Philip Wüthrich hext Ambri in Bern zum Sieg

Von Roman Badertscher
SC Bern
0
0 - 0 - 0
HC Ambrì-Piotta
1
0 - 0 - 0
09.01.2026
National League
0:0‧0:0‧0:0
Spielbericht

Der SC Bern blieb trotz Chancen gegen Ambri erneut über die gesamte Spielzeit torlos. Nicht einmal mehr das Penaltyschiessen ist Berns Paradedisziplin.

1. Drittel

Der SC Bern startete offensiv verhalten in die Partie am nationalen Trauertag nach der Silvesterkatastrophe in Crans-Montana. Vor Spielbeginn gedachten beide Teams den Opfern und Hinterbliebenen mit einer Schweigeminute.

Nach dem ersten Bully kamen die Berner zwar zu den ersten Abschlüssen auf Ambri-Goalie Philip Wüthrich, doch die gefährlichere Aktion gehörte den Gästen. Nach etwas mehr als fünf Minuten kam Ambri-Piotta bei einem schnellen Gegenangriff dem Führungstreffer nahe.

Adam Reideborn verhinderte mit einer starken Parade Schlimmeres für den SCB. Die Hausherren blieben bemüht und agierten gegen Ende des Drittels etwas einfacher und geradliniger als zuvor. Ein offensives Feuerwerk blieb jedoch aus. Die Frage war, ob sich dies im Mittelabschnitt ändern würde.

2. Drittel

Das erste echte Offensivzeichen im Mittelabschnitt setzte allerdings Ambri. Nach einem Zuspiel von Verteidiger Tim Heed kam Topskorer DiDomenico allein vor Reideborn zum Abschluss, doch der schwedische Goalie parierte souverän mit der Fanghand und bestätigte damit seine Rolle als bisher bester Berner auf dem Eis.

In der 28. Minute startete die Merelä-Linie einen Konterversuch, doch der Angriff verpuffte hinter dem Tor. Ab Spielhälfte entwickelte sich dann erstmals ein ganz kurzer offener Schlagabtausch, in dem sich beide Torhüter ein paar Mal auszeichnen konnten.

Eine Strafe gegen Daniele Grassi nach einem Beinstellen gegen Fabian Ritzmann in der 33. Minute hätte dem SCB zusätzlichen Offensivschwung verleihen können. Doch abgesehen von einem Abschluss von Victor Ejdsell blieb das Powerplay harmlos. Zudem nahm sich Bern durch ein unnötiges Beinstellen von Marc Marchon selbst den Rhythmus, sodass es mit 4 gegen 4 in der eigenen Zone weiterging.

In der 37. Minute bot sich dem SCB eine grosse Möglichkeit bei einem 2-gegen-1-Konter über Topskorer Ejdsell. Doch statt selbst den Abschluss zu suchen, entschied er sich für den zusätzlichen Pass. Die Situation war sinnbildlich für ein Grundproblem der Berner. Aus aussichtsreichen Positionen wird zu selten konsequent geschossen, zumal sich solche Chancen im Spiel nur selten ergeben.

3. Drittel

Die erste Berner Chance im Schlussdrittel hatte Samuel Kreis in der 44. Minute, doch Wüthrich parierte ohne Mühe. Kurz darauf folgte eine Doppelchance durch Lindholm, nachdem zuvor bereits Merelä und später auch Lehmann den Führungstreffer verpasst hatten. Der SCB erhöhte nun den Druck. Wüthrich bekam zunehmend Arbeit, hielt sein Tor aber weiterhin sauber.

In der 53. Minute bot sich Bern bei einem 2-gegen-1 mit Marchon und Ejdsell eine grosse Möglichkeit, doch Marchon traf nur die Torumrandung. Ambri blieb mit Einzelaktionen stets gefährlich. Das Spiel konnte weiterhin in beide Richtungen kippen, auch sechs Minuten vor Schluss. Phasenweise schien es, als wollten beide Teams das torlose Remis verwalten.

Doch in den letzten Minuten zog der SCB plötzlich an. Kreis scheiterte 4:25 vor dem Ende erneut an Wüthrich, wenig später vergaben Lehmann, Müller, erneut Lehmann und auch Häman Aktell aus kürzester Distanz beste Möglichkeiten – teils vor offenem Tor.

Unglaublich, dass der SCB erst drei Minuten vor Schluss diesen Gang höher schaltete. Der entscheidende Widersacher stand jedoch wie so oft im Weg: Ambri- und ex-SCB-Goalie Philip Wüthrich.

Overtime & Shootout

In der anschliessenden Verlängerung brachte sich Ambri selbst in Bedrängnis, als Zwerger mit einer unnötigen Strafe den SCB zu einem 4-gegen-3-Powerplay einlud. Bern nahm ein Time-out, setzte sich fest, und Wüthrich geriet mehrfach in Bedrängnis.

Erschwerend kam hinzu, dass Heim zeitweise mit einem gebrochenen Stock agieren musste. Doch selbst in Überzahl offenbarte sich erneut die Schwäche des Berner Powerplays – ein Treffer gelang nicht.

So musste das Penaltyschiessen entscheiden. Dieses erwies sich in dieser Saison immerhin als Paradedisziplin des SC Bern. Noch nie verloren die Mutzen ein Shootout, bis auf heute. Alle Schützen vergaben. Es stand ihnen Philip Wüthrich im Weg.

Stimmen zum Spiel:

Heinz Ehlers: „Wir sind schon etwas enttäuscht. In den ersten 40 Minuten war es sehr ausgeglichen, im letzten Drittel waren wir deutlich besser. Wir hatten genug Chancen, um das Spiel zu gewinnen. Es ist schwierig zu sagen, warum wir den Puck im Moment nicht reinbringen. Ja, vielleicht braucht es etwas mehr Kreativität. Meiner Meinung nach gab es aber genug gute Möglichkeiten. Im zweiten Drittel hatten wir zwei- oder dreimal 2 gegen 1-Situationen, ein 3 gegen 1 und wir kriegten keinen Schuss aufs Tor. Im ersten Drittel hatten wir auch zweimal das offene Tor vor uns. Es müssen einfach Tore geschossen werden.“

SC Bern – HC Ambri-Piotta 0:1 n.P. (0:0, 0:0, 0:0, 0:0, 0:1)

PostFinance Arena, Bern. – 15‘087 Zuschauer – Schiedsrichter: Wiegand/Staudenmann, Duc/Humair.

Tore: 65:00 Bürgler (Penalty).

Penaltyschiessen: De Luca 0:1, Ejdsell -, Bürgler 0:2, Aaltonen -, Joly -, Lehmann -, DiDomenico -, Häman Aktell -.

Strafen: 2 x 2 Minuten gegen den SC Bern, 3 x 2 Minuten gegen den HC Ambri-Piotta.

Schüsse aufs Tor: 46:22 (11:9, 11:8, 18:5, 6:0)

SC Bern: Reideborn (Ersatz: Zurkirchen); Lindholm, Loeffel; Kreis, Untersander (C); Häman Aktell, Füllemann; Kindschi; Ejdsell (PF-TS), Aaltonen, Marchon (A); Lehmann, Müller, Merelä (A); Scherwey, Graf, Vermin; Alge, Ritzmann, Schild; Levin Moser.

HC Ambri-Piotta: Wüthrich (Ersatz: Senn); Zaccheo Dotti, Virtanen (A); Zgraggen, Heed; Bachmann, Wüthrich; Isacco Dotti; Formenton, De Luca, Joly; Landry, Tierney, DiDomenico (PF-TS); Zwerger, Heim (A), Bürgler; Müller, Kostner, Grassi (C); Landry.

Bemerkungen: SC Bern ohne Simon Moser, Bemström, Baumgartner (verletzt), Rhyn, Iakovenko (überzählig), Fuss, Henauer, Weber, Riatsch, Ryser (Swiss League), Bont, Serkins, Schenk, Zürcher (Nachwuchs). HC Ambri-Piotta ohne Pestoni (verletzt), Cajkovsky (überzählig). – 61:40 Time-out SC Bern.

Resultat:

0:1 nP