Die Schweiz unterliegt Tschechien und scheidet aus
Tschechien
Schweiz
Spielbericht
Tschechien sichert sich mit einem verdienten 6:2 Sieg über die Schweiz die Halbfinalqualifikation.
Im Gedenken an die Opfer der Brandkatastrophe in der Silvesternacht in Crans-Montana tragen die Spieler der Schweizer Nationalmannschaft fürs heutige Spiel gegen Tschechien schwarze Trauerbänder.
Im Schweizer Team ist Henry heute wieder der 13. Stürmer anstelle von Haas. Im Tor steht Christian Kirsch. Sonst ist alles beim Gewohnten bei unserer Nati.
Nach knapp vier gespielten Minuten fasst sich Leon Muggli ein Herz und zieht ab von der blauen Linie. Sein Schuss ist satt und tief und findet den direkten Weg ins Tor des tschechischen Hüters Orsulak. Die Partie ist äusserst ausgeglichen. Begeht man einen Fehler, so kann das unmittelbar zur Gefahr werden. Wenn man das Drittel in zwei Hälften zerlegt, so gehören die ersten 10 Minuten den Schweizern, die zweite Hälfte eher den Tschechen.
Kurz nach Wiederaufnahme der Partie kommt der Puck zu Galvas und er fackelt nicht lange, gibt den Schuss fast ansatzlos ab und trifft ins rechte obere Eck zum verdienten Ausgleich für Tschechien. Eine Grosschance für die Schweiz in der 25. Minute: Gian Meier schliesst eine schöne Kombination ab und scheitert aber am tschechischen Goalie.
In der 27. Minute muss Mrtka wegen eines hohen Stocks für 2 Minuten auf die Strafbank. Neuenschwanders Pass im Powerplay durch die tschechische Box ist millimetergenau auf Rebers Schaufel gespielt. Reber muss nur noch hinhalten. Kurz nach Spielhälfte können die Tschechen mit einem Doppelschlag erstmals in Führung gehen. Zuerst spielt Kubiesa auf Drancak, welcher die Lücke an Kirsch vorbei findet. Und nur 40 Sekunden später trifft Jiricek. Die Tschechen sind mittlerweile zurecht in Führung. Sie haben mehr Spielanteile und die grössere Anzahl Chancen, als die Schweizer, welche immer stärker mit Defensivarbeit beschäftigt sind. Der junge Captain Sikora erzielt das vierte Tor für seine Mannschaft. Er verwertet einen Abpraller von Cihars Schuss.
Im Schlussdrittel scheinen die Tschechen noch über mehr Reserven (oder Moral) zu verfügen. Sie sind weiterhin dominanter. Das Schweizer Spiel lässt nun die Kreativität etwas vermissen. Die Tschechen powern weiter und erzielen einen weiteren Treffer durch Klima. In Überzahl erfolgt noch das 6:2 für Tschechien, welches zugleich das Schlussresultat darstellt. Die bessere der beiden Mannschaften hat gewonnen und zieht somit verdient in die Halbfinals ein. Steiner, Muggli und Körbler werden als beste Spieler des Turniers der Schweizer Mannschaft geehrt.
Jonah Neuenschwander: «Es war natürlich ein Kampf, wir hatten einen guten Start. Im zweiten Drittel sind wir dann zusammengebrochen. Das hat uns dann einen Stein in den Weg gelegt. Wir haben’s leider nicht über die Zeit bringen können. Das ist extrem schade. Aber ich bin extrem stolz auf alle. Wir haben ein gutes Turnier gespielt.» Zur WM als Ganzes sagt er, es sei natürlich unglaublich, hier spielen zu dürfen. Es sei eine Ehre, die Schweiz vertreten zu dürfen. Es mache Spass, es seien alles coole Leute hier und ein cooler Staff.
Mehr Enttäuschung und nicht so viel Freude über das Erreichte ist den Worten von Captain Muggli zu entnehmen: «Die Mannschaft hätte mehr verdient. Es ist jetzt schwierig, etwas dazu zu sagen. Sie haben Hockey gespielt, wir haben Hockey gespielt. Er hat sich das Spiel noch nicht wirklich durch den Kopf gehen lassen und ist jetzt einfach erst einmal sichtlich enttäuscht.
Coach Jan Cadieux analysiert das heutige Spiel wie folgt: «Am Ende hat etwas gefehlt heute. Wir haben gekämpft. Wir haben gesehen, die Tschechen waren sehr hungrig und sie haben uns physisch dominiert. Wir haben alles gegeben, aber etwas hat gefehlt. Und irgendwo konnten wir heute nicht in unserer Struktur bleiben. Der Wille war fast zu gross am Anfang und dann waren wir ein- oder zweimal aus der Position. Aber am Ende ich kann sagen, ich bin stolz auf die Jungs, aber es macht wirklich weh, dass wir nicht den nächsten Schritt machen konnten.
Zur gesamten Kampagne sagt er: «Wir können stolz sein, ich glaube, wir haben sehr viel gezeigt und die Leute haben über die Schweiz geredet nach diesen ersten vier Spielen und das ist sehr positiv. Und heute Abend macht es weh und am Ende ist es wie letztes Jahr, es ist ein Viertelfinal-Aus, aber wenn wir in ein paar Tagen sehen, was wir gemacht haben, dann können wir stolz sein, aber heute Abend ist es eine Riesen-Enttäuschung, weil diese Gruppe von Anfang an dran geglaubt hatte und gekämpft hatte, um etwas Spezielles zu machen.
Zur Zukunft möchte er in der Enttäuschung nicht viel sagen. «In einem Monat sind wir in Milano-Cortina. Als Assistent werde ich alles geben, damit wir eine Medaille in die Schweiz holen können. Gerade jetzt heute Abend denke ich noch an meine Jungs, ab morgen denke ich an Milano-Cortina!»
Telegramm
Tschechien – Schweiz 6:2 (0:1, 4:1, 2:0)
3M Arena at Mariucci, Minneapolis, Minnesota - Schiedsrichter: Huber/Stachowiak, LaPointe/Makinen.
Tore: 03:47 Muggli (Ustinkov, Aeschlimann) 0:1; 20:54 Galvas (Sikora, Nestrasil) 1:1; 26:43 Reber (Neuenschwander, Steiner; Ausschluss Mrtka) 1:2; 30:28 Drancak (Kubiesa, Klima) 2:2; 31:12 Jiricek (Benak, Poletin) 3:2; 35:32 Sikora (Cihar, Klima) 4:2; 50:25 Klima (Kubiesa, Fibigr) 5:2; 57:37 Fibigr (Cihar; Ausschluss Johnson) 6:2.
Strafen: 4 x 2 Minuten gegen Tschechien, 5 x 2 Minuten gegen die Schweiz.
Schussverhältnis: 43:20 (10:9, 19:8, 14:3)
Tschechien: Orsulak (Marik); Fibigr, Jiricek; Galvas, Mrtka; Man, Psenicka; Dravecky; Sikora, Cihar, Nestrasil; Benak, Poletin, Curran; Hoch, Novotny, Chludil; Drancak, Klima, Kubiesa; Titlbach.
Schweiz: Kirsch (Neuenschwander E.); Muggli (C), Ustinkov; Johnson, Sansonnens; Blessing, Meier (A); Lehmann; Wey (A), Neuenschwander J., Reber; Antenen, Grossniklaus, Steiner; Mottard, Körbler, Aeschlimann; Waidacher, Borradori, Cattin; Henry.
Bemerkungen: Tschechien ohne Stebetak und Zemlicka; Schweiz ohne Lachat, Geisser und Haas; Best Player Tschechien: Klima; Best Player Schweiz: Muggli.
