Bittere Niederlage gegen Schweden nach zwischenzeitlicher Führung

Von Rolf Schwarz
Schweden
4
1 - 0 - 3
Schweiz
2
1 - 1 - 0
28.12.2025
long.u20
1:1‧0:1‧3:0
Spielbericht

Die Schweizer Junioren-Nationalmannschaft zeigt auch im zweiten Spiel gegen einen hochkarätigen Gegner Schweden eine sehr gute Partie, verliert aber mit 2:4.

Nach der gestrigen Partie gegen die USA war heute Morgen um 07.45 Uhr bereits wieder ein kurzes, 30-minütiges Training angesagt. Viel Zeit, die Batterien wieder zu laden, stand somit nicht zur Verfügung. Jan Cadieux nimmt keine Veränderungen in Line-up seiner Feldspieler vor und vertraut zurecht auf dieselben Kräfte wie im Spiel gegen die USA. Im Tor beginnt heute Neuenschwander.

Von Null auf 100 in wenigen Sekunden: Nach knapp 30 Sekunden trifft Muggli aus Distanz den entfernten Pfosten. Dann erobert Sahlin Wallenius die Scheibe an der Bande, kämpft sich ins gegnerische Drittel und bedient Nilson, welcher Goalie Neuenschwander in der falschen Ecke erwischt und so das 1:0 für Schweden erzielt noch bevor die erste Spielminute um ist. Nach gut 3 Minuten muss Geisser auf die Strafbank für ein «Beinstellen». Die Schweizer überstehen diese erste Belastungsprobe und in der Folge kehrt etwas Ruhe ins Spiel zurück. Schweden hat zu der Phase mehr Spielanteile, die Schweiz hält aber gut mit und kann auch ein zweites Unterzahlspiel, als Aeschlimann, wegen Stockschlags für 2 Minuten auf die Bank muss, erfolgreich ohne Gegentreffer überstehen. Das scheint die Schweizer Moral bestärkt zu haben. Mit zunehmender Spieldauer werden die Aktionen der CH-Nati besser und gipfeln im Ausgleichstreffer: Beni Waidacher erzielt auf Zuspiel der beiden Verteidiger Captain Muggli und Ustinkov. Cattin hat Goalie Harenstam noch erfolgreich die Sicht verdeckt. Bei der ersten Strafe gegen Schweden wegen eines Haltens von Ohrqvist wäre noch mehr drin gelegen, allerdings muss Neuenschwander auch einmal in extremis abwehren. Mit 13 zu 16 Schüssen aufs Tor zugunsten der Schweiz gestaltet sich das erste Drittel durchaus ansprechbar.

Wegen «Behinderung» wandert Muggli nach 5 Minuten im Mitteldrittel für zwei Minuten auf die Bank. Elijah Neuenschwander im Schweizer Tor muss ein paar Mal halten in dieser Phase, aber so richtig brenzlig wird’s bei der Strafe gegen die Schweiz nicht. Es ist ein Duell auf Augenhöhe. Die Partie ist sehr flüssig und schnell. Ungenaue Abspiele werden meist zur leichten Beute für den Gegner. So neutralisieren sich die beiden ebenbürtigen Teams und dementsprechend sind Torszenen in diesem Mittelabschnitt eher Mangelware. Kurz vor Ablauf des Drittels braucht’s für die Schiris eine Videokonsultation, um festzustellen, ob die Schweiz ein zweites Tor erzielt hat. Steiner schiesst auf Zuspiel von Muggli. Der Puck springt aber direkt wieder aus dem Tor und das Spiel läuft weiter. Erst im Nachhinein wir der Treffer gegeben und so kann die Schweiz mit einer Führung zur zweiten Pause gehen.

Aus der Schlussphase des Mitteldrittels läuft noch eine Strafe gegen Jonah Neuenschwander, den jüngeren Bruder des Goalies, wegen Haltens. Und eine Sekunde nach Ablauf der Strafe hämmert Viggo Bjorck den Puck auf Zuspiel von Freij und Frondell unter die Latte zum 2:2 Ausgleich. In der 44. Minute trifft Freij den Pfosten. Der Treffer hat den Schweden wieder etwas Aufwind gegeben und sie suchen nun wieder energischer den Abschluss aufs Schweizer Tor. Nach einem Scheibenverlust im Aufbau können die Schweden Profit daraus schlagen: Pettersson trifft auf Zuspiel von Danielsson und Nilson zum 3:2 für die Tre Kronor und die erstmalige schwedische Führung in diesem Spiel. Der Schweiz bietet sich die Gelegenheit, wieder auszugleichen, als Hakansson wegen eines Beinstellens für 2 Minuten auf die Strafbank muss. Schweden übersteht die Unterzahl aber unbeschadet. Den Schweizern fehlt nun etwas das Rezept, um die mit neuem Selbstvertrauen ausgestatteten Schweden in Bedrängnis zu bringen. Jan Cadieux nimmt erwartungsgemäss früh den Torhüter raus. 46 Sekunden vor Ablauf der Zeit kann Schweden den Empty netter erzielen und das Spiel für sich entscheiden.

«Wir haben wieder über lange Zeit ein recht gutes Spiel gemacht. Aber am Ende musst Du über 60 Minuten gut spielen, um so ein Spiel zu gewinnen und das haben wir jetzt drei Mal nicht gemacht. Für die zwei nächsten Spiele ist es jetzt einfach wichtig, dass wir vom ersten bis zum letzten Shift gutes Hockey spielen.» führt Gian Meier im anschliessenden Interview aus. Nachgefragt auf die Stimmung im Team sagt er uns, dass alle immer noch recht positiv seien, weil ihnen bewusst sei, dass sie jeden Gegner schlagen können, wenn sie gutes Hockey spielen.

Coach Cadieux: «Wir hatten schwierige erste 10 Minuten. Schweden war viel besser. Danach hatten wir unseren Weg gefunden und es war viel besser. Bis zu Beginn des 3. Drittels waren wir im Spiel, hatten sehr diszipliniert gespielt. Vielleicht haben wir 1 – 2 Strafen zu viel genommen. Das war schon gestern so und das muss besser werden. Wir haben gekämpft, wir sind gelaufen. Aber am Ende machen wir ein, zwei Fehler zu viel und das wir auf diesem Niveau sofort bestraft.» Am morgigen Tag werde das Wiederaufladen der Batterie – mental und physisch (es gibt eine kleine Eiseinheit von 30 Minuten) im Zentrum stehen. Auf die Frage, ob er wie nach dem gestrigen Spiel immer noch der Meinung sei, auf Kurs zu sein, erläutert er, dass sie vom Spielerischen her auf Kurs sind und nach diesen zwei Spielen 3, 4, 5 Punkte auf dem Konto haben könnten. Es sei frustrierend, weil man jetzt bei Null sei. Wichtig sei es darum jetzt, dem eigenen System treu zu bleiben und auch bei anderen Gegnern nicht etwas zu wechseln.

Telegramm

Schweden – Schweiz 4:2 (1:1, 0:1, 3:0)

Grand Casino Arena, Saint Paul, Minnesota - Schiedsrichter: Mejzlik/Wuorenheimo, Allan/LaPointe.

Tore: 00:53 Nilson (Sahlin Wallenius) 1:0; 14:27 Waidacher (Muggli, Ustinkov) 1:1; 38:22 Steiner (Ustinkov, Muggli) 1:2; 40:57 Bjorck V. (Freij, Frondell) 2:2; 46:28 Pettersson (Danielsson, Nilson) 3:2; 59:13 Pettersson (Stenberg; Empty net) 4:2.

Strafen: 3 x 2 Minuten gegen Schweden, 5 x 2 Minuten gegen die Schweiz.

Schussverhältnis: 30:30 (13:15, 7:8, 10:7)

Schweden: Harenstam (Liv); Carell, Sahlin Wallenius; Boumedienne, Ohrqvist; Freij, Hakansson; Johansson; Nilson, Eklund (A), Frondell; Genborg, Bjorck V., Stenberg; Berglund (C), Krantz, Pettersson (A); Juustovaara, Eriksson, Gastrin; Danielsson.

Schweiz: Neuenschwander E. (Kirsch); Muggli (C), Ustinkov; Johnson, Sansonnens; Blessing, Meier (A); Geisser; Wey (A), Neuenschwander J., Reber; Antenen, Grossniklaus, Steiner; Mottard, Aeschlimann, Henry; Waidacher, Borradori, Cattin; Körbler.

Bemerkungen: Schweden ohne Goos, Gustafsson und Bjorck W.; Schweiz ohne Lachat; Best Player Schweden: Bjorck V.; Best Player Schweiz: Steiner.

Resultat:

4:2