Schweiz besiegt Deutschland souverän und steht im Viertelfinale

Von Rolf Schwarz
Schweiz
4
2 - 2 - 0
Deutschland
0
0 - 0 - 0
30.12.2025
long.u20
2:0‧2:0‧0:0
Spielbericht

Mit einer überzeugenden Teamleistung und einem diskussionslosen 4:0 Sieg über Deutschland zieht die Schweiz vorzeitig ins Viertelfinale der U20-WM ein.

Die Schweiz kann heute mit einem Sieg über Deutschland vorzeitig die Viertelfinalqualifikation sicherstellen. Zwar sind bislang beide Teams sieglos, die Deutschen haben aber heute bereits ihr letztes Quali-Spiel und müssen zwingend punkten, wollen sie nicht in die Relegation. Captain Tobias Schwarz sagt nach dem Spiel gegen die Schweden, dass sie fürs heutige Spiel gegen die Schweiz weniger Strafen nehmen dürfen, zudem seien Teamgeist und Siegeswille gefordert.

Coach Jan Cadieux lässt nahezu unverändert spielen gegenüber zuletzt. Nik Lehmann rutscht anstelle von Mischa Geisser als 7. Verteidiger ins Team. Kimi Körbler wird im 3. Block eingesetzt, Henry ist der 13. Stürmer. Im Tor steht heute wieder Christian Kirsch. Bei Deutschland gibt’s im Tor ebenfalls wieder einen Wechsel. Neisse ist der Starting Goalie.

Nach 02:40 kann die Schweiz ein erstes Mal in Überzahl agieren. Das Powerplay ist noch nicht erfolgreich, viel hat aber nicht gefehlt zum ersten Tor. Die Formation stand gut und liess die Scheibe ordentlich laufen. In der 6. Minute gibt’s eine erste vielversprechende Chance, als Johnson über links auf Henry passt und dieser Neisse ein erstes Mal prüft. Die Schweiz ist sehr aktiv und sucht den Abschluss immer wieder. Selbst bei numerischem Gleichstand können sie sich häufig im deutschen Drittel festsetzen und kommen zu Chancen. Richtig Gefahr bedeutet dies aber vorerst noch nicht, da Vieles zu durchsichtig ist. Deutschland lässt erstaunlich viel zu in den ersten 10 Minuten und ist mehrheitlich mit Defense beschäftigt. Kimi Körbler erzielt das 1:0 in der 12. Minute: Die Schweizer haben wieder ihre «Powerplay-Formation» aufziehen können und bei einem an sich harmlosen Schuss aufs Tor ist dort Körbler vergessen gegangen. Er nimmt die Scheibe an, dreht sich und schiesst problemlos ein. Knapp 90 Sekunden später legt Reber einen drauf – diesmal effektiv in Überzahl. Muggli und Steiner sind die Passgeber. Nach 15 Spielminuten wandert Ustinkov auf die Bank wegen Behinderung. Es gibt zwar ein paar Aktionen, wo Kirsch eingreifen muss, aber die Strafe verstreicht ungenutzt durch die Deutschen. Deutschland ist mittlerweile etwas besser ins Spiel gekommen, aber die Schweiz hat klar mehr Spielanteile und ist zur ersten Pause verdient mit 2:0 in Führung bei 19:7 Schüssen aufs Tor.

Im Alleingang erzielt Körbler den dritten Treffer, kaum hat das Mitteldrittel wieder begonnen. Er luchst einem Deutschen die Scheibe ab, kämpft sich Richtung Tor und vernascht Neisse, indem er die Scheibe backhand über seine Schoner schlenzt. Ein klassisches Bully – Goal in der 27. Minute: Paul Mottard gewinnt das Bully. Sansonnens passt zu Johnson und der zieht ab zum 4:0. Mit dem Zwischenresultat sind die Deutschen noch gut bedient. Denn der Game Plan der Deutschen, weniger Strafen zu nehmen, hat nicht funktioniert. Zwar sind die Tore mehrheitlich bei 5:5 gefallen, aber in Unterzahl können die Jungs von Coach Abstreiter natürlich keine Chancen kreieren und bringen sich selbst um die Früchte ihrer Arbeit. Es ist definitiv nicht der Tag der Deutschen, sie liefern kein gutes Spiel ab. In den letzten 10 Minuten wird die Gangart etwas ruppiger. Der Frust scheint mitzuschwingen auf deutscher Seite. Unfair wird die Partie deswegen aber nicht. Aus Schweizer Sicht ist es schön, zu sehen, dass die Spielfreude auch bei diesem klaren Resultat unverändert da ist und jeder für jeden rennt. Die Schweizer suchen bis zum Schluss nach wie vor vehement den Abschluss aufs Tor und arbeiten weiter wie in den ersten beiden Dritteln. Weitere Tore fallen jedoch nicht mehr. Goalie Kirsch darf einen verdienten Shutout feiern. Mit diesem 4:0 Sieg ist das Minimalziel erreicht und die Schweizer können das morgige Spiel gegen die Slowakei mit etwas weniger Druck angehen.

Doppeltorschütze Kimi Körbler vom EHC Kloten nimmt wie folgt Stellung zum Spiel: «Ich glaube, es war ein gutes Spiel von uns. Wir haben alles gut forecheck und backcheck gemacht, gut und smart gespielt. Wichtig war es, die zwei Tore im ersten Drittel zu schiessen. Alles wussten dann, wo das Spiel hingeht und dann haben wir’s glaube ich schlau runtergespielt am Schluss.» Auf die Frage, was jetzt gegen die Slowakei morgen gemacht werden müsse, sagt Kimi, erst mal sei «Gut essen» und «Recovery» wichtig. Vorbildlich ist der junge Stürmer auch umgegangen mit der Situation, dass er in den ersten beiden Spielen nur 13. Stürmer war. «Mein Mindset war eh, ich bin da, ich mache das Beste draus, in welcher Situation auch immer ich bin. Logisch, man will so viel wie möglich spielen, aber ich sagte mir, jetzt einfach voll durchbeissen, was der Coach machen will und ich bin heute endlich mal belohnt worden mit zwei Toren.»

Auch Joel Grossniklaus beginnt im Interview mit dem Thema «Belohnung». Er ist der Meinung, sie hätten in den letzten Tagen gegen die USA und Schweden bereits schon sehr gute Spiele gemacht, seien aber nicht belohnt worden. Den Schwung der beiden guten Spiele wollten sie heute mitnehmen und hätten das Spiel heute damit souverän abschliessen können. «Wir wollten heute einfach alles genau gleich weiterziehen und ich bin froh, hat’s heute geklappt. Es ist eine sehr gute Teamleistung gewesen.» Das ist seine Erklärung dafür, weshalb es heute anders war als zuletzt in den ersten beiden Spielen.

Telegramm

Schweiz – Deutschland 4:0 (2:0, 2:0, 0:0)

Grand Casino Arena, Saint Paul, Minnesota - Schiedsrichter: Jobbagy, Osterberg, Allan/Pekkala.

Tore: 11:42 Körbler (Meier, Blessing) 1:0; 13:10 Reber (Muggli, Steiner; Ausschluss Kose) 2:0; 21:08 Körbler 3:0; 26:10 Johnson (Sansonnens, Mottard) 4:0.

Strafen: 4 x 2 Minuten gegen die Schweiz, 6 x 2 Minuten gegen Deutschland.

Schussverhältnis: 46:20 (19:7, 15:4, 12:9)

Schweiz: Kirsch (Neuenschwander E.); Muggli (C), Ustinkov; Johnson, Sansonnens; Blessing, Meier (A); Lehmann; Wey (A), Neuenschwander J., Reber; Antenen, Grossniklaus, Steiner; Mottard, Körbler, Aeschlimann; Waidacher, Borradori, Cattin; Henry.

Deutschland: Neisse (Vieillard); Pape, Hense; Händel, Kose; Kretzschmar, Bleicher; Mahler; Seidl, Schwarz (C), Lewandowski; Willhöft (A), Boos, Schäfer; Griva, Kose, Pul; Spath Mariscal; Maul (A), Schütz; Sager.

Bemerkungen: Schweiz ohne Geisser und Lachat; Deutschland ohne Schams, Schneider und Stuhrmann; Best Player Schweiz: Körbler; Best Player Deutschland: Neisse.

Resultat:

4:0