäuschend. So, wie Frankreich spielen sollte, haben wir heute nicht gespielt.» Der Blick gehe nun nach vorn, denn bereits am nächsten Tag wartet das nächste Spiel.
Trotz des historischen Sieges will Italien nicht abheben. «Das ändert für uns gar nichts», betonte Bouchard mit Blick auf das nächste Spiel gegen Schweden. «Wir bleiben im Moment, halten uns an unseren Plan und spielen unser Hockey.»
Italien – Frankreich 4:1 (1:1, 1:0, 2:0)
Santagiulia Eishockey-Arena. – 9356 Zuschauer. – SR: Cooke (CAN) / Mantha (CAN), Cameron-Ward (USA) / Gutauskas (CAN).
Tore: 9:42 De Serres (Rozier / Ausschluss Stocker) 0:1. 10:42 Tutino (Mattivi) 1:1. 35:17 Roccella (Della Rovere, Lobis) 2:1. 40:14 Fantin 3:1. 44:59 Della Rovere (Caumo) 4:1.
Strafen: je 3-mal 2 Minuten
Schüsse fürs Tor: 46:15 (22:4, 12:7, 12:4)
Italien: Fedel (Ersatz: Durante); Stocker, Mattivi; Fortino, Lobis; Varano, Guerriero; Pierri; Abatangel, Fantin, Reyer; Caumo, Della Rovere, Roccella; Mazzocchi, Tutino, Heidenberger; Bonafini, Niccolai, Kaneppele; Saletta.
Frankreich: Philbert (Ersatz: Mameri); Zilliox, Leclerc; Villiot, Quarto; de Serres, Pelissou; Berger; Huot-Marchand, Duvin, Rozier; le Scodan, Barbirati, Aurard-Bushee; Peyne-Dingival, Baudrit, Boudin; Galbrun, Mesplede, Nonnenmacher; Simon.
